AC/DC – der letzte Schrei der Rock-Giganten in Prag (2025)!

foto: EDITA KLEMEN 2025
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AC/DC (Vorband: The Pretty Reckless)
Donnerstag, 26. 6. 2025, um 16:00 Uhr (Einlass), AC/DC von 19:30 bis 22:00 Uhr
Prag / Letiště Praha Letňany / Tschechische Republik


AC/DC sind nun mal AC/DC. Sie sind wie die Luft, die uns (vorerst noch) umgibt und die wir einatmen. Ganz einfach. Wenn AC/DC kicken und sobald sie kicken, lösen sie mit einem Feuer in jeder Rockerseele den Alarm aus! Alarmierend war es im November 2020, als das Album „Power Up“ erschien, und alarmierend bleibt es auch in diesem Sommer, als die Band (zur Unterstützung des neuen Albums) ein zweites Mal auf den Boden des alten europäischen Kontinents zurückgekehrt ist.

Angesichts all dessen, was in den letzten Jahren im Lager dieser unbestrittenen Rock-Giganten passiert ist, lässt sich unwiderruflich spüren, dass die Flamme langsam erlischt. Dass Angus, Brian und die anderen sich auf den Abgang in den wohlverdienten Ruhestand vorbereiten. Es ist gut möglich, dass der erneute Auftritt der Band auf europäischem Boden auch ihr letzter ist, denn es wird gemunkelt, dass das australische Konzertpaket, das AC/DC noch im Juni ankündigten, der Abschiedsakt der Band sein wird! Die Konzerte der Europatournee folgen im Abstand von vier Tagen aufeinander, was ahnen lässt, dass die legendären Rock’n’Roll-Onkels zwischen den Auftritten durchaus etwas Regenerationszeit brauchen.

Auch diesmal waren 60.000 Köpfe vor Ort. Wie schon einen Monat zuvor bei Iron Maiden. Ebenfalls am selben Ort. Ein gigantisches Rock-Event, dem du einfach nicht den Rücken kehren kannst. Die Leute strömen wieder aus allen Richtungen. Sie stauen sich schon in den Schlangen vor zwei riesigen Merch-Zelten, wo wir beide ebenfalls Halt machten, während auf der Bühne bereits The Pretty Reckless loslegten, denen wir keinerlei Aufmerksamkeit schenkten.

Wichtig sind AC/DC. Auch wenn man etwa 400 m von der Bühne entfernt steht, wo du kaum zur Ruhe kommst und wo du weißt, dass du für die nächsten zwei Stunden und mehr festgenagelt bleibst. Weiter nach vorne geht’s nicht. Der Platz ist brechend voll. Entschärft wird das durch die Projektionsleinwände (die Technologie hat sich in den letzten Jahren so stark weiterentwickelt, dass sie einen beeindruckenden 3D-Effekt bieten) sowie die ‚Lautsprecher-Cluster‘, montiert in ähnlicher Entfernung von ca. 350–400 m, auf Trägerpfeilern hochgezogen, links und rechts der riesigen Bühnenkonstruktion.

Es ist halb neun. Abends natürlich. Planmäßig öffnet sich die Zeremonie mit AC/DC. Die Besetzung: Angus Young, Brian Johnson, Stevie Young sowie die Konzert-Unterstützer – Bassist Chris Chaney und Schlagzeuger Matt Laug – legen los. Angus in seiner gewohnten Aufmachung als frecher Schuljunge, mit leuchtend roter Satinuniform, blauer Mütze mit dem Buchstaben ‚A‘ und einer rot-blau gestreiften Krawatte. Das Jackett zog er nach den ersten drei Songs aus – sonst wäre er bei der ganzen Hitze verbrannt.

Die Band hat Klassiker geliefert. Kommerzielle Höhepunkte und die beliebtesten Klassiker ihrer Karriere, mit ein wenig flüchtiger Aufmerksamkeit für das Album „Power Up“. Dass es in der 60.000-köpfigen Menge in jeder Sekunde des Konzerts brodelte, muss man nicht extra erwähnen. Die Soundverhältnisse: ausgezeichnet. Und die Band? Brian und Angus haben keinen Grund zur Klage. Beide sind von einem zuverlässigen Team umgeben. Stevie und Angus sind fast Brüder! Obwohl zwischen ihnen das Verhältnis Neffe-Onkel gilt, trennen sie altersmäßig gerade mal ein Jahr und einen halben Tag. Das größte Fragezeichen war Brians Form. Von Anfang an musste man einkalkulieren, dass Brian 77 ist und dass sich das früher oder später auch während des Konzerts bemerkbar machen würde. Aber der Mann ist ungemein routiniert, geschickt und mit einer unglaublichen Erfahrungs-Kilometerzahl ausgestattet. Er hat hervorragend mit seiner Energie gehaushaltet. Erst im finalen Teil war es spürbar – bei You Shook Me All Night Long –, dass die Stimmbänder brüchig werden. Aber angesichts seines Alters muss man ihn loben. Dass er noch auf einem Niveau schreien kann, das alle Glaubwürdigkeit auch im Jahr 2025 rechtfertigt – sei es alles, was er mit der legendären Band erschaffen hat, oder alles, was er von Bon Scott geerbt hat –, dem kannst du nur Respekt zollen und großen Dank aussprechen. Angus bleibt wie immer. Wenn du beobachtest, was er während des Konzerts macht, ist der Gedanke, dass du ihn vielleicht auf seiner letzten Europatournee begleitest, wirklich herzzerreißend. Die drei Catwalk-Stege, die von der Bühne abstanden, mit dem mittleren als aufwendigstem, waren die ganze Zeit über voll von ihm. Auch die lange Monitorwand mit dem darüber gelegten Laufsteg blieb nicht verschont, als Angus mit seinen typischen Schritten darauf herumlief und -tänzelte. Das Publikum drehte durch. Die Energie war schlicht und einfach fantastisch und unvergesslich! In den Onkeln ist nicht nur eine große Herzlichkeit erhalten geblieben, sondern auch die Bühnen-Vitalität und Kraft. Und das hat der Auftritt bestätigt.

