„Thrash of the Titans“ mit Testament, Obituary, Destruction und Nervosa in Ljubljana (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Testament / Obituary / Destruction / Nervosa
Dienstag, 21. 10. 2025, von 17.30 bis 23.00 Uhr
Ljubljana / Media Park / Slowenien


Es gibt diese besonderen Konzertereignisse! In Slowenien natürlich! Solche, bei denen man einfach nicht wegschauen darf. Und solche, die hierzulande schlicht und einfach fehlen. Eine teuflische Kombination aus klassischem Thrash Metal und Death Metal, auf den Schwingen dreier Veteranenbands – Testament, Destruction und Obituary – sowie den feurigen brasilianischen Thrash/Death-Metal-Damen Nervosa, die der Szene seit 15 Jahren trotzen.

Media Center war so gut wie ausverkauft. Das Volk, hungrig nach einem ordentlichen Kick, drängte sich bis in den letzten Winkel. Auf dem Gelände war kaum ein Durchkommen – weder vorne noch hinten! Der Besuch war außergewöhnlich. Der ganze Balkan war da, Österreicher, Italiener und natürlich unsere Leute! Kommunion im Takt des Extreme Metal, der den Teufel höchstpersönlich aus der Versenkung holt!

Alles lief nach Zeitplan. Nervosa hab ich damals vor Suffocation und Venom.inc im Grazer Explosiv erwischt, damals noch in einer völlig anderen Besetzung. Die Band, durch die im Laufe der Zeit eine Menge Mitglieder durchgewechselt sind, hat all die Jahre Gitarristin Prika Amaral zusammengehalten, die nun auch wieder den Hauptgesang übernommen hat – genauer gesagt den Growl. Das rein weibliche Quartett lieferte eine wirklich starke Eröffnung. Musikalisch bringen die Mädels nichts Neues, doch das Spiel bzw. die Performance hinterließ einen begeisterten Eindruck. Prika hat im Growl genug Gift, das pure Bestialität ausstrahlt, und angesichts der enormen Energie, Hingabe und des Herzbluts des Teams – vertreten durch die griechische Gitarristin Helena Kotina, die niederländische Bassistin Emmelie Herwegh sowie Schlagzeugerin und zweite Brasilianerin neben Prika, Gabriela Abud – war das Warm-up im Nu vorbei. Die Mädels rollten Song für Song ab, und im Repertoire stach das jüngste und insgesamt fünfte Studioalbum „Jailbreak“ (2023) heraus. Ein ehrlicher Tritt direkt ins Gesicht!

Destruction gelten als Legenden und eine der Säulen des teutonischen Thrash Metal. Wären sie allerdings allein auf Tour, hätten sie bei uns wohl kaum mehr als die Orto bar gefüllt – trotz des Legendenstatus, den Schmier und seine Truppe genießen. Wieder ein Quartett! Mit dem 16. Studioalbum „Birth of Malice“, das im März dieses Jahres erschienen ist, haben Destruction genau das geliefert, weswegen die Fans der Band an diesem Tag nach Ljubljana gekommen waren. Napalm schütteln und gnadenloses Peitschen im höchsten Gang, das keine Überlebenden hinterließ. Die zeitlich begrenzte Performance von gerade mal 40 Minuten war entschieden zu wenig. Das Publikum rastete schon beim Opener Curse the Gods aus, und die unglaubliche Energie hielten danach auf dem höchsten Niveau der ‚Zerstörung‘ die erwarteten Mad Butcher und kurz vor Schluss Bestial Invasion. Die Maschine ließ nicht nach. Schmier hält sich großartig – auch stimmlich. Eine echte Freude war der Blick auf den legendären Randy Black, den wir bei vielen früheren Konzerten verfolgt haben, als er noch mit Annihilator und Primal Fear spielte. Der Mann bleibt makellos vernichtend hinter seinen Drums! Sound top (ich stand leicht rechts – natürlich näher an der Bar, so ungefähr 15 m von der Bühne).

