The Sun Has Gone Hazy
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Berggren Kerslake Band
Label: AOR Heaven Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 50:59
Bewertung: 4.5/5
Dieses Album ist der absolute Hammer. Es ist wie für alle Fans der guten alten Hard-Rock-Schule gemacht. Es enthält musikalische Elemente aus den klassischen Zeiten der Rock-Pioniere, also den Siebzigern. Uriah Heep, Whitesnake, Deep Purple und Rainbow. Kurzum: die bestmögliche Annäherung an jene Zeiten, als die Platten der Rock-Revolution auf diesem Planeten entstanden.
Stefan Berggren ist der bekannte schwedische Sänger und Multi-Instrumentalist, der seit vielen Jahren für die »Wiederbelebung der Erinnerungen« an die goldenen Zeiten von Whitesnake zuständig ist – in den Bands M3-Classic Whitesnake, The Company of Snakes, Razorback, Snakes In Paradise und Revolution Road –, während Drummer Lee Kerslake mit fetten Buchstaben in das legendäre Erbe der klassischen Uriah Heep eingeschrieben ist, mit denen er die bedeutendsten Studioarbeiten dieser legendären britischen Art-Rock-Band veröffentlichte. Das Schicksalstreffen von Berggren und Kerslake fand 2005 beim Rock-Festival in Friedrichshafen statt. Berggren trat damals mit M3 auf, Kerslake mit Uriah Heep. Kerslake zog sich 2007 zurück. Und doch – wer Rock ’n‘ Roll in den Adern hat, kann nicht einfach stillsitzen. Zum Glück kehrt Lee auf die Bühne zurück. In den letzten Jahren haben die beiden einige gemeinsame Auftritte absolviert. Der letzte war ein Akustikkonzert in Helsinki 2011 – und gleichzeitig der zündende Funke für die Gründung der Berggren Kerslake Band.
Die Songs sind im Schmelztiegel aus einer lebhaften Mischung des Schaffens und Stils der im ersten Absatz genannten Bands geschmiedet. Wenn das Eröffnungsstück Walk Tall so angelegt ist, dass man zahlreiche Parallelen zu den klassischen Whitesnake-Zeiten heraushören kann – vor allem dank der charakteristischen Stimmflexibilität von Stefan Berggren –, so rollt der bereits zweite Track Super Sonic Dream im berühmten Galopp, der einige der markantesten Evergreens aus dem Uriah Heep-Repertoire definiert. Berggren ist mit seiner außergewöhnlichen vokalen Bandbreite verantwortlich für die Re-Kreation atmosphärischer Annäherungen an die legendären Stimmen von Ronnie James Dio, David Coverdale und sogar Robert Plant (im Opener Walk Tall). Bassist Tomas Thorberg, Berggrens Snakes In Paradise-Kumpel, der auch mit Michael Schenker und im Team von Gunslinger Europe um Gitarrist John Norum gespielt hat, ist der Mann, der mit der warmklingenden Tiefe seines melodisch vielseitigen Basspiels jenen typischen Retro-Sound der Siebziger miterschafft. Berggren ist aber nicht nur ein exzellenter Sänger, sondern auch Gitarrist! Über das gesamte Album spürt man, dass er sich als Gitarrist stark unter dem Einfluss von Ritchie Blackmores Werk und Person entwickelt hat. Deshalb tragen die Songs auf dem Album »The Sun Has Gone Hazy« so manche atmosphärische, klangliche und natürlich stilistische Prägung der Rock-Pionierzeit von Rainbow und Deep Purple.
Es fällt schwer, einzelne Songs (im Sinne kreativer Höhepunkte) auf einem Album herauszuheben, das wie aus einem Guss wirkt – so wahr, echt und real! In allen wesentlichen Punkten! Die Songs enthalten eine außergewöhnliche Mischung musikalischer Elemente der genannten Bands – manchmal sind die Uriah Heep-Einflüsse stärker, an anderer Stelle hörst du mehr von den Kniffen, die Blackmore in seinen Zeiten bei Rainbow und Deep Purple prägte, und dann wieder zieht das Ganze stärker Richtung Old-School David Coverdale und seine ersten Schritte auf dem Weg zur Solokarriere. Eine der schönsten Verschmelzungen der gemeinsam erschaffenen Gefühlswelten von Uriah Heep und Rainbow ist im mystischen Free eingefangen. Den Song Rock ‚N‘ Roll Gangsta sollte David Coverdale heute unbedingt hören – er gehört direkt auf seine ersten beiden Studioalben, schießt den Zuhörer aber auf jeden Fall in die Ära von Coverdales Zeit bei Deep Purple!
