Das große Finale des Epic RockLine Contest (2010)

0 14

Ort: Rock Cafe / Postojna
Konzertdatum: 07.05.2010
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 5 €

Nach sechs aufregenden Monaten, einem guten Dutzend unvergesslicher Konzertabende und dem Bühnenauftritt von 26 aus der Vorauswahl herausgefilterten Bands fand am 8. Mai im Postojnaer Rock Cafe das große Finale des Epic RockLine Contest statt. Den letzten Tropfen ins Meer hervorragender Konzertauftritte unbekannter Bands setzten am Ende die unerschrockenen Heavy-Metaller Shutdown, die als Sieger gekrönt wurden. Das Finalevent fiel zufällig schön auf den 65. Jahrestag des Sieges über den Nazifaschismus – so marschierte der Gesamtsieg des Wettbewerbs in einem durchaus bedeutungsvollen Ton zielstrebig in Richtung Küstenland.

Natürlich lief nicht alles nach Plan! Für einigen Unmut sorgte das unerwartete Auftauchen des Eintrittsgelds, das sich nämlich gerade mal drei Tage vor dem großen Event unverschämt unter die gläsernen Bögen des Haupteingangs des Postojnaer Rock Cafe „geschmuggelt“ hatte. Der harte Schlag kehrte nach dem in den Foren zahlreich und lautstark geäußerten Unmut am Ende wie ein Bumerang mit einer umso unerwarteteren, nämlich großartigen Reaktion des Publikums zurück, das zum Glück am Ende doch zugunsten der dringend nötigen Unterstützung der Bands abwägen konnte. Das Ergebnis war ein von gut gelaunten Primaten ordentlich gefüllter großer Saal – und davon profitierten am meisten die Auftretenden, die ihre eigenen kreativen „Wunder“ mit umso größerer Freude in die Arme einer echten, vollmundigen Konzertatmosphäre entlassen konnten.

Was war musikalisch beim großen Finale los? Über die charakterlichen Züge und die davon abhängigen Potenziale aller drei auftretenden Bands ist in den vergangenen Monaten auf Rockline schon viel gesagt worden. Ich glaube, ihr habt euch durch die Reportagen und Interviews (in zwei Fällen sogar Rezensionen) ein klares Bild von euren Favoriten und Antifavoriten machen können, deshalb werde ich euch diesmal nicht mit detaillierten Bandbeschreibungen nerven. Es genügt der einfache Gedanke an die Klasse von Spleen, Divine Illusion und letztendlich auch der Sieger Shutdown. Die Form aller Genannten steigerte sich im Laufe des Wettbewerbs beständig (am auffälligsten wohl bei Spleen), und das Fieber sowie die hochgespannten Erwartungen des Finalabends pressten verständlicherweise noch etwas von diesem Vorrat an Blut und Schweiß heraus, den die Bands auf der Bühne allesamt in ihre überzeugendsten Auftritte des gesamten Rockline-Marathons investierten. Bleiben wir für einen Moment zunächst bei Spleen. Die bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Performance von Mojcas Truppe widmete sich traditionsgemäß dem Einrühren eines genrevielfältigen musikalischen Minestrone, dessen Herzstück neben der organisch pulsierenden Rhythmussektion natürlich ein glaubwürdiger Frauengesang ist. Spleen feierten einmal mehr als Schöpfer eines einzigartigen Klangerlebnisses; der mit Bühnenenergie und guter Kommunikation untereinander aufgeladene Auftritt bestätigte erneut ihre Fähigkeit, auch das anspruchsvollste Publikum anzusprechen. Das revanchierte sich zunächst ziemlich schüchtern, wagte es später aber doch, ein paar zu eng zugeknöpfte Hemdknöpfe zu öffnen. Ziemlich erwartungsgemäß lieferte der Auftritt von Shutdown den ersten spürbaren Stimmungsumschwung beim Publikum. Die küstenländischen „Onkel im Spandex“ haben in den letzten Monaten im Rahmen des Wettbewerbs fleißig ihren Ruf als attraktive Heavy-Metal-Archäologen gefestigt – mit einem gut ausgearbeiteten und vor allem (was am wichtigsten ist) ihnen eigenen Gespür für die Weiterentwicklung des Genres. Shutdown haben praktisch alles: einen hervorragenden und charismatischen Sänger, ein druckvoll-homogenes Rhythmusspiel und dazu noch ein giftiges Gitarrenduo, das im Vorbeigehen auch souverän mal einen Judas Priest-Klassiker aus dem Ärmel schüttelt. Einen ziemlich klassischen Ansatz verfolgten auch die lokalen Helden Divine Illusion, mit dem Unterschied, dass die Postojnaer von Haus aus mit einem größeren Anteil an Melodie punkten, die um eine für das Ohr gut zugängliche Heavy-Metal-Karosserie gewickelt ist. Erfreulich ist auch, dass die Jungs beharrlich auf vokale Harmonisierung setzen – was auf diesem Ausführungsniveau in Slowenien nämlich nicht gerade im Überfluss vorhanden ist. Mindestens ebenso verdient wie zu erwarten war, saugten die Jungs beständig die unverhüllte Sympathie des versammelten Publikums auf, das seine Lieblinge in Scharen unterstützte. Mit dieser selbstlosen Unterstützung trug der Auftritt von Divine Illusion tatsächlich auch maßgeblich dazu bei, den stimmungsmäßigen Höhepunkt des Finales zu inszenieren.

Der Wettbewerb fand so den bestmöglichen Abschluss, mit qualitativ hochwertigen Auftritten dreier hervorragender Bands in echter Konzertatmosphäre. Die Erwartungen vor dem Wettbewerb waren unterschiedlich. Es gab einige Überraschungen, zum Glück vor allem solche mit positivem Vorzeichen, für die freundlicherweise die teilnehmenden Bands gesorgt haben. Am meisten freut aber von allem die Erkenntnis, dass die Clubszene in Slowenien eine Fülle brillanter Musikkollektive zu bieten hat – viele davon mit klarer Vision und eigenem Ausdrucksstil, vor allem aber mit einer Fülle an Mut und Kühnheit. Leider fällt es diesen aufgrund des chronischen Mangels an Offenheit seitens der Veranstalter schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Das führt schnell zur Erkenntnis, dass Kreativität, mag sie auch noch so aufrichtig und fruchtbar sein, ohne grundlegende Bedingungen für Entwicklung und Gedeihen keine helle Zukunft hat. Rockline hat durch das Geben von Chancen an unbekannte Bands nach besten Kräften dazu beigetragen, junge Musiktalente zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Fotos: Mojca Perdih

Bildgalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies