Vanilla Sky und Multiball live im Orto! (2008)

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Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 20.04.2008
Besucherzahl: 120
Ticketpreis: 6 €

Woran denkt ihr, wenn ihr den Namen Vanilla Sky hört? Vielleicht an den spanischen Liebesthriller, in dem neben dem charmanten Tom Cruise und der wunderschönen Penelope Cruz auch Kurt Russel, Cameron Diaz und weitere bekannte Namen der Filmwelt mitspielen? Oder an Luca, Brian, Vinx und Cisco, vier italienische Poprocker, die unter diesem Namen vereint sind? Hier geht’s um Letzteres – um die italienische Band, die am Montag, dem 21. April, im Ljubljanaer Orto bar gastierte. Mit dabei waren auch Multiball aus Celje.

Vanilla Sky gibt es seit 2002 auf der Musikszene. Im selben Jahr erschien ihr Debüt „Play It If You Can`t Say It“, so richtig eingeschlagen haben sie aber erst Ende letzten Sommers mit ihrer Coverversion des „dämlichsten Songs aller Zeiten“, Rihannas Hit „Umbrella“, den sie in ein Punkrock-Gewand gesteckt haben. Allein deswegen hat sich ihr Konzert schon gelohnt, denn so konnten wir hören, wie die Jungs ihn live spielen. Nur würden mir damit sehr wenige Leute zustimmen, denn an diesem Abend kamen im Orto gerade mal etwa 120 zusammen, und als ich gegen zweiundzwanzig Uhr am Veranstaltungsort ankam, hat mich das wirklich schockiert. Klar, das Konzert fand an einem Montag statt, aber ich hatte gedacht, dass die Leute zumindest die heimischen Multiball unterstützen würden, wenn schon nicht Vanilla Sky. Traurig!
Multiball enterten die Bühne gegen halb elf und starteten ihren Teil des Auftritts mit dem Song „At Last!“. Komisch, dass sich keiner der Anwesenden groß rührte, als die Jungs loslegten, denn von ihren bisherigen Auftritten bin ich von Anfang an Wahnsinn und „Moshpit“ gewohnt. Beim nächsten Song, „Intro (Multiball Hits Your Town)“, blieb es genauso. Normalerweise entsteht bei Konzerten dieser Art spätestens beim zweiten Song irgendeine Energie, wenn nicht schon beim ersten. Leider sah es im Orto nicht gut aus. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum der Band einfach nicht folgen konnte, alle starrten nur lahm auf die Bühne. Die Jungs standen übrigens mit einem anderen Drummer auf der Bühne – Matej (Killing Option), der für den verletzten Jan eingesprungen ist, aber deswegen waren sie keinen Deut schlechter, denn Matej war ein ausgezeichneter Ersatz. Danach versuchten Multiball ihr Glück mit „Ladies Room“, aber wieder gab es keine richtige Reaktion. Ein paar Köpfe wippten, und das war’s. Obwohl Gregor das Publikum anfeuerte, ließ es sich partout nicht mitreißen. Endlich gab es bei „When I`m Done“ ein bisschen mehr Resonanz. Sofort kamen die Spekulationen auf: Taut das Publikum doch noch auf? Leider viel zu früh gefreut, denn schon beim nächsten Song, „Absent“, war wieder alles wie tot. Kann mir bitte jemand erklären, was hier los ist? Die Jungs geben sich Mühe und spielen, so gut sie können, aber wenn keine echte Reaktion kommt, sackt auch ihnen die Moral in den Keller. Zum Glück fanden sich bei „Too Many“ ein paar Mädels, die vor der Bühne zu tanzen anfingen. Endlich kam auch bei den anderen Zuhörern Bewegung rein, als die ersten Riffs des bestens bekannten und richtig wilden Songs „Friday Night Anthem“ erklangen. Da geht einem das Herz auf, wenn man sieht, dass von den versammelten Faulpelzen vielleicht doch noch was kommt. Leider zu spät, denn die Jungs beendeten ihren Auftritt bald. Übrig blieben nur noch „After You My Friend“ und „Today or Tomorrow“. Immerhin hat das Publikum zum Schluss noch ein wenig seine faulen Ärsche bewegt und einen etwas besseren Eindruck hinterlassen. Multiball beendeten ihren Auftritt mit nicht gerade begeisterten Gesichtern nach schlappen vierzig Minuten. Leider muss ich sagen, dass ich schon so manchen besseren Auftritt von ihnen gesehen habe.

