Narnia
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Narnia
Label: Narnia Songs
Erschienen: 2016
Länge: 38:06
Wertung: 4/5
Die kindliche Fantasiewelt von Narnia hat vor Jahren auch einer schwedischen Heavy-Metal-Band ihren Namen gegeben, die nach vier Jahren – nachdem sie eine Pause angekündigt hatte – mit ihrem neuen Studioalbum auf die Szene zurückkehrt. Dem siebten in Folge. Den haben sie »Narnia« getauft. Das klingt abgedroschen, aber die Band, die sich an diesem Punkt ihrer Entwicklung neu erwacht, hat einfach gespürt, dass sie eine Note der Reaffirmation braucht – weshalb ein solcher Albumtitel mehr als angebracht ist.
Die Hauptakteure der Band bleiben nach wie vor Sänger Christian Liljegren und Gitarrist Carl Johann Grimmark, die als kreatives Nukleus der Besetzung auch diesmal die gesamte Musik und die Arrangements für das neue Album beigesteuert haben. »Narnia« wirkt als siebtes Karrierealbum in seiner Frische ausgesprochen bravourös. Auf kompositorischer Seite ist für diese Band von Anfang an ein ausgeprägtes Gespür für hypersensibles Streben nach Ultra-Melodiosität und der daraus resultierenden Pompösität der Arrangements charakteristisch.
»Narnia« ist ein typisches Power-Metal-Album, das aus dem nördlichen Teil Europas, sprich skandinavischem Boden, entsprungen ist. Es ist hyper-melodisch, zündet beim Hören sofort auf Anhieb und ist in der Arrangierung unglaublich konzis. Schnörkel verträgt es nämlich nicht. Geprägt wird es von Grimmarks beinahe Malmsteenscher Schule des skandinavisch geprägten Ansatzes beim Spielen der (E-)Gitarre, die in den Soli von Neoklassizismen und barockem Verzieren bestimmter Feinheiten im Gitarrenphrasieren durchdrungen ist. Über die teuflisch eingängigen Gitarrenriffs spannt sich Liljegrens vokales Manövrieren, das von der Figur Ronnie James Dio inspiriert ist – nach Klangfarbe und vokaler Herangehensweise lässt es sich irgendwo zwischen Dio, Rob Rock (solo, Impellitteri) und dem Landsmann Joachim Cans (HammerFall, ex-Warlord) einordnen.
Das Material, das Narnia bietet, wirkt vielleicht auf den ersten Höreindruck – angesichts der extremen und technischen Errungenschaften im Metal der neuen Ära – »veraltet« und ausgelutscht. Wenn aber ein neugieriger Hörer die Bandbiografie überfliegt, kommt er schnell zu der Erkenntnis, dass Narnia eigentlich Power-Metal-Revivalisten sind, die in der zweiten Hälfte der Neunziger zusammen mit HammerFall auf der Szene erschienen sind, womit das Recycling völlig gerechtfertigt ist und sogar mehr. Gefordert, sogar. Daher überrascht es nicht, dass Riffs, die durchgehend vom Stampfen des Doppelbass-Pedals unterlegt sind, der klare und autoritative Gesang sowie die hymnische Eingängigkeit mal an HammerFall erinnern, mal an Falocner, und aufgrund der unglaublichen melodischen Sangbarkeit an die Soloarbeiten von Rob Rock, Magnus Karlsson (Projekt Freefall) oder gar an Grimmarks Nebenprojekt Audiovision.
Das Album »Narnia« ist ein ausgezeichnetes, wenn nicht gar hervorragendes neues Studioalbum der Band. Es lässt sich als das inhaltlich und charakterlich härteste und detaillierteste Werk der Band bezeichnen, das bis dato veröffentlicht wurde. Narnia kehren also in großem Stil auf die Bühne zurück – und das ist genau das, was allen Fans der guten alten Schule des skandinavischen Ansatzes im europäischen Power Metal auf den Leib geschrieben ist! Eure Lieblingstracks auf dem Album werdet ihr diesmal ganz allein herausfinden müssen, denn das Album ist unglaublich konsistent, und Qualitätsschwankungen zwischen den Songs sind nicht auszumachen. Nur die unglaubliche Eingängigkeit der Refrainmelodien, mit denen die Songs auf dem Album einander gegenseitig die Aufmerksamkeit stehlen.
Narnia – The Messengers (offizielles Animationsvideo):
Besetzung
Christian Liljegren – Gesang
CJ Grimmark – Gitarre, Keyboards, Begleitgesang
Andreas “Habo” Johansson – Schlagzeug
Martin Härenstam – Keyboards
Andreas Passmark – Bassgitarre
Produktion
CJ Grimmark & Christian Liljegren
Tracklist
1. Reaching for the Top (3:38)
2. I Still Believe (4:30)
3. On the Highest Mountain (4:42)
4. Thank You (5:22)
5. One Way to the Promised Land (4:46)
6. Messengers (3:32)
7. Who Do You Follow? (4:10)
8. Moving On (3:42)
9. Set the World on Fire (3:40)