For The Love Of Ghosts

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Künstler: Phi
Label: MALS Ltd.
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 49:12
Wertung: 3.4/5

Die Musik der heutigen Zeit bringt nicht nur Schlechtes mit sich. Die Popularszene ist zwar von billiger Musik überschwemmt, doch gute Bands haben vielleicht gerade deshalb größere Chancen, wenn sie diese Szene betreten, wirklich zu zeigen, wie gute Musik klingt, und werden so leichter Teil der Musikgeschichte als Bands vergangener Jahrzehnte.

Das ist allerdings rein ein Marketingblick auf das Ganze. Die wichtige »Neuerung«, die diese neue, verlorene Ära mitbringt, ist mehr Spielraum für Bands. Es mag zwar alles schon erschaffen und millionenfach recycelt worden sein, doch eine Reihe neuer Genres und Fortschritte in der Aufnahmetechnik bieten Bands größere Experimentierfreiheit. Außerdem geben sie ihnen den Raum, verschiedenste Genres zu etwas Einzigartigem zu vermischen.

Einer solchen Tradition folgen die Österreicher Phi. Sie nehmen nämlich die Mentalität des Progressive Rock der 70er und interpretieren sie durch modernere, lautere Genres wie etwa Metal neu. So wurden sie in ihrer Heimat Österreich, wo sie recht bekannt sind, als die österreichischen Porcupine Tree bezeichnet. Und solche Parallelen sind keineswegs das Produkt einer ruhmsüchtigen österreichischen Musikboulevardpresse.

Die österreichische Band wurde bereits 2006 gegründet und hatte damit viel Zeit, sich einen Namen zu machen, bevor sie ihr Debüt veröffentlichten. 2009 brach die Band teilweise auseinander, nach einer Pause machten sie sich aber in einer weitgehend neuen Besetzung und mit einer neuen musikalischen Philosophie an ernsthaftere Projekte und verwirklichten nach zwei Jahren das erste davon – die Veröffentlichung des Debütalbums For The Love Of Ghosts.

Phi klingen beim ersten, eher unaufmerksamen Hören vielleicht wie eine weitere Progressive-Metal-Band. Die Realität sieht jedoch anders aus. Natürlich bedienen sie sich an Standardformen wie etwa ausgedehnten Gitarrensoli, doch diese spiegeln keineswegs klassische Gitarrensoli wider. Vor allem sind sie so in die Musik eingebettet, dass sie ein Teil davon werden und nicht herausstechen, wie Gitarristen das so gerne tun. Im Grunde geht es um eine Verbindung der gesamten Musik auf eine wirklich organische und natürliche Weise, was die eigentliche Stärke der Band ist. Intensiver Atmosphärenaufbau und überraschende Übergänge, der Klang der E-Gitarre und eine ungewöhnliche Schlagzeugtechnik, all das vereint die Band in einer innovativen musikalischen Form, die tatsächlich frisch wirkt, obwohl die Szene von ähnlichen Bands überschwemmt ist.

Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein. Phi sind leider in erster Linie Musiker, keineswegs aber Texter. Die Texte sind größtenteils klischeehaft, gespickt mit denkbar abgedroschenen Adjektiven und Substantiven. Es gibt lichtere Momente, in denen die Band tatsächlich die Eier hat, gesellschaftskritisch klar und deutlich Stellung zu nehmen, aber solche Momente sind zu rar. Das tritt noch stärker zutage, weil der Gesang des Sängers irgendwie nicht in ihre Musik passt. Wo zuvor eine perfekte Verbindung der Instrumente herrschte, ist für diesen Gesang kein Platz. Sänger Bratusa findet zwar gelegentlich den richtigen Stil, den richtigen Groove für eine vollständige Verbindung mit dem Instrumental, wie ihm das etwa auf »The Surgical Cut, Part 1 gelingt, dem besten Stück des Albums – gleichzeitig aber auch dem, das am stärksten an Porcupine Tree erinnert.

Phi haben sich mit ihrem Debüt zumindest in ihrer Heimat Österreich, wenn nicht auch darüber hinaus, zweifellos Aufmerksamkeit verdient. Trotz gewisser Anleihen bei Wilsons Band bewahren sie eine eigene Note, die sie souverän und technisch ausgereift umsetzen. Die Verbindung der Instrumente ist durch das gesamte Album hindurch sehr elementar und scheint den Musikern völlig natürlich zu kommen – genau deshalb sollte man vielleicht nochmals über die Rolle des Gesangs in ihrer Musik nachdenken. Bratusas Gesang funktioniert am besten, wenn er unter einer Tonne von Effekten begraben ist, wenn er beinahe zu einem Instrument wird, nicht zum Träger der Textbotschaft. For The Love Of Ghosts ist daher zweifellos ein starkes Debüt mit großem Potenzial – die richtigen Dinge sind bereits vorhanden, und der Raum für Fortschritt ist da und groß genug, um die Band auf ein höheres Niveau zu heben.

Besetzung

Markus Bratusa – Gitarren, Gesang, zusätzliche Keyboards
Arthur Darnhofer-Demar – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Nick Koch – Schlagzeug

Gastmusiker:

Christoph W. Pirker – Keyboards
Markus Czwiertnia – Violine
Peter Yearsley und Librivox – gesprochenes Wort

Produktion

Phi

Trackliste

1. The Surgical Cut, Parts 2-4 (9:51)
2. Departure (4:41)
3. DesIre (12:08)
4. Wintersong (5:23)
5. The Illusion (Death Is Dead) (6:19)
6. The Surgical Cut, Part 1 (9:04)
7. Epilogue: For The Love Of Ghosts (1:46)

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