Unisonic

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Unisonic
Label: Ear Music Records
Veröffentlichung: 2012
Laufzeit: 50:10
Wertung: 4/5

Unisonic sind eine neue deutsche Power-Metal-Supergroup, die ehemalige Mitglieder von Helloween, Asia, Krokus, Gotthard, Iron Savior sowie aktuelle Mitglieder von Bands und Projekten aus den Reihen von Gamma Ray, Pink Cream 69, Avantasia, Place Vendome und Sunstorm unter einem Dach vereint. Genug, um die Ohren zu spitzen, oder? Zumindest ihr alle, ihr überlebenden, rechtgläubigen Verfechter des melodischen Prinzips im Metal.

Das Quintett Unisonic bringt musikalisch gesehen keine Revolution auf die Bühne. Doch allein durch die Namen, die die Besetzung ausmachen, ist es von vornherein so gewichtig, dass es schon durch seine bloße Präsenz einen wichtigen Beitrag zur Festigung des Power-Metal-Erbes leistet. Diese Tatsache wird sich deutlich zeigen, wenn Unisonic auf Konzerttourneen gehen. Vor allem die Tatsache, dass eine solche Supergroup  den heutigen Power Metal (mit seinem gesamten Erbe) im Fokus der Massen hält. Das Debüt »Unisonic« ist eigentlich eine gelungene Mischung aus den Einflüssen der Stammbands, aus denen die Mitglieder stammen, sowie der Projekte, in die sie im Laufe ihrer Karriere eingebunden waren (Place Vendome, Avantasia). Buchstäblich.

Der Opener Unisonic ist eine interessante Kulminierung von Speed King (Deep Purple) – Strophe und frühen Gamma Ray, gekreuzt mit der »Keeper era« Helloween (Refrain). Souls Alive ist ein Song, der Fans von Avantasia, den frühen Edguy sowie Gamma Ray wie auf den Leib geschnitten ist. Das etwas düsterere I’ve Tried ist von Kopf bis Fuß ein Song, der auf jedem Album von Pink Cream 69, Place Vendome oder Sunstorm stehen könnte, was bedeutet, dass Unisonic schamlos auch in die Gefilde des melodischen Rock greifen. Das positiv gestimmte Never To Late ist eine echte Mischung aus Helloween der „Keeper era“ und frühen Gamma Ray, versteht sich natürlich  im Einklang mit dem Zeitgeist.

 Michael Kiske ist natürlich mit seinem unverwechselbaren, auf eine Meile erkennbaren Gesang der Hauptschuldige dafür, dass Kai Hansens Gitarrenphrasen beim Aneinanderreihen von Eindrücken auf dem Album durchweg zugunsten des frühen Helloween verschoben sind, wenn man die Anteile der eingefangenen Gamma-Ray- und Helloween-Impressionen auf dem Album abwägt. Das direkte Hard-Rock-Riff in der Strophe von Renegade vertieft das Gefühl der fernen Verbindungen des Schweizer Gitarrenmeisters Mandy Meyer zu seinen Engagements bei Gotthard und Krokus. Dieser Song verwandelt sich mit bemerkenswerter Kompatibilität in eine typische Power-Metal-Refrainmelodie, die wieder Fans der frühen Edguy ansprechen wird. King For A Day überrascht mit einem klassischen Hard-Rock-Riff am Anfang und einem unterlegten Rhythmus, den  auch Fans der Survivor-Schule und ihres Hits Eye Of A Tiger mühelos entschlüsseln werden – der Refrain dieses Songs ist freilich eine andere Geschichte. Bei We Rise weißt du sofort, dass es auf Kai Hansens Acker gewachsen ist und auf jedem Gamma-Ray-Album bestens funktionieren würde, besonders auf »Somewhere Out in Space«. Doch dieser Song hat eine Besonderheit. Der mittlere Instrumentalteil ist im klassischen Rockschema von Rock Bottom (U.F.O.) geschnitten – die Akkordstellung und die Entfaltung der Soli darüber, die entschlossen und trotzig durch das Kreuzfeuer beider Solokitarristen beißen, womit – genau wie im eröffnenden »Purple-artigen« Unisonic – die eigentliche Herkunft des Quintetts bewiesen ist, das mit den Klängen klassischer Bands wie U.F.O., Rainbow, Deep Purple,… aufgewachsen ist.

