Demolition Group erschüttern auch Cerkno (2017)
Ort: Cerkno / Gabrijel / Slowenien
Datum: Samstag, 23.12.2017
Das vorletzte Wochenende des ausklingenden Jahres war auf der slowenischen Konzertszene ausgesprochen turbulent. In Cerkno traten Demolition Group auf. Und nicht etwa deshalb, weil es der vorletzte Samstag des alten Jahres war, sondern weil der Bar Gabrijel an diesem Tag sein 22-jähriges Bestehen feierte. Am selben Tag feierte übrigens der Orto bar in Ljubljana seinen 23. Geburtstag und lud dazu die Vojvodina-Band Pero Defformero ein. Aber zurück nach Cerkno. Eine passendere Band für das stolze 22-jährige Jubiläum des Bar Gabrijel als Demolition Group hätte man kaum finden können. Wenn ich etwas „vorwitzig“ bin: Demolition Group vereinen in ihrer Musik genau jene Genre-Elemente, die das Programm des Gabrijel für gewöhnlich ausmachen. Jazz, Alternative Rock, Metal, … Der Bar Gabrijel war im Vorverkauf ausverkauft – eine Seltenheit, aber eine umso deutlichere Bestätigung dafür, wie sehr die legendäre Alternative-Metal-, Rock- und Jazzfunk-Band aus Brežice dort geschätzt und geliebt wird.
Kurz vor halb zehn Uhr abends betraten Demolition Group dann die Bühne im brechend vollen Bar Gabrijel. Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Band dieses Jahr in neuer Besetzung angetreten ist – von den Gründungs- und Originalmitgliedern ist in der heutigen Demolition Group-Formation nur noch der ikonische Vokalist und Poet Goran Šalamon übrig geblieben, ein Eckpfeiler, ohne den man sich die Existenz der Band kaum vorstellen kann. Die Band war in diesem Jahr überaus aktiv und arbeitete intensiv an neuem Albummaterial. Hatten wir beim Auftritt Ende Mai in Tolmin noch vier neue Songs im Repertoire gehört, waren es diesmal in Cerkno bereits sieben. Die Band kündigt die Veröffentlichung des neuen Albums für Mai 2018 an! Das neue Material klingt live einmal mehr hervorragend. Die Erwartungen an das kommende Album sind entsprechend hoch.
Die Band lieferte erwartungsgemäß wieder ein Spitzenkonzert ab. Klar, die Jungs hatten auf der kleinen Bühne des Bar Gabrijel kaum Platz zum Atmen – und trotzdem. Das Ambiente hier ist besonders, und die erzeugte Stimmung war es genauso! Im brechend vollen Raum gab es während des Konzerts kaum eine freie Ecke. Die Fensterscheiben beschlugen vor Kondenswasser – so groß war der Sauerstoffbedarf während des Konzerts. Die Band ist bekanntlich kein Quintett, genauer gesagt ein Sextett. Diesmal stand auch Matjaž Pegam im Rampenlicht, eingequetscht hinter einem zusätzlichen Mischpult irgendwo in der Mitte des Raums, sodass jene Hälfte des Publikums, die das Konzert von hinter seinem Rücken verfolgte, seine Arbeit die ganze Zeit beobachten konnte. Und es war unglaublich zu sehen, wie der Klangmeister mit feiner Finesse die Knöpfe drehte und die Fader rauf- und runterzog. Das alles spiegelte sich natürlich in den Feinheiten des Bandsounds wider – die Stimmungswellen wurden dadurch noch stärker kontrastiert und hervorgehoben. Vor allem die gitarristischen Verzierungen in den Übergängen zwischen den Songs. Immer wenn Gitarre oder Saxofon in ein Solo ausbrechten, sorgte Matjaž dafür, dass die Instrumente in diesen Momenten eine integrale Rolle bei der Gestaltung des Gesamtklangbilds übernahmen. Die erzeugte Klangedichte war wieder einzigartig und natürlich unverkennbar. Das gilt natürlich auch für die knallharte Atmosphäre von extremer elektrischer Intensität, in der sich düstere Post-Apokalypse-Panoramen aneinanderreihten – die Vision von der Absurdität dieses Systems, das im Untergang noch ein letztes Mal mit dem Schwanz zuckt, dessen Überlebensmechanismen aber umso absurder, bizarrer, menschenunwürdiger und längst überholt wirken. Im Widerspruch zur Bestimmung des Menschen als Individuum, das Teil der Natur und ihrer Gesetze ist – wohin er so bald wie möglich zurückkehren muss, wenn er überleben will. Die gesellschaftskritische Schärfe dieser Band rüttelte und weckte wieder auf! Getragen von der exzellenten rhythmischen Unterstützung der starken Brüder Gregel, bei der man keinen einzigen Ausrutscher hört, wird das Phrasieren von Gitarre und Saxofonen mit einer unglaublich überzeugenden Groove-Vibration aus warmen, tief intonierten Klängen unterlegt – wo die melodischen Basslinien immer wieder auch funky aufknistern.
