Ni dovolj!
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Eskobars
Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 35:07
Bewertung: 3/5
Eskobars melden sich nach dreieinhalb Jahren mit einem neuen Studiowerk zurück – »Ni dovolj«. Mit dem gleichnamigen Debüt machten sie auf souveränes Handwerk aufmerksam, das zwar keine musikalische Revolution offenbart, der Band aber genug Raum lässt, eine eigenständige künstlerische Handschrift zu entwickeln. Das Debüt hat mit seinem musikalischen Profil angenehm auf sich aufmerksam gemacht und signalisiert, dass am Horizont eine neue, talentierte musikalische Größe heranwächst. Auf dem Debüt traf die Band einige ausgesprochen gelungene Entscheidungen von echter musikalischer Qualität und bot damit eine souveräne Mischung aus Alternative-Rock, in der sich Einflüsse aus Britpop, klassischem Rock ’n‘ Roll, Blues und einem typisch slowenischen Alter-Melos vereinen.
Mit »Ni dovolj« versuchen Eskobars einen Schritt weiter Richtung kommerziellen Durchbruch zu gehen. Das Album bietet mehr Wumms und versucht, den anthemischen Marsch-Charakter der Britpopper zu rekapitulieren – so wie etwa Franz Ferdinand. Auf diese Tatsache stoßen wir bereits beim Albumauftakt mit dem Titeltrack; auch das in der Mitte eingebettete Dej povej verleugnet es nicht, gegen Ende dann Ocean, und am Albumschluss Bele zastave. Das Album folgt einer optimierten Sanglichkeit, die invasiv wirken soll – ansteckend. Beim ersten Hinhören natürlich. Das Album steckt voller ausgesprochen leichter, entspannter, partyfreundlicher Rock-Nummern, denen man in der Arrangierung nichts vorwerfen kann. Die Produktion ist klar, farbig kontrastiert, die Bausteine atmen lebendig und koexistieren in vorbildlicher Symbiose. Die Produktion hebt sorgfältig den »Groove« der Basslinie hervor, der die tanztaugliche rhythmische Kinetik der Songs festigt. Dem entkommt auch das revitalisierte Arrangement von Potnik nicht, das sich bereits auf dem Debüt »Eskobars« findet.
Schon mit dem Debüt haben Eskobars gezeigt, dass sie Musik in knappen, durchdachten und behutsam abgemessenen Schritten schaffen, wo das Axiom »weniger ist mehr« dominiert. Auch »Ni dovolj!« ist ein Album der prägnanten Exposition. Die Band hat eindeutig den Großteil ihrer kreativen Kräfte darauf verwendet, den slowenischen musikalischen »Mainstream« zu erobern. »Ni dovolj!« beunruhigt in Bezug auf kompositorische Eigenständigkeit nicht mehr so angenehm wie das Debüt »Eskobars« und liefert mehr bereits erprobtes musikalisches Material. Das Paket aus ansteckender Melodiosität, tanztauglicher Kinetik und gelegentlicher Bombastik in den Refrainmelodien bietet zweifellos hervorragende Ausgangspunkte für mitreißende Konzertauftritte – trotzdem schleicht sich »von der rechten Flanke« auf dem Album jenes weniger willkommene Gefühl bzw. die Erkenntnis ein, dass Eskobars diesmal der Verwendung von Ideen den Vorzug geben, die den Massengeschmack in solchem Maße sättigen, dass das Element der Eigenständigkeit dabei ins Hintertreffen gerät.
Wie man es auch dreht und wendet – Eskobars betonen auch mit dem neuen Album, dass es sich um hervorragende und talentierte Musiker handelt, die genau wissen, wie man ein ansteckendes, sofort wirkendes musikalisches Arrangement von greifbarem musikalischen Wert liefert, das in sich stimmig atmet. Doch ungeachtet dessen, dass das Album „Ni dovolj!“ ein ordentlich arrangiertes und produziertes Werk ist, das zweifellos ein Bündel Konzertfavoriten mitbringt, lauert auf vielen Schritten durch das Album die Gefahr, die Eigenständigkeit zugunsten der Gefälligkeit gegenüber dem Massengeschmack zu opfern und bereits gehörte Tricks des aktuell klingenden (auch MTV-tauglichen) Alter-Rock-Pulses neu zu verpacken.
Besetzung
Jure Lesar – Gesang, Gitarre
Teo Collori – Gitarre
Rok Druscovič – Bass
Bogdan Sojič – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Jani Hace – Bass
Nikola Sekulovič – Bass
Anže Langus – Dagi – Bass
Jure Rozman – Schlagzeug
MITWIRKENDE MUSIKER:
Sašo Fajon
Benjamin Shock
Matjaž Šušmelj
Sare Havliček
Drago Popovič
Produktion
Dejan Radičevič & Eskobars
Trackliste
- Ni dovolj
- Vidim ti v očeh
- Hladne noči
- Hodim naprej
- Dej povej
- Iluzija
- Potnik
- Ocean
- Tri pike
- Bele zastave