Von der Dämmerzone in die Geburt eines feurigen Morgens (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Popi's Pub / Slowenien
Konzertdatum: 25.05.2012
Besucherzahl: 70
Eintrittspreis: 0,00 €

Gitarrist Slavko und Bassist Marjan Lebar sind Musiker, die auf der slowenischen Rockszene bestens bekannte Namen sind. Ihre Karrieren schlängelten sich durch Engagements in den Bands Pirat, Izvir, Predmestje, 12 Nasprotje, und Anfang der Neunziger versuchten beide, Melodic Rock dem slowenischen Publikum mit der namhaften Band Spin näherzubringen, die zwei Kassetten aufnahm, es aber leider nie schaffte, ein richtiges Studioalbum zu veröffentlichen (hoffen wir, dass wir in naher Zukunft zumindest so etwas wie eine retrospektive Kompilations-CD von Spin erhalten). Slavko Lebar war Mitglied bei Pepel in kri, und beide Brüder haben den Sound vieler anderer slowenischer, aber auch ausländischer Musikprojekte geprägt.

Morning Fire ist ihre neue Band, die sie zusammen mit Schlagzeuger Miro Hodža (Rock N‘ Band), Sänger Jani Krmac (Vabe) und Rhythmusgitarrist Dušan Korbar im Jahr 2008 unter dem anfänglichen Namen Regulus ins Leben riefen. Bis 2012 hatte sich eine riesige Menge Eigenmaterial angesammelt, sicher genug für mindestens ein Studioalbum, wenn nicht sogar für zwei. Die Single Specchio präsentierten Morning Fire der slowenischen Öffentlichkeit im Dezember 2011. Dass die Musiker von Morning Fire sehr angesehen sind, bewies die Besucherschar an diesem Abend, unter der sich im Raum auch einige bekannte Musikernamen aus der slowenischen Szene einreihten. Darunter waren Lebars ehemaliger Pirat-Weggefährte Franci Kic und der hochverehrte Gitarren-Magier Marko Lemer (M.A.S.H., YUNK, Lunapark, Tinkara Kovač, Vili Resnik, Hennah,…) auszumachen.

https://www.youtube.com/watch?v=Wsd04ftxoTk

Endlich kann man’s sagen! Die Szene war in den langen Jahren nach der Auflösung von Spin ohne die Lebar-Brüder ziemlich verödet. Im Popi’s Pub versammelten sich an diesem Abend rund 70 Leute, die den Laden ordentlich füllten, und uns interessierte vor allem, was Morning Fire musikalisch zu bieten hat. Auf die Antwort musste man nicht lange warten. Es handelt sich um eine Art logische Fortsetzung ab dem Punkt, an dem Spin in den Neunzigern stehengeblieben sind. Die Lebars haben noch immer Feuer in den Fingern und verstehen es, Songs mit exzellenten Arrangements und ideenreichen Lösungen in den Leitmotiven ans Licht zu bringen. Melodic Hard Rock mit Ausschlägen hin zu mehr roher, direkter Hard-Rock-Attitüde, aber auch Pop-Rock-Raffinesse. Die Musik von Morning Fire hat also enormes Potenzial.

https://www.youtube.com/watch?v=vcpxiLqxmoU

Im kleinen Lokal-Raum fanden die Meister der Perfektionssuche günstige Klanglösungen, und die Band klang nicht zu laut, auch das Schlagzeug schlug nicht durchs Klangbild, das dichte Publikum »saugte die Lautstärke auf«, die gerne störend wirkt, wenn der Raum klein ist. Es ist nämlich viel schwieriger, einen kleinen Klubraum zu beschallen als einen Konzertsaal.

