Megadeth: Megadeth

Tradecraft/BLKIIBLK 2026
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Label: Dave Mustaine’s Tradecraft / BLKIIBLK
Erscheinungsdatum: 23. 1. 2026
Produktion: Dave Mustaine
Albumlänge: 47.17 min
Genre: Thrash Metal
Bewertung: 8.5/10


Megadeth! Eine Band, deren bloßer Name schon eine Welle unbeschreiblicher Emotionen auslöst. Da ist es! Das siebzehnte Studioalbum der Band und – so jedenfalls die sehr ernsten Ankündigungen des großen Anführers Dave Mustaine – auch ihr letztes.

Nach der Renaissance bzw. dem reifen Aufblühen, das das hervorragende Album „Dystopia“ (2016) mit sich brachte, und dem glaubwürdigen Festhalten an diesem neu entfachten Schwung auf dem Nachfolger „The Sick, The Dying… And The Dead!“ (2020), stellt das schlicht „Megadeth“ betitelte Album auch einen sehr würdigen Abschluss eines gigantischen Gesamtwerks dar, hinter dem der Name der Band steht. Eine Band, die eine Reihe von Höhen und Tiefen durchgemacht hat. Eine Band, die nichts mehr beweisen muss.

„Megadeth“ ist ein außerordentlich kompaktes Album. Von Anfang bis Ende. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Aus einem Guss. Mustaine übertreibt es diesmal nicht mit der Anzahl der Tracks. Je mehr Songs, desto größer die Gefahr stilistischer und qualitativer Abweichungen zwischen ihnen. Das gibt es hier nicht. Elf Stücke hat Mustaine auf das Album gepackt – darunter eine neue Version des Metallica-Klassikers Ride The Lightning, deren Existenz in neuem Gewand wohl am meisten dem Schöpfer selbst etwas bedeutet: Herrn Mustaine persönlich. In dieser neuen Fassung geht er respektvoll mit dem klassischen Sound des Originals um, was bedeutet, dass der Song keine wesentliche Schönheitsoperation hinter sich hat. Man kann ihn als Bonus zählen. Als perfekte Zugabe. Und stell dir mal vor, was gewesen wäre, hätte Megadeth den Track kurz nach Mustaines Rauswurf bei Metallica aufgenommen. Mit einem zwanzigjährigen (plus ein paar Zerquetschte) Dave? Der hätte noch brutaler reingehauen!

Im Grunde sind es also (nur) zehn Songs. Das Album ist genau deshalb so kompakt, weil diese zehn Tracks nach demselben Rezept gebacken sind – jenem Rezept, das Mustaines Meisterschaft in den Achtzigern begründete und Megadeth an die Spitze des Thrash-Metal-Genres katapultierte. Im Glanz altbewährter Innovationen, bei denen Mustaine stets die Gewinnerkarten auf dem Tisch hatte, wenn es darum ging, wer die besten Riffs im Metal schreibt, bringt das neue Werk den Aufprall aktueller Produktionserrungenschaften mit der Bildhaftigkeit zahlreicher Parallelen, die an die Alben „So Far, So Good… So What!“, „Rust in Peace“, „Countdown to Extinction“ und „Youthanasia“ erinnern! Es liest sich wie eine Sammlung von B-Seiten verlorener Songs jener Alben – oder wie ein Strauß von Phrasen, die Mustaine in seinen Archiven für das große Finale aufbewahrt hat. Will jemand mehr? Auf keinen Fall. Wenn das wirklich das letzte Album der Band ist, dann ist es die beste Version von Dave Mustaine seit seiner Wiedergeburt mit „Dystopia“. Erwähnenswert ist allerdings eine alte Geschichte: Dave ist stimmlich müde. Aber auch auf dem neuen Album presst die Produktion aus seinem Gesang ein angenehmes Maß an Giftspucken heraus, das für ein solches Album unerlässlich ist! Zwingend notwendig.

Das Album wird furios gespielt. Das Quartett ist schlichtweg tödlich. Die Präzision ist außergewöhnlich. Die Rhythmussektion traumhaft in ihrer Funktion. Die Harmonie von Dirk Verbeuren und James LoMenzo verschlägt einem den Atem! Mustaine und Teemu Mäntysaari funktionieren tadellos. In Harmonien, wildem Solieren, messerscharfem Phrasing. Loureiros Abgang ist vergessen. Die Gitarrenarbeit lehnt sich also an klassische Zeiten an – nicht nur im Ansatz, sondern auch in der neuen Produktion wirkt das Zusammenspiel der beiden Gitarren sogar „heller“ und klassischer, als es beim ausgesprochen düsteren Vorgänger „The Sick, The Dying… And The Dead!“ der Fall war.

Tipping Point, I Don´t Care, Let There Be Shred und Puppet Parade sind die Verkörperung des klassischen Megadeth-Thrash-Metal-Sturmangriffs, angeheizt durch den rohen Schmutz des Punk (besonders I Don’t Care), und tragen mehr Parallelen zu den Zeiten des Rest In Peace-Albums in sich. Dann gibt es Momente wie Hey God!?, der wie ein verlorener Moment der Alben „Youthanasia“ (1994) oder „Countdown To Extinction“ (1992) wirkt – dem schließen sich auch Another Bad Day und Obey the Call an! In diesen Momenten haben Megadeth geschickt den aktuellen künstlerischen Puls der Band (das letzte Jahrzehnt ihres Schaffens) mit der goldenen Ära ihres Wirkens verknüpft.

Wenn das wirklich das letzte Megadeth-Album ist, wie der hochverehrte Meister der besten Gitarrenphrasen – Herr Dave Mustaine – ankündigt, dann ist das ein mehr als wunderschöner Abschied der Band. Hand aufs Herz. Bands wissen meistens nicht, wann sie aufhören sollen. Angesichts von Mustaines Ankündigungen ist die Entscheidung, die Band mit dem Album „Megadeth“ zu begraben, zum richtigen Zeitpunkt gefallen. Mit einem sehr guten neuen Album, mit dem Megadeth ihren endgültigen Abschied nimmt! Amen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Tipping Point
2. I Don’t Care
3. Hey, God?!
4. Let There Be Shred
5. Puppet Parade
6. Another Bad Day
7. Made To Kill
8. Obey The Call
9. I Am War
10. The Last Note
11. Ride The Lightning (Bonustrack, orig. Metallica)

Besetzung:
Dave Mustaine – Gesang, Gitarre
Teemu Mäntysaari – Gitarre
James Lomenzo – Bass
Dirk Verbeuren – Schlagzeug


Megadeth – „Megadeth“ (2025, Dave Mustaine’s Tradecraft/BLKIIBLK)
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