Eine völlig andere Energie brachten im Anschluss Obituary auf die Bühne. Die Legenden der Old-School-Florida-Death-Metal-Szene bleiben eine Konstante. Das Quintett, das seit geraumer Zeit in unveränderter Besetzung spielt, hat sein Repertoire für die neue Tour so zusammengestellt, dass es ihr zweites Studioalbum „Cause Of Death“ klar in den Vordergrund rückt. Da es vor 35 Jahren erschienen ist, ist es nur recht, dass die Band sein Jubiläum auf diese Weise feiert. Den gesamten Auftritt der Band begleitete neben der makellosen Execution noch ein weiterer, sehr wichtiger Faktor: nahezu perfekter Sound. Deshalb waren Obituary für viele sogar der absolute Höhepunkt des Konzertsabends. Besonders angesichts des Genregrabens zu Testament, der unterschiedliche Geschmäcker hervorbringt und bei jedem eine andere Zuneigung zu beiden Bands erzeugt. John Tardy verändert sich nicht. Sein phänomenaler und einzigartiger Growl, der dem Werk der Band einen besonders düsteren Charakter verleiht, bleibt inhaltlich vernichtend – mit den typischen Posen. Da ist diese wellenartige lange Mähne fast bis zu den Knien, die besonders zieht. Mann, Mythos, Legende. Und der Sound einfach außergewöhnlich. Deshalb zog der Auftritt auch so perfekt rein und brachte, angesichts seiner Natur und der Variationsbreite, viel mehr Spannung in die Halle als der Auftritt von Destruction, die ihren Set mehr oder weniger in einer einzigen Frequenz abrollen ließen. Das bestätigten auch die Reaktionen des Publikums mit atemberaubenden Moshpits, wie man sie danach nicht mehr zu sehen bekam. Die Snare klang majestätisch. Mit ihrem monströsen Hall detonierte sie kontrastreich durch den Death-Metal-Groove des stampfenden Phrasierens beider Gitarren. Die Bausteine des Klangbildes waren tatsächlich außergewöhnlich gut kalibriert. Der interessanteste Teil des Konzerts war die Mitte, als die Band sechs aufeinanderfolgende Klassiker vom Album „Cause Of Death“ aneinanderreihte, was am Ende des Sets in einem Höhepunkt kulminierte, als die Band noch die Klassikerin I’m In Pain vom dritten Album „The End Complete“ (1992) spielte und ihren grandiosen Auftritt mit dem erwarteten, gleichnamigen Klassiker des Debüts „Slowly We Rot“ (1989) abschloss. Eine Stunde primordialer Death-Metal-Schule. Als wären diese 35 Jahre nie vergangen.

Es folgte eine gute halbe Stunde Pause, und dann der Auftritt der Thrash-Metal-Elite – man kann getrost sagen: einer der angesehensten Thrash-Metal-Bands, die je aus der Bay Area hervorgegangen sind. Testament. Viele hätten sie gerne in der großen Vier des Thrash Metal gesehen. Eine Band, die nicht nur Thrash-Metal-Fans begeistert, sondern auch ein anspruchsvolleres Publikum in die Konzerte lockt. Ich traf an diesem Abend einige Kollegen in der Halle, die durch und durch Progger sind und einfach gekommen waren, um die Teufeleien der technisch hochkomplexen Execution zu genießen, für die Testament bekannt sind.

Die Band veröffentlichte Anfang Oktober das neue Album „Para Bellum“. Ein hervorragendes neues Werk, mit dem sie ihr reiches Opus abrunden. Testament spielten eine Stunde und fünfzehn Minuten und stellten das Repertoire nach dem Muster eines diskographischen Karrierequerschnitts zusammen, wobei das neueste Album erst tief in der zweiten Hälfte des Konzerts dran war, als die Band das wilde Infanticide A. I. anging – wo Thrash-Phrasen wunderbar mit übergangsartigen, fast schon Black-Metal-Einschüben koexistieren – und danach das ebenfalls starke neue und äußerst finstere Balladenstück Shadow People. Aus der frühen Periode fiel erneut das Album „Souls Of Black“ komplett raus, ansonsten barsten schon im ersten Teil des Konzerts die Wände aus den Nähten, als die Band nacheinander den Titeltrack des Albums „Practice What You Preach“ und dessen Albumbegleiter Sins Of Omission rausschoss.

