Silvester mit Šank Rock in Koper (2026)
Šank Rock
Mittwoch, 31. 12. 2025, um 23.00 Uhr
Koper / Taverna / Slowenien
Niemand hätte erwartet, dass RL Šank Rock im ausklingenden Jahr 2025 gleich zweimal erwischt – im Doppelpack. Die Eckdaten „wann, wer, wo“ lagen natürlich schon lange auf dem Tisch. Städtische „Heiligtümer“ quer durch Slowenien, von Ljubljana über Maribor, Kranj, Koper bis Nova Gorica und so weiter – alle hatten ihre Open-Air-Konzertprogramme zum Jahresende ordentlich vollgepackt. Angesichts meiner sprichwörtlichen Konzertverwöhntheit und der Trägheit, die mit dem angesammelten EMŠO immer mehr zunimmt, wird es von Tag zu Tag schwerer, den alten Bullen aus der warmen Stube raus auf den Platz zu treiben. Und trotzdem. Da ist dieses Etwas in einem. Jeder weiß für sich selbst, was das ist. Dieses Etwas, das dich im Kern ausmacht. Auf individueller Ebene. Und das raus will aus dir. Immer. Dagegen kann man sich nicht wehren. Und dann wiegst du nur noch ab – nach Wohnort und verfügbaren Terminen –, wer, wann und wohin. Natürlich spielt auch der Musikgeschmack eine Rolle.
Die Silvesternadel zeigte in diesem Jahr auf Koper. Der Hauptanreiz für den Ausflug war die Ankündigung des Silvesterkonzerts der Velenje-Legenden des Hard Rock und Glam Metal – Šank Rock! Ich versuche, diese Konzertrezension etwas anders anzugehen, damit sie nicht zu sehr nach jener vor 11 Tagen klingt, als wir die Band in Nova Gorica erwischt haben (Rockline-Rezension des Konzerts)!
Der Ort – und die Bühne selbst! Eine neue Geschichte. Alles war (logischerweise) auf den Countdown der letzten Stunden des Jahres 2025 ausgerichtet. Kitsch im Überfluss auf dem Titov trg, zum Schneiden dick. Freude, Ausgelassenheit und jede Menge positive Energie! Alles da. Hand in Hand. Anders kann und darf es nicht sein. Punkt 23.00 Uhr stiegen die Jungs auf die Bühne. Und? Sie lieferten dasselbe Repertoire wie in Nova Gorica am 20. 12. 2025. Zu Beginn drückten die Bässe das Klangbild etwas zu sehr, vor allem bei den ersten drei Stücken, dann haben die Techniker den Sound ins richtige Gleichgewicht gebracht, und Matjažs Gesang – wie auch die Backing Vocals – rückte ins Zentrum des Geschehens. Der Raum war bis in den letzten Winkel gestopft voll. Die Band baute mit ihrer sprichwörtlichen Bühnenpräsenz und Zugänglichkeit blitzschnell eine Verbindung zum Publikum auf. Die Leute gehörten ihnen im Nu. Im ersten Teil sprach Matjaž das Publikum etwas weniger direkt an als in Nova Gorica – die wichtigen Momente sparte er für die zweite Stunde des Konzerts auf, die der eigentliche Höhepunkt des Abends war. Die Hommage an den verstorbenen Danilo Kocjančič – einen der geschicktesten und talentiertesten Musikkomponisten Sloweniens, gebürtiger Koprer – mit dem Stück Poišči me (im Original von den legendären Bazar) hatte eine besondere emotionale Wucht, denn in diesem Moment sang die ganze Taverna mit der Band.
Šank Rock sind ein Name, der unglaubliche Kilometerzahl, unvorstellbare Erfahrung vereint und ein Synonym für große Bruderschaft bleibt! Die Crew ist unschlagbar. Die Band dosiert das Konzert mit Stücken, die einen sympathischen Einblick in das Diskografie-Werk geben. Drei Angriffswellen, dann eine Ballade, dann wieder ein Gang hoch in den Hochoktan-Verbrennungsbereich, dem erneut eine Verschnaufpause folgt. Die ersten drei Stücke lieferten genau das. Pridite vsi na žur war der intensivste Eröffnungsmoment, der das Koprer Publikum endgültig aufgeweckt hat. Danach die wunderschöne Ballade Puščava sna. Die Refrein-Eingängigkeit hält die Šank Rock-Konzerte zusammen wie Klebeband aus unzerstörbarem Elastan. Da ist wieder dieses schlaue, durchtriebene Wissen und Können, die Bühne auszunutzen. Alles ist da. Wo Matjaž (er sang auf höchstem Niveau) eine bühnentechnische „Lücke“ lässt, finden sich an dieser Stelle Cveto und Bor zusammen. Sie stellen sich routiniert Schulter an Schulter auf, oder drehen sich voreinander und tragen mit Spaß dazu bei, die Konzertdynamik auf höchstem Niveau zu halten. Das Zusammenspiel ist ausgezeichnet, die Crew atmet als eine Einheit. Man spürt, dass sie in letzter Zeit sehr viele Konzerte gespielt haben und dass die Chemie in der Truppe wirklich ideal ist. Le 17 bleibt live absolut erstklassig, nicht weniger stark zündet das fantastische TV. Maček muss einfach sein. Und natürlich die akustische, herzzerreißende Kombination Hvala za vse und Ker te ljubim, bei der nur Bor und Matjaž auf der Bühne bleiben. Aber Achtung! Mitternacht stand kurz vor der Tür. Zu schnell….
