Radar Rock Festival 2007
Autor: Aleš Podbrežnik, Sandi Sadar Šoba
Fotos: Sandi Sadar Šoba
Ort: Zagreb / Jarun / Kroatien
Konzertdatum: 28.06.2007
Besucherzahl: 2006
Kartenpreis: 6.000
Die Juni-Invasion verlockender Open-Air-Konzerte hat neben Mitteleuropa auch Slowenien und die Nachbarländer erwischt. Die Kroaten hatten zuletzt ziemlich viele Konzerte, bei denen uns auf unserer Seite der Grenze nur das Wasser im Mund zusammenlaufen konnte. Wer etwas entschlossener und vom Angebot per excellence verführt war, hat die Schengen-Grenze überschritten … Um sich auch selbst ein Stück Konzertrausch zu holen. Einer der Hauptgründe, warum die Massen ins Zentrum der kroatischen Metropole Zagreb strömten, war das Kooperationsprojekt des Sommers: das Radar Festival, organisiert von österreichischen Veranstaltern im Verbund mit einheimischen Promotern..
Ursprünglich als zweitägiger Marathon geplant, kam das Festival dieses Jahr in etwas abgespeckter Form als Eintagesevent daher. Trotzdem war die Ausbeute an Bands, die man da zum Strauß des Konzertangebots zusammengebunden hatte, mehr als verlockend. Neben unseren slowenischen Youngsters Anavrin sorgten die kroatischen Punker Overflow und die australischen Howling Bells fürs Aufwärmen des Publikums. Bei den großen Stars hefteten sich die Blicke auf die Plakate der britischen Kaiser Chiefs, von Placebo und der Hauptattraktion, einer Band, die wir schon einmal in Križanke zu Gast hatten und die ihre Stoner-Brillanten diesmal bei den Nachbarn ausbreiten kam: Queens Of The Stone Age. Kein Zweifel – Richtung Süden war Pflicht!
Nach ein paar Stunden Fahrt hat das zweiköpfige Team von RockLine endlich den Zugang zur Wiese im Zagreber Siget gefunden. Der Orientierungspunkt Stadion Hrvatski dragovoljac war ziemlich irreführend, denn bald merken wir: Genau der Stadionrasen, umgeben von Plastik-Tribünensitzen, ist die Location, auf der uns eine multikulturelle musikalische Polyphonie aus Rhythmen und Stilmitteln erwartet. Wer es etwas visueller mochte, durfte auf die Begegnung mit mehr oder weniger großen Stars der Musikwelt hoffen. Es ging auf drei Uhr zu, und das ist die Zeit, zu der man endlich aus dem Vorhof, haha, ins Paradies durfte. Nach ein paar Minuten Biwakieren vor dem winzigen Kartenhäuschen kamen wir endlich zum Eingang, wo uns muskelbepackte Türsteher-Massen auf Stereoiden (sic) schließlich durchließen auf die Wiese der Wonne.
Die Stahlkonstruktion der Bühne trotzte den Hitzeschlägen der gnadenlosen Sonne. Blick ins Publikum. Sehr grobe Schätzung: Vor der Bühne trieben sich um die hundert oder zweihundert ungeduldige Jungs und Mädels herum. An den Ständen hinter der Bühne war sofort klar, dass das Angebot an Shirts und CDs den Appetit des Publikums locker stillen würde. Das Bier war auf angemessene Temperatur gekühlt, aber außer Žuja (Ožujsko-Bier) in Halbliter-Plastikbechern darf man nichts erwarten, was auch nur entfernt nach Bier aussieht.
Einleitungstext: Sandi Sadar
ANAVRIN: 15.30 – 16.00
Zur angesetzten Zeit tauchen Jungs in weiß-schwarzen Kombis auf der Bühne auf und fangen an, alles für den Eröffnungsauftritt beim diesjährigen Radar vorzubereiten. Die jungen Hoffnungsträger aus Ljubljana, Anavrin, die mit dem Album Juice schon etwas im Gepäck haben, sind gekommen, um die Veröffentlichung ihres zweiten Albums anzukündigen, das irgendwann bis zum Herbst erscheinen soll. Sieben Mitglieder sind sieben Charaktere, die sich musikalisch seit 1999 aufeinander einspielen. Und was kann man von ihnen erwarten? Eigentlich ziemlich viel: Anavrin bemühen sich, den Hunger von Nu-Rockern, Grungern und Ska-Funk-Pop-Fans zu stillen, und damit sie der Masse gefallen, ist zu erwarten, dass sich die Klangpalette noch erweitert.
