Wiedergeborener Blackie hat mit seiner Crew den Media Center gestochen und gebissen (Oktober 2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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W.A.S.P.
Mittwoch, 29. 10. 2025
Media Center, Laibach, Slowenien


„El-ou-vi-i …“

Vesp (wie wir sie als metal-begeisterte Grundschüler nannten) haben in Laibach beim vorletzten Konzert der Album One Alive-Tournee Halt gemacht, bei der sie nach dem bereits leicht abgenutzten Konzept das erste Album in voller Länge und in der Reihenfolge der Platte durchspielten – was dem Chef Štef Duren, der unter dem Metalnamen Blackie Lawless bekannt ist, offenbar gewaltig auf die Nerven ging. Während des Konzerts jammerte er nämlich, dass diese Tournee die erste in der Geschichte der Band sei, bei der die Konzerte nicht mit On Your Knees beginnen.

Um von vorne anzufangen: Expeditionen zu Metal-Konzerten aus der Primorska Richtung Hauptstadt im weißen Transporter scheinen zu Problemen und Misserfolgen verdammt zu sein. Nach der Odyssee zum Riot V-Konzert in Medvode im Mai dieses Jahres (Reportage hier) steckten wir diesmal wegen eines Unfalls vor uns zwei Stunden auf der Primorska-Autobahn fest. Dieser Halt resultierte in dem einen oder anderen Bier (Whisky, Wodka) mehr als geplant, was sich für einige gegen Ende des Abends als verhängnisvoll herausstellen sollte.

Noch schlimmer: Wir haben die ersten dreieinhalb Songs verpasst. Wir stürmten mitten in B.A.D. in den angenehm vollen Media Center und landeten sofort im Headbanger-Wahnsinn, den Blackie und seine Truppe für uns bereitgestellt hatten. Ich war nicht wütend (nur total angepisst), dass ich The Flame verpasst hatte, der für mich eigentlich der beste Track der Platte ist. Aber Zeit zum Weinen gab es nicht, also stürzte ich mich sofort in das Fieber des Jahres 1984, als das rohe Debütalbum der bedrohlichen Wespen die LA-Glam-Szene von oben bis unten aufgemischt hat. Das Ding ist nämlich um einiges heavyer als die Zeitgenossen, die rohe Energie und die direkte Produktion, ganz zu schweigen von Blackies monströsem Gesang, haben die Herzen und Trommelfelle all jener erobert, die in der Glam-Revolution etwas schwerere Sounds vermissten.

An Blackies Silhouette war zunächst zu erkennen, dass der Gute sich seit dem letzten Konzert in Laibach (Reportage hier) ordentlich in Form gebracht hat. Überraschend schlank und beweglich, in richtig guter Stimmform, beherrschte er die Bühne ohne großes Gerede mit dem Publikum. Die Setlist (könnt ihr hier nachschauen) war angesichts der Zusammensetzung und der typischen Länge eines W.A.S.P.-Konzerts fast perfekt. Persönlich kann ich zwar die schmalzigen Orgel-Einlagen nicht ausstehen, aber der Chef hält da schon eine Weile dran fest, also kann man da nichts machen. Der Typ weiß, was er tut, weshalb wir nichts zu hören bekamen, das älter als 1989 war (Album The Headless Children).

Ich habe das abschließende Duo vom ersten Album genossen, Tormentor und The Torture Never Stops – besonders letzteres verkörpert gnadenlosen Heavy Metal im wahrsten Sinne des Wortes. Mitreißend war die klassische Halb-Ballade Forever Free, die einem immer noch ins Eingeweide fährt wie ein Katana beim Harakiri. Blackie nutzte freudig die Tatsache, dass das Originalalbum ohne den kontroversen Song über das Liebesleben menschlicher Tiere veröffentlicht wurde, und spielte ihn diesmal nicht. Er ließ auch die Gelegenheit aus, zum Spaß den Bonus-Track Show No Mercy zu spielen – oder gar, Gott bewahre, das ausgezeichnete Cover Paint It Black. Na ja.

Diese Reportage kann nicht vollständig sein, ohne meinen Lieblingspower-Metal-Schlagzeuger Aquiles Priester zu erwähnen, der bereits seit acht Jahren in der Band ist! Seit ich ihn zum ersten Mal auf dem Album Rebirth (2001) der brasilianischen Prog-Power-Meister Angra gehört habe, belegt er unangefochten den ersten Platz auf meiner persönlichen Rangliste der Power-Metal-Schlagzeug-Verrückten. Die recht einfachen Rhythmussequenzen der W.A.S.P.-Songs peppt er mit Perkussion, Übergängen und dem Spiel mit dem Doppelbassdrum-Pedal auf – es ist wirklich ein Genuss, ihm zuzuhören. Offensichtlich schätzt ihn auch der Chef sehr, denn er hat ihn während des gesamten Konzerts verliebt angeschaut und auf ihn gezeigt.

Meiner bescheidenen Meinung nach war der Sound ziemlich gut. Über Playback-Zeug möchte ich diesmal nichts sagen, denn davon war wirklich nur eine Spur zu hören. Ein schöner, gemäßigt wilder Metal-Abend war das!

Eine Weile hingen wir noch hoffnungslos vor dem letzten Ausgang herum in der Hoffnung auf ein Foto oder ein Autogramm, aber das Beste, was wir ergatterten, war ein Blick auf Aquiles, wie er gerade sein hart verdientes Abendessen vertilgte. Also machten wir uns noch auf zu „Traubensupe und Fleischsalat“ und dann nach Hause. Diesmal ohne Stau.

Eine ehrenhafte Erwähnung verdienen die unerschütterlichen Unterstützer seiner schwarzen Hoheit: Bassist der letzten drei Jahrzehnte Mike Duda und vielleicht einer der meistunterschätzten Gitarren-Zauberer der Metal-Szene, Doug Blair, der seine magischen Parts auf den letzten vier von Gott und Teufel vergessenen W.A.S.P.-Alben beigesteuert hat. Wenn euch metallische Späne etwas bedeuten, hört mal rein!

Text: Igorac
Fotos: Aleš Podbrežnik

W.A.S.P. – Setlist:
1. I Wanna Be Somebody
2. L.O.V.E. Machine
3. The Flame
4. B.A.D.
5. School Daze
6. Hellion
7. Sleeping (in the Fire)
8. On Your Knees
9. Tormentor
10. The Torture Never Stops
—Zugabe—
11. The Big Welcome
12. Inside the Electric Circus / I Don’t Need No Doctor / Scream Until You Like It
13. The Real Me (orig. The Who)
14. Forever Free / The Headless Children
15. Wild Child Play
16. Blind in Texas


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