As Rapture Comes

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Künstler: Grave
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 4/5

Das siebte Studioalbum von Grave ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Träger der größten Brutalität im Vergleich zu allem, was die Band bisher an Studiomaterial veröffentlicht hat. Wenn man sich ansieht, wohin die Reise bei den Plattenveröffentlichungen solcher Bands heute trendmäßig geht, passiert es oft, dass die Songs heute immer mehr in die Länge gezogen werden und die Brutalität ihre Bedeutung verliert. Und genau die Brutalität, dieses schockierende Ding, das man sich musikalisch weder vorstellen kann noch will, bis man so eine Rakete per Death-Metal-Erfahrung direkt in den Schädel bekommt, ist das, was dieses Genre schon immer so anziehend gemacht hat.

„As Rapture Comes“ ist ein astreiner Angriff von „Old School Swedish Death Metal“, von teuflisch galoppierenden „Blast Beats“, durchtränkt von der ausbrechenden Intensität halsbrecherischer Riffs von Anfang bis Ende der Platte. Das Album hat außerdem deutlich mehr Reife und technische Raffinesse als seine älteren Brüder, die unter dem Banner Grave erschienen sind – eine überaus willkommene und dankbare Qualität, die jeden Fan der urtümlichen Tugenden des Death Metal belohnen wird. Klanglich kommt „As Rapture Comes“ von allen Grave-Alben ausgerechnet ihrem Debüt „Into The Grave“ am nächsten, das bis heute zu den eingefleischtesten Ruhmestaten der Band zählt. Klar, packt man die Reife und die Klasse einer modernen, sauberen Produktion obendrauf, die trotzdem die nötige Lebendigkeit behält, ist das neue Album ein echtes Upgrade. Ein Upgrade in dem Sinne, dass Grave ihrem Stil und ihrer musikalischen Vision über zwei Jahrzehnte bis heute treu bleiben, deshalb passen die Anleihen beim Debüt auch völlig.

„As Raputre Comes“ ist ein Album, das einem todernst die Ohren mit „Grauen“ vollstopft, und zwar über die gesamte Spielzeit, und dabei den Wiedererkennungswert einer Band bietet, die sich in ihrer Karriere ihr ganz eigenes Pokerblatt voller Asse erspielt hat – oder anders gesagt: eine eigenwillige musikalische Nische innerhalb der Stockholmer Old-School-Death-Metal-Szene. Diese Botschaft aufrechtzuerhalten, waren ihre verwandten Landsleute nicht imstande, und damit sind nicht mal die „verkauften Seelen“ von In Flames gemeint, die schon lange, salopp gesagt, „gewöhnlichen Scheiß“ verticken, dann die längst ausgebrannten und ausgespielten At The Gates und etwa Entombed, die heute in der Produktion schon lange so eine Art Sound liefern, der am ehesten noch an Motorhead erinnert. Grave bieten jedenfalls nichts Neues, aber „As Rapture Comes“ zeigt, dass die schwedische alte Schule des „Death Metal“ noch verdammt lebendig herumzappelt. Langsam rollende, schaurig kriechende Rhythmen verprügeln und peitschen gnadenlos jeden Quadratzentimeter Haut dessen, der sie auf die Probe stellen will. Die Gitarrenriffs erinnern an das Läuten der Stunde des Jüngsten Gerichts, unaufhaltsam und aufgekocht kriechen sie über diese einmalige Schlagzeugarbeit. Die Detonationen überschallschneller Maschinengewehre der Doppelfußmaschine durchziehen das Album kreuz und quer. Das Vokal-Gekrächze spuckt Blut, gnadenlos und echt! Die Growls verkünden überzeugend, dass wir uns unaufhaltsam dem vollständigen kathartischen Untergang nähern.

Die schönsten Beispiele für den klassischen Grave-Sound erwachen imposant aufs Neue und laden verlockend ein durch die Songs Epic Obliteration, By Demons Breed, weiter im herrlichen zweiminütigen Riff am Ausgang des Titeltracks As Rapture Comes, der auch die Platte beschließt, und in Through Eternity. Grave haben auf dem neuen Album außerdem eine witzige Coverversion der Radiohymne Them Bones (im Original ein Song von Alice In Chains) geliefert, die Grave in ihren Händen buchstäblich vernichten und zu Staub und Asche zerschmettern, mit der doppelten Bassdrum und giftigem Gefräse über einem aufgebrachten Gitarrenriff, das vor dem Refrain des Stücks platziert ist.

Wie gesagt: Grave erfinden nichts Neues, erinnern aber mit ihrem Album dankenswerterweise daran, dass der echte, altgediente „Speak and Spell“ des urtümlichen schwedischen Death Metal immer noch lebt. Die Musik der Friedhöfe wird wirklich alle verwesenden Grabbewohner wecken und sie hochjagen in den Strudel wilder Grabsteinrituale, bei denen ihre alten, abgewetzten und abgenagten Knochen wieder ordentlich klappern werden. Und es wäre doch gelacht, wenn ihr euch diesem Ritual über diese 40 Minuten ursprünglicher, zerstörerischer Death-Metal-Eruption nicht auch anschließen würdet. Der Teufel hat eine weitere leidenschaftliche, dreckige Widmung verbotener Versuchungen bekommen und kaut schon fröhlich Fliegen in seiner stinkenden unterirdischen Höhle!

Besetzung

Ola Lindgren – Gesang, Gitarre
Jonas Torndal – Gitarre
Frederik Isaksson – Bass
Pelle Ekegren – Schlagzeug

Produktion

Peter Tagtgren

Tracklist

1. Day of Reckoning
2. Burn
3. Through Eternity
4. By Demons Bred
5. Living the Dead Behind
6. Unholy Terror
7. Battle of Eden
8. Epic Obliteration
9. Them Bones
10. As Rapture Comes

Spieldauer: 41:13

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