Ein paar Takte, und Anavrin servieren zum Einstieg Bekanntes – den Song ‚Slep‘ vom ersten Album, der nach einem gesampelten Anfang in eine ziemlich trocken klingende Hüpfnummer übergeht. Die Gitarristen Anže Hvale und Marko Lavrič klingen eher mono als stereo, und außer ziemlich zweidimensionalem, trockenem Gebolze kommt von der Bühne nichts, was einen in Bewegung versetzen würde. Sänger Damir Lisica versucht trotzdem, mit der Optik totaler Hingabe an die Größe des Moments auf großer Bühne zu überzeugen, aber die Reaktion des Publikums ist zu lau, als dass sich irgendeine intensivere Stimmung einstellen könnte. Der Einstieg klang, als würde man im fünften Gang einen Berg hochfahren: müde, ein bisschen hölzern und anstrengend. Gleich nach dem einleitenden „Hit“ wechselten Anavrin zu Material, das für ausländische Märkte gedacht ist. Vom Slowenischen sind die Jungs aufs Englische für ihre Geschichten umgestiegen. Der Song ‚Names In Sand‘ setzt als zweites Stück des Konzerts den inhaltlichen Faden des ersten fort. Weil man wegen der etwas zu großen Nähe zu den Boxen aber keine einzige inhaltlich vollständige Zeile verstehen konnte, kann ich nur sagen, dass sie dem Sound etwas mehr Distortion beigemischt haben, die wie Formalismus ohne die dringend nötige Passung zum Inhalt klingt. Anavrin sind auf der Bühne zu statisch und zu künstlich. Das ist nur mein subjektiver Eindruck. Sie erinnern leider immer noch zu sehr an einen Klon ihrer größeren und erfolgreicheren slowenischen „Brüder“, der Band Siddharta. Das Syndrom copius siddhartis hat schon ein paar slowenische Bands angesteckt, die ganz automatisch zu künstlichen Konstrukten und stereotypen Klischees unehrlichen Geschwafels greifen. Man kann es Anavrin aber nicht verübeln. Die Jungs erledigen ihre Arbeit mit handwerklichem Geschick und fast schon Schwung. Als Ganzes klingen sie eingespielt und entschlossen zu gewinnen, also ist nichts anderes zu erwarten, als dass sie der slowenischen Szene bekömmliche Musik servieren werden, die unseren Kriterien völlig genügt. Aber ihnen fehlen die Karisma und der Magnetismus, die im Ausland Horden von Fans anziehen würden – trotz Englisch und interessanter Frisuren. Nach den Songs ‚Reborn‘ und ‚Emptyman‘ kommt die erste Single des kommenden Albums – ‚Better U‘. Der Song verspricht mit seiner Weichheit und den schönen Vocals deutlich mehr Freude für Pop-Anhänger als für Rock-Extremisten. Mir gefiel er zwar, aber die zweidimensionale Trockenheit des Gitarrenspiels ließe sich noch ausbauen, und der Song könnte einen etwas intensiveren Puls an Energie vertragen. Damirs Vocals hielten ziemlich erfolgreich mit dem Instrumentalteil mit, aber der Gesamteindruck war ziemlich blass. Nach der ersten Single kommt die erste Coverversion. Jede Band schöpft aus der Weisheit und Botschaft der Musikvergangenheit. Anavrin haben sich als ihr Orakel aus der Vergangenheit die wilde Dame, die Diva der Erotik und Provokation gewählt – Madonna. Der Song ‚Like A Prayer‘ klang gelungen und gerade frech genug, dass in den letzten Atemzügen des Auftritts die Zuhörer aus den ersten drei Reihen des inzwischen ziemlich leeren Platzes noch richtig mitgingen. Damir versucht, mit einem Dialogversuch auf Kroatisch etwas mehr Reaktion aus der Menge zu kitzeln, aber unsere Nachbarn sind ziemlich empfindlich gegenüber dem slowenischen Unterton ihrer Sprache – in den Ratgebern für slowenische Touristen wird ja fast schon empfohlen, Englisch zu benutzen. Passend dazu war der gelungene Track ‚Foolish Games‘, in den sie mehr Schwung und Energie steckten als ins ganze restliche Konzert zusammen. Wahrscheinlich war es Logik: Das Beste kommt zum Schluss. Nach ein paar Minuten Massage verlassen sie die Bühne ungefähr so, wie sie sie betreten haben: ziemlich übersehen und unauffällig.
