Sunbound
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Brother Firetribe
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 46:39
Wertung: 3.5/5
In der Musikwelt gibt es einige Bands, die in stilistisch-ausdrucksmäßiger Hinsicht eine Verbindung zur alten Schule oder zur Generation ihrer Vorbilder darstellen. Sei es als Revivalisten oder als Band, die eine sehr gute Parodie abliefert. Oder gleich beides. Von Pero Defformero bis Steel Panther (und alles dazwischen). In letzter Zeit kann man da sogar Edguy dazuzählen. Na ja, Spaß beiseite, obwohl es bei Edguy fast schiefgelaufen wäre (warten wir ab, was das neue Album bringt). Ähnlich wie seinerzeit Night Flight Orchestra, die sich aus Mitgliedern von Audrey Horne und Amon Amarth zusammensetzt, sind auch Brother Firetribe (immer noch) dabei – als Nebenprojekt von Nightwish-Gitarrist Emppu Vuorinen entstanden. Und »Sunbound« ist, ob man will oder nicht, bereits ihr viertes Album.
Ungeachtet der Tatsache, dass viele Brother Firetribe gar nicht als Band sehen, bei der jemals ein wirklicher Sinn ihrer Gründung erkennbar gewesen wäre – weil man schlicht nicht weiß, ob es sich um eine Parodie handelt oder ob die Jungs das ernst meinen –, verstehen diese Finnen es höchst effektiv, die altbewährten Tricks der west coast/AOR-Musik der Achtziger neu zu verpacken. Auch »Sunbound« ist da keine Ausnahme und hält mit beachtlicher Konsequenz die Qualität aufrecht, die auf den drei bisherigen Alben dieser Band zu finden ist. Fans von Brother Firetribe kommen mit dem neuen Album also einmal mehr voll auf ihre Kosten.
Die Produktion liefert Bombast. Das Gespür des Quintetts für die musikalische Formatierung der Kompositionen ist außergewöhnlich, und die Songs garantieren eine anhaltend hohe melodische Eingängigkeit, die beim ersten Hören sofort zündet. Der Klang ist stereotypisch finnisch. Das heißt: hochpoliert. Polierter, als man es für melodische Rockproduktionen in der heutigen Zeit erwarten würde. Mehr als es die Schweden tun, die Amerikaner generell – und auch die Deutschen, die im Hard Rock schon immer gerne schärfer abgeschliffene Gitarren eingestreut haben. Bei Brother Firetribe sind die Keyboards (Synthesizer-Teppiche) stellenweise so üppig und pompös betont, dass sie sogar die Gitarrenphrasen dominieren.
Sänger Pekka Ansio Heino liefert eine ausgezeichnete, das heißt prägnant durchdringende Gesangsperformance – seine Stimmfarbe erinnert gelegentlich, aber wirklich nur gelegentlich, an Robin Zander (Cheap Trick). Mit ihrer Aktivität sind Brother Firetribe auch ein echter Trost für alle, die Heinos Hauptband Leverage auf der Szene vermissen.
Mit dieser Art von Nachahmung kommst du heute eigentlich nirgendwohin. Es gibt jede Menge revivalistischer Bands auf der Szene, und viele davon sind wirklich ausgezeichnet, aber es gelingt ihnen schlicht nicht, durchzubrechen und sich auf dem internationalen Melodic-Rock-Parkett einen Namen zu machen. Na, Hand aufs Herz: Auch Brother Firetribe wären unter ihnen, wenn nicht der Gitarrist von Nightwish bei ihnen spielen würde. Ein Name ist nun mal ein Name. Und dieser Name garantiert, dass die Band beim Musikmachen unter dem Banner von Brother Firetribe völlig entspannt agieren kann, im Studio in vollen Zügen Spaß hat und letztendlich sich selbst und der Musiköffentlichkeit das Beste liefert, was sie draufhat. »Sunbound« ist also ein durch und durch ordentliches Album, das nichts Neues bringt und nichts, was man nicht schon gehört hätte. AOR-Puristen wird es garantiert nicht im Geringsten ansprechen – die bleiben lieber bei den Größen der west coast/AOR-Szene der Achtziger –, aber für alle anderen, weniger vorbelasteten Fans des leicht dahinbrausenden Melodic Rock kann es so manche Stunde im Alltag hübsch aufpeppen.
Brother Firetribe – Taste Of A Champion (offizieller Audiotrack):
Besetzung
Pekka Ansio Heino – Gesang
Emppu Vuorinen – Gitarre
Tomppa Nikulainen – Keyboards
Jason Flinck – Bassgitarre
Hannes Pirila – Schlagzeug
Produktion
Brother Firetribe
Trackliste
1. Sunbound (01:34)
2. Help Is On The Way (03:55)
3. Indelible Heroes (03:51)
4. Taste Of A Champion (03:36)
5. Last Forever (03:53)
6. Give Me Tonight (03:44)
7. Shock (04:06)
8. Strangled (04:06)
9. Heart Of The Matter (03:58)
10. Restless Heart (04:33)
11. Big City Dream (04:13)
12. Phantasmagoria (05:07)