Drevored: Na zahod

Nika Records 2017
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Albumlänge: 38:33
Produktion: Maras Tomaž Mot & Mike Poole
Erscheinungsdatum: 2017
Label: Nika Records
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Wertung: 9.0/10


Drevored sind eine Rock-Band aus der Dolenjska-Region mit Sitz in Novo Mesto. Sieben Jahre nach dem Erscheinen des Debütalbums »Dekade« kehrt die Band mit dem Nachfolger »Na zahod« zurück. Der zeitliche Abstand zwischen den Alben ist beträchtlich – doch das Beste kommt noch. Die Band wurde nämlich schon im fernen Jahr 1979 gegründet, doch durch eine Verkettung von Umständen schaffte sie es bis 2010 nie, ein Album herauszubringen. Die erste Ära ihrer Tätigkeit beendeten sie 1989, 2008 reaktivierten sie sich und veröffentlichten schließlich doch noch ihr Debüt.

Der Vorgänger »Dekade« stellt Drevored als Quartett mit klar ausgearbeitetem musikalischem Fokus vor, das nach klanglichem Perfektionismus strebt – beziehungsweise nach jener organischen Geschmeidigkeit, Weichheit und analogen Biegsamkeit, die bei „zu schnell zufriedenen“ slowenischen Künstlern oft vermisst wird: einer durchgehend dreidimensional wahrnehmbaren und dynamisch lebhaften Klanglandschaft, in der die Pastelltöne der einzelnen Klangbildbausteine fließend ineinander übergehen und in außerordentlichem Gleichgewicht nebeneinander existieren. Da auf »Dekade« Songs versammelt sind, die über einen Zeitraum von 31 Jahren entstanden sind, handelt es sich um eine außerordentlich reife und vollendete Leistung. Kompositorisch und inhaltlich, von Kopf bis Fuß. Melancholischer Rock’n’Roll mit unbestreitbarem Pop-Charme und einer Prise Blues-Erotik, durch den dich der angenehme Gesang von Dušan Prosinečki anspricht. Auf Dolenjska-Art eben. Obwohl die künstlerischen Trennlinien zwischen Dan D und Drevored klar sind, ist diese auf Tonträgern erfahrene Melancholie beider Bands gelegentlich sehr verwandt. Und »Na zahod« ist die Fortsetzung der musikalischen Geschichte seines Vorgängers in jeder klangkompositorischen Hinsicht des musikalischen Visionärtums der Band.

Auch »Na zahod« verkündet schamlos, dass Drevored als Band im künstlerischen Sinne schon immer von Bands wie Eagles begeistert waren – wobei auch spürbare Spuren der Vertreter des Southern Rock wie Lynyrd Skynyrd, Blackfoot oder The Outlaws erkennbar sind. Ganz einfach. In erster Linie ist das verwandtschaftliche Band der Gitarrenklang in der Produktion sowie die verführerische Verzierung der Melodien mit mehrstimmigen Vokalharmonien (das war für Slowenen stets ein äußerst anspruchsvolles Element, dem nur wenige gewachsen sind). Aber auch wenn man sich die Strukturierung der Kompositionen ansieht. Vor allem wenn das Album Songs wie Vlak, Motel, Amerika erreicht, wo sich die Stärke der Band in Sachen sinnlicher Raffinesse des vielschichtigen Arrangements noch üppiger entfaltet. Den Sound bauen sie auf einem Begleitwerk auf, das halbakustische und akustische Gitarrenklänge kombiniert, wobei der spürbare „Jangle“-Moment hervorsticht, dazu ein durchgehend melodisch dynamischer und betonter Bassanteil, kraftvolle rhythmische Strukturen sowie stellenweise eine atmosphärische Verdichtung durch den warmen, massigen Klang der Hammond-Orgeln. Die Band versteht auch sehr gut, was stufenweise Steigerung der Stimmung in Songs bedeutet (Kdo ukradel mi je zvezde). Über all dem spricht natürlich Dušans wunderschöner Gesang durchgehend im Mittelpunkt der Drevored-Geschichte den Hörer auf angenehme Weise an. Er ist stets einer vollblütigen, erlebnisreichen vokalen Interpretation hingegeben.

Wenn du das Album »Na zahod« hörst, begegnest du einem interessanten Phänomen. Je weiter das Album seinem Ende entgegengeht, desto mehr packt es einen und spricht einen immer intensiver an. Besonders in der Reihe von vier aufeinanderfolgenden Songs: Vlak, Motel, Zunaj pada sneg und dem abschließenden Amerika. Die Band hat auch die Middle-Eight-Passagen äußerst geschickt ausgearbeitet, wo der Song mehrfach in eine Melodiemodulation einbiegt und dann die Entwicklung der Komposition fließend zum abschließenden Refrain oder Vor-Refrain zurückführt.