Nein, wir haben keine Werwölfe erwartet, auch wenn draußen ein klar leuchtender, weißer (wenn auch nicht ganz voller) Mond stand und es fast Mitternacht war. Dafür erschien auf der Bühne das Alpha und Omega der Gemeinde Koper – Aleš Brežan. Was zum Teufel? Rappt er einen Nummer mit den Šankots? Nein. Mit fast ringerartiger Entschlossenheit stoppte er den völlig verdutzten Bor, hielt ihn auf der Bühne fest und lud selbstbewusst Bors Partnerin Urška auf die Bühne. Bor schaffte es noch zu hauchen, dass alles, was gerade um ihn herum passiert, eine absolute Überraschung war, auf die er völlig unvorbereitet war. Nun, die aufmerksamsten Beobachter hatten Urška schon im ersten Teil des Konzerts entdeckt, als sie wie in einem Hürdensprintlauf von links nach rechts durch den Raum zwischen Bühne und Absperrung zum Publikum hin hetzte – was andeutete, dass die Fortsetzung des Konzerts noch würziger werden könnte. Urška betritt also die Bühne, gekleidet in 110% Rockerin, und das Trio beginnt, die Sekunden bis zum Neuen Jahr herunterzuzählen.
Šank Rock schalteten in der zweiten Hälfte des Konzerts und in den ersten Minuten des neuen Jahres noch einen Gang höher. Das Gefühl war, dass sie sich vor allem im zweiten Teil in vollen Zügen und mit Anlauf so richtig losgelassen haben. Das Feiern mit dem Publikum war dementsprechend absolut großartig. Alles summierte sich zu einem einzigartigen und unvergesslichen Rave. Die Band bewahrte die größten Hits für das letzte Drittel des Konzerts auf. Nach Laški pir folgt noch eine weitere starke Ballade – Želim da si tu –, und dann Schuss auf Schuss. Der Zerstörer Rockerji, danach Delam kar paše mi, und dann eines der schönsten Stücke der gesamten Šank Rock-Karriere und eine der bemerkenswertesten Kompositionen – das brillante Metulj, das die vollgepackte Taverna bis aufs Äußerste angeheizt hat. Vor Metulj haben sie eine malerische und gelungene Einleitung in den Klassiker eingebaut, mit Nipičs sanftem Wohlklang, der für immer im Evergreen Silvestrski poljub eingefangen bleibt, was sich phänomenal in das gesamte Geschehen eingefügt hat. Das starke neue Stück Nekaj več bleibt ein Versprechen, dass wir auf ein neues starkes Album der Band zählen können – angekündigt für dieses Jahr, also 2026.
Wie immer ist jedes Šank Rock-Konzert viel zu schnell vorbei. Die clevere The Clash-Adaption Al‘ ostanem, al‘ naj grem kündigt das Ende des regulären Teils an, Living On A Prayer (orig. Bon Jovi) ruft zur nächsten Feierrunde auf, und der zeitlose Evergreen Pravljica o mavričnih ljudeh vereint Publikum und Band noch einmal zu einer Einheit. Doch das war noch nicht der Höhepunkt. 6pack Čukur und Dej bolj na glas radio. Wenn er in Nova Gorica nicht dabei war, kam er nach Koper, um das Stück zu würzen, wie nur er es kann. Ein irres Finale. Man hätte sich gewünscht, dass 6pack und die Šankots am Ende noch eins draufsetzen, aber es blieb bei einem Stück.
Einstieg ins neue Jahr? Nach unserem knallharten, verrückten Rockergeschmack! Šank Rock haben mit aller Vehemenz den ersten Schritt ins Jahr 2026 gemacht. Die Blütezeit – nennen wir es ruhig Renaissance – setzt sich also fort! Und? Das war’s. Prost also auf neue Raves!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Edita Klemen (und ein paar von A. P.)
Setlist
1. Danes je dan
2. Lahka dama
3. Pridite na žur
4. Puščava sna
5. Restart
6. Le 17
7. Poišči me (orig. Bazar)
8. TV
9. Maček
10. Hvala za vse (akustisch)
11. Ker te ljubim (akustisch)
12. Jaz nimam noč za spanje
13. Se še spomniš
14. Laški pir
15. Želim da si tu
16. Rockerji
17. Delam kar paše mi
18. Metulj
19. Nekaj več
20. Al‘ ostanem, al‘ naj grem (Adaption des Originals von The Clash)
—Zugabe—
21. Living On A Prayer (orig. Bon Jovi)
22. Pravljica o mavričnih ljudeh
23. Dej bolj naglas radio








































