Reaching Into Infinity

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Dragonforce
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 65:49
Wertung: 3.5/5

Dragonforce sind heute die ersten Fahnenträger des britischen Power Metals. Die Rede ist natürlich von der zweiten Generation des Power Metals. Obwohl, Hand aufs Herz, sind nur zwei Briten in der Band. Sam Totman und Marc Hudson, wobei man über Totman sagt, dass er eigentlich Neuseeländer ist. Wie auch immer, Totman bleibt nach wie vor der Hauptkomponist aller Stücke des neuen Albums der Band.

»Reaching Into Infinity« ist ein typisches Dragonforce-Album, und ungeachtet dessen, dass die Band in früheren Ankündigungen eine leichte stilistische Abweichung von der typischen Ausdrucksnische, die sie sonst besetzt, versprochen hatte, liefert »Reaching Into Infinity« genau in den Momenten, in denen es anders sein will, herzlich wenig Interessantes.

Abgesehen von der Tatsache, dass du die Texte lieber nicht übersetzen solltest, da sie eine stereotypische Lebensflachheit bewahren, sprich die Oberflächlichkeit des Lebensgenusses, was bedeutet, dass Dragonforce wahrscheinlich nie über den Genuss von Cola und einem doppelten Cheeseburger hinausgekommen sind – daher auch die ziemlich poetische Naivität, Kindlichkeit, wenn nicht gar Albernheit in den Texten –, bringt »Reaching Into Infinity« beim Hören (erneut)  jede Menge Spaß. Natürlich sind viele Riffs wieder in Dur gehalten und spiegeln die fröhliche Seite der Band wider. Das Quintett lebt eben ein angenehmes und sicheres Leben, ohne tektonische Erschütterungen.  Gleichzeitig ist alles wieder gekonnt in hohe Bombastik getaucht. Das neue Album platzt wieder aus allen Nähten vor lauter Pomp und Kitsch. Aber das ist der Inhalt und das Markenzeichen der Band, ohne das es nicht geht und an das sich jeder gewöhnen muss. Jeder, der eben etwas von der Musik der Band hält.

Im zweiten Absatz dieses Beitrags wurde vermerkt, dass es sich um ein anderes Album handelt. So bieten Dragonforce im Stück Silence eine Ballade an, und im Abschlussstück Edge of the World flirten sie im Mittelteil mit Death-Metal-Elementen. Auch das Stück War! macht keine Ausnahme, wo das Koketieren mit Thrash-Metal-Elementen nicht zu überhören ist. Und das Fazit? Besser wäre es gewesen, wenn das alles nicht auf dem Album wäre. Das sind eben Momente, die dem Charakter der Band nicht gut tun und nur Beweis dafür sind, dass Dragonforce am besten und stärksten sind, wenn sie extrem schnell spielen und wenn sie jene scheinbar draufgängerische Raserei entfalten, die ihnen schon längst das Erkennungszeichen der ersten weltweiten Fahnenträger des »Nintendo-Metals« eingebracht hat. Das bedeutet nicht, dass „Reaching Into Infinity“ zufällig ein schlechtes Album ist, nur hätte es zwanzig Minuten (und mehr) kürzer sein können und hätte so das dankbare Gefühl geliefert, dass Drgonforce auf dem Album nur das geliefert hätten, was sie immer in ihrer besten, also traditionellen Manier geliefert haben. Dennoch gibt es neues Material im Überfluss, sodass du erneut mühelos von der Brillanz des Gitarren-Duos Li/Totman überwältigt sein wirst, was dich garantiert mitreißen wird. Auch die Kompositionen sind größtenteils qualitativ durchstrukturiert, das heißt mit dem richtigen Gespür für eine atmosphärische Steigerung hin zu einem eingängigen und ultramelodisch ansteckenden Refrein-Crescendo. Marc Hudson entwickelt noch mehr vokales Charisma und Souveränität, »Reaching Into Infinity« ist sein insgesamt zweites Studioalbum für Dragonforce.  

Die Eindrücke (vor allem die extremen technischen Spielereien), an die uns die Band in der Vergangenheit gewöhnt hat, bleiben also auch auf dem neuen Album allgegenwärtig. Das gewährleistet jene Typizität, bei der Dragonforce einmal mehr erfolgreich ihr bewährtes Rezept und ihre musikalische Formel eingesetzt haben. Das Verschmelzen mit anderen Genres bereitet ihnen eben Kopfzerbrechen, weshalb sie diesmal mit »Reaching Into Infinity« auch ein wenig bedingt versöhnlichen Musikgenuss liefern. Da die Band sich genau von jenen Normen »ablösen« möchte, in denen sie am überzeugendsten funktioniert, wird es interessant sein zu verfolgen, welche musikalischen Experimente sie in Zukunft angehen wird. Vorerst hat sie uns damit nicht gerade überzeugt.   

Dragonforce – Ashes of the Dawn (offizielles Video):

Besetzung

Marc Hudson – Gesang
Herman Li – Gitarre, Hintergrundgesang
Sam Totman – Gitarre, Hintergrundgesang
Frédéric Leclercq – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Klavier, Hintergrundgesang
Gee Anzalone – Schlagzeug, Hintergrundgesang

Produktion

Jens Bogren

Tracklist

1. Reaching Into Infinity
2. Ashes of the Dawn
3. Judgement Day
4. Astral Empire
5. Curse of Darkness
6. Silence
7. Midnight Madness
8. WAR!
9. Land of Shattered Dreams
10. The Edge of the World
11. Our Final Stand

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