Tony MacAlpine: Concrete Gardens
Länge des Albums: 59:15
Produktion: Tony MacAlpine
Label Sun Dog Records
Erscheinungsdatum: 21.04.2015
Bewertung: 8,5 / 10
»Concrete Gardens« ist Tonys insgesamt zwölftes Studioalbum. Das musikalische Ausnahmetalent, das Ende August 2015 runde 55 Jahre alt wird, hat in den Neunzigern Solo-Studioalben quasi im Jahrestakt herausgebracht. 2001 war dann Schluss damit. In der Zwischenzeit hat er als Mitarbeiter von Steve Vai und beim G3-Projekt gut verdient. Ganze zehn Jahre vergingen, bis Tony 2011 endlich ein gleichnamiges neues Studioalbum beim Label seines Arbeitgebers Steve Vai veröffentlichte und damit seine Solokarriere wieder aufgriff. Vier Jahre später erblickte dann »Concrete Gardens« das Licht der Welt.Weder Jason Becker noch Marty Friedman, weder Kiko Loureiro noch Chris Impellitteri – sondern Tony MacAlpine. Mit allem was dazugehört. Tony MacAlpine ist ein amerikanischer Virtuose – in erster Linie Gitarrist und Keyboarder, daneben aber auch Komponist, Arrangeur und Produzent. Der Mann gilt als eines der einzigartigsten Bindeglieder zwischen klassischer Musik und Metal-Shredding!
Für das Album hat Tony Schlagzeuger Aquilles Priester (Primal Fiear, ex-Angra) eingeladen; ansonsten hat er praktisch alles andere selbst eingespielt, mit Ausnahme der Bassgitarren, wo ihm drei weitere Bassisten zur Seite standen. Knapp eine Stunde Musik ist ein einziges Gitarren-Spektakel, das auf den Schwingen meisterhafter Auseinandersetzung mit der Gitarren-Bibel und souveränem Umgang mit der Sprache der Sechs-, Sieben- und sogar Achtsaiter-Theorie dahinfliegt.
Bei all der gespitzten und aufgepushten Atmosphäre, die das »durchgethrashte Shredding« des Gitarren-Phrasings hinterlässt, strahlt das Album eine unglaubliche Lebendigkeit und ein Live-Feeling aus. Mit der perfekten Verteilung der drei Grundzutaten – Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug – füllt es das Klangspektrum effektiv aus und nutzt es voll aus. Obwohl die Hauptsprache der musikalischen Expression dieses Albums die Gitarre ist, findet sich im großen Ganzen jede Menge Raum, damit Priester am Schlagzeug so richtig aufdrehen kann. Sein Aufbrechen und Auflockern der Gitarren-Phrasen durch witzige, vielschichtig gestaltete Formen mit eingestreuten Schlagzeug-Passagen ist schlicht atemberaubend. Kein Wunder, dass er in die engere Kandidatenauswahl für den Ersatz von Mike Portnoy beim Vorspielen für Dream Theater kam. Natürlich gibt es auf dem Album auch eine gehörige Portion gnadenlosen Double-Bass-Donners, der zusammen mit der allgemeinen Metal-Ausrichtung perfekt aufgeht.
Wie es bei Tony MacAlpine Tradition ist, steckt auch »Concrete Gardens« ordentlich voll Klassizismus. Stellenweise häufen sich die pro Zeiteinheit abgefeuerten Noten so sehr, dass die Ohren übersättigt werden können – was das Gefühl erzeugt, dass sich das Ganze ein wenig wiederholt und eintönig wirkt. Trotzdem ist Tony in erster Linie der großen Musikalität verpflichtet, sodass die Stücke natürlich Anfang und Ende haben sowie ausgearbeitete Leitmotive, die die dominante Position einnehmen – trotz des ständigen Durchsiebens der Notenlinien mit Gitarren-Salven. Damit aber niemand fälschlicherweise glaubt, MacAlpine sei bloß ein Gitarren-Shredder, wurde am Schluss das Stück Maiden’s Wish eingefügt, wo Tony außergewöhnliche Fingerfertigkeit in der Technik des klassischen Klavierspiels zeigt. Das ist natürlich logisch, denn wir wissen, dass er akademisch ausgebildeter Pianist ist. Solche musikalischen Schmankerl waren auf den meisten seiner frühen Alben fester Bestandteil. Und auf dem Album ist absolut nicht alles Geschwindigkeit und Muskelpower. Es gibt auch Momente in einem langsameren Rhythmus, wo das erstklassige Gespür des Gitarristen für melodische Kompaktheit und das dosierte Einsetzen der richtigen Anzahl von Noten in der richtigen Anordnung besonders deutlich zum Vorschein kommt (Poison Cookies).
Das Album als Ganzes hat auch eine außergewöhnliche Fülle an Momenten, die in Richtung Experiment tendieren, doch Tony sorgt gewissenhaft dafür, dass die Stücke deswegen keineswegs in ihren Motiven auseinanderfallen. Dadurch bewahren sie auch eine hohe Kompaktheit. Eines der gelungensten Beispiele in dieser Richtung liefert Square Circles, wo sich Tony ein besonderer Gast gesellt: der außergewöhnliche Gitarrist Jeff Loomis (Arch Enemy, ex-Nevermore). Das Album ist auch immer wieder ausgesprochen düster, wie etwa die Stücke Man in a Metal Cage und das gegen Ende erscheinende Red Giant. Beide basieren auf einem mittelschnellen, doch giftig rollenden Beat, der von Priesters Double-Bass-Pedal angetrieben wird.
»Concrete Gardens« ist das Album, das sich echte Tony-MacAlpine-Fans nur wünschen können. Es beschert allen Liebhabern von grenzenlosem Gitarren-Shredding und virtuoser Meisterschaft neue feuchte Träume – dosiert mit einem gehörigen Maß an Musikalität, die den musikalischen Körper des Albums zusammenbindet und zusammenhält.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
01. Exhibitionist Blvd. (4:28)
02. The King’s Rhapsody (4:45)
03. Man In A Metal Cage (4:20)
04. Poison Cookies (5:06)
05. Epic (5:00)
06. Napoleon’s Puppet (5:13)
07. Sierra Morena (4:52)
08. Square Circles (5:12)
09. Red Giant (5:10)
10. Confessions of a Medieval Monument (5:43)
11. Concrete Gardens (5:03)
12. Maiden’s Wish (4:19)
Besetzung:
Tony MacAlpine – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre
Gastmusiker:
Aquilles Priester – Schlagzeug
Jeff Loomis – Gitarre auf Track Nr. 8 (linker Kanal)
Pete Griffin – Bassgitarre auf Tracks Nr. 1, 4, 6, 7, 8
Lucky Islam – Bassgitarre auf Track Nr. 9
Sean Delson – Bassgitarre auf Track Nr. 11