Kočevje Špila : Strip

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Herausgegeben von: Društvo kočevskih glasbenikov
Erscheinungsdatum: 13.12.2018
Produktion: verschiedene Produzenten
Finalisierung der Audioaufnahmen: Robi Bulešić
Genre: Kompilation / Various Artists
Offizielles BandCamp-Profil


Jeder fröhliche Dezember wird von einer Kompilation der Kočevje špila begleitet. Die neue heißt »Strip« und ist bereits die siebte in Folge. Diesmal ist sie einen Tick kürzer ausgefallen, denn Künstler und Songs, die es auf sie geschafft haben, sind insgesamt nur zwölf.

Wie immer hat sich auch diesmal die verantwortliche Crew, die dafür sorgt, dass kein Jahr vergeht ohne eine Auswahl des Besten, was die Region Kočevje in  musikalischer Hinsicht zu bieten hat, das raffinierte Design einer äußerst kühnen und gelungenen Verpackung des Produkts nicht nehmen lassen – die uns durch Comic-Anekdoten aus Kočevje und Umgebung in die musikalische Akte von zwölf Songs führt. Jeder Song hat seine eigene Geschichte, die im Comic verbildlicht wird. An Originalität mangelt es nicht. Eben diese Originalität führt mit durchdachten Ideen zur Verwirklichung von Authentizität – und das ist das Entscheidende.

»Strip« startet punkmäßig. Old-School-punkmäßig. Ohne überflüssige Schnickschnackerei irgendeiner Zablujenci usw… Direkter, frontaler – und mit einem verinnerlichten Gespür dafür, was eine elementare slowenische Punk-Rock-Haltung ist, als sie Sintetika mit dem Song  Zadrega heute im Blut tragen, findest du das einfach nicht.  Auf der Kompilation halten im Anschluss  Charlie Butter Fly mit dem stark ausgearbeiteten und definierten  Muza die alternativrockige Andacht aufrecht. Schwarze erotische Verderbnis mit einer äußerst einfallsreichen schrittweisen Steigerung des Drama-Theaters in den Refrain. Die rohe Produktion mit einem mutigen Gitarrensolo im Ausstiegsteil wiegt trotz all dieser Ambitionen allerdings die überflüssige Spielminute auf (der Track ist etwas zu lang).  In diese Liga lässt sich auch Finally Free einreihen, angeführt von Vokalistin Nika S, der eine spürbare Pop-Ästhetik innewohnt, die sich aber durch die Produktion geschickt in Alter-Rock-Gefilden hält. Pop-Songs fehlen diesmal auf der Kompilation eigentlich ganz – was durchaus eine Überraschung ist. Am nächsten kommen dem wohl noch Estrellas mit Brez moči.

Zum Metal. Die unerbittlichen Thrasher Nčodnč haben wieder einen messerscharfen und kompromisslosen »Haken ins blöde Gesicht« abgeliefert – wutentbrannt und bösartig galgenhumoristisch mit We Are Gone, das diesmal allerdings auf den Aufbau einer düsteren »Groove«-Atmosphäre setzt und sich in mittlerem Tempo hält. Eingängiger Gesang, klassisch bestückt mit »Gang-Chören«, ganz nach Vorbild der guten alten Thrash-Metal-Schule. Im Metal bewegen sich auf der Kompilation auch Sketne mit dem Song Out Of My Element. Der ausgesprochen kontrastreiche duale Gesangsansatz von Sängerin Nastja ist das entscheidende Zünglein an der Waage. Den Song, der sich in einer Version sehr nah an der rohen Demo-Aufnahme befindet, kann ein solcher „doppelter“ Gesangsansatz aus dem Power-Metal-Mittelfeld in eine spöttischere und eingängigere Haltung heben – auch wenn der Weg zu Arch Enemy noch weit ist.