ANAVRIN Setliste:
1. Slep
2. Names In Sand
3. Reborn
4. Emptyman
5. Better U
6. Like A Prayer
7. Foolish Games
Text zu Anavrin von: Sandi Sadar
OVERFLOW: 16.15 – 16.45
Nach dem Abgang der Slowenen war es Zeit für etwas urwüchsig Kroatischeres. Wir müssen zugeben: Vieles, was kroatische Musiker auf die Beine gestellt haben, ist inzwischen sogar auf unserer Seite der Grenze deutlich hörbarer geworden. Ein Name, der neben den legendären Punkern Hladno Pivo zumindest die extremen Anhänger von Bier, Lederjacken, Nieten, zerzausten Frisuren und direkten Tritten in den Schritt angesteckt hat, mit einem direkten, ehrlichen und spritzigen Auftritt. So in etwa könnte die Kurzfassung des Auftritts des Quartetts aus Koprivnica, Overflow, klingen. Gitarrist Nikica Jovanović – Nike, Drummer Dalibor Martinčević – Dado, Bassist Zoran Piberčnik – Zoki und der freche ewige Jugendliche, Sänger Goran Živković – Žika, starteten die Besetzung mit dem pompösen Punk-Stück ‚Star‘ (vom äußerst provokativ betitelten Album Extremely Perverted Fantasies Of Mad Milkman’s Disordered Mind …), und die Dreißigjährigen, die so jugendlich aussahen, als wären sie 17, füllten die Bühne, als ginge es um einen Ausdauermarathon auf Leben und Tod. Žika im grünen Hemd ist wieder da! Nach ein paar Jahren Pause, in denen er unter anderem Besitzer einer Mainstream-Disco war, verlangte der Organismus wieder nach einer Adrenalindosis und einem Punkrock-Energy-Boost. Žika beherrscht die gesamte Bühnenfläche, als wären seit dem ersten gemeinsamen Auftritt von Overflow nicht schon über fünfzehn Jahre vergangen. Der etwas rundlichere Gitarrist Nike stillt das Bedürfnis nach wildem Saitengeschrubbe mehr als zufriedenstellend, und auch Drummer Dado und das jüngste Bandmitglied Zoki liegen weit über dem Punker-Minimum. Es folgt ‚Get Away‘, das ihr auf der letzten Platte Live…At Parties hören könnt. Ein Mix aus Hardcore à la D.O.A. oder Poison Ivy und neuzeitlichen Skate-Punkern wie zum Beispiel Good Riddance und was noch alles. Žika grunzt kehlig: „Run away before we get in front / There’s no way you can win …“, und das Publikum gibt sich von Moment zu Moment mehr dem Auflockern der Halswirbel hin. Eine etwas weichere Haltung nimmt der Song ‚Doraaa‘ ein, eine sehr konsequente Punk-Bearbeitung des uralten Themas unglückliche Liebe, Verführung und Unausgesprochenes. Ins sentimentale Flair flechten die Jungs sehr schön einen geklauten Refrain von The Police und deren schon fast völlig verstaubtem, aber nie ganz vergessenem Hit ‚So Lonely‘ ein. Einen deutlich schnelleren, aber nicht weniger melodischen Punk-Diskurs nimmt das poppige, Green-Day-eske ‚You’re Angry‘ ein, das im beschleunigten Stück ‚Face‘ aufgeht, einer melodischen Kreuzung aus Hladno Pivo und ihrem Song ‚Sitni Narcisoidnici‘ und etwas weniger sinnbelastetem Zeug. Das ist klassisches Three-Chord-Wonder, Polka, Party, und darin sind Overflow Künstler. Dynamik und Geschehen an einem Fleck, dazu ein Fundus aus klassischer Erfahrung, Karisma und Kilometern auf der Uhr. Overflow schalteten vom niedrigeren in den höheren Gang. Die Retrospektive über vier Longplayer ging über in die Phase der Rückkehr ins Präkambrium ihres Bestehens. Žika kündigt einen Track vom Album an, das im Jahr des Zerfalls von Jugoslawien erschien, Through Department Store – ‚Family (Remember Brundo Beer)‘, zu dem viele ältere Vertreter des Radar-Fest-Publikums Erinnerungen an die goldene Zeit der sozialistischen Repression und die Weisen unserer und eurer Jugend aufleben ließen. Punk-Haiku aus Rock’n’Roll-Energie und kultivierter Punk-Diktion, ‚Swallow‘ sorgt für den Tritt ins Gesicht, und schon nach eineinhalb Minuten beschließen die Jungs, noch etwas Würze draufzustreuen. Um das Ficken dreht sich die Welt, also ist das Ficken ein völlig passender Gegenstand für Poesie. Und Overflow sind unter anderem Dichter des Hedonismus, des Fickens und der entzückenden weiblichen Körper, weshalb ‚Pussy Eater‘ ein schönes Verbindungsglied zwischen altem und neuem Image der Band ist. Das ganz neu klingende ‚Wasted‘ spaziert selbstbewusst und nonchalant durch poppige Melodik. Genau deshalb sind Overflow völlig zu Recht als Pop-Punk-Spaßmacher alter Schule bezeichnet, die ein gesundes Maß an Humor, Ironie, Sarkasmus und Lockerheit ganz automatisch in ihr Verständnis vom Musikmachen einbauen. Neuere Bands lernen das und klingen trotzdem gekünstelt. Die alten Besetzungen hatten das nicht selten einfach schon angeboren und in die Spirale ihrer DNA eingebaut. ‚Doctor’s Tune‘ und danach der einzige Hit vom Album Unbreastfed 69, ‚Ebony‘, und Overflow schalten galant ihre hyperventilierende Konzertmaschine ab und gehen, durchgeschwitzt und ausgewrungen vom intensiven Auftritt, völlig verdient zu ihrem Bier, zwei Bier oder einem Dutzend Bier – in jeder Hinsicht haben sie verdienten Applaus und zumindest von meiner Seite Sympathien eingeheimst …
OVERFLOW Setliste:
1. Star
2. Get Away
3. Doraaa
4. You’re Angry
5. Face
6. Family (Remember Brundo Beer)
7. Swallow
8. Pussy Eater (Pička)
9. Wasted
10. Doctor’s Tune
11. Ebony
Text zu Overflow von: Sandi Sadar
HOWLING BELLS: 17.15 – 17.45
Howling Bells haben mit ihrer Anwesenheit auf dem Festival überrascht, denn ihr Name war auf den Werbeflyern, die das Event ankündigten, nirgends zu entdecken. Dass sie da waren, war dafür auf dem zweiten Blick völlig selbstverständlich, denn sie sind gerade auf einer kürzeren Europatour als Support von Placebo. Nebenbei: Howling Bells haben Placebo schon im November und Dezember 2006 supportet, genauso wie The Futureheads.
