Abend des australischen Death Metal im Orto bar
Location: Orto bar / Ljubljana
Datum: Mittwoch, 13. 2. 2019
Die australische Death-Metal-Szene zeigt seit geraumer Zeit ihre Eigenheiten. Die Bands unterscheiden sich deutlich von amerikanischen und europäischen Acts. Australier sind bekannt dafür, kompromisslos, brutal und technisch zu sein. Eine der anerkanntesten Bands ist Psycroptic aus Tasmanien, die Slowenien bereits mehrfach besucht haben. Diesmal reisten neben ihnen auch Aversions Crown an, die bereits beim Festival Metaldays aufgetreten waren, sowie die Bands Hollow World und Hadal Maw. Im Orto bar zeichnete sich wieder ein abwechslungsreicher Abend für Liebhaber brutaler Musik ab.
Als Erste präsentierten sich Hadal Maw. Die Band war wegen des ausladenden Schlagzeug-Setups der Vorgruppe ziemlich eingeengt, während Hadal Maw auf einem anderen Schlagzeug spielten. Dennoch fand sich die Band zurecht und präsentierte technisch gefärbten Death Metal. Vor allem der Sänger stach heraus — er wirkte wie ein Psychopath, der aus einer Irrenanstalt in eine Death-Metal-Band entwichen war. Hadal Maw erfanden nichts Neues, doch die Einflüsse von Gorguts oder Ulcerate waren spürbar. Hier geht es um einen anderen Ansatz, bei dem Atmosphäre vorhanden ist und alles zusammen düsterer klingt. Das ist zweifellos ein Faktor, der Interesse wecken kann. An der Eingespieltheit mangelt es nicht — es braucht nur noch etwas Zeit, damit ihre Musik mehr Menschen erreicht.
Hollow World aus Melbourne hatten bereits ein größeres Publikum überzeugt — wahrscheinlich weil die Band auch auf Melodie setzt. Auf dieser Tour trat die Gruppe nur als Quartett auf, was bedeutete, dass das Solieren ohne die Begleitung einer Gitarre auskommen musste. Ein leicht unvollständiges Klangbild, aber Hollow World zogen ihre Show überzeugend durch. Am Gesang half Jason Keyser von Origin aus. Keyser bewies mit seinem kraftvollen Gesang, dass er ein erfahrener Sänger ist, und animierte dabei natürlich die ganze Zeit das Publikum. Auch Hollow World zeigten beachtliche technische Fertigkeiten, doch durch den Einsatz von Melodie erinnerte die Band an die amerikanischen Schwergewichte The Black Dahlia Murder. Auch hier ist Potenzial vorhanden — aber Ausdauer wird nötig sein.
Was Ausdauer betrifft, sind Psycroptic ein hervorragendes Beispiel dafür. Die tasmanischen Teufel halten seit 20 Jahren durch — bzw. die Brüder Halley, Gitarrist und Schlagzeuger der Band. Zwar waren Psycroptic schon einige Male in Slowenien, doch es lohnt sich zweifellos, sie zu sehen. Die Band bleibt nach wie vor extrem und technisch. Die Erfahrung ist offensichtlich, die Eingespieltheit auf dem Höchststand. Kein einziges Mitglied schwächelt. Immer wieder wanderte der Blick zu Gitarrist Joe Halley, der unglaublich geschickt mit seinen Fingern ist. Sein Spiel ist chirurgisch präzise, die Riffs so abwechslungsreich, dass Soli gar nicht nötig sind. Sänger Jason Peppiatt besitzt nach wie vor enorme Kraft — er ist mehr auf schreienden Gesang ausgerichtet, der aber mehr als gut zu den Gitarrenriffs passt. Auch die Rhythmusfraktion ist bei Psycroptic ein starker Faktor. Der Bassist muss zwar komplexen Gitarrenriffs folgen, aber Schlagzeuger David Halley war schon immer ein Kapitel für sich. Das Spiel ist präzise und immer noch schnell genug.
Psycroptic waren die erste Hauptband des Abends. Sie servierten Songs von den letzten vier Alben. In den vergangenen Jahren hat sich einiges an Material angesammelt, sodass eine Selektion notwendig ist — die frühen Alben blieben dabei außen vor. Außerdem stand logischerweise die Promotion des aktuellen Albums As the Kingdom Drowns im Vordergrund. Mit ihrer Songauswahl bewiesen Psycroptic vor allem Vielfalt. Die Band spielt nicht nur schnelle Tracks, sondern kann auch etwas Langsameres und Melodischeres abliefern. Nach dem Gesehenen werden Psycroptic noch lange nicht abzuschreiben sein. Vor allem können sie so manchem Nachwuchsact, der sich an technischen Death Metal heranwagt, als Vorbild dienen.
Aversions Crown kehrten diesmal zurück, um auch in den Clubs zu überzeugen. Die australische Band, die ähnlich wie Thy Art Is Murder auf brutalen Deathcore setzt. Für echte Tiefe und Wucht spielten die Gitarristen auf achtsaitigen Gitarren — in den letzten Jahren ziemlich Standard. Aversions Crown sind zweifellos ein brutales Ding, das auf schnelle Drums, starke Gitarren und Gesang setzt. Die Band hat derzeit drei Alben veröffentlicht, und der Bekanntheitsgrad ist nach dem Signing bei Nuclear Blast gewachsen. Doch sehr schnell zeigte sich, wie viel Spielraum Deathcore hat — unabhängig vom Ansatz.
Die Musik ist zweifellos brutal, aber es wirkt mehr oder weniger so, als verließe sich die Band auf einen extrem schnellen Schlagzeuger. Die Gitarren sind trotz ihrer Kraft ohne wirkliche Innovationen. Eine ist auf Rhythmus ausgerichtet, während die andere Melodien und Harmonien betont. Als Gesamtpaket überzeugen Aversions Crown jedoch nicht restlos. Die schnellen Drums sind der herausstechende Faktor, bei den übrigen Instrumenten fehlt es an Überzeugungskraft. Die Band ist intensiv und souverän, aber irgendetwas fehlt. Überzeugender sind sie aber allemal als amerikanische Deathcore-Bands.
Die australischen Death-Metal-Bands haben sich wieder bewährt. Das Potenzial zeigte sich in Technik, Melodie und Brutalität. Und wie es aussieht, lohnt es sich immer mehr, australische Bands im Auge zu behalten — denn bei ihnen steckt so manche Überraschung drin.