Iron Savior : Reforged – Riding On Fire
Label: AFM Records
Veröffentlichungsdatum: 22.11.2017
Albumlänge: 94.32 min
Produktion: Piet Sielck
Genre: Heavy Metal
Die Veteranen des deutschen Power Metal Iron Savior haben im Dezember dieses Jahres ein Doppel-Kompilationsalbum mit neu aufgenommenen Klassikern ihrer Karriere unter dem Titel „Reforged – Riding On Fire“ veröffentlicht. Iron Savior haben sich zu diesem Schritt entschieden, weil viele Fans ihrer Musik die Originale der Songs nicht mehr erwerben können – vor allem wegen Problemen mit den Urheberrechten, die beim insolventen Label Noise Records liegen, bei dem Iron Savior zwischen 1997 und 2004 ihre ersten vier Studioalben veröffentlichten.
„Reforged – Riding On Fire“ bietet auf zwei CDs Material, das nach dem Prinzip „Best of the Best“ zusammengestellt wurde. Es handelt sich dabei um einen Querschnitt durch die frühe Karriere der Band. Tatsächlich werden bei dieser Kompilation alle eingefleischten Fans des deutschen Power Metal und von Iron Savior zugreifen – alte wie neue. Die Idee ist wirklich goldrichtig, denn die älteren Alben – das gleichnamige Debüt »Iron Savior«, sein Nachfolger »Unification« sowie die nicht minder hervorragenden Nachfolger »Condition Red« und »Battering Ram« – sind schon seit langer Zeit in keinem Plattenladen mehr zu bekommen.
Iron Savior-Frontmann Piet Sielck ist einer der erfahrensten Gurus des Power Metal auf dem alten europäischen Kontinent. Wer den Mann auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass er eine Schlüsselrolle bei der Formung der frühen Helloween gespielt hat und mit seinem Können als Soundingenieur den Blind Guardian-Alben aus der frühen Phase ihres Schaffens die Seele eingehaucht hat – als die Band noch ihren Aufstieg auf der internationalen Bühne erklomm. Piet Sielck gilt als einer der größten Meister der Produktion des »Hamburger Power Metal«. Die Idee, die Iron Savior-Klassiker von den ersten vier Alben der Band neu aufzufrischen – beziehungsweise das Wohlwollen von AFM Records, sie wieder zu veröffentlichen – hat er mit offenen Armen aufgegriffen und sich, wie er es gewohnt ist, mit seiner bekannten filigranen Präzisionsarbeit ins Werk gestürzt. Sielck ist bekannt als außerordentlich guter Sänger und Gitarrist. Da er nicht nur Chef und Gründer der Band ist, sondern auch der Hauptkomponist und Songschreiber von Iron Savior, war es natürlich er, der die Songs ausgewählt hat, die eine klangliche und arrangementtechnische Auffrischung erleben sollten.
Im neuen Klanggewand sind die Songs ein veritabler Zerstörungstornado, und qualitative Unterschiede zwischen den beiden CDs dieser Kompilation gibt es keine. Die Tracks folgen keiner chronologischen Reihenfolge, sondern sind kreuz und quer gemischt. Sielck hat in den neuen Versionen stellenweise die Melodieführung der Hauptmelodien leicht angepasst. Angesichts seiner Erfahrung und der 20 Jahre seit dem Debüt behält der Mann eine unglaubliche stimmliche Kraft und Durchschlagskraft. So sind manche Gesangslinien in den neuen Versionen noch anspruchsvoller angelegt – in dem Sinne, dass man noch mehr Atem braucht, um sie in den höchsten Passagen sauber hinzubekommen. Auch die Soli haben hörbare Korrekturen erfahren, und stellenweise wurden in den Übergangspassagen Gitarrenornamente angepasst oder neu hinzugefügt. Was für Sielck aber am reizvollsten ist, kommt erst noch: das Ringen mit dem Klangbild der neu aufgefrischten Klassiker der Band. Die hauen allesamt mit einer unglaublichen Schärfe der Gitarrenphrasen rein, die sich mit einer fett-massiven Klangwand positionieren, aus der die außerordentliche Schärfe des Power-Metal-Ethos der echten Hamburger Schule sprüht. Tiefer geht’s nicht!
Interessant ist, dass Iron Savior im Vergleich zu Sielcks Zeitgenossen, die bei Gamma Ray und Helloween tätig sind, dem Stil, den das Debüt »Iron Savior« vorgegeben hat, am verbissensten treu geblieben sind. In dieser Hinsicht gibt es auch keine qualitativen Schwankungen zwischen den Alben, die sie veröffentlicht haben – weder bei den ersten vier noch bei den späteren.
Diese Kompilation erinnert unglaublich an einen ähnlichen Schachzug von Gamma Ray, die im Jahr 2000 die hervorragende Doppel-CD-Kompilation »Blast From the Past« veröffentlichten. Auf „Reforged – Riding On Fire“ stimmt alles so wie es soll – und ist stellenweise sogar besser als die Originale. Piet Sielck weiß es, kann es, versteht es und bringt es natürlich auch. Die Songs stehen qualitativ vollkommen gleichwertig nebeneinander, als außerordentliche Power-Metal-Sturmbrigaden, vollgepackt mit dem Herzensfeuer einer hungrigen epischen Dramatik. Beide CDs sind also, neben Sielcks endlich erfüllten »Kapricen« – als unverbesserlicher Perfektionist hat er mit der Veröffentlichung dieser Kompilation einen sehr guten Vorwand bekommen, einige Dinge in Arrangements und Sound zu korrigieren – für den Hörer ein echter Leckerbissen. Wie gesagt: nicht nur für Iron Savior-Fans, sondern ganz allgemein für jeden wahren Liebhaber der Hamburger Schule des Power Metal.
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 10 / 10
Trackliste:
CD 1.:
01. Riding On Fire
02. Battering Ram
03. Brave New World
04. Prisoner Of The Void
05. Titans Of Our Time
06. Eye To Eye
07. For The World
08. Mindfeeder
09. Watcher In The Skye
10. Mind Over Matter
CD 2.:
11. Warrior
12. Iron Savior
13. Tales Of The Bold
14. No Heroes
15. Break The Curse
16. Condition Red
17. Protector
18. I’ve Been To Hell
19. Atlantis Falling
Besetzung:
Piet Sielck – Gesang, Gitarre
Joachim „Piesel“ Kuestner – Gitarre
Jan S. Eckert – Bassgitarre
Patrick Klose – Schlagzeug