Die Bühne übernahmen dann die Italiener von Vanilla Sky, die wir in Slowenien schon sehen und hören durften, zuletzt 2006 bei der Punk Is Dead Tour in Ljubljana und Celje. Zum Einstieg spielten die Jungs „Nightmare“, einen der schöneren Songs von ihrem letztes Jahr veröffentlichten Album „Changes“. Nach dem Publikums-Reinfall im ersten Teil des Abends sah es jetzt deutlich besser aus, vor allem der weibliche Teil des Publikums taute etwas mehr auf. Kein Wunder, bei Vanilla Sky gingen da gleich die Äuglein an. Vor allem aber war es schön, die Jungs so eng beisammen zu sehen, denn die sind größtenteils viel größere Bühnen gewohnt als die „Orto-Bühne“. Weiter ging’s mit „Your Words“. Noch so ein toller Song. Das Publikum folgte den Jungs schon mutig. Lobenswert! Dann durften wir wählen, ob wir die englische oder die italienische Version von „Goodbye/Se Voui Andare“ hören wollten. Wir entschieden uns für die italienische, obwohl die laut Vinx schwieriger für ihn war. Interessant, sind ja schließlich Italiener. Außerdem klingt sie viel schöner als die englische. Bei den ersten Riffs von „Distance“ dachte ich zuerst, es wäre „Scotty Doesn`t Know“ aus dem Film „Eurotrip“, so ähnlich klingt das. Aber ich war ganz froh, dass es „Distance“ war, denn „Scotty“ nervt schon ein bisschen. Obwohl das Publikum aufgetaut war, lag trotzdem nicht diese Energie in der Luft. Besser als nichts. Es folgte „On And On“ – ein Song, der selbst die verbittertste Seele im Saal zum Mitsingen brachte. Danach spielten die Jungs ihre Coverversion von „Thousand Miles“ von Vanessa Carlton. Beim Mitsingen war das Publikum eher kläglich, weshalb Cisco nach dem Song scherzhaft meinte: „That was much better like my mama sing under the shower“ (Das war viel besser als meine Mama unter der Dusche). Vielleicht war dieser Song der Wendepunkt, denn bei „Xmas Girl“ kam das Publikum vor der Bühne ordentlich in Fahrt, und bei „Gotta Believe“ war es nicht anders. „Letargo“ ist mein persönlicher Favorit, und es war richtig schön, ihn nach dem Frequency festival letztes Jahr wieder live zu hören. Dann noch „Devastante“, und bei „Break It Out“ drehten die Mädels in der ersten Reihe ein bisschen durch. Die Uhr ging leider schon auf Mitternacht zu, und dann enden Konzerte im Orto bar normalerweise. Aber die Jungs hatten noch ein paar Songs auf Lager. Darunter „Broken Car“ und „Unfriend“. Fast zum Schluss kam der wohl meisterwartete Song – „Umbrella“, und alle tanzten mit, auch der männliche Teil des Publikums. Zwei Mädels spannten während des Songs tatsächlich einen Regenschirm auf, was Vanilla Sky ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Noch der „Ghost track“, dann wünschten uns die Jungs eine gute Nacht.

Das Konzert im Orto war eher trübe, wir konnten nur auf eine bessere Wiederholung am nächsten Tag im Štuk in Maribor hoffen, wo sowohl Multiball als auch Vanilla Sky im Rahmen der Punk is dead Tour auftraten.

Text und Fotos: Lea Lesar

Setlist

Multiball:
1. At Last
2. Intro (Multiball Hits Your Town)
3. Ladies Room
4. When I`m Done
5. Absent
6. Too Many
7. Friday Night Anthem
8. After You My Friend
9. Today Or Tomorrow

Vanilla Sky:
1. Nightmare
2. Your Words
3. Cut Away
4. Se Vuoi Andare
5. Distance
6. On And On
7. Thousand Miles
8. Xmas Girl
9. Gotta Believe
10. Letargo
11. Devastante
12. Break It Out
13. Broken Car
14. Unfriend
15. Umbrella
16. Ghost Track

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