https://www.youtube.com/watch?v=GpGE2zjYiP8

Morning Fire spielten ihr Repertoire mit links. Souverän, locker,… In Anbetracht der Tatsache, dass sie eigentlich zum ersten Mal öffentlich auftraten, gab es durchaus einige Blicke unter den Bandmitgliedern und gegenseitige Augenkontakt-Signale, damit kein Song unbeabsichtigt aus den vorgegebenen Notenlinien »davonschwimmt«. Was die Performance angeht, zünden die Meister voll! Der hochgewachsene Blonde Jani Krmac, bei dem man beim Anblick für einen Moment denken könnte, der strahlende »cape crusader« Rick Wakeman (Yes) höchstpersönlich sei durch ein dimensionales Zeittor ins Popi’s Pub getreten, hätte nur vergessen, seinen glänzenden Umhang anzuziehen, der versteckt seine Talente zweifellos nicht. Aber die Texte auf Italienisch konnten das Publikum keineswegs zu lautereren Reaktionen bewegen. Man könnte sagen, da fehlte etwas. Das Salz in der Suppe. Das Tüpfelchen auf dem »i«. Drei Songs auf Slowenisch funktionierten viel, viel besser, auch wenn die Arrangements weniger geglückt ausfielen als beim Rest des Konzertrepertoires. Dazu muss man betonen, dass auch die Vokalfarbe irgendwie jene nötige Dosis Melodiosität und vokale Dynamik nicht entfaltet, die die Musik von Morning Fire im Grunde verlangt. Sie ist nämlich so strukturiert, dass sich die explosiven Stimmen von Žak (Mary Rose) und/oder Sergej Škofljanc (Requiem) meisterhaft darin zurechtfinden würden, während Krmacs leicht dumpf und düster kehlige Stimme die angemessene Entwicklung der Rock-Spannung in vollem Ausmaß zurückhält, wie es die übliche Feinmechanik des melodisch-rockigen Ansatzes verlangt. Morning Fire tragen Dynamit — nur hat es an diesem Abend im Popi’s Pub halt nicht vollständig detoniert.  Wenn die Jungs Spaß haben und mit dem, was sie machen, zufrieden sind, reicht das im Grunde. Das große musikalische Potenzial wird aber nie vollständig ausgeschöpft werden. Mit allem aufrichtigen Respekt gegenüber den Musikern der Band.

https://www.youtube.com/watch?v=4TNTgJHTD7w

Wie auch immer. An Spaß hat es an diesem Freitagabend nicht gefehlt, als wir alle in erster Linie zum Abschalten gekommen waren. Besonders die Hände rieb sich der Lokalbesitzer, denn an diesem Abend wurden Getränke in rauen Mengen verkauft. Hoffen wir, dass Morning Fire uns so bald wie möglich ihr Studioerstlingswerk liefern und in Zukunft zur festen Konzertgröße werden. Der Perfektionismus von Gitarrist Slavko Lebar ist nämlich eine Geschichte für sich, wie man sie in der slowenischen Musiklandschaft nicht oder nur sehr schwer findet. Dieser Musiker gilt noch heute als einer der profiliertesten Gitarristen Sloweniens. Seine Gitarrensoli sind eine Lehrstunde der richtigen Notenverteilung für einen voll hörbaren atmosphärischen Einsatz, dem Slavkos filigranartig perfektionistisches Prinzip folgt. Seine Gitarrenphrasen sind eine zwar entfernte, aber reizvolle Reflexion der ideenreichen Lösungen der Gitarristen Eddie Van Halen (das beweist auch sein neues „EVH Wolfgang“ Gitarrenmodell), Tom Sholtz, Phil Collen, Brian May….  Das brüderliche Gespann mit dem ausgezeichneten Bassisten Marjan Lebar  ist das Zusammenpassen von Schlüssel und Schloss, das noch nie versagt hat und das auch diesmal sicher nicht tun wird.

Setlist

1. Fenderca
2. Re
3. Specchio
4. Chi Sono
5. Cose Che Non Esistono
6. Lahka izmena
7. Instrumental
8. Nel Nome
9. Dentro Me Per Te
10. Stella Nel Leone
11. La Fine
12. Recesija
13. Rosa

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