Die Band strahlte unglaublich gute Laune aus, wofür in erster Linie zwei verantwortlich waren: Anführer und unglaublich charismatischer Vocalist Chuck Billy, der erneut eine außergewöhnliche Gesangsperformance ablieferte und dazu noch ein paar saftige Kommentare streute, sowie einer der angesehensten Bassisten im Extreme Metal und Metal überhaupt, Steve Di Giorgio, der sich mehrfach mit einem Haufen unverschämt komischer Grimassen amüsierte, wenn er mit dem Publikum flirtete, außerdem sorgfältig Dovas‘ Sticks vom Bühnenboden aufsammelte und sie Richtung Schlagzeug zurückwarf. Nun, Chris Dovas, das neue Bandmitglied, ist eine echte Entdeckung. Die Fußstapfen der namhaften Vorgänger Gene Hoglan, Paul Bostapha und Dave Lombardo hat er souverän ausgefüllt und seine Position inmitten der technisch extrem geschliffenen Kollegen sofort gerechtfertigt. Dafür gehörte ihm auch das Drum-Solo, das auch nicht für eine einzige Sekunde irgendwelche Gleichgültigkeit zuließ (Di Giorgio half ihm dabei, auf den Becken zu spielen). Dovas zerstört, und die Band weiß das genau. Mehrfach scharten sich die Jungs um ihn, so wie ein Hockeyteam seinen Torwart umringt. Peterson und Scolnick sind ein Kapitel für sich. Ihre Soli und Duelle bleiben echte, wahrhaftige Poesie. Das sind die Teile von Konzerten, bei denen man sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie je enden sollen. Solieren, das dauern kann und dauert. Ins Unendliche.

Nach der düsteren, aber hervorragenden neuen Ballade Shadow People lieferte die Band noch zwei Uppercuts aus dem klassischen Album „The Ritual“ (Return To Serenity und Electric Crown) und krönte die grandiose Show mit dem erwarteten finalen Hammerschlag Into The Pit vom Debüt „Legacy“ (1987). Testament haben mit dieser Show einmal mehr bestätigt, dass ihnen die Jahre einfach nichts anhaben können. Den Sound eingeschlossen – für guten Sound musste man unbedingt irgendwo vor dem Mischpult stehen, entweder links oder rechts, Bedingung war, dass man in der Halle vor dem Mischpult stand.

Und zum Schluss? Du kriegst mehr, als du erwartest oder verlangst. Irres Zusammensein, irres kollektives Metalfest. Irre Show von extrem farbenfrohen Bands in bester Konzertform. Das ist es.

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Nervosa – Setlist:
1. Seed of Death
2. Behind the Wall
3. Kill the Silence
4. Perpetual Chaos
5. Venomous
6. Jailbreak
7. Endless Ambition

Destruction – Setlist:
1. Curse the Gods
2. Nailed to the Cross
3. Scumbag Human Race
4. Mad Butcher
5. No Kings No Masters
6. Thrash ‚Til Death
7. Bestial Invasion
8. Destruction

Obituary – Setlist:
1. Redneck Stomp
2. Sentence Day
3. A Lesson in Vengeance
4. The Wrong Time
5. Infected
6. Body Bag
7. Dying
8. Cause of Death
9. Chopped in Half / Turned Inside Out
10. I’m in Pain
11. Slowly We Rot

Testament – Setlist:
1. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
2. WWIII
3. Practice What You Preach
4. Sins of Omission
5. Native Blood
6. Trail of Tears
7. Low
8. More Than Meets the Eye
9. Drum solo
10. First Strike Is Deadly
11. Infanticide A.I.
12. Shadow People
13. Return to Serenity
14. Electric Crown
15. Into the Pit


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