Fresh Cream
Künstler: Cream
Label: Polydor Records
Veröffentlichung: 1966
Nur wenige Alben stehen so sehr für eine Revolution in der musikalischen Entwicklung wie das Debüt des Trios Cream! Fresh Cream präsentiert sich als einzigartige Mischung aus psychedelischem Pop und unglaublichen Blues-Rock-Improvisationen. Das Album startet mit dem lebhaften I Feel Free, das Jack Bruce mit seinem fantastischen Bassspiel und dem genau richtig klagenden Gesang komplett dominiert. Der Song markiert auch einen wichtigen Meilenstein für die Band, denn hier kommt es zur ersten bedeutenderen Zusammenarbeit zwischen Bruce und dem Poeten und Textschreiber Pete Brown. Das Duo wird in Zukunft noch für so manches Juwel aus ihrem Repertoire verantwortlich sein. Während N.S.U., an sich eine interessante 60er-Pop-Nummer, eher in Jacks und Gingers Domäne fällt, ist Sleepin‘ Time der erste „Spotlight“-Moment für Eric Clapton. Eric lässt hier schnell erkennen, wie stark sein Einfluss in dieser frühen Phase der Band war. Das zeigt sich in all dem Blues, der Jack und Ginger am Anfang wohl gar nicht so vertraut war. Was aber keineswegs heißt, dass die beiden ihrem „Lehrer“ in irgendeiner Weise hinterherhinken. Dreaming, noch so eine poppige Nummer aus Jacks Feder, ist zwar unterhaltsam, aber völlig verzichtbar, während mit Sweet Wine die Sache ordentlich zu beben beginnt. Die Jungs strahlen an dieser Stelle zum ersten Mal jene Kraft und Energie aus, die ihnen später internationalen Ruhm bringt, und beim Hören drängt sich die Frage auf, wie gut das Ganze erst auf der Bühne klingen muss. Natürlich lassen sie nicht locker. Spoonful stellt Clapton wieder in seiner ganzen Pracht vor. Diese Neufassung des Dixon-Klassikers ist ein schöner Beweis für Erics Blues-Meisterschaft. Sein „zündender“ Zugang ist es, der diesen Blues zum Leben erweckt. Schlichtheit und Humor zieren die nächste Bearbeitung des eigentlich traditionellen Cat’s Squirrel, an dessen Ende Clapton wieder so richtig abgeht. Ähnlich unterhaltsam ist auch Claptons „Auslegung“ von Johnsons Four Until Late, wo Eric zum ersten Mal in die Rolle des anfangs eher schüchternen Sängers schlüpft. Bearbeitungen alter Blues-Kracher aller Art reihen sich hier munter aneinander, und I’m So Glad ist da keine Ausnahme. Die alte Skip-James-Nummer bietet dem Trio eine weitere schöne Gelegenheit zu zeigen, was alles in ihm steckt, weshalb der Song schnell zu einem festen Bestandteil ihres eisernen Repertoires wird. Rollin‘ and Tumblin‘ ist eine weitere Verbeugung, diesmal vor einer anderen Blues-Legende, Muddy Waters. Es ist eine phänomenale Neubearbeitung, bei der Bruce diesmal den Bass gegen die Mundharmonika tauscht, während uns Kollege Baker mit seinem unermüdlichen „Mahlen“ ständig auf sich aufmerksam macht. Sein klarer und ausdrucksstarker Drumstil kommt schön zur Geltung im Solo-Moment seiner eigenen Komposition Toad, mit der das Album auch endet.
Fresh Cream ist ein schönes Dokument vom Beginn einer neuen Ära, in der der Blues in britischer Interpretation regierte. Bands wie Fleetwood Mac und Ten Years After haben später im Grunde nur dort weitergemacht, wo Cream aufgehört haben. Und aufgehört haben sie mit Stil. Mit der Kirsche auf der Sahne.
Besetzung
Jack Bruce – Bass /Mundharmonika / Gesang
Ginger Baker – Schlagzeug
Eric Clapton – Gitarre / Gesang
Produktion
Robert Stigwood
Tracklist
1. I Feel Free
2. N.S.U.
3. Sleepy Time Time
4. Dreaming
5. Sweet Wine
6. Spoonful
7. Cat’s Squirrel
8. Four Until Late
9. Rollin‘ And Tumblin‘
10. I’m So Glad
11. Toad
SPIELDAUER DES ALBUMS: 41.07