Od tod do vesolja mit Nana Milčinski (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / SNG Drama / Slowenien
Konzertdatum: 12.01.2014
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 8,00€ / 12,00€

Gut ein Jahr nach ihrem Debüt »Še ena pomlad« (Rockline-Rezension HIER) steht Nana Milčinski bereits wieder mit einem neuen Studiowerk auf der Matte – und nimmt uns mit auf die Reise »Od tod do vesolja«. Mit einem neuen Bündel vertonter Werke aus dem reichen Poesiearsenal, das ihr Großvater Fran Milčinski Ježek hinterlassen hat – der, wäre es ihm vergönnt gewesen, am 14. Dezember dieses Jahres genau hundert biblische Jahre alt geworden wäre!

Über die Familie Milčinski braucht man keine großen Worte zu verlieren. Mit ihrem ungeahnten kreativ-künstlerischen Talent hat sie Generationen von Slowenen geprägt. Ein Teil des einzigartigen Genies des wohl größten Universalkünstlers Sloweniens unserer Zeit, Fran Milčinski Ježek, lebt in Nana weiter. Daran gibt es keinen Zweifel.  Das Mädchen ist von Musikern, Beratern und auch Klang-Gurus (wenn euch das lieber ist) umgeben, die ein Gespür für ausgefeilte musikalische Arrangements im kleinen Finger tragen.  Das Album »Od tod do vesolja« ist nämlich in der Komplexität der Arrangements gegenüber seinem Vorgänger gewachsen.

Im Rahmen der akustischen Sonntage des SNG Drama-Programms gehörte also einer der verfügbaren Termine Nana Milčinski! In einem praktisch ausverkauften Ambiente. Um ihr neuestes Werk »Od tod do vesolja« in seiner Gesamtheit vorzustellen.

Der Raum vollgepackt mit Feierlichkeit und einem Gefühl der Begeisterung! Auf der Bühne die Musiker der Big Band und des Sinfonieorchesters RTV Slovenija unter der Leitung von Dirigent Tadej Tomšič, dazu eine Schar Begleitvokalistinnen und -vokalisten namens Gregor Gruden, Gregor Strasbergar, Eva Gorenc und Manca Bukovec, und näher bei Nana eigentlich ihre Begleitband, die diesmal aus dem dunkelhäutigen Hünen an der Gitarre Femi Temowo, Keyboarder Marko Crnčec, Bassist Robert Jukič und Schlagzeuger Sergej Randjelović »RunJoe« bestand. Ja. Das erfordert eben der Charakter des Albums »Od tod do vesolja«. Mit ihrem neuen Album ist Nana Milčinski also »še malo zrasla« – noch ein bisschen gereifter. Und mit ihr auch ihre Musik.  

Die Vorstellung bot die Aufführung des gesamten neuen Albums »Od tod do vesolja«, doch Nana schmuggelte mitten im Konzert auch zwei Songs vom Vorgängeralbum ins Repertoire – das verschmitzte Dragi und das für sie mystisch-versonnene und scheue Pesem o vetru. Zum Album »Še ena pomlad« kehrten wir in der obligatorischen Zugabe zurück, als die Musikertruppe noch die Songs Pisemce und Zaljubi se v življenje spielte. In den neuen Song Ljubezen naj gre vedno v cvet stieg Klemen Slakonja auf der mit blutroten Rosen bestreuten Bühne für ein Vokalduett mit Nana ein. Natürlich durfte die Vorstellung auch Juš Milčinski nicht übergehen, der das Repertoire erneut mit Nummern aus seinen Satirerezitals würzte – darunter »Birokratizem s kravato« und »Psihiatrija«. Ein charmantes Zwischenspiel also. Neben Klemen Slakonja und Juš Milčinski stieß noch ein weiterer besonderer Gast des Abends dazu – ganz am Ende der Vorstellung betrat nämlich der gesamte Chor Bee Geesus unter der Leitung von Matej Virtič die Bühne für die Aufführung des Songs E Lon Lan Ler zum krönenden Abschluss.

Die Aufführung? Bei nahezu perfekter Raumakustik lässt sich auch das Nachhallen einer fallenden Stecknadel kaum verbergen. Die Aufführung lieferte eine außerordentliche Neuinterpretation des Albums »Od tod do vesolja«, vor allem in den kontrastreich herausgearbeiteten Passagen der Vokalbegleitung sowie der Streicher- & Bläsersektion – doch im oberen Bereich (Balkone) des Saals machte der Sound Probleme. Die Soli von Femi Temowo waren nicht klar zu hören; dafür war Meister Randjelović diesmal sehr laut, geradezu überlaut.

Nana ist mit einer wunderschönen Stimme gesegnet, und auch diese versetzte das Publikum in Hypnose, als sie uns mit den wunderschönen Nuancen einer vollsinnlichen Interpretation streichelte und verwöhnte. Trotzdem verspürte das Mädchen – sonst jede Art der Scheinwerferexposition gewohnt – diesmal wohl ein wenig Lampenfieber. Ihr Vokal strahlte ein paarmal einen Hauch von Unsicherheit in der Ausführung aus. Eher eine Beobachtung, die dem Charme des Abends höchstens noch Punkte hinzufügt, als irgendetwas anderes. Die musikalische Kulisse jedenfalls, für die die ausgezeichneten Musiker des Abends sorgten, bot Nana vollständige Sicherheit und das Gefühl, sich dem Vergnügen der Interpretation des Materials ganz hingeben zu können. Und trotzdem schlich sich wohl dieses kleine Lampenfieber an.

Party kot za sodni dan ist offensichtlich einer von Nanas Favoriten des neuen Albums und wird aller Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft als Single erscheinen – in der Zugabe wurde er nämlich noch einmal gespielt. Kandidaten dafür gibt es auf dem neuen Album reichlich, wie etwa das verschmitzt sozialkritische Stol oder die wahre »kleine Ode« ans kalte Bier namens Poletne impresije. Besonders ansteckend wirken aber die intimeren Nummern des Albums, wie Še to noč und Beli kurir, wo die Sinnlichkeit von Nanas Vokal besonders bezaubernd zur Geltung kommt.

Man darf auf keinen Fall das unsichtbare Mitglied übergehen, das diesen Abend in der SNG Drama durchgehend präsent war. Eigentlich greifbar präsent. Nein, nein. Niemand hat mit Hologrammen geholfen, keine Sorge. Die Rede ist natürlich vom einzigartigen Fran Milčinski Ježek, ohne den wir die Vorstellung sicher nicht so ausgelassen hätten genießen können. Die Geschichten, Erzählungen und Gedichte von Fran Milčinski Ježek sind unsterbliche Schöpfungen. Aber das spürt man eigentlich erst dann richtig, wenn man ihnen wieder lauscht – am besten in einer noch nie gehörten Umsetzung als Kabarettchanson, für die Nana Milčinski sorgt und die der Poesie ihres Großvaters in ihrer Vision eine neue Dimension eingehaucht hat. Die Tiefe von Ježeks geistiger Weite und Erleuchtung entfaltet sich dabei besonders intensiv in ihrer Unmittelbarkeit und erfüllt und bereichert Seele und Herz jedes beliebigen Empfängers von innen heraus. Das spürte auch das Publikum in der SNG Drama an diesem Abend – denn die Musiker mit Nana an der Spitze wollte es einfach nicht von der Bühne lassen. 

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