Howling Bells sind eine australische Band, die in England aktiv ist. Ihr selbstbetiteltes Debüt erschien letztes Frühjahr beim Label Bella Union. Sie sind Vertreter der Indie-Rock-Musik und verbinden Einflüsse aus Pop, Rock und Country. Die Besetzung ist ein Quartett, nämlich die liebreizende Juanita Stein (Gesang, Gitarre), Joel Stein (Gitarre, Samples), Brendan Picchio (Bass) und Glenn Moule (Schlagzeug), der während des Auftritts einen echten australischen Crocodile-Dundee-Hut trug und damit die Zugehörigkeit der Band ausdrückte.
Sie haben mich wirklich überrascht, mitten auf dem Drahtseilakt erwischt. Als die Band auf die Bühne kam, galt alle Aufmerksamkeit (zumindest was mich angeht) der kleinen süßen Juanita. Ich nehme mich deshalb aus, weil die Leute (soweit sich zu der Zeit überhaupt welche vor der Bühne herumtrieben) die Band größtenteils ignorierten. Howling Bells waren an diesem Tag in Zagreb einfach der absolute Unbekannte und die totale Exotik. Die Band kümmerte sich kein bisschen um die Kleinigkeiten, die ich erwähne, und legte kurz nach sechs am Nachmittag los. Auf den Flügeln fester Selbstsicherheit und Juanitas außergewöhnlichem Karisma machten Howling Bells klar, dass sie ein ungemein interessantes frisches Musikbündel auf der Szene sind. Die Gitarren von Juanita und ihrem Bruder Joel trugen einen völlig natürlich klingenden halbakustischen Sound, der Großteil der Melodie ist aus klassischen Griffen gebaut, ohne großes Herumdoktern, ganz einfach, alternativ! Hin und wieder ein Flirt mit Pop, aber auch mit rockiger Dilettanz. Juanitas Präsenz bringt in das Bild von Howling Bells eine besondere Art von Stimmung, die streckenweise ganz unschuldig verspielt sein kann, während gleich um die Ecke eine geradezu eiskalt düstere atmosphärische Wende lauern kann. Schuld daran ist vor allem das bewusste Erzeugen von Dissonanz durch Juanitas Gesangsweise: Da sind ihre emotionalen Ausbrüche punkiger Wut, andererseits kann das Mädel in ihrer Stimmfärbung stellenweise geradezu betörend süß verschnörkelt sein. Wer weiß, aber wenn The Beatles Alternative-Leute gewesen wären, hießen sie vielleicht Howling Bells. Der Song Broken Bones stach in diesem Bündel alternativer Rocksongs mit seinem Country-Hauch etwas heraus, und die Band baute in den halbstündigen Auftritt auch zwei ganz neue Songs ein, nämlich Cities und einen noch namenlosen Track. Auch alle vier veröffentlichten Singles fehlten im Set nicht, und mit einer davon eröffneten Howling Bells ihr Konzert äußerst energisch. Mit Wishing Stone, mit betontem Rasselbass und melodischer Eingängigkeit, von der sich die Ohren im Nu ansteckend einfangen lassen.
Angesichts der Souveränität der Bühnenshow, des Kompositionstalents und des geradezu dämonisch anziehenden Charmes der provokanten kleinen Juanita als zentraler Figur von Howling Bells, die im Ausdruck der Band das am meisten unverwechselbar Eigene betont, sind Howling Bells definitiv ein heißes Ding, das auf der Indie-Szene auftaucht. Was das Festival betrifft, war die Aufnahme der Band eine hochwillkommene stilistische Auflockerung des Events.
Howling Bells Setliste:
1. Wishing Stone
2. Cities
3. Setting Sun
4. New Song
5. Blessed Night
6. Broken Bones
7. Low Happening
Text zu Howling Bells: Aleš Podbrežnik
KAISER CHIEFS: 18.00 – 19.15
Die britischen Post-Punk-/Britpop-Zuckerbäcker Kaiser Chiefs, von denen MTV gerade randvoll ist, teilten das Radar Festival mit ihrem Auftritt scharf in zwei atmosphärisch völlig verschiedene Hälften. Schon bei Howling Bells hatten die Leute die meiste Zeit an den Ständen mit Würstchen, Bier und offiziellem Band-Merch verbracht. Vor der Bühne standen magere 400 Leute, eher weniger als mehr, die bei Howling Bells gelangweilt murrten, seufzten oder sich alltäglichen Gesprächen hingaben und die an sich ziemlich interessante Indie-Rock-Band komplett ignorierten. Tja, die Ankündigung von Kaiser Chiefs hat das Bild vor der Bühne dann komplett auf den Kopf gestellt. Der Bereich vor der Bühne füllte sich, wie es sich für ein Festival gehört. Die Zahl wuchs während des Konzerts von Kasier Chiefs auf 3000 an und wurde von da an nur noch größer. Natürlich sollte man dabei bedenken, dass viele Leute mit „absichtlicher Verspätung“ aufs Festival gekommen waren, also mit dem Plan, das Event erst ab Kaiser Chiefs aufwärts mitzuverfolgen.
