Label: earMUSIC Records
Erscheinungsdatum:20.07.2018
Wertung: 8,5 / 10
Der amerikanische Gitarren-Hero Al Di Meola, der Anfang 2018 das herausragende Studioalbum »Opus« veröffentlichte, begeisterte Jazz-Fusion-Fans im Juli desselben Jahres noch mit dem Konzertalbum »Elegant Gypsy & More«, das während einer elektrisch ausgerichteten US-Konzerttournee aufgenommen wurde. Auf dieser Tournee griff Di Meola, der in seinen reifen Jahren hauptsächlich auf die Akustikgitarre geschworen hatte, wieder zur E-Gitarre und spielte gemeinsam mit seiner neuen Begleitband an den bestätigten Tourneeterminen einige der beliebtesten Werke aus seiner abwechslungsreichen Karriere.
Unter den neuen Musikerkollegen ragte bei »Elegant Gypsy & More« besonders Geiger Evan Garr heraus, der sich auf diesem Konzertdokument häufig Solopassagen mit Al teilte — lobend anzumerken ist dabei, dass der Fokus diesmal auf dem gesamten instrumentalen Kollektiv lag und nicht nur auf Als fingerfertige Gitarren-Meisterstücken, wie es in der letzten Dekade oft bei seinen Konzertauftritten der Fall war. Zwar gab es in Als neuer Besetzung kein klingendes Name mit jahrzehntelanger Erfahrung, doch handelte es sich dennoch um Musiker, die Jazz Fusion auf Turboantrieb hervorragend beherrschen.
Schon der Titel verrät, dass bei der besagten Konzerttournee im Jahr 2017 Als meistgeschätztes Album, »Elegant Gypsy« (1977), im Mittelpunkt stand — schließlich jährte sich sein Erscheinen damals zum vierzigsten Mal. Die Aufnahme eröffnet mit dem »Kiss My Axe« (1991)-Leckerbissen »One Night Last June«, der eine leidenschaftliche und äußerst lebhafte Konzertaufnahme ankündigt. Laut eigenen Aussagen wollte Al auf der genannten Tournee erneut beweisen, dass Jazz Fusion genauso energiegeladen, unterhaltsam und druckvoll sein kann wie (harter) Rock — was ihm (erneut) auf ganzer Linie gelungen ist. Zu den schönsten Überraschungen dieser Konzertaufnahme zählt eine bravouröse Version des »Casino« (1978)-Klassikers »Senor Mouse«, den Al einst gemeinsam mit Return-to-Forever-Kumpan Chick Corea geschaffen hatte und der auch diesmal mit außerordentlichem Feuer gespielt wurde.
Offensichtlich wollte Al seine Aussage über die Gleichwertigkeit von Jazz Fusion und (Hard-)Rock beim Erzeugen einer hochspannungsgeladenen Atmosphäre auch mit einer kurzen Adaption des Led Zeppelin-Evergreens »Black Dog« untermauern, bei der er gemeinsam mit Geiger Garr für einen ungewöhnlichen, aber äußerst unterhaltsamen Konzertmoment sorgte. Den Höhepunkt von »Elegant Gypsy & More« bildeten die leidenschaftlichen Interpretationen der »Elegant Gyspy«-Klassiker »Flight Over Rio«, »Midnight Tango« sowie die abschließende Bombe »Race With Devil On Spanish Highway«, zwischen die Al noch geschickt einen weiteren »Casino«-Evergreen einschob — »Egyptian Danza« —, bei dem besonders die völlig neue Interpretation des Schlussabschnitts mit orientalisch gefärbten Gitarren-Geigen-Harmonien begeisterte.
»Elegant Gypsy & More« hätte in den Siebzigern, Achtzigern, Neunzigern oder zu Beginn dieses Jahrhunderts aufgenommen sein können, denn Al Di Meola ist an der E-Gitarre noch immer so ein Meister wie vor mehr als vier Jahrzehnten, während sein teamorientiertes Auffrischen der Erinnerungen an die unvergesslichen Alben »Elegant Gypsy« und »Casino« ganz nach dem Geschmack aller Liebhaber seines Schaffens ausfällt. Al hat in seiner umfangreichen Musikkarriere nicht viele offizielle Konzertalben veröffentlicht. »Elegant Gypsy & More« ist erst sein siebtes — und die Behauptung, dass es sich um sein interessantestes Konzertdokument seit dem außergewöhnlichen Konzerterstling »Tour De Force – Live« (1982) handelt, ist keineswegs übertrieben.
Autor: Peter Podbrežnik
Trackliste:
1 One Night Last June ( 9:11)
2 Senor Mouse (8:04)
3 Adour (7:42)
4 Babylon (7:38)
5 Chiquilin De Bachin (3:49)
6 Flight Over Rio (7:44)
7 Black Dog (1:32)
8 Midnight Tango (6:21)
9 Egyptian Danza (6:21)
10 Race With Devil On Spanish Highway (5:35)
Musiker:
Al Di Meola – Gitarre
Phil Magallanes – Keyboards
Philippe Saisse – Keyboards (Tracks: 3, 7 & 10)
Elias Tona – Bassgitarre
Luis Alicea – Schlagzeug
Gumbi Ortiz – Perkussion
Evan Carr – Violine