Auch Platz für elektronische Spielereien ist immer vorhanden, wenn wir über Kompilationen der »Kočevje špila« reden. Wieder dabei die rauschenden Sampler-Künstler Extended Veins (ihr elektro-noisiger Terror Blast The Radio dürfte auch Fans von The Prodigy aufhorchen lassen), in der zweiten Hälfte stößt Joe Krosher  (See You Tomorrow) dazu, mit dem eher »oldschool-tanzorientierten« und ansteckend-invasiven musikalischen See You Tomorrow, das auch in irgendwelchen Nachtclubs der seligen Neunziger hätte laufen können.

Der scharfsinnige und ewig sprühende Haudegen Roman Zupančič steuert eine Singer-Songwriter-Note zur Kompilation bei – mit einer neuen verschmitzten Geschichte aus dem kabarettigen Swing-Kosmos, PMS. Roman bleibt der vergnügt-beißende Zyniker erster Güte. Auch das Abschlusskapitel der Kompilation, nämlich der Song Molzne krave, signiert von Matthias Mallešič, lässt sich unter Singer-Songwriter einordnen. Ein gesellschaftskritisches Singer-Songwriter-Bekenntnis, das dich durch die Weidelandschaften der Kočevje-Region führt, in die sich von den Hängen her aggressiv Fichten-Monokulturen einfressen. Die tragende Phrase ist genau eine einzige und wird in der Wiederholung lästig – doch Matthias löst das sehr geschickt mit stimmlichen Einfällen, gelegentlicher Narration und geflüsterten Anreden. Auf YouTube kannst du dir gleich zehn Videos der gekürzten Version dieses Songs anschauen, wobei jedes Video eine andere visuelle Thematik trägt. Über Sitten und Bräuche aus der Ecke von Kočevje predigt sehr anschaulich auch Primož Turk mit seinen Skrajneži in der Mini-Tragikomödie Letos huda zima bo. Falls du noch immer nicht weißt, wie es klingt, wenn auf dem Kočevje eine Motorsäge singt, wird dir das Primož Turk unmissverständlich zeigen.

Auf keinen Fall darf man aber die großen Exoten der Kompilation übersehen. Da wären nämlich die rein instrumentalen Jazz-Rock-Fusionisten  (mit RIO-Avant-Zügen) 4 Dementions und der Song Četrtica. Tatsächlich eine Band, die auf ihre ganz eigene Art besonders ist und in jeder Hinsicht anders – ein Garant dafür, dass jede solche Kompilation noch interessanter und abwechslungsreicher wird. Eine Besetzung, die sich, sollte sie endlich ihr Debüt veröffentlichen, ähnlichen slowenischen instrumentalen Fusion-Bands anschließen könnte. Davon gibt es zwar sehr, sehr wenige – doch jede einzelne davon stellt ein absolutes musikalisches Unikat dar, weshalb man sie eigentlich per offiziellem Dekret unter Schutz stellen müsste.

»Strip« erreicht sein Ziel. Mehr war auch nicht zu erwarten. Nach sechs veröffentlichten Kompilationen der Kočevje špila sind auch wir ein bisschen verwöhnt geworden – und die siebte Kompilation verwöhnt uns dankbar weiter. Ein anspruchsvolles Projekt, das aber beweist, wie verdammt harte Nüsse wir Slowenen sein können, wenn wir uns zusammentun. Fragt die Leute aus Kočevje. Respekt.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.0 / 10

Trackliste:
1. Sintetika – Zadrega (03:05)
2. Extended Veins – Blast the Radio (02:49)
3. Primož Turk & Skrajneži – Letos huda zima bo (03:15)
4. Charlie Butter Fly – Muza (05:29)
5. Estrellas – Brez moči (04:59)
6. Nčodnč – We Are Gone (03:33)
7. Roman Zupančič – PMS (03:35)
8. Joe Krosher – See You Tomorrow (03:47)
9. Sketne – Out of My Element (03:49)
10. Nika S – Finally Free (03:28)
11. 4 Dementions – Četrtica (06:07)
12. Matthias – Molzne krave (04:26)


Primož Turk & Skrajneži – Letos huda zima bo (Audio)
Roman Zupančič – PMS (Audio)
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