Die ersten Reihen füllten sich so zur Unterstützung von Kaiser Chiefs mit einem Haufen unbepflückter Gänseblümchen im Alter von 16 bis 22. Dazwischen gemischt waren Jungs mit modernen Emo-Frisuren, Bewegungen und den Blicken scheuer Rehe, die neuerdings mehr Zeit vor dem Badezimmerspiegel verbringen als jedes zuvor beschriebene „moderne MTV“-Püppchen.
Als ihre Helden die Positionen bezogen, ging es natürlich im Nu rund, und dem Festival wuchsen endlich Flügel. Die Kaiser-Chiefs-Männer, die sich ihre Popularität meisterhaft mit einer fein geplanten wirtschaftlich-propagandistischen Politik erkämpft haben, durch das Schreiben von Songs mit ansteckender Eingängigkeit, gehüllt in genau die richtige Dosis Revolte, die Rockmusik auslöst, und mit einem Look, in den sie ein bisschen Beatles-Frisuren mischten, plus der passenden Dosis Ausgelassenheit, die an die Bühnenverwüstungen aus der Zeit erinnerte, als die Punkbewegung auf ihrem Höhepunkt war, also einer Verbindung von Frechem und Braven zu einem kühnen und wirkungsvollen Puzzle, das für eine breitere Masse empfänglich ist, machten auf der Bühne in all dieser Gestalt keinerlei Umwege. Nebenbei: Die Formel ist ein Sieger, und die Jungs verdienen in dieser Hinsicht für das Erreichen von Popularität im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends alle Glückwünsche.
Die ganze Bühne war voll von ihnen, dafür war vor allem Sänger Ricky verantwortlich! Der Typ kletterte auf den Monitoren herum, sprang im Spagat von ihnen runter, stieg zweimal sogar ein paar Meter an der Bühnenkonstruktion links und rechts neben den Monitoren hoch, rannte in die Monitore, küsste die Mikrofonständer … Während Ricky in den Wolken schwebte, heizten den Leuten durch Herumrennen auf der Bühne zusätzlich der zwei Meter lange Spinnenmensch am Bass, Simon, und der Mann mit der grünen Socke auf dem Kopf und der Glamour-Brille, Gitarrist Whitey, ein!
Die Jungs haben draußen insgesamt zwei Studioalben! Und daraus haben sie wie zum Spaß eine bombastische Setliste zusammengebaut, die sich der gleichwertigen Präsentation beider widmete und, was Selbstvertrauen angeht, bei Kaiser Chiefs‘ autoritärem und völlig ausgefeiltem Live-Auftritt das Grundgerüst für die Schaffung einer kompakt hohen Stimmung ihres fiebrigen Auftritts darstellte. Wenn du das Konzert mit einem großen Hit eröffnest (Everyday I Love You Less And Less) und mit einem weiteren abschließt (Oh My God) und dazwischen das Publikum mit MTV-Blümchen wie den aktuellsten Ruby und Everything Is Average Nowdays auf den Beinen hältst, dann Modern Way und gegen Ende I Predict A Riot, kann die ganze Sache einfach nicht schiefgehen. Sound und Umsetzung auf gefordertem Niveau großer Überzeugungskraft. Die Lautstärke der notorischen Ausgelassenheit und die hervorragende Kommunikation des Quintetts auf der Bühne, mit der sie das anwesende Publikum vor der Bühne sichtlich begeisterten, zeigen, dass in der Band alles auf der geforderten Betriebstemperatur läuft. Kaiser Chiefs haben bewiesen, dass sie eine junge, heiße Band sind, die ihren Status des aktuellen kommerziellen Erfolgs nach dem, was man auf dem Radar Festival gesehen hat, in großem Stil gerechtfertigt hat. Die Jungs können spielen, können auftreten und können eine außerordentlich feste Kommunikationsebene zwischen Band und Publikum aufbauen. Eine Stunde und 15 Minuten waren im Handumdrehen vorbei, und der erste Höhepunkt des Radar Festivals lag hinter uns, noch bevor ich, mitten im Wogen des lauten Gesangs der Menge, richtig zu mir gekommen war und mich wieder in den Zustand normaler Reizwahrnehmung zusammengesetzt hatte!
KASIER CHIEFS Setliste:
1. Everyday I Love You Less And Less
2. Heat Dies Down
3. Everything Is Average Nowdays
4. Na Na Na Na Naa
5. Ruby
6. I Can Do It Without You
7. Born To Be A Dancer
8. Modern Way
9. Thank You Very Much
10. The Angry Mob
11. Highroyds
12. I Predict A Riot
13. Learnt My Lesson Well
14. Take My Temperature
15. Oh My God
Text zu Kaiser Chiefs: Aleš Podbrežnik
PLACEBO: 19.45 – 21.00
Schon während Kaiser Chiefs drängte sich ein richtiges kleines Meer von Leuten an den Zaun. Das Festival ist mit Kaiser Chiefs richtig lebendig geworden. Auf dem Stück von ca. 30 m zwischen Mischpult und Bühne brodelte es. Jugend in Hülle und Fülle überall. Fiebrig erwarten sie ihre Lieblinge Placebo, nur drei Jungs. Die Bühne überraschte mit einem Überfluss an Gitarren, wie ihn wohl nicht einmal die schlimmsten Gitarrenfetischisten von Steve Howe bis Joe Satriani in ihrer Privatsammlung haben.
Placebo kamen, um Ärger zu machen, als langsam die Dämmerung einsetzte. Die Stroboskope fingen plötzlich giftig an zu hacken, das Publikum wachte auf, und die Band stand auf der Bühne mit Infra-Red. Seltsam, dass die Jungs nicht mit dem Song „Mein Röckchen verkauf ich noch…“ begonnen haben, denn Brian Molko begrüßte das Publikum tatsächlich im Rock – der Typ kam ausgerechnet auf dem Radar Festival in einem komplett neuen Bühnenoutfit, der „aalförmige“ Bassist Stefan Olsdal ebenfalls. Ohne Hemd und Bremsen, also „oben ohne“, reckt er den Bass hoch in die Luft zum Gruß ans Publikum, und die Band macht schon weiter mit Because I Want You. Brian kam diesmal offenbar mit ruhigen Nerven auf die Bühne, wirkte gut gelaunt, sprach das Publikum sogar an, um sich beim Publikum und bei Zagreb zu bedanken. Der Sänger hatte obendrein eine dunkle Brille mit dicken Rahmen aufgesetzt, sodass er wie ein junger transsexueller Roy Orbison aussah. Placebo tobten diesmal ohne gedankliche Hemmungen einfach los. Ihre Spontanität auf der Bühne war richtig ansteckend. Brians Vocals einer neotenischen Larve (eines frechen nichtmutierten Jungen) hielten über den ganzen Auftritt der Band auf der geforderten Betriebstemperatur durch. Ohne ihn geht es eben nicht, und gut, dass er einwandfrei funktionierte!
Die Jungs sind wirklich Sonderlinge. Auf der Bühne sind die ganze Zeit zwei Techniker präsent. Jeder von ihnen steht neben einer Kette von Gitarren, einer links, der andere rechts. Beide stimmen Gitarren, während die Jungs spielen. Die ganze Zeit. Das ganze Spiel über. Wenn ein Song zu Ende ist, tauschen Molko und Olsdal die Gitarren, jeder bei seinem Techniker, für jeden Track kommt so eine andere Gitarre in die Hände. Logisches Schlussfolgern führt also dazu, dass die Jungs ihre Gitarren tiefer gestimmt haben. Weil sie auf Lawinen von großem „Groove“ aus den elementarsten Zweifinger-Griffen in Quinten bauen, schwankt der Sound während des Konzerts natürlich zwischen gestimmt und verstimmt. Letzteres tut einer Band wie Placebo nur gut. Je verstimmter sie klingen, desto spektral voller und noch gefährlich lawinenartiger wird ihr Sound.
Aus dem Publikum lockten die Jungs nach bewährter Praxis mit geringstem Aufwand das delirische weibliche Kreischen, was jemand, der heutzutage nicht gewohnt ist, Konzerte von „Mainstream“-Bands zu besuchen, definitiv nur verblüfft beobachtet (und bewundert). Placebo hatten noch ein viertes Mitglied auf der Bühne – einen Helfer. Einer ihrer Techniker kümmerte sich die ganze Zeit um das elektronische Sampling, das die Konzertatmosphäre ausbaute, oder er „doppelte“ Brian mit einer zweiten Gitarre. Außerdem wechselt Olsdal bei Konzerten ebenfalls zwischen Bass und Gitarre, sodass der Techniker ein richtiger kleiner doktorierter Multiinstrumentalist war, denn er musste zeitweise auch Bass spielen.
Das Placebo-Konzert in Zagreb war in jeder Hinsicht außerordentlich erfolgreich. Die Jungs kippten der Menge eine Masse ultraschweres Riffing über, genau die Sorte, wegen der ihre Fans gekommen waren. Unglaublich, wie dieser massive Klangvorhang live noch mehr zur Geltung kommt, verglichen mit dem Sound ihrer Platten. Der Sound war hervorragend, und das Publikum trug von sich aus mindestens zwei Drittel dazu bei, dass die intensive Stimmung und die Chemie während des Placebo-Konzerts teuflisch vergrößert wurden. Die Band fühlte sich im Schoß des heißblütigen Publikums bestens und holte entsprechend noch mehr aus sich heraus. Ein toller Partyabend!
PLACEBO Setliste:
1. Infra-Red
2. Because I Want You
3. Meds
4. Drag
5. Sleeping With Ghosts
6. Song To Say Goodbye
7. Every You Every Me
8. Special Needs
9. One Of A Kind
10. Bionic
11. Special K
12. The Bitter End
13. Running Up That Hill
14. Taste In Men
15. Twenty Years
Text zu Placebo: Aleš Podbrežnik
QUEENS OF THE STONE AGE: 21.30 – 22.45
Der ganztägige Konzertmarathon hatte schon bis zum Auftritt von Placebo das Niveau eines psychotischen Anhimmelns der Musikidole erreicht. Deshalb war der Höhepunkt des Tages, der alten Bekannten von slowenischen Bühnen gewidmet war und zugleich einer der Hauptpfeiler des modernen Stoner (auch wenn sie sich selbst damit keineswegs identifizieren können und wollen), die Fortsetzung der zuvor vorgezeichneten Linien. Sie kommen aus einem Ort namens Palm Desert. Sie kommen aus Kalifornien. Queens Of The Stone Age sind ein Konglomerat aus der Energie von Stoner-Bedröhnung, Experten-Songwriting, fast radiotauglichen Melodien und einem Ego, das der Anonymität entwachsen ist. QOTSA verkörperten den Höhepunkt der Erwartungen und deren Verdichtung zu einem meditativen Abschalten vom Hier und Jetzt. Auf der Bühne breiteten die Techniker eine neue Tonne neuer Bühnenhilfsmittel aus, ohne die der Auftritt nicht machbar gewesen wäre. Vor allem stachen die Discokugeln auf kilometerlangen Ständern hervor, die an einem Stahl- und zugleich Leder-Sadomaso-Gerüst hingen. Die Aussicht auf einen einstündigen Auftritt bedeutete, angesichts der Tatsache, dass die Jungs vor Kurzem schon ihr sechstes Album veröffentlicht hatten, eine komplette Reduktion der weniger interessanten Werke. Jeder der Fans hatte aber eine Liste von Songs im Hosentaschen-Bereitschaftsmodus, die er gern beim Konzert hören würde (oder hoffte zumindest still auf irgendeine Nummer, die ihm mehr am Herzen liegt als die anderen …).
Um halb zehn, kurz danach, richten sich die Bühnenscheinwerfer auf die Bühne und lassen die Menge im Halbdunkel. Das Konzert hat begonnen. Mit den ersten Akkorden weben Gitarrist Troy Van Leeuwen, Drummer und Ex-Danzig-Mann Joey Castillo, Bassist Michael Shuman, Keyboarder / Gitarrist Dean Fertita und das Zentrum des Geschehens – Mastermind Josh Homme – die Fäden eines perfekten Experiments und unwiederholbarer Spontanität, und zwar so, dass sie Form und Rahmen nur folgen, um das Minimum an Wiedererkennbarkeit zu erfüllen. Keineswegs möchte ich sagen, dass ‚Good Hit Of Summer‘ unkenntlich und unter aller Kritik war. Überhaupt nicht! Es ging um die Chemie der Psychedelik und darum, dem Publikum die Konzertrechnung mit der expliziten Politik einer „Less is more“-Haltung zu präsentieren. QOTSA sind musikalische Experimentatoren, Bohemiens und Beherrscher von Rhythmus und Gitarrenfärbungen. Sie sind nicht gerade Pink-Floyd-mäßig kompliziert, aber ihr Ziel des Abends war nur Tanzen und Spaß. „Everybody knows how to dance like … Before I do …Croatia it’s time to dance!“, und der Rhythmus, in dem die Geschichte des Abends gewebt wird, ist weit entfernt von Bedröhntheit und Abwesenheit von Intellekt. Die Songliste ist sorgfältig ausgedacht. ‚No One Knows‘ klingt verzerrt und fast so, als ginge es um einen Mutanten, der, ins Chaos hineingeboren, um nacktes Überleben und Tod kämpft. Um ehrlich zu sein: Die rhythmische Verlangsamung und die alternative Stimmung des Stücks geben das Gefühl, dass sich die Stars des Abends fast alles erlauben können und ihnen das niemand übel nehmen wird. QOTSA ähneln der Szene – ein Kabarett des Hedonismus, der Sado-Maso-Ästhetik und des ewigen Experiments mit der eigenen Belastbarkeit und der schizophrenen Rekonzeptualisierung bereits veränderter Konzepte. ‚Do It Again‘ klingt etwas näher an der Albumwissenschaft, aber die Cluster der Klangwellen sind ziemlich massiv und zerfahren, sodass es nicht ganz ohne Mühe geht, dem roten Faden der schon bekannten Wortreihe vom Super-Erfolgsalbum Songs For The Deaf zu folgen. Josh Homme führt den Tanz geistesabwesend weiter, und wir anderen sind Teil des Moment-Geflechts, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart verweben und in dem das Streben nach unendlicher Zukunft wohnt. Bald kommen wir zu einem Moment, den Homme schon dadurch als erste Wendemarke markiert, dass er das Publikum anspricht (ungefähr 5000 Fans, die die Lücken auf den vorher deutlich leereren Wiesen vor der Bühne trotzdem füllten): „This song’s about screwing. You know the thing don’t ya…“, und ‚Lost art Of Keeping Secrets‘ dröhnt voll aus den seitlichen Boxen, als Füllung der Leere zwischen der rechten und der linken Hemisphäre des Vakuumraums der Unendlichkeit des Alls.
