Heavy Metal Night 2007

0 11

Autor: Rok Klemše

Konzertdatum: 15.07.2007
Besucherzahl: 147
Ticketpreis: 500

Hell yeah, ein Jahr ist vergangen, und es war wieder Zeit, das kleine verschlafene Dorf im Schoß des Nanos, Veliko Ubeljsko pri Postojni, so richtig durchzuschütteln! Unsere Seismologen haben schon länger keine größeren tektonischen Verschiebungen mehr registriert. Der dritte Heavy Metal Night in Folge war also die perfekte Gelegenheit, auch ihnen den Arbeitsalltag etwas aufzupeppen. Veliko Ubeljsko hat gebebt!

Der Fußballplatz sah um sechs Uhr abends geradezu idyllisch aus – von der Sonne beschienen bot er einen wunderschönen Blick auf die Hochebene Nanos. Doch es dauerte nicht lange, bis die Headbanger ihn in Beschlag genommen hatten; obendrein waren 150 Liter Freibier ein verlockender Bonus für das bunte Vierergespann auf der Bühne – dieses Jahr ist den Jungs von Forgotten Eden und allen anderen Organisationsbeteiligten ein richtig großer Wurf gelungen, denn sie haben einen ziemlich großen Namen des melodischen Rock bzw. Metal nach Veliko Ubeljsko eingeladen, das deutsche rosa Sahnehäubchen Pink Cream 69. Dazu natürlich die alten Bekannten des Heavy Metal Night, Divlje Jagode, die mir bis zum HMN unbekannten Fosgen und natürlich Forgotten Eden. Eine deutsche Band würde sagen: Möge der Heavy Metal Breakdown beginnen!!!

FOSGEN: 21.10 – 21.50
Gegen neun lag auf dem Gelände der Duft von frisch gemähtem Heu in der Luft, und auf der Bühne standen schon Fosgen (sprich: Phosgen ist ein Kampfgift, das nach Heu riecht), die kompromisslos mit einem giftigen Thrash/Speed/Heavy-Metal-Angriff losgelegt haben! Die Truppe, die es seit 2003 gibt, ist in nur drei kurzen Jahren zu einer hervorragenden Live-Band herangewachsen, die vor nichts haltmacht. In gut 40 Minuten haben sie uns durch die Klassiker von Motorhead – Iron Fist, Anthrax – Antisocial, Diamond Head – Am I Evil (bekannter ist wohl die Coverversion von Metallica) geführt und uns zusätzlich mit dem Sodom-Klassiker Ausgebombt bombardiert. Zwei eigene Songs gab es auch, die viel versprechen, ja noch mehr, denn Thrash mit slowenischen Texten gibt es nicht gerade viel! Hut ab vor der ganzen Truppe, ein besonders großer Dank geht aber an den hervorragenden Gitarristen Edi Žorž, der auch die anspruchsvollsten Passagen brillant gespielt hat (Am I Evil!). Fosgen ‚till Death!

DIVLJE JAGODE: 22.30 – 23.55
Nach kurzem Stimmen hatten sich schon mehr Leute vor der Bühne versammelt, denn jetzt stand der Auftritt der Lieblinge des Heavy Metal Night an, der kroatisch-bosnischen Verbindung, der Legenden der Ex-Yugo-Szene, Divlje Jagode. Die Band feiert dieses Jahr bereits ihr dreißigjähriges Jubiläum, doch drei Jahrzehnte auf den Bühnen ganz Europas merkt man ihnen überhaupt nicht an, denn auf der Bühne wirken sie immer noch frisch und energiegeladen wie zwanzigjährige Bengel. Gleich zu Beginn haben der Gitarrenvirtuose, Maestro Zele, und seine Bande den ewigen Klassiker aller Biker, Motori, rausgehauen, und das Publikum ist ausgeflippt. Dem lebhaften und kommunikativen Frontmann Pero Galić fraßen sie aus der Hand und sangen wirklich jeden Refrain mit ihm, oder sogar an seiner Statt. Leider haben Aleš und ich den Rest des Jagode-Auftritts nicht mitbekommen, denn die netten Veranstalter haben uns trotz unangenehmer Probleme (PC69 kamen wegen eines Unfalls in den Karawanken satte drei Stunden zu spät) eine Pressekonferenz und ein Interview mit den Deutschen ermöglicht. Aber selbst durch die Fenster hörte man, dass die Jagode ordentlich abreißen, und ich habe gerade noch die Rückkehr auf die Bühne und die Reprise von Motori erwischt, mit diesem Song verabschiedeten sich die Jagode kurz vor Mitternacht von uns. Der Beweis, warum die Jagode so gern wiederkommen und warum das Publikum sie immer mit offenen Armen empfängt, war ein anderthalbstündiges heißes Set!

Divlje Jagode Setlist:
1. Motori
2. Dobrodošla ljubavi
3. Mrak za dvoje
4. Konji
5. Autostop
6. Piši mi
7. Rospija (sve iz inata)
8. Šejla
9. Turski marš
10. Stvari lagane
11. Divlje jagode
12. Želim da te imam
13. Kap po kap
14. Let na drugi svijet
15. Ciganka
—Zugabe—
16. Motori

PINK CREAM 69: 1.00 – 2.40
Danach stand uns ein quälend langes Warten bevor, bis die Roadies alles für den Auftritt der Deutschen hergerichtet hatten. Eine mühselige Stunde lang mussten wir uns das radebrechende Deutsch anhören, in dem sich die Techniker auf der Linie Bühne – Mischpult verständigten, und auch das Gepolter beim Einstimmen der Drums wurde langsam unerträglich… Aber um ein Uhr nachts marschierten Pink Cream 69, dem Metal-Publikum wohl am besten als ehemalige Band von Andi Deris (Helloween) bekannt, dann endlich auf die Bühne.

