Concrete Gardens

0 12

Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: MacAlpine, Tony
Label: Sun Dog Records
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 59:15
Bewertung: 4/5

Nicht Jason Becker, nicht Marty Friedman, auch nicht Kiko Louriero oder Chris Impellitteri, sondern Tony MacAlpine. Mit Leib und Seele. Tony MacAlpine ist ein amerikanischer Virtuose, in erster Linie Gitarrist und Keyboarder, darüber hinaus Komponist, Arrangeur und Produzent. Der Mann gilt als eines der einzigartigsten Bindeglied zwischen klassischer Musik und Metal-Shredding!

»Concrete Gardens« ist Tonys insgesamt zwölftes Studioalbum. Der musikalische Ausnahmekünstler, der Ende August 2015 seinen runden 55. Geburtstag feierte, veröffentlichte durch die Neunziger hindurch Solo-Studioalben so gut wie Schlag auf Schlag. Im Jahr 2001 war dann Pause. In der Zwischenzeit verdiente er gut als Mitstreiter von Steve Vai und beim G3-Projekt. Ganze zehn Jahre vergingen, bis Tony 2011 schließlich ein gleichnamiges neues Studioalbum beim Label seines Arbeitgebers Steve Vai herausbrachte und damit seine Solokarriere wieder zum Leben erweckte. Vier Jahre später erblickte dann auch »Concrete Gardens« das Licht der Welt.

Tony lud Schlagzeuger Aquilles Priester (Primal Fear, ex-Angra) zur Mitarbeit am Album ein; alles andere spielte er im Grunde selbst ein, mit Ausnahme der Bassgitarren, bei denen er sich drei zusätzliche Bassisten zur Hilfe nahm. Knapp eine Stunde Musik ist ein Ausflug in eine regelrechte Gitarrenfantasie, die auf den Schwingen meisterhafter Bibelkunde der Gitarre und souveränem Umgang mit der Sprache der Sechs-, Sieben- und sogar Achtsaitigen dahinfliegt.

Bei aller angespannten und borstig-aggressiven Grundhaltung, die das »pothrashierte Shredding« des Gitarrenfrasierens hinterlässt, besitzt das Album eine außergewöhnliche Lebendigkeit und ein konzertantes Gefühl. Durch die hervorragende Verteilung der drei Grundbausteine Gitarre, Bass und Schlagzeug wird das klangliche Spektrum effektiv ausgefüllt und genutzt. Obwohl die Gitarre die primäre Sprache der musikalischen Expression auf diesem Album ist, findet sich in der ganzen Geschichte reichlich Raum, damit auch Priester am Schlagzeug ordentlich aufdrehen kann. Wie er die Gitarrenfrasen mit witzigen, vielschichtig gestalteten Formen belebt und auflockert, verblüfft durch schiere Klasse der Schlagzeugpassagen schlichtweg. Es verwundert nicht, dass er in die engere Auswahl der Kandidaten kam, die Mike Portnoy bei Dream Theater ersetzen sollten. Natürlich enthält das Album auch eine gehörige Portion gnadenlosem Doppelbass-Gebolze, was gut zu seiner allgemein metallischen Ausrichtung passt.

Wie es bei Tony MacAlpine üblich ist, ist auch »Concrete Gardens« handfest mit Klassizismus beladen. Stellenweise häufen sich die abgefeuerten Noten pro Zeiteinheit derart, dass die Ohren gesättigt werden können, was das Gefühl erzeugt, die ganze Geschichte wiederhole sich etwas und wirke eintönig. Dennoch ist Tony nach wie vor in erster Linie der großen Musikalität verpflichtet, weshalb die Stücke natürlich Anfang und Ende haben und ausgearbeitete Leitmotive besitzen, die eine dominante Position einnehmen – trotz des unaufhörlichen Durchsiebens der Notenlinien mit Gitarrenrafalen. Damit niemand irrtümlich glaubt, MacAlpine sei bloß ein Gitarren-»Shredder«, wurde am Ende Maiden’s Wish angehängt, wo Tony außergewöhnliche handwerkliche Fähigkeiten in der klassischen Klaviertechnik unter Beweis stellt. Das ist natürlich naheliegend, wissen wir doch, dass er akademisch ausgebildeter Pianist ist. Solche Bonbons waren auf den meisten seiner frühen Platten ein fester Bestandteil. Und auf dem Album ist beileibe nicht alles nur Geschwindigkeit und Muskelspiele. Es gibt auch Momente in ruhigerem Tempo, in denen besonders deutlich der überragende Sinn des Gitarristen für melodische Kompaktheit und die richtige Dosierung von Noten und deren stimmige Anordnung zum Vorschein kommt (Poison Cookies).

Das Album als Ganzes besitzt auch eine beachtliche Anzahl von Momenten mit experimentellem Zug, doch Tony sorgt gewissenhaft dafür, dass die Stücke deswegen in ihren Motiven keineswegs auseinanderfallen. Daher bewahren sie auch eine große Kompaktheit. Eines der gelungensten Beispiele in dieser Richtung liefert Square Circles, wo Tony von einem besonderen Gast begleitet wird: dem außerordentlichen Gitarristen Jeff Loomis (Arch Enemy, ex-Nevermore). Das Album ist zuweilen auch  ausgeprägt düster, wie bei Man in a Metal Cage und gegen Ende Red Giant. Beide basieren auf einem mitteltemporeichen, aber giftig rollenden Beat, den Priesters Doppelbassdrum-Pedal antreibt.

»Concrete Gardens« ist das Album, das sich echte Fans von Tony MacAlpine nur wünschen können. Es bringt die neuen feuchten Träume aller Liebhaber grenzenlosem Gitarrenshreddings und höchster Virtuosität, dosiert mit einem erheblichen Maß an Musikalität, die das musikalische Gefüge des Albums zusammenhält.

Besetzung

Tony MacAlpine – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre

GASTMUSIKER:
Aquilles Priester – Schlagzeug
Jeff Loomis – Gitarre auf Track Nr. 8 (linker Kanal)
Pete Griffin – Bassgitarre auf Tracks Nr. 1, 4, 6, 7, 8
Lucky Islam – Bassgitarre auf Track Nr. 9
Sean Delson – Bassgitarre auf Track Nr. 11 

Produktion

Tony MacAlpine

Tracklist

01. Exhibitionist Blvd. (4:28)
02. The King’s Rhapsody (4:45)
03. Man In A Metal Cage (4:20)
04. Poison Cookies (5:06)
05. Epic (5:00)
06. Napoleon’s Puppet (5:13)
07. Sierra Morena (4:52)
08. Square Circles (5:12)
09. Red Giant (5:10)
10. Confessions of a Medieval Monument (5:43)
11. Concrete Gardens (5:03)
12. Maiden’s Wish (4:19)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies