Prince Of Paupers

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Grand Illusion
Label: AOR Heaven Records
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 56:04
Bewertung: 4.5/5

Das sechste Studioalbum der Schweden Grand Illusion ist definitiv ihr bestes Album der gesamten Karriere. Die Band, deren Mitglieder auf die eine oder andere Weise bereits seit den frühen Achtzigern musikalisch aktiv sind, meldete sich 2010 mit dem Comeback-Album „Brand New World“ zurück und beendete damit eine längere Pause. Man könnte es als solides, schönes Comeback-Album bezeichnen – dem jedoch das gewisse Quäntchen fehlte, damit man es immer wieder in den CD-Player einlegen würde und die Erinnerung daran nicht so schnell verblasst.

Diese Schmiede der bewährten AOR/Melodic-Rock-Spur sind natürlich musikalische Perfektionisten, die nichts dem Zufall überlassen und stets das Beste aus ihren kreativ-schöpferischen musikalischen Talenten herausholen wollen! Eine „skandinavische“ Musikphilosophie, die im Grunde nicht versagen kann – wie ein Saab- oder Volvo-Motor. Ehrlich und schlicht richtig. Die Band hat die Zusammenarbeit mit den erfahrenen Musikergrößen Tim Pierce (Rick Springfield) und einem der weltbesten Schlagzeuger, Gregg Bissonette, auch auf dem neuen Album „Prince Of Paupers“ fortgeführt!

„Prince Of Paupers“ lässt sich ohne Weiteres in das Spektrum der Melodic-Rock-Veröffentlichungen für den europäischen Markt einordnen – auf einem Platz, den auch ein neues Treat-Album beanspruchen könnte, auf das wir allerdings noch ein weiteres Jahr geduldig warten müssen. Ein Klon ist das natürlich keineswegs! Tatsächlich definiert „Prince Of Paupers“ Grand Illusion neu – klanglich (nicht stilistisch) stehen sie heute näher an Treat als an den AOR-Puristen und Landsleuten Bad Habit. Auf dem neuen Album überrascht vor allem die Dichte des Produktionsklangs, der die Gitarrenriffs stärker in den Vordergrund rückt – auf dem Vorgänger waren sie noch etwas „vergraben“ im Gesamtklangbild.

Lass mich nicht zu lang um den heißen Brei herumreden. „Prince Of Paupers“ ist das Album, das Grand Illusion bereits mit „Brand New World“ gesucht haben. Den Vorgänger haben sie mit dem Nachfolger genau in jenen Elementen weiterentwickelt, die beim durchaus respektablen Erstling noch vermisst wurden – damit er wirklich voll zünden konnte.

„Prince Of Paupers“ hat alles.  Eine Sammlung hochinspirierter Songs, die trotz klar umrissener AOR-Schablone eine außergewöhnliche gegenseitige Flexibilität und bunte Vielfalt in den gewählten Leitmotiven herausholen! Das gilt auch für die mitreißende Ballade So Faraway, in der einer der größten Gitarrenmeister des Planeten sein Solo abliefert – Seine Exzellenz und erleuchteter Herr Steve Lukather – genauso wie für die balladenhafte Believe In Miracles, und das alles  bis hin zum düsteren, im Rainbow-Geist entworfenen Eyes Of Ice.

Nicht zu vergessen die Beiträge des erfahrenen Veteranen Tim Pierce und des vielversprechenden bosnischen Gitarristen Muris Varajič!  Beide finden diesmal hervorragend ihren Weg, die richtigen Gitarrenlösungen einzubringen, die in den Soli das dramatische Theater vertiefen und die außergewöhnliche dynamische  Flüssigkeit und Kompaktheit der Songs aufrechterhalten. Diese Songs sind von einer außergewöhnlich pompösen, bombastischen Schicht feierlichen Drama-Theaters umhüllt, das aber überwiegend positiv-optimistisch ausgerichtet ist. Dieser Touch zündet besonders überzeugend und intensiv in der ersten Albumhälfte, und Grand Illusion kehren mit dem einzigartigen On And On gegen Ende des Albums zu genau diesem Gefühl  zurück, das noch weiter vertieft wird durch das nicht weniger beeindruckende, im Toto-Stil entfesselte Under The Wire.