Die Bühne aber mit etwas weniger Pomp und Tamtam als erwartet. Rosie blieb diesmal mit all ihren übertriebenen Kurven nur auf der Leinwand und blähte sich nicht über die Bühnenkonstruktion auf, wie das noch 2009 und 2010 der Fall war, als AC/DC mit ihrer damaligen Black Ice-Tournee durch Europa tourten. Auch der Auftakt brachte keinen solchen Schock wie jene Dampflokomotive, die bei den Konzerten der gerade erwähnten Tournee gnadenlos in die Bühne krachte – stattdessen gab es auf den Projektionsleinwänden nur eine wild animierte Fahrt eines Rennautos zum Prager Konzertgelände. Das Repertoire ließ uns nicht atmen. Den ersten Atemzug holtest du tatsächlich erst beim verlängerten Angus-Jam am Ende des regulären Sets, als das bewegliche Podest den Kerl zunächst einige Meter über das Publikum hob (montiert am Ende des mittleren Catwalk-Stegs), damit ihn im Innenbereich endlich auch die sehen konnten, die am weitesten von der Bühne entfernt standen! In dem Moment, als er sich auf die Seite legte und anfing, die Gitarre auf dem Boden zu drehen, krachte es – und aus dem Himmel regneten Konfettisalven. Das ist ein Klassiker der AC/DC-Abende, und Angus‘ finaler Solo-Ausflug in Let There Be Rock ist Pflicht! Brians strapazierte Stimmbänder durften sich in dieser Phase dankbar ausruhen.

Zwei Stunden. Genau. Zwischen den Songs nimmt sich das Quintett etwas mehr Zeit, bevor es die nächste Nummer im Repertoire angeht – das ist eine Eigenart, und diese Gewohnheit kann ein bisschen störend sein, weil die aufgebaute Energie bei einem so donnernden Rock’n’Roll-Fest ungewollt verpufft.

Die Zugabe war erwartbar! 60.000 Kehlen brüllen: „Oi, Oi,…“ beim legendären T.N.T., das Brian keine großen stimmlichen Höhenflüge abverlangte – ein Song, der in seiner überbordenden Ausgelassenheit immer viel zu schnell endet! Danach folgt das Finale For Those About To Rock (We Salute You), das die Menschen durch die berühmte Detonationsserie in seinen Bann zieht, mit einem abschließenden Feuerwerk, das den Weihnachts-Feuerwerkshaushalt der Stadtgemeinde Ljubljana locker in den Schatten stellt.

Man versucht, sich so kurz wie möglich zu fassen, aber es gelingt nicht! Wie man es auch dreht und wendet – das Fazit lautet: Die Onkels haben geliefert. Das Alter macht seinen Einfluss geltend (Brian) – das muss man tolerieren –, Angus aber behält seine ungestüme Energie und gibt keinerlei Anzeichen, dass ihn der Rost des Alters erfasst. Stürmisch, ungezähmt, ausgelassen – in vielen Momenten seines berühmten kickenden Gerennes und Gewatschelns auch kindlich aufrichtig, und ich kann es geradeheraus sagen: unaufhaltbar! Außergewöhnlich, einzigartig und unwiederholbar. Der gehörnte AC/DC-Champion! Meine Herren. Danke für ein weiteres unvergessliches Konzerterlebnis, das unter der Rubrik steht: Unvergesslich! Vielleicht sehen wir uns ja noch irgendwann irgendwo wieder.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Edita Klemen

Setliste:
1. Intro
2. If You Want Blood (You’ve Got It)
3. Back in Black
4. Demon Fire
5. Shot Down in Flames
6. Thunderstruck
7. Have a Drink on Me
8. Hells Bells
9. Shot in the Dark
10. Stiff Upper Lip
11. Highway to Hell
12. Shoot to Thrill
13. Sin City
14. Rock ’n‘ Roll Train
15. Dirty Deeds Done Dirt Cheap
16. High Voltage
17. Riff Raff
18. You Shook Me All Night Long
19. Whole Lotta Rosie
20. Let There Be Rock
—Zugabe—
21. T.N.T.
22. For Those About to Rock (We Salute You)


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