Ich habe erwähnt, dass Drevored auch Meister der mehrstimmigen Vokalharmonien sind. Im Arrangement platzieren sie diese mit unglaublicher Geschicklichkeit in die Kompositionen, was die vibrierende Atmosphäre der Songs verstärkt. »Na zahod« ist ein Album, dem sie auch einen Moment der Mystik einzuhauchen vermochten. Darauf macht bereits das Eröffnungsstück Ona mirno spi aufmerksam. Das ist ein Song, der sich vom übrigen Inhalt des Albums sowohl im rhythmischen Schlüssel als auch in der eigentlichen Melodie der Leitphrasen abhebt. In der „untergeschobenen“ keltischen Melodie spricht er den Hörer in feierlich mystischer Stimmung an. Den aktuellen Modezug mit „Indie-Pop-Rock-Rhetorik“ bedient auf dem Album Ptice letijo v neznano – auch wenn solche Bezeichnungen im Fall von Drevored etwas undankbar sind. Vor uns liegt nämlich ein klassisches Rock-Album mit raffiniertem Pop-Einschlag und betonten Momenten des Southern Rock sowie bluesigem Kribbeln. Also das Kompositionsprinzip an der Speerspitze des slowenischen Rocks, typisch für die späten Siebziger und Achtziger. In neuen Zeiten natürlich artistisch reif und vollendet.

Ja. »Na zahod« ist ein außerordentlich gutes Album. Und es wächst einem ans Herz, Schritt für Schritt, immer mehr mit jeder weiteren Runde des Albums im CD-Spieler. Seine Stärke, also die Optimierung des Axioms „weniger ist mehr“, ist außergewöhnlich. Voll, sinnlich. Das Album bietet eine Menge potenzieller Hits, erst recht wenn noch die Achtziger wären. Die Songs wetteifern regelrecht darum, welcher von welchem auf dem Album die Aufmerksamkeit gewinnt, besonders wenn man einem Stück wie Kdo ukradel mi je zvezde begegnet. Ein außerordentlicher Kandidat für einen zeitlosen Hit (natürlich, wenn wir heute noch einmal die Achtziger erleben würden).

Drevored können sich nicht gerade mit einem umfangreichen Diskographie-Opus rühmen. Aber sowohl »Dekade« als auch jetzt »Na zahod« beweisen nacheinander die unglaubliche Kompositionskraft bzw. das kompositorisch-songwriterische Talent von Dušan Prosinečki (zwei eigene Songs steuerte auch Tomaž Zorko bei) sowie die vielschichtige musikalische Ausgefeiltheit des Quartetts, das alles dem elementaren Ziel klanglicher Perfektion und verlockender musikalischer Qualität unterordnet. Das Album »Na zahod« ist eine Lehrstunde für jeden slowenischen Künstler, der begehrlich an die Tore des Mainstream-Radios klopfen möchte. Drevored sollten in dieser Hinsicht eine der tragenden Bands des gesunden Mainstream-(Pop-)Rocks in Slowenien sein, und hoffen wir, dass die nationalen Radiofrequenzen ihnen diese Anerkennung zuteilwerden lassen. Dabei kann sich der Autor dieser Rezension nicht genug wundern, wie es kommt, dass das fein geschliffene und sensible „Songwriter“-Talent von Dušan Prosinečki bis heute in Slowenien so gut gehütetes musikalisches Geheimnis geblieben ist.

Obwohl das Jahr gerade erst begonnen hat, ist »Na zahod« einer der ersten Kandidaten für das beste slowenische Rock’n’Roll-Album des Jahres 2017! Und ja, wir wollen mehr, auch wenn ein weiteres Jahrzehnt vergeht! Es kommt auf den Inhalt an, und in diesem Element können und wollen Drevored nicht enttäuschen. 

Noch das hier. Nebensächlicher Natur, aber trotzdem. Die Poesie, das heißt die Aussagekraft der Texte dieses Albums, knüpft an die Tatsache an, dass die junge Generation der Slowenen erneut mit der Suche nach dem Lebensglück „im Westen“ konfrontiert ist. Also? Die Geschichte lehrt uns nichts. Das ist nicht die erste Generation von Slowenen und offensichtlich auch nicht die letzte. Die Reise in den Westen, auch auf den nordamerikanischen Kontinent, auf der Suche nach Möglichkeiten. Nein, das Album ist also nicht konzeptuell, aber zwischen den Songs lässt sich ein roter Faden der Botschaft nachverfolgen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Ona mirno spi
2. Smo le ljudje
3. Nasvidenje v naslednji vojni
4. Kdo ukradel mi je zvezde
5. Moje stopinje
6. Ptice letijo v neznano
7. Zares
8. Vlak
9. Motel
10. Zunaj pada sneg
11. Amerika

Besetzung:
Dušan Prosinečki – Gesang, Gitarre
Tomaž Zorko – Gitarre, Gesang
Andrej Zupančič – Bassgitarre
Alen Tibiljaš – Schlagzeug


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