Die Intensität der Gefühle ist zwar etwas blasser als beim Konzert vor ein paar Jahren, als sie die Farben von Rot verteidigten und wir auf unseren Bühnen zum letzten Mal einen Teil der gemeinsamen Tour des Gespanns Homme – Olivieri sahen. Mir persönlich scheint, dass auf das Album Songs For The Deaf eine Phase konstanten Abstiegs und Identitätsverlusts folgte, mit der sich QOTSA schon bei den Aufnahmen zum Album Lullabies To Paralyze auseinandersetzen mussten. Trotzdem ist eine der sichtbareren Perlen der Platte der Song ‚Burn The Witch‘, mit dem uns die kalifornischen Stoner schon sehr bald nach dem einleitenden Abtasten des Pulses der Menge bedienen. Homme bringt in gebrochenem Kroatisch „Volim vas!“ heraus, und das Publikum frisst ihm aus der Hand. Um eine mögliche Erschütterung der Massen beim Hören des neuen Materials auszugleichen – ‚Turning On Screw‘ – fügen sie gleich ein Prise Rustikalität vom vorletzten Album hinzu. Tatsächlich reservieren sie die Mitte des Konzerts für ein Duell zwischen letztem und vorletztem Album, denn nach ‚Little Sister‘ kündigen sie eine Stampede verzerrter Zerstörungskraft von allem an, was wir in der Vergangenheit mit dem Begriff QOTSA verbunden haben. ‚Battery Acid‘ klingt wie die Reorganisation des perfekten Chaos in eine Melodie, zu der man bedingt sogar tanzen kann. Die Unnachgiebigkeit des harten Zugriffs des Neuen sind zweifellos auch ‚Misfit Love‘, ‚3’s & 7’s‘ oder ‚Sick, Sick, Sick‘, die Van Leeuwens Färbung, Hommes Psychotik und musikalisches Genie und ein hartes, kohäsives Ganzes aus der Rhythmusgruppe vereinen, das euch mit drei Akkorden und massivem Schlagzeug-Zementieren davon überzeugt, dass Wiederholung völlig logisch sein kann. Ziemlich bald wird klar, dass die Zeit der alten Eingängigkeit und des Spielens auf Gefälligkeit auf den ersten Blick endgültig vorbei ist. QOTSA nehmen sich das Recht auf Artistik. Trotzdem ist klar, dass sie nicht völlig und nur von den neuen Früchten des Studiogeschwafels leben können, also gönnen sie sich fürs große Finale noch einen Ausflug in ihre Version von Metallicas Black Album: auf Songs For The Deaf. ‚A Song for the Deaf‘ ziehen sie in die Länge und erlauben sich rhythmische Spielereien mit Segmenten, was beim Publikum Zustimmung und gleichzeitiges Klatschen erntet. Ziel erreicht! Das Publikum gab sich dem Tanz hin und blendete allen unnötigen Ballast des höllischen Tages aus, der langsam hinter uns lag. QOTSA waren mit dem Erfolg zufrieden, und Homme wiederholte seine Zuneigung zu unseren Gefilden immer wieder, aber die Zeit des Abschieds musste langsam doch kommen. „This song is a little love letter to you guys! We love you!“ war die Ouvertüre, auf die ‚Go With The Flow‘ folgte, nach dem die Queens langsam, aber endgültig die Bühne verließen.
Die kitschigen Plejaden bunter Lichter wurden von weißen Scheinwerfern abgelöst, und die Saga über eines der Konzerte dieses Sommers konnte zu Papier gebracht werden. Die Felder vor der Bühne waren übersät mit einer Decke aus Festivalzerstörung, Bechern, einem etwas kleineren Müllhaufen als üblich und mit Besuchern, die in mehr oder weniger abwesendem Zustand zufrieden und begeistert ihren Weg zu den Ausgängen in die Freiheit suchten. Mir drängte sich nach dem phänomenalen Konzert der Vergleich der beiden QOTSA-Konzerte auf, zwischen denen man Parallelen ziehen kann, aber jedes Abwägen ist völlig unmöglich. Es ging um zwei getrennte Segmente in den Koordinaten von Raum- und Zeitquadranten. Es handelt sich um zwei getrennte Entitäten und zwei getrennte Gruppenorganismen. Die Glieder veränderten sich, und mit ihnen Funktionalität, Zweck und Gesamtbild. Trotzdem bezweifle ich, dass viele sagen würden, das Konzert sei sein Eintrittsgeld nicht wert gewesen, denn für die verlangte Summe bekamen wir weit mehr, als man erwarten konnte und durfte. Das Radar Festival war in dieser Hinsicht ein voller Erfolg, die geringere Besucherzahl könnte aber eine Tragödie für alle bedeuten, die auf eine Wiederholung nächstes Jahr hoffen. Aber nur keine Sorge: Es wird getuschelt, dass sie vorhaben, das Festival nächstes Jahr noch auszuweiten und euch statt eintägigem Picknicken gleich zweitägiges Biwakieren zu bieten …
1. Feel Good Hit Of Summer
2. No One Knows
3. Do It Again
4. Into The Hollow
5. Lost Art Of Keeping Secrets
6. Turning On The Screw
7. Burn The Witch
8. Misfit Love
9. Little Sister
10. Battery Acid
11. 3’s & 7’s
12. In My Head
13. Sick, Sick, Sick
14. A Song For The Deaf
15. Go With The Flow
Text zu Queens Of The Stone Age: Sandi Sadar
Setliste
QUEENS OF THE STONE AGE PLACEBO KAISER CHIEFS HOWLING BELLS OVERFLOW ANAVRIN
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