Dieses Album erreicht eine außergewöhnliche Kontrastintensität. Die Harmonien der Gesangsmelodien, die den melodisch klaren Leadgesang mit breitem Stimmumfang beider Leadsänger umrahmen, sind haargenau optimiert und im perfekten „Schliff“ ein ideales Vorbild für andere Bands, die in ihrer Ausdrucksform das wahre AOR-Gesicht  suchen! Die Kontraste vertieft die hervorragend herausgearbeitete Klangstruktur der Rhythmussektion. Das Zusammenspiel des warmen, vollmundigen Basses (der eine hervorragende Quelle zusätzlicher melodischer Strukturen in den Songs verkörpert) im Dialog mit dem dynamischen Schlagzeug-„Stampede“ des stets zuverlässigen Schlagzeuggaranten Gregg Bissonette ist diesmal ein gleichwertiges Element, das die Waagschale zugunsten der Erkenntnis neigt: „Prince Of Paupers“ ist eines der stärksten  AOR-Produkte, die 2011 in Europa erschienen sind. Der Hauch eingefangener feierlicher Pompösität auf diesem Album  ist außergewöhnlich, geht hautnah unter die Haut – und die Songs zünden sofort. Schon beim Ersthören.

Die Entwicklung von Grand Illusion in den letzten zwei Jahren erinnert an die Entwicklung und Weiterentwicklung des musikalischen Ausdrucksvokabulars ihrer Landsleute Work Of Art. Beide Bands haben mit ihren jeweiligen letzten Studioalben im Jahr 2011 den Gipfel echter AOR-melodisch-pompöser Perfektion erreicht. Jede auf ihrem eigenen Ausdrucksweg. „Prince Of Paupers“ ist die Messlatte für den Nachfolger, der beweisen wird, ob Grand Illusion das Niveau dieser hochqualitativen Ausdrucksform halten können, die sie in neu gefundenem Elan in ihrer neuen Ära mit „Prince Of Paupers“ erreichen. Von der Band lässt sich schlichtweg nicht mehr verlangen – und diesem Album haben sich bis heute ohne Frage alle echten Kenner des europäischen Prinzips im AOR und Melodic Rock tief verneigt.

Besetzung

Peter Sundell – Gesang, Hintergrundgesang
Per Svensson – Gesang, Hintergrundgesang
Anders Rydholm – Keyboards, Rhythmusgitarre, Bassgitarre
Gregg Bissonette – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Steve Lukather (solo, Toto) – Gitarrensolo auf Track Nr. 4
Jay Graydon (Airplay, Planet 3) – Gitarrensolo auf Track Nr. 2
Tim Pierce (Rick Springfield) – Rhythmusgitarren und Gitarrensoli auf Tracks Nr. 5, 6, 8, 9. 10, 12
Muris Varajic – Gitarrensolo auf Tracks Nr. 1, 3, 7, 9, 11
Robert Sall (Work Of Art) – Gitarrensolo auf Track Nr. 13
Paul Buckmaster – Orchesterarrangements, Synthesizer auf Track Nr. 1
Kjell Klaesson – akustische Gitarre auf Track Nr. 9
Staffan Stavert – Keyboards auf Tracks Nr. 10 und 13

Produktion

Anders Rydholm

Trackliste

1. Gates Of Fire
2. Better Believe It
3. Prince Of Paupers
4. So Faraway
5. St. Teresa’s Love
6. Through This War
7. Eyes Of Ice
8. Gone
9. Believe In Miracles
10. On And On
11. Under The Wire
12. Winds Of Change
13. Not For Sale*

*… Bonustrack für den japanischen Markt

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