Großartige Bestien und Zombies in Laibach (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Battle Beast (Vorbands Dominum und Majestica)
Mittwoch, 3. 12. 2025
Cvetličarna, Laibach, Slowenien


„Fieber um Mitternacht“

Da ich die skandinavische Power-Metal-Eminenz Tommy Johansson und seine Band Majestica auf keinen Fall verpassen wollte, hatte ich mich pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk als einer der Ersten in der Cvetličarna eingefunden. Nach wie vor rätsle ich über die weißen Bistrotische im Parkett – ich mein, was soll das eigentlich? Die spärlich verteilten Gestalten in der Halle ließen auf einen Rekord-Tiefstand beim Publikum dieser Tournee schließen, was Tommy später auch selbst bestätigte.
Der Tausendsassa mit vielen Talenten, Mitglied zahlreicher Bands und Solo-YouTuber Tommy hat sich Dominum und Battle Beast auf dieser massiven Tour angeschlossen. Der Typ ist trotz seiner „zarten“ 38 Jahre schon seit dem Jahr 2000 auf der Szene aktiv – er verdient sich also schon seit seinen frühen Teenagerjahren sein hartes Power-Metal-Brot.
Ihr Set bestand aus sechs Power-Metal-Bangern mit Anleihen aus dem frühen Europe und einem Hauch Folk Metal im Titel Metal United. Die solide Darbietung wurde durch einen extrem sterilen Sound getrübt – nur Tommys leichte Patzer in den hohen Lagen erinnerten daran, dass das hier ein Live-Auftritt war. Der Gesamteindruck war derselbe wie bei den beiden Studioalben der Band: erstklassiger Old-School-Power-Metal, aber ohne Eier.

Es folgten mir persönlich unbekannte Dominum aus Deutschland. Das frische (gegründet 2022) Quartett Unsterblicher in Zombie-Masken spielt eine Art Mischung aus dem Klanguniversum von Sabaton im schlechtesten und Pain im besten Fall. Die energiegeladene Performance von Sänger Dr.Dead und seiner Crew brachte das Publikum zum ernsthaften Tanzen, denn die Grundlage der meisten Songs sind Tanzrhythmen, die einen ob man will oder nicht zum Wackeln bringen. Die Songs gehen natürlich rasend schnell ins Ohr – meine persönlichen Favoriten waren We Are Forlorn und The Dead Don’t Die. Das leicht überflüssige Cover des immergrünen Scorpions-Hits Rock Me Like a Hurricane brachte auch die letzten Verweigerer im Publikum zum Mitmachen. Die Setlist findet ihr hier.

Beim Publikum: Ein beachtlicher Teil davon stammte aus Wien, was beweist, dass Metal bei uns noch nicht völlig tot ist.

Die Stars des Abends marschierten auf die Bühne, begleitet von einem wirklich mächtigen und massiven Sound, der sich bei den ersten Takten des Eröffnungssongs Straight to the Heart als ordentlich wuchtig erwies. Noora ist in meinen Augen und Ohren derzeit die beste Metal-Sängerin – und das ohne Konkurrenz. Ihr messerscharfer Gesangsstil trägt die gesamte Band und gibt ihrer Musik die dringend nötige Schärfe, die von Album zu Album zunehmend verloren geht. In gut 14 Jahren des Schaffens sind es mittlerweile sieben Alben geworden, was eine beneidenswerte Kontinuität darstellt. Bei den Konzerten spielt die Gruppe Material aus den letzten vier Alben, denn der finanzielle Kuchen der Urheberrechte ist zu dünn, um ihn noch mit dem Gründungsmitglied, dem verbannten Gitarristen Anton Kabanen, zu teilen. Leider hat das finnische Sextett seinen Fokus auf die eingängigeren Songs der Diskografie gelegt, die dem durchschnittlichen Gelegenheits-„Metal“-Fan gefallen, sodass die etwas härteren Klänge nur durch das Trio Straight to the Heart, Last Goodbye und Bastard Son of Odin vertreten waren, teilweise auch noch durch das abschließende Wings of Light. Den Rest der Setlist bildeten tanzbare Uptempo-Nummern, die das versammelte Publikum zu vorbildlichem Mitmachen animierten und dabei halfen, die Tatsache zu verschleiern, dass wir insgesamt nur rund 400 Leute waren. Eine eingespielte Band, guter Sound, ein energiegeladener Auftritt und die wirklich irre Noora sorgten für einen heißen Abschluss des Abends und dafür, dass alle melodiehungrigen Besucher voll auf ihre Kosten kamen. An Nooras Outfit komme ich nicht vorbei: Es erinnert an einen leicht abgerundeten Xenomorph aus der Filmsaga über mörderische Außerirdische und nimmt wirklich imposant die zentrale Position auf der Bühne ein.

Definitiv haben wir bekommen, wofür wir gekommen sind: einen erstklassig inszenierten Tanzabend mit hingebungsvollen Künstlern auf der Bühne und aufgeheizten Fans darunter. Wo in all dem der echte Metal-Geist geblieben ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Text: Igorac
Fotos: Aleš Podbrežnik


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