 
Schon beim ersten Song Children of the Dawn, vom frisch erschienenen neuen PC-69-Studioalbum „In10sity“ (RockLine-Review HIER), zeigte sich, dass sich das Warten auf jeden Fall gelohnt hat, denn der Sound war vom ersten Takt an erstklassig. Es spielte nicht mal eine besondere Rolle, wo du vor der Bühne standest. Vorne, hinten, rechts, links,… Überall war jede gespielte und gesungene Note perfekt zu hören, die ganze Stunde und vierzig Minuten lang, die unser Beisammensein mit der Band dauerte. Pink Cream 69 spazierten durch die gesamte Diskografie und griffen auch ordentlich in ihre „Deris-Ära“. Da waren die Akustikversion von One Step To Paradise und das hitzige Welcome The Night (beide vom Debüt „Pink Cream 69“, 1989), konkreter vertreten war das Album „One Size Fits All“ (1991) mit gleich vier Songs: Do You Like It Like This, Hell’s Gone Crazy (beide an den Anfang gestellt, um die Stimmung anzuheizen), Talk to the Moon und gegen Ende mit dem Stück mit dem Refrain und den packenden Melodien, Livin‘ My Life For You, und mit Keep Your Eye On The Twisted ließen sie auch das Album „Games People Play“ (1993) nicht aus, mit dem sie den regulären Teil furios beendeten. Natürlich legten die Jungs den größten Schwerpunkt auf die aktuelle Platte und spielten vier Stücke davon. David Readman erwies sich als Frontmann im wahrsten Sinne des Wortes, denn er stellte echten Kontakt zu uns her. Die ganze Besetzung war trotz der Probleme beim Grenzübertritt (sie fuhren eine zusätzliche Runde vom Karawankentunnel bis Spielfeld und kamen aus Richtung Steiermark nach Veliko Ubeljsko gerollt) bestens gelaunt und lächelte die ganze Zeit. David war mit seinen ständigen Aufforderungen an die Leute im Hintergrund, „come up to the front we’re having fucking great fun“, anfangs sehr erfolgreich. Doch da Alkoholgebräue und die späte Stunde ihr Werk taten, rann das Publikum von Minute zu Minute unter der Bühne weg. Gegen Ende waren vielleicht nur noch magere 200 davor. In seinen Ansprachen vergaß der charismatische englische Sänger nicht, auch den Forgotten-Eden-Sänger Jure zu loben, der ihm nach der Pressekonferenz zum Spaß die Hauptpartien der Oper Der Barbier von Sevilla vorgesungen hatte. Beide Gitarristen glänzten, Reitenauer spielte erwartungsgemäß die meisten der komplexesten Parts, denn bekanntlich leidet Koffler schon seit einiger Zeit an Neuropathie. Unaufhaltsam war auch die Rhythmusgruppe, mit dem tobenden Griechen Kosta und dem aufgedrehten, hüpfenden Bassisten, dem Amerikaner Dennis Ward, der das Publikum fleißig anheizte. Die Jungs meisterten mit Bestnote auch alle mehrstimmigen Backing-Vocals-Harmonien. Nach Keep Your Eye on the Twisted verabschiedeten sich die Jungs von uns, kamen aber zur obligatorischen Zugabe zurück, die sie mit einer witzigen Coverversion des The-Police-Hits So Lonely beschlossen, in die sie Marleys No Woman No Cry einflochten. Haben die Jungs etwa den Song vom ersten Album namens White Men Do No Reggae vergessen, hehe?
 
Jure lud zum Schluss David noch einmal auf die Bühne ein und bot ihm einen hausgemachten Schnaps an, der David trotz seines hartnäckigen Abstreitens bestimmt ordentlich angeheizt hat. Die Premiere von PC69 auf slowenischem Boden wird bestimmt in Erinnerung bleiben, wegen der außergewöhnlichen Bühnenperfektion und Professionalität (die satte dreistündige Verspätung vergessen wir). Der Kontakt zum Publikum war hervorragend, und die Band überraschte außerdem mit einem perfekten Sound. Mit dem Konzert fingen sie nämlich direkt aus dem „Soundcheck“ heraus an!

Pink Cream 69 Setlist:
1. Children Of The Dawn
2. Do You Like It Like That
3. Hell’s Gone Crazy
4. Lost In Illusions
5. I’m Not Afraid
6. Talk To The Moon
7. Carnaby Road
8. A New Religion
9. The Spirit
10. One Step Into Paradise (acoustic)
11. Welcome the Night
12. Wanna Hear You Rock
13. The Hour Of Freedom
14. Livin‘ My Life For You
15. Seas Of Madness
16. Keep Your Eye On The Twisted
—-Zugabe—
17. No Way Out
18. Shame
19. So Lonely

Als Letzte betraten dann noch Forgotten Eden die Bühne. Leider haben die Fülle an Konzerten und die Müdigkeit auch beim RockLine-Team ihren Tribut gefordert, sodass wir Forgotten Eden diesmal ausgelassen haben. Beim nächsten Mal „headbangen“ wir in der ersten Reihe!

 
Ein besonderer Dank gilt dem Mut des Veranstalters, der es gewagt hat, die phänomenale Truppe aus dem Lager des melodischen Hardrock, Pink Cream 69, herzuholen, die 2007 in Slowenien ansonsten nicht gerade brandaktuell sind. Der Heavy Metal Night ist in seinem Bekanntheitsgrad damit um ein weiteres Jahr gewachsen! Die Organisation war ausgezeichnet! Wir sehen uns beim Heavy Metal Night 2008!!!
 
Text:  Rok Klemše

Setlist

PINK CREAM 69 DIVLJE JAGODE FORGOTTEN EDEN FOSGEN

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies