‚Ronnie Romero’s Firewind‘ zu Gast im Ljubljaner Orto bar!
Ronnie Romero und Gus G. (Vorband: Flesh)
Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Mittwoch, 12. 11. 2025, ab 20.00 Uhr
Für eine gemeinsame Tournee haben zwei absolut erstklassige Musiker ihre Kräfte gebündelt. Man könnte von zwei musikalischen Supermännern sprechen. Der eine an der Gitarre, der andere am Mikrofon.
Gus G. ist ein Musiker, der sich vor allem einen Namen gemacht hat, nachdem er sich dem berühmten ‚Fürsten der Finsternis‘, dem einen und einzigen Ozzy Osbourne, angeschlossen hatte. Mit Ozzy spielte er neun Jahre lang Gitarre und nahm mit dem Verstorbenen das Album „Scream“ auf. Gus G. ist unter Power-Metal-Fans ohnehin ein bestens bekannter Name. Wir kannten ihn bereits um die Jahrtausendwende, als er mit Dream Evil zusammenarbeitete und seine eigene Band Firewind gründete, die seither ununterbrochen aktiv und hoch angesehen ist.
Ronnie Romero ist ein chilenischer Sänger, dem in seiner Generation kaum jemand das Wasser reichen kann. Als die Welt seinen Gesang auf den Platten seiner Heimband Lords Of Black hörte, wollten ihn plötzlich alle auf ihren Alben haben. Oder zumindest auf Tour. Darunter auch der ‚Mann in Schwarz‘ – einer der bedeutendsten Gitarristen des Rock ’n‘ Roll aller Zeiten, Richie Blackmore. Ja, wirklich. Ronnie sang auf der letzten Tournee von Rainbow. Angesichts der Tatsache, wie pingelig und launisch Richie ist, steht Romero bei einem so anspruchsvollen Musiker wie Richie extrem, extrem hoch im Kurs. Einen solchen Ruf bei Blackmore zu erlangen wäre selbst für Chuck Norris eine ‚Mission Impossible‘. Der heiß begehrte Ronnie arbeitete deshalb auch an den Platten des Projekts CoreLeoni, dem Projekt von Gotthard-Sänger Leo Leoni, nahm außerdem eine Platte mit der kultigen niederländischen Hard-Rock-Formation Vandendberg auf und machte auch vor einem weiteren höchst aufmerksamen und gegenüber Blackmore keineswegs weniger bedeutenden Musiker nicht halt – nämlich Michael Schenker, der ihn zur Mitarbeit an seinem Album „Immortal“ (2021) einlud und mit dem er ebenfalls eine ganze Reihe von Konzertbühnen abklapperte. Dazu kommen mindestens noch die Projekte The Ferrymen, Sunstorm und Elegant Weapons (in Zusammenarbeit mit Judas Priest-Gitarrist Richie Faulkner). Die Liste ist noch nicht vollständig, aber das soll reichen.
Das sind also zwei Musiker, die etwas zu zeigen und zu sagen haben. Umso besser, dass sie sich auch in unsere Gefilde verirrt haben, wo es in Sachen Genre chronisch an Besuchen solcher Künstler mangelt.
Um acht Uhr betrat die kroatische Band Flesh die Bühne. Kurz nach ihrer Gründung veröffentlichten sie ihr gleichnamiges Debütalbum – das war allerdings 2014. Und das ist lange her. Neues Material ist jedoch in Arbeit, was erfreulich ist. Neben der treibenden Kraft, Bassist Rok ‚Rökindje‘ Nikolić, komplettieren Gitarrist Mötej Van Matanović und Schlagzeuger Krešimir Špoljar das Trio. RockLine hatte das Trio bereits beim Dirkschneider-Konzert im Februar dieses Jahres (Klub Boogaloo, Zagreb) erwischt, und schon damals lieferten die Jungs ein sehr ordentliches Warm-up ab. Auch diesmal machten sie mächtig Spaß. Während der Gitarrist die gesamte Statik der Band verkörpert, gilt für den Bassisten/Sänger genau das Gegenteil. Die Bühne gehörte ganz ihm. Er wagte sich auch ein Stück ins Publikum. Ein weiterer Vorteil: Er benutzt ein kabelloses Mikrofon, was auf der kleinen Klubbühne reichlich Platz schafft, da kein zusätzlicher Mikrofonständer herumstehen muss. Wie gemacht für den Orto bar also. Die Show wirkte dadurch sehr dynamisch und engagiert. Mit einem anständigen Sound. Und? Jede Menge ‚tugendhafter Blödsinn‘, mit dem uns der sympathische ‚Zungenarzt‘ zwischen den Songs pausenlos beglückte. Für die Darbietung der Iron Maiden-Adaption Bring Your Daughter sprang Jan Leščanec (SkyEye) auf die Bühne. Angesichts der Tatsache, dass die Jungs den Song vorher nicht gemeinsam geprobt hatten, klang er durchaus akzeptabel – auch wenn es am Anfang zu einem zeitlichen Versatz zwischen der ersten Gesangslinie und der Gitarrenbegleitung kam. Danach wurde die Coverversion vorbildlich zu Ende gebracht. Die Band schloss ihren ‚Conan-mäßig muskelbepackten‘ Auftritt mit dem Song Easy Rideth – Heavy Striker ab.
Kurz nach neun betrat Gus G. die Bühne. Und mit ihm zwei weitere Firewind-Mitglieder: Schlagzeuger Johan Nunez und Bassist Petros Christodoulidis. Wir bekamen also gleich drei Viertel von Firewind auf einen Schlag. Ein rein instrumentales Trio! Zum Auftakt zwei Solosongs von Gus G. Über die Eingespielheit verliert man keine Worte. Alles saß sofort. Auf Anhieb. Unter diesen drei Musikern gibt es keine Geheimnisse. Gus G. verblüffte schon von Beginn an. Doch das war erst der Anfang. Das Trio strahlte beste Laune und große Lockerheit aus. Ronnie Romero ’schleicht‘ sich auf die Bühne, und die Band prescht in zwei Songs aus seiner Platte „Too Many Lies, Too Many Masters“ (2023) – Castaway On The Moon und Chased By Shadows. Ein perfektes Zusammenspiel. Die Band hatte sich in dieser Phase auf die richtige Betriebstemperatur eingespielt. Die Explosivität und Kraft von Romeros Gesang sind außergewöhnlich. Dann folgt der Beweis, warum Ronnie wie ein echter kleiner chilenischer Ronnie James Dio wirkt, den jeder als Sänger haben will! Im weiteren Verlauf nehmen sie sich die rasende Black Sabbath-Klassik Mob Rules vor und reiten weiter durch die Rainbow-Klassik Kill The King. Romero kam vokal einen Fingerbreit an die unerschütterliche Gesangscharisma des verstorbenen Dia heran.
Gus G. und Ronnie Romero präsentierten auch ihren gemeinsamen Song My Premonition. Vielleicht ist das die Grundlage für etwas Größeres. Ein gemeinsames Album womöglich. Es würde mich jedenfalls nicht überraschen, wenn Gus G. Ronnie tatsächlich zu Firewind einladen würde. Nach zwei Nummern ohne Ronnie (Redemption, I Am the Fire) nutzte Gus augenzwinkernd eine Pause und bezeichnete die Band tatsächlich als: „Please welcome Ronnie Romero’s Firewind!“ – woraufhin die Truppe die Firewind-Klassik Destiny Is Calling anging, bei der Ronnies Stimme wieder wie gegossen saß. Die knackige Show von anderthalb Stunden raste förmlich vorbei. Als die Band die ziemlich vorhersehbare Wahl – Highway Star (im Original von Deep Purple) – anging und Gus‘ Eskapaden in der Mitte und am Ende des Songs einfach kein Ende nehmen wollten, hätte manch einer gedacht, dass dies irgendwie der Abschluss des regulären Teils sein würde. Aber nein. Was folgte? Noch ein Song von Rainbow – doch nicht Man On A Silver Mountain, sondern? Stargazer! Für viele der beste Song, den Blackmore je geschrieben hat. Wahnsinn. Das ist genau das, womit man wirklich nicht rechnet. Angesichts des komplexen Charakters dieser Komposition erst recht nicht. Ein wahnsinniges Finale des regulären Teils, das man sich gewünscht hätte, es würde niemals enden. Gus‘ Soli wirken tatsächlich so. Nichts hält sie auf.
Die obligatorische Zugabe war wirklich grandios. Wir bekamen nämlich noch vier Songs. Zunächst turnte Gus G. erneut auf dem Gitarren-Reckturm mit seiner eigenen Fearless herum, danach folgte ein emotionaler Tribut an den Fürsten der Finsternis, der uns Mitte dieses Jahres verlassen hat. Und das war nicht Crazy Train, sondern zunächst Bark At The Moon (die Durchschlagskraft des Hauptgitarrenriffs in diesem Evergreen bleibt außergewöhnlich) und dann Shot In The Dark – womit sich auch ein Hauch des Songwriting-Genies der Mitglieder der kultigen britischen AOR-Band FM auf die Bühne schlich. Ein Song mit jenem unvergesslichen, unverschämt eingängigen Chorus-Hook, bei dem einem immer die Haare zu Berge stehen. Ein letztes Mal trieben die beiden Koryphäen die Menge im Veranstaltungsort auf. Rund 150 hatten sich dort eingefunden. Es war War Pigs (Black Sabbath). Die Bühne hüllt sich in rotes Licht, die Band treibt – getragen vom tosenden Publikum, mit Leidenschaft und makelloser Ausführung – die vollgepackte Konzertshow ihrem Ende entgegen. Und niemanden gab es, der nicht von schierem Post-Konzert-Enthusiasmus gestrahlt hätte. Die Leute feierten im Orto bar noch lange in die Nacht hinein, wir beiden aber richteten sofort die Kompassnadel nach Westen und freuten uns auf ein neues Rendezvous mit der Küstenautobahn. Warum? Weil nämlich jene seltene Situation eingetreten war, dass sie völlig leer war.
Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen
Ronnie Romero & Gus G. – Setlist:
1. Force Majeure
2. Quantum Leap
3. Castaway on the Moon
4. Chased by Shadows
5. The Mob Rules
6. Kill the King
7. Cold Sweat
8. My Premonition
9. Redemption
10. I Am the Fire
11. Destiny Is Calling
12. Highway Star
13. Stargazer
—Zugabe—
14 .Fearless
15. Bark at the Moon
16. Shot in the Dark
17. War Pigs




















Hvala za izvrsten zapis o vrhunskem koncertu!!