Reforged – Riding On Fire (2CD)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Iron Savior
Label: AFM Records
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 94:32
Wertung: 5/5

Die Veteranen des deutschen Power Metals Iron Savior haben im Dezember dieses Jahres ein Doppel-Kompilationsalbum mit neu aufgenommenen Klassikern ihrer Karriere unter dem Titel „Reforged – Riding On Fire“ veröffentlicht. Iron Savior haben sich zu diesem Schritt entschieden, weil vielen Fans ihrer Musik die Originale der Songs nicht mehr zugänglich sind – vor allem wegen Urheberrechtsproblemen beim insolventen Label Noise Records, bei dem Iron Savior zwischen 1997 und 2004 ihre ersten  vier Studioalben veröffentlichten.

„Reforged – Riding On Fire“ bietet auf zwei CDs Material, das nach dem Prinzip »das Beste vom Besten« zusammengestellt wurde. Es handelt sich dabei um einen frühen Karriere-Querschnitt der Band. Tatsächlich werden sich alle eingefleischten Fans des deutschen Power Metals und von Iron Savior auf diese Kompilation stürzen. Alte wie neue. Die Idee trifft voll ins Schwarze, denn die älteren Alben – der gleichnamige Erstling »Iron Savior«, sein Nachfolger »Unification« sowie die nicht minder hervorragenden Nachfolger »Condition Red« und »Battering Ram« – sind schon lange nicht mehr im Musikhandel erhältlich.    

Iron Savior-Frontmann Piet Sielck ist einer der erfahrensten Gurus des Power Metals auf dem alten Kontinent. Wer den Mann auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass er eine Schlüsselrolle bei der Formierung der frühen Helloween gespielt hat und mit seinen Fähigkeiten als Soundingenieur den Blind Guardian-Alben aus der Anfangszeit der Band, als sie noch auf der internationalen Bühne aufstieg, die Seele eingehaucht hat. Piet Sielck gilt als einer der größten Meister der Produktion des »Hamburger Power Metals«. Die Idee, die Iron Savior-Klassiker der ersten vier Alben neu aufzufrischen – und die Bereitschaft von AFM Records, sie neu herauszubringen –, hat er mit offenen Armen aufgegriffen und sich, wie gewohnt, mit seiner bekannten filigranen Feinmechanik in die Arbeit gestürzt. Sielck ist als außergewöhnlich guter Vokalist und Gitarrist bekannt. Da er nicht nur Chef und Gründer der Band ist, sondern auch Hauptkomponist und Songwriter für Iron Savior, war es natürlich er, der die Songs ausgewählt hat, die eine klangliche und arrangementmäßige Auffrischung erfahren sollten.

Die Songs im neuen Klanggewand sind ein wahrer Tornado der Zerstörung, und es gibt keine qualitativen Unterschiede zwischen den beiden CDs dieser Kompilation. Die Tracks folgen nicht der Entstehungsreihenfolge, sondern sind wild durchgemischt. Sielck hat in den neuen Versionen stellenweise die Melodik der Hauptthemen leicht angepasst. Angesichts seiner Erfahrung und der 20 Jahre, die seit dem Erstling vergangen sind, bewahrt der Mann eine unglaubliche Stimmkraft und Durchdringungsfähigkeit. So sind manche Gesangslinien in den neuen Versionen noch anspruchsvoller angelegt – in dem Sinne, dass du noch mehr Puste brauchst, um sie in den höchsten Passagen sauber hinzubekommen. Auch die Soli haben hörbare Korrekturen erfahren, und stellenweise wurden in den Übergangspassagen Gitarren-Ornamente angepasst oder gar neu hinzugefügt. Das Reizvollste für Sielck kommt aber erst noch: das Ringen mit dem Klangbild der neu aufgefrischten Klassiker der Band. Diese beißen allesamt mit einer unglaublichen Schärfe der Gitarrenphrasen, die einen unverschämt fetten, massiven Klangwall aufbauen, aus dem die außerordentliche Härte des Power Metal-Ethos der echten Hamburger Schule weht. Tiefer geht’s nicht!

Interessanterweise bleiben Iron Savior im Vergleich zu Sielcks Zeitgenossen, die bei Gamma Ray und Helloween tätig sind, am verbissensten dem Stil treu, den der Erstling »Iron Savior« vorgezeichnet hat. In dieser Hinsicht gibt es auch keine qualitativen Schwankungen zwischen den Alben, die sie veröffentlicht haben – weder bei den ersten vier noch bei den späteren.

Diese Kompilation erinnert ungemein an einen ähnlichen Schachzug von Gamma Ray, die im Jahr 2000 die hervorragende Doppel-CD-Kompilation »Blast From the Past« veröffentlichten. Auf „Reforged – Riding On Fire“ stimmt alles so wie es soll, und stellenweise sogar besser als auf den Originalen. Piet Sielck weiß, kann, versteht und schafft es natürlich. Die Tracks stehen qualitativ vollkommen gleichwertig nebeneinander – als außergewöhnliche Power Metal-Sturmbomber, vollgepackt mit dem lodernden Feuer einer gierigen epischen Dramatik. Beide CDs sind also – angesichts von Sielcks erfüllten »Kapricen«, da er als unverbesserlicher Perfektionist mit der Veröffentlichung dieser Kompilation einen sehr guten Vorwand bekommen hat, einige Dinge in den Arrangements und im Sound zu korrigieren – für den Hörer ein wahrer Leckerbissen. Wie gesagt, nicht nur für den Iron Savior-Fan, sondern generell für jeden echten Liebhaber der Hamburger Schule des Power Metals. 

Besetzung

Piet Sielck – Gesang, Gitarre
Joachim „Piesel“ Kuestner – Gitarre
Jan S. Eckert – Bassgitarre
Patrick Klose – Schlagzeug 

Produktion

Piet Sielck

Trackliste

CD 1.:
01. Riding On Fire
02. Battering Ram
03. Brave New World
04. Prisoner Of The Void
05. Titans Of Our Time
06. Eye To Eye
07. For The World
08. Mindfeeder
09. Watcher In The Skye
10. Mind Over Matter

CD 2.:
11. Warrior
12. Iron Savior
13. Tales Of The Bold
14. No Heroes
15. Break The Curse
16. Condition Red
17. Protector
18. I’ve Been To Hell
19. Atlantis Falling

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