Ambra: Remnant

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Erscheinungsdatum: 24. 10. 2025
Eigenveröffentlichung
Produktion: Ambra (Mix: Ben McLeod (All Them Witches), Mastering: Mikey Allred)
Genre: Alternative Metal
Bewertung: 9.0/10


Ambra, die Laibach Alternative-Metal-Formation, meldet sich mit ihrem zweiten Studioalbum „Remnant“ zurück. Das ist ein Album, das bei einem der größeren, internationalen Labels hätte erscheinen müssen, denn es erreicht in puncto Klangreife die Standards vieler etablierter Bands, die seit Jahren mit ihrem mutigen Experimentieren die klanglichen und expressiven Grenzen in den aktuellen Strömungen des extremen Metals verschieben. „Remnant“ ist eine Bestie eigener Art, die die Maßstäbe, die im Metal von global bestens etablierten Künstlern gesetzt werden, mehr als kühn und souverän aufgreift.

Die Band hat die Kultur der klanglichen Destruktivität bis in jede Studiofeinheit durchdrungen. „Remnant“ ist eine gelungene Mischung mehrerer Genres. Ein Schmelztiegel, in dem sich Elemente von Doom- und Stoner Metal mit Hardcore Punk die Hand reichen und in dem die Band mit ihrer musikalischen Ausrichtung mehr als erfolgreich mit Ideen experimentiert, was sie der Aufregung progressiv-metallischer Inhalte annähert. Die Atmosphäre auf dem Album ist schlicht vernichtend, immer wieder durchdrungen von ätzenden Nihilismus — ganz besonders, was die vokale Expression angeht.

Die sechs Jahre zwischen dem Debüt „Cor“ (2019) — mit dem die Band mehr als erfolgreich in die Sphäre neuer musikalischer Eigenbrötler der Szene eingesegelt ist und dabei absolute Aufmerksamkeit auf sich zog — haben eine Reihe neuer Ideen angesammelt, die auf dem neuen Album mit einer durchgängig nachvollziehbaren und klar wahrnehmbaren künstlerischen Reife und Weiterentwicklung gegenüber dem Debüt sprechen. Ambra ist ein Team mit klar ausgearbeitetem Fokus und musikalischer Vision, und „Remnant“ ist in dieser Hinsicht ein Werk großer Geschlossenheit. Es ist extrem kompakt formatiert. Ein Produkt mit klarem rotem Faden. Von Anfang bis Ende. Das Quintett weiß genau, was es mit seiner musikalischen Vision servieren will! Wenn dich die ersten Sekunden des Albums packen, packt dich das ganze Album.

Die massive, stahlbetonierte Klangwand tiefgestimmter Gitarren, die kompromisslos donnern, brummen und heulen, greift diesen oben erwähnten aktuellen Standard auf, den Bands wie u. a. Gojira und Mastodon gesetzt haben oder setzen! Doch Ambra gehen in den Weiten ihrer ausgesprochen düsteren Klanglandschaften noch viel, viel weiter! Das Album „Remnant“ führt eine bleierne Klangwand, durch die kein Lichtstrahl Hoffnung dringt. Wenn du durch das Album reist, vermittelt das das Gefühl, als würdest du durch den finstersten Abgrund fallen, dem kein Ende in Sicht ist — und dein Sturz erreicht niemals den Boden dieses Abgrunds. Das Album bildet einen kräftigen Kontrast und intensiviert die vokale Leistung — nennen wir es eine außerordentlich nachgelebte vokale Performance des neuen Sängers der Band, Jakob Rejec — neben der dieses felsige, langsam rollende Stampfen brillanter, nahezu makelloser Produktionsreife buchstäblich zum Leben erwacht! Mit dem neuen Vokalisten hat Ambra den idealen vokalen Akrobaten gewonnen. Er findet sich geschickt und gewandt in jede Rolle ein, die ihm zugeteilt wird. Er ist ein vokaler Chamäleon mit tausend Gesichtern. Das ist eine seltene Tugend, die Rejec besitzt und die er auf dem Album „Remnant“ mit großer Fertigkeit und Auszeichnung darbietet. Die Schwingung des Albums vermag es an Stellen u. a. auch die Aufmerksamkeit von Fans irgendwelcher Post-Hardcore-Schwergewichte wie Helmet oder der Sludge-Herren Melvins auf sich zu ziehen. Und nicht zuletzt auch von Alice In Chains.

Ambra genießen ihr Dasein, das was sie sind und das was sie tun! Mit einem solchen Fokus — genauer gesagt der Konzentriertheit der musikalischen Vision, wie sie auf dem neuesten Album spürbar ist — können sie noch weit kommen. Sie sind ätzend, gehen keinerlei Kompromisse ein und sind roh-direkt! Sie sind die Art von Band, bei der man sofort sagt: „Friss oder stirb!“ Sie entwickeln ihren Charakter, ihr eigengewachsenes Wesen. Das Album „Cor“, ein definitiver Sonderling, brachte 2019 eine äußerst willkommene Belebung der heimischen, sprichwörtlich schon viel zu oft vorhersehbaren Musikszene. „Remnant“ übertrifft die Lebhaftigkeit des Debüts und wagt es, weiter zu gehen. Es ist charakterlich ein ausgesprochen starkes Produkt. Es entführt dich in bleierne Weiten dunkler Zauber, die du noch geraume Zeit erkundest, nachdem die Platte das erste Mal in deinem Player durchgelaufen ist!

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Black and Blue (5:54)
2. Remnant (4:13)
3. Void (6:31)
4. Timeless (4:07)
5. Arcadia 404 (5:35)
6. Through My Sky (5:58)
7. Ulysses (4:29)
8. Spark (6:57)
9. The Valley (7:26)
10. Diving Dark (6:54)
11. So This Is It (4:17)

Besetzung:
Jakob Rejec – Gesang
Žiga Kroflič – Gitarre
Andrej Blatnik – Gitarre
Anže Vavpetič – Bassgitarre
Robi Rep – Schlagzeug

Weitere Musiker:
Ben McLeod – Gitarrensolo auf Track Nr. 3
Gašper Selko – Trompete auf Track Nr. 4
Jani Premužič – Gesang auf Track Nr. 12, Vokalarrangement auf Track Nr. 6


Ambra – „Remnant“ (2025, Eigenveröffentlichung)
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