Poisoned Apple
Interpret: Venomous Concept
Label: Century Media
Release: 2008
Bewertung: 3/5
Nach dem Debüt „Retroactive Abortion“ aus dem Jahr 2004 melden sich Venomous Concpet mit dem neuen Album „Posioned Apple“ zurück, dieser hochinteressante Vierer, zusammengebaut aus Napalm Death, Brutal Truth und Nuclear Assault. Schon das absichtlich widerliche Cover sagt einiges. Stell dir einen unschuldigen Kinder-Zeichentrickfilm vor, in dem das Drehbuch plötzlich die Charakterzüge der menschlichen Realität annimmt. Alles, was sich an künstlerischer Bildsprache und Infos auf dem Cover versteckt, nehmen wir lieber nicht weiter auseinander. Du willst doch nicht etwa deine (längst eingespielten) gesunden Essgewohnheiten über Bord werfen, oder?
Auch das neue Album bringt keine nennenswerten Abweichungen vom Debüt. Jeder Musiker hat aus seiner Stammband genau das mitgebracht, woran man diese Bands klanglich sofort erkennt, und so zockt das Quartett eine spannende Variante von extremem Hardcore-Punk, genauer gesagt von waschechtem Crust-Punk, dem auch ein paar Grindcore-Zutaten nicht aus dem Weg gehen.
Für Venomous Concept gibt’s keinen Winter. Das ist ein astreiner Angriff extremer Spielweise, aufgepeppt mit brutal keifendem Gesang, der auf der ganzen Platte keine Millionstelsekunde nachlässt. Der Sound ist roh, herrlich garagig und enorm kompakt, das Gefühl beim Hören dagegen ungezähmt, frech, dreist, arrogant und unnachgiebig kathartisch. Ein Wahnsinns-Brett, das selbst die taubsten Ohren freiputzt!
Die Jungs bleiben der bewährten Formel treu: viele (ganze siebzehn) kurze Songs mit einer Länge von ein bis drei Minuten. Das Gewand, das sie der simplen Grundform aus drei Akkorden übergeworfen haben, ohne komplexe Übergänge und natürlich ohne einen Hauch von Melodiefreundlichkeit, kommt extrem heftig und im höchstmöglichen Gang rüber. Unnachgiebig und zerstörerisch. Heraus kommt ein Gesamtsound, der sich im Ohr anfühlt wie eine der extremen Spielarten von Thrash Metal und Metalcore, nur mit dem unverkennbaren Dreck, der für Punk typisch ist. Kurze Verschnaufpausen in Form simpler Übergänge (für die man trotzdem ordentlich eingespielt sein muss) zwischen dem extrem schnellen Riffing beweisen, wie viel Erfahrung die Jungs darin haben, die Dynamik der Songs auszubauen und Überraschungsmomente einzubauen.
Venomous Concept beweisen auch mit dem zweiten Album ihre volle Daseinsberechtigung: Die erfahrenen Musiker lassen auf dem Album die ganze Zeit über überzeugend ununterbrochen brodelnde Wut raus und zaubern einen exzellenten, in sich stimmigen Wums, der den Songs die Essenz der Wirklichkeit einhaucht. Das heißt, die Arbeitschemie zwischen den Mitgliedern wurde komplett authentisch auf Band gebannt. „Poisoned Apple“ ist als Variante von erstklassig extremer Gewalt- und Brutalitätsmusik in erster Linie ein Album für Menschen der Extreme. Oder für Menschen der „unterdrückten Extreme“, was „übersetzt“ heißen würde: Wenn du wütend bist und kurz davor, unkontrolliert irgendeine riesige Dummheit zu begehen, dann leg dieses Album auf. Sollen sich Venomous Concept dann an deiner Stelle aufregen.
Besetzung
Kevin Sharp – Gesang
Shane Embury – Gitarre
Danny Lilker – Bass
Danny Herrera – Schlagzeug
Tracklist
1. Drop Dead (2:07)
2. Toxic Kiss (0:55)
3. Life (1:47)
4. Water Cooler (2:58)
5. P.R.I. (1:32)
6. Artist Friendly (1:30)
7. A Case Of The Mondays (2:37)
8. Every Mother’s Son (1:54)
9. Workers Unite (1:39)
10. Half Full? (2:56)
11. Check Out (3:26)
12. White Devil (1:53)
13. Hero (2:39)
14. Three (1:17)
15. Screwball (1:48)
16. Chaos! (1:28)
17. Think? (1:33)
Spielzeit: 34:07