Mächtig donnernder Sound – garantiert. Keine Überlebenden! Hervorragendes Zusammenspiel, hervorragende Ausführung und einmal mehr die Schöpfung einer unverwechselbaren Klangwelt, die nur mit Demolition Group zum Leben erwacht. Ein mitgerissenes Publikum, außergewöhnliche Chemie zwischen Band und Crowd. Alles drehte sich wieder um die einzigartige Vokalfigur von Goran Šalamon. Seine Poesie erschütterte wieder – in ihrer Wahrhaftigkeit und Echtheit ließ sie Gänsehaut entstehen. Gorans Interpretation bleibt magisch. Die Emotionen und Leidenschaften, die seinen vokalen Auftritt durchdringen, kommen in all ihrer Echtheit zum Leben. Die Vorstellung des Frontmanns war wieder außergewöhnlich. Seine vokale Durchschlagskraft ist einzigartig – da kommt ihm keiner gleich. Er ist das Fundament der Eklektizität der Band und ihres unverwechselbaren künstlerischen Glanzes. Der Hüne von einem Mann walzte wieder alles nieder mit seinem donnernden Vokalcharakter.
Eine Stunde fünfundvierzig – Zugaben inklusive! Die Zeit verging wie im Flug. Diesmal sprach Goran zwischen den Songs zwar weniger als beispielsweise im Mai in Tolmin, doch die Verbindung zwischen Band und Publikum war schlicht einzigartig. Wegen des kleinen Raums war das Verschmelzen von Publikum und Band umso intensiver und greifbarer. Die chemische Wirkung zwischen Fans und der Magie namens Musik – mit all den ungezügelten Emotionswogen – setzte dem Ereignis das Tüpfelchen aufs i, das in seiner gesamten klangästhetischen Ausführung und seinen Energielinien seinen Höhepunkt im Finale der Show erreichte.
Nach dem Konzert war die Party im Gabrijel aber noch nicht zu Ende – DJ Bigor sprang auf die Bühne und die endlose Samstagnacht über Cerkno ging weiter. Und Demolition Group? Tja, die Gefühle nach einem Konzert sind immer intensiv und halten dich noch eine ganze Weile in ihrer eigenen Welt. Das Fazit nach dem Konzert war wieder dasselbe. Demolition Group sind eine Band, die immer ihr Konzertmaximum abruft. Und auch diesmal war es so – der Auftritt im Bar Gabrijel gehörte schlicht zu jenen einzigartigen Konzerten, die man einfach nie vergisst.
Text: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Nataša Pišljar
Setlist:
- Včasih tko
- Dan brez
- Preveč vsega (neu)
- Nostalgija (neu)
- Lažje je imeti psa
- 99
- Kapital
- Kaplja
- Gospodar
- Planet starcev
- Zvezde (neu)
- Vse je tu (neu)
- Košček zame (neu)
- Crackhead
- Mesečina
- Amerika
- Grozno sam (neu)
- U tvojim očima
- Japanci rade za nas
- Ljubiva za svet
- T.A.U. (Temni angeli usode)
- Pojdiva tja (neu)
- Neovangelij
- Like Night Before



