Das Quintett abgebrühter Musikgurus ist in Sachen Arrangements so erfahren, dass man die Entwicklung jedes einzelnen Songs schon im Voraus ahnen kann. Die Schablone ist streng vorgegeben und definiert. Genau dieses außergewöhnliche Gespür für eine kompakt eingängige Melodik der Leitmotive und ihre Verschmelzung zu einer absolut fließenden Albumdynamik verschafft dem Quintett stets den unschlagbaren Trumpf, mit dem sie voll überzeugen – und womit Unisonic in ihrem Tun voll glaubwürdig dastehen. Das Gespür für die Entfaltung einer packenden Drama-Theater-Atmosphäre voller Bombast, die in ausgesprochen eingängigen Refrains ihren »crescendo«-Moment erreicht – alle diese Refrains sind die atmosphärischen Höhepunkte der Songs –, ist auf diesem Album voll ausgereizt. Bei den Namen, die die Unisonic-Musik kreieren, kann es eigentlich gar nicht anders sein. Ganz einfach. Sie sind zu erfahren, als dass sich in die Arrangementlinien ein inkompatibler Ton einschleichen könnte. Auch wenn das auf Kosten eines verstärkten Gefühls von Generizität geht. Das ist nun mal der Preis jeder solchen Geschichte.

Kiske behält seinen fantastischen Gesang bei, der ihm schon zu Helloween-Zeiten einen großen Ruf und ein hochgeschätztes Renommee unter Fans des Euro-Power-Metal eingebracht hat. Sein klarer und dominanter Gesang ist das Fundament, auf dem der voll melodische Ausschöpfungsgrad und der Pomp-Theater-Charakter des Albums aufgebaut sind. Der Rest der Unisonic-Mannschaft bietet ihm eine hervorragende Begleitkulisse. Die Produktion von Bassist Dennis Ward ist wieder einmal ein gottgesegnetes Werk. Die Instrumente sind farbenfroh kontrastiert, ebenso die Stimmungslagen – die Vermittlung eines echten Power-Metal-Drucks und einer Power-Metal-Melodiosität ist außergewöhnlich, und das gilt auch für das eingefangene Gefühl der »Lebendigkeit« dieses Albums. All das ist heute ein geforderter Standard, der die Glaubwürdigkeit deiner Kunst garantiert.

Ähnliche Gefühle wie die, die die neugeborenen Unisonic mit ihrem Debüt im Jahr 2012 auf der Bühne wecken, haben im Jahr 2003 auch Masterplan mit ihrem Debüt heraufbeschworen (was die Namen im Team betrifft, ebenfalls eine echte Power-Metal-Supergroup) – natürlich in ihrem ganz eigenen Licht, was die Weitergabe des musikalischen Erbes des Euro-Power-Metal angeht. »Unisonic« ist ein hervorragendes Album, das eine wirkungsvolle Mischung aus den Einflüssen der Stammbands und Projekte ist, denen seine Mitglieder angehören. Diese Mischung ist der Garant für die Einzigartigkeit von Unisonic, die in den eingefangenen Elementen des musikalischen Einmaleins der Stammbands der Bandmitglieder genau richtig reizt. Deshalb werden sich alle Fans des melodischen Prinzips im Heavy Metal in Scharen auf »Unisonic« stürzen. Vor allem die Fans des Power Metal europäischer Herkunft! Die Fans der »Keeper era« Helloween hat das Album »Unisonic« sowieso schon direkt bei Erscheinen »gekauft«.

Besetzung

Michael Kiske – Gesang 
Kai Hansen – Gitarre
Mandy Meyer – Gitarre
Dennis Ward – Bassgitarre
Kosta Zafiriou – Schlagzeug     

Produktion

Dennis Ward & Kai Hansen

Tracklist

1. Unisonic (03:27)
2. Souls Alive (05:15)
3. Never too Late (04:29)
4. I’ve Tried (04:55)
5. Star Rider (04:19)
6. Never Change Me (03:44)
7. Renegade (04:38)
 8. My Sanctuary (04:17)
 9. King For a Day (04:10)
10. We Rise (04:40)
11. No One Ever Sees Me (06:16)

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