Was den Zuhörer sofort in die Welt des Albums »The Sun Has Gone Hazy« hineinsaugt, ist das Gefühl seiner außergewöhnlichen Lebendigkeit, der enormen Klangwärme und der organischen Färbung der Klanglandschaften dieses Werks – echter kann Musik kaum klingen. Ein Album, das im Studio wie ein Live-Konzert eingespielt wurde. Das hört man, und es lässt sich nicht überhören. Bei all den genannten drei Faktoren, die die Säulen der Band bilden, wäre die makellose Re-Kreation der jüngeren Rock-’n‘-Roll-Geschichte ohne einen besonderen Gast nicht möglich gewesen. Das ist Joakim Svalberg (Opeth,Yngwie Malmsteen), der einige außergewöhnliche Soli auf Hammond-Orgel und Moog beisteuerte. Vom Arrangement her ist das ein erstklassig ausgestattetes Album. Es trägt eine enorme Klangwucht und eine optimal ausgeschöpfte Klangpalette. Das Album ist geprägt vom chemischen Zusammenspiel massiger, wuchtiger Hammond-Linien, getragen von kraftvollen Gitarrenphrasen, dem Anschlag der Akustikgitarre und der Ausmalung der Vokalgrundmelodien durch mehrstimmige Vokallinien in den Refrains. Jeder einzelne Song trägt eine ausgefeilte, prägnante Form mit außergewöhnlichem Fluss zwischen Strophe und Refrain. Die Mittelteile – also die »mid-eight«-Abschnitte – beleben die Songs wirkungsvoll, und genau dort funkelt das außergewöhnliche Wechselspiel von Keyboards und Gitarre in meisterhaften solistischen Duetten.
Da ist der mitreißende Vokalkameleon Berggren, der den Songs Seele einhaucht und mit seinem gefühlvollen Ansatz beweist, dass er einer der bemerkenswertesten Sänger seiner Generation ist – einer, dem es mit seiner vokalen Bandbreite von außergewöhnlichem Kaliber gelingt, den legendären Stimmen des Rock ’n‘ Roll auf höchst würdige Weise nahezukommen. Ohne Berggrens Wirkung würde dieses Album nie so vollständig in den Bann ziehen und so überzeugend sein.
Das ist ein Album, das dich – wenn du ein Fan der alten Rock-’n‘-Roll-Sounds der Siebziger bist – verzaubern und in eine Welt jenseits der Realität entführen wird, in eine Welt, die in Zeit und Raum verloren ist, in der du grenzenlos genießen wirst. Ein Album, das sich nicht vom »Play«-Knopf des CD-Spielers lösen will. Ein Album von außergewöhnlicher Herzensform, außergewöhnlicher Charisma und Charakter – ein Album, das einen sofort in seiner echten Haltung in den Bann zieht. Von Kopf bis Fuß. Würde ich Highlights herausheben, würde ich den restlichen Songs sofort Unrecht tun. Die Favoriten musst du diesmal ganz alleine finden.
Es ist wunderbar zu wissen, dass die ehrwürdige Rock-’n‘-Roll-Legende Lee Kerslake wieder rockt! Und sein Beitrag in den Songs ist wieder klar zu spüren – genau wie in seinen Zeiten mit Uriah Heep. Lee zeichnet gemeinsam mit Berggren als gleichberechtigter musikalischer Komponist und Arrangeur des Albummaterials verantwortlich. Natürlich ist es unmöglich, seinen einzigartigen Schwung zu überhören, sein einzigartiges Prinzip der Übergangs-Rollings und des Tempovorgebens, und natürlich auch den unverwechselbaren Klang der Drums, den seine seit jeher wuchtig dröhnenden Schläge erzeugen. Ein Album der wunderschönen Kollision von Blues-Musik und Elementen des Nicht-Klassizismus. Ein Album von echtem Rock-’n‘-Roll-Charakter, wo Emotionen und Leidenschaften brodeln!
Besetzung
Stefan Berggren – Gesang, Gitarre, Orgel, Piano, Moog, Streicherarrangements, Keyboards, Tamburin
Lee Kerslake – Schlagzeug, Hintergrundgesang, Streicherarrangements, Mellotron, Perkussion
Tomas Thorberg – Bassgitarre
GASTMUSIKER:
Joakim Svalberg – Orgel & Moog auf den Tracks Nr. 7 und 8.
Produktion
Lennart Östlund
Trackliste
01. Walk Tall
02. Super Sonic Dream
03. My My
04. The Sun Has Gone Hazy
05. Free
06. Fools Asleep
07. As Time Goes By
08. Rock´n´Roll Gangsta
09. Back On The Road Again
10. Born Again