XXX – Three Decades In Metal
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Hansen & Friends
Label: Ear Music Records
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 54:28
Bewertung: 4/5
Wenn überhaupt jemand, dann ganz sicher Kai Hansen! Um es ohne falsche Bescheidenheit zu sagen: der Musiker, der wohl am meisten zur Etablierung, zum Aufstieg und zur Popularisierung des europäischen Power Metal beigetragen hat. Von seinen Anfängen mit der Gründung von Helloween, die Hansen Anfang der Achtziger mitgegründet hat, über Gamma Ray bis hin zu Unisonic.
Nun, das Album Hansen & Friends könnte problemlos nur den Titel Hansen (ohne Friends) tragen, doch Kai zeigt eine bemerkenswerte Bescheidenheit gegenüber seinen musikalischen Weggefährten, mit denen er den modernen Metal geprägt hat. Kai hat sich also entschieden, nach mehr als dreißig Jahren musikalischer Tätigkeit endlich ein echtes eigenständiges Studioalbum aufzunehmen. Dafür hat er drei hervorragende Musiker um sich geschart, nämlich das Mitglied der bekannten Metalcore-Band Heaven Shall Burn Alexander Dietz (Bass), den Carcas-Schlagzeuger Daniel Widling sowie Gitarrist Eike Freese von Dark Age, der bereits bei der Klanggestaltung der letzten Gamma Ray-Alben mit Hansen zusammengearbeitet hat. Im Grunde handelt es sich also um ein Quartett, das Hansens Ideen zum Leben erweckt hat. Spieltechnisch. Für Arrangements und Songwriting hat natürlich Hansen selbst gesorgt, der als Sahnehäubchen obendrauf noch eine ganze Reihe weiterer Gäste auf das Album eingeladen hat, die auf der Metal-Szene mit ihren Beiträgen für immer ihren Stempel hinterlassen haben. Es handelt sich um Musiker, mit denen Kai über die Jahre eng verbunden ist. Allen voran die Riege seiner Hamburger Freunde aus Bands wie Blind Guardian (Hansi Kürsch), Iron Savior (Piet Sielck), dazu Roland Grapow und Michael Weikarth – Kais alte Helloween-Bekannte, der Ex-Gamma-Ray-Schreier Ralf Scheppers (Primal Fear), Kais ehemaliger Helloween-Weggefährte Michael Kiske (Unisonic) sowie der allseits sympathische Tobias Sammet (Edguy, Avantasia). Kurz gesagt: Allein schon nach diesem kurzen Überblick über einige der Gastnamen lässt sich leicht der Schluss ziehen, dass das Album »XXX – Three Decades in Metal« durch und durch ein deutsches Power-Metal-Album ist. Bis ins Mark. Tiefer und näher ran geht’s einfach nicht.
Vor uns liegt also das »autobiografische« Album von Kai Hansen, das uns direkt ins Herzstück des Wesens dieses Musikers führt. Die Kompositionen würden ohne Zweifel in einer nicht allzu anderen Geschichte problemlos auf Alben von Judas Priest oder sogar Accept funktionieren – schließlich war Hansen von diesen beiden Bands schon immer inspiriert. Vor allem aber natürlich auf praktisch allen Alben der Künstler, die wir als Hansens Zeitgenossen und typische Vertreter des deutschen Power Metal bezeichnen können: von Scanner, Helloween über Gamma Ray, Unisonic, Iron Savior bis hin zum frühen Edguy. Kurzum. Alles ist stark miteinander verflochten. Konzeptuell und kompositorisch. Energetisch und durch die Verbindungen!
»XXX – Three Decades in Metal« ist ein Album, das sich alle Fans der alten Schule des europäischen Power Metal unbedingt anhören müssen. Also der Hamburger Metal-Schule. Es wird euch wie auf den Leib geschrieben vorkommen, und ihr werdet es sofort mit größter Begeisterung in eure Albumsammlung aufnehmen. Neben den Werken von (vor allem) Helloween, Gamma Ray, Unisonic, Iron Savior usw….
»XXX – Three Decades of Metal« ist ein Album, auf dem sich Kai Hansen so richtig ausgetobt hat. Er hat sich von künstlerischen Fesseln befreit, ein paar unglaublich elementare Metal-Riffs zusammengetrommelt, die vertraut klingen, aber im leidenschaftlichen Feuer der Darbietung wieder einmalig und phänomenal zünden. Immer wieder und wieder. Die Produktion vibriert vor adrenalingeladener Hektik höllischer, lärmender Aggressivität, das Album ist durchzogen von brillantem Gitarrenspiel. »Gang screams« werden gelegentlich bewusst in »Metalcore«-Melodien geführt – das ist ein besonderes und zusätzliches (optionales), aber unterhaltsames Würzmittel des Albums. Dazu kommen die zahlreichen Beiträge der Gastvokalisten, die mit ihren unverwechselbaren stimmlichen Charakteristiken dem Werk natürlich einen Mehrwert verleihen. Wie man es auch dreht und wendet. Eine hervorragende Leistung. Wie zu erwarten, immer wenn Kai Hansen seinen Namen darunter setzt.
Hansen & Friends – Born Free (offizielles Video):
Besetzung
Kai Hansen – Gesang, Gitarre
Eike Freese – Gitarre, Gesang auf Track Nr. 9
Alexander Dientz – Bassgitarre, Gesang auf Track Nr. 7
Daniel Wilding – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Ralf Scheppers – Gesang auf Track Nr. 2
Piet Sielck – Gesang auf Track Nr. 2
dee Snider – Gesang auf Track Nr. 3
Steve McT as The Mange – Gesang auf Track Nr. 3
Tobia Sammet – Gesang auf Track Nr. 4 und 5
Michael Kiske – Gesang auf Track Nr. 5
Frank Beck – Gesang auf Track Nr. 5
Roland Grapow – Gitarrensolo auf Track Nr. 5
Clementine Delaune – Gesang auf Track Nr. 6, 7 und 8
Marcus Bischoff – Gesang auf Track Nr. 6
Richard Sjunnesson – Gesang auf Track Nr. 6
Michael Weikath – Gitarrensolo auf Track Nr. 6
Hansi Kürsch – Gesang auf Track Nr. 10
Tim Hansen – Gitarrensolo auf Track Nr. 10
Produktion
Kai Hansen
Trackliste
1. Born Free
2. Enemies Of Fun
3. Contract Sun)
4. Making Headlines
5. Stranger In Time
6. Fire And Ice
7. Left Behind
8. All Or Nothing
9. Burning Bridges
10. Follow The Sun