Benediction in der Mostovna – Segen aus der Hölle am Karfreitag (2025)
Benediction (Vorgruppen: Razvalina & Hobos)
Freitag, 18. 4. 2025, von 20:30 Uhr bis 23:40 Uhr
Solkan (Nova Gorica) / Mostovna / Slowenien
Benediction sind Legenden des Death Metal. In Slowenien sind sie keine Unbekannten, doch angesichts ihrer mehr als beachtlichen Karriereära haben sie bei uns nicht gerade häufig gespielt. Aber Achtung! Im Jahr 1991 verzeichnen wir ihren ersten Besuch. Damals traten sie in Maribor auf. 1999 machten sie dann erstmals auch in Ljubljana halt! Vor drei Jahren waren sie Headliner des Festivals Metaljot Raspaljot in Laško. Zwischendurch traten sie bei uns auch 2013 beim Festival Metaldays auf (damals in der Besetzung mit Anaal Nathrakh-Sänger Dave Hunt – RockLine Konzertrezension) und im Oktober 2008 auf der Metelkova!
Man kann sagen, dass Benediction diesmal einen ausgezeichneten Tag für ihren Besuch in Slowenien gewählt haben. Die Band hatte seit Anfang April dieses Jahres die Konzertschufterei in Begleitung von Jungle Rot und Master abgeleistet, und als diese Termine abgehakt waren, hängte sie noch zwei Clubshows ans Ende der Tour! Die erste genau in der slowenischen Mostovna, die nächste im italienischen Parma. Ohne Master und Jungle Rot. Für Fans der extremen Metal-Sphären, vor allem der alten Schule, stellte das Gastspiel in Solkan – passend zu ihrem Namen – tatsächlich einen prächtigen Segen dar! Eine Erlösung! Am Karfreitag – als Jesus am Kreuz seinen letzten Atemzug tat! Benediction kennen kein Ausatmen. Sie sind Legenden. Einem solchen Namen death-metallischer Pionierarbeit gegenüber kann man nur Respekt zollen.
Genau im April dieses Jahres veröffentlichten sie ihr zehntes Studioalbum „Ravage of Empires“ (Nuclear Blast Records), und der Besuch ihres Konzerts in Solkan war für unser Team nicht nur eine Art Pflicht, sondern auch eine Ehre! Wir kamen mal wieder zu spät zur Venue. Ich war so lange nicht in der Mostovna, dass sich zwischenzeitlich die Verkehrsführung geändert hatte und die klassische Variante, kurz vor dem Grenzübergang auf die Kolodvorska abzubiegen, sich zerschlagen hatte. Okay! Also kamen wir über Italien. Über den Weg durch Stara Gorica. Kein Problem, aber die kostbaren Minuten verrannen weiter. Doch wir sind da. Wir steigen genau zum letzten Song der slowenischen Death-Metal-Revival-Fahnenträger aus Ljubljana, Razvalina, ein. Angeführt werden sie von Gašper Flere. Gapa ist heute auf der slowenischen Szene so etwas wie ein ‚true survivor‘. Wer sich an die Thrash-Metaller Panikk erinnert – vor allem an das Jahr ihrer Entstehung und die große slowenische Metal-Blütezeit damals – weiß, warum das so ist. Doch all diese slowenischen Bands, die sich von den alten Zeiten des Thrash und Death Metal inspirieren ließen, haben sich mit Ausnahme von z.B. Eruption und noch dem ein oder anderen aufgelöst und sind versunken, oder versinken in der Vergessenheit. Aber nicht Gapa. Nach Panikk gründete er Razvalina und blieb dabei. Ein Trio, das im Einklang mit der alten Metal-Schule mörderisch zuschlägt – und ein Trio, das gut eine halbe Stunde lang getobt hat. Als du in die erste Reihe kamst, war es interessant festzustellen, dass das Publikum zur Band jenen undankbaren, aber höflichen – mindestens zwei Meter breiten – Abstand zum Bühnenrand hielt und natürlich artig die Brutalisierung der Location genoss, die die Präsentation der zweiten EP der Band mit dem Titel „Zatirani“ (2024) mit sich brachte. Der Revivalismus der alten Schule der brutalen Death-Metal-Sphären erfüllte die Erwartungen. Gapa ist ein ausgezeichneter Frontmann, an Charisma mangelt es ihm nicht und an Herzblut noch weniger. Das Trio erledigte seinen Job mit Auszeichnung, bewies eine hervorragende Eingespieltheit und heizte das Publikum von Beginn an ordentlich ein.
Dann kommen die Italiener Hobos. Die Band aus dem venezianischen Belluno, die seit 2012 aktiv ist, kann sich nicht gerade mit einer üppigen Diskografie brüsten. Ihr zweites Studioalbum „Nell’era dell’apparenza“ erschien vor sechs Jahren. Und das ist eine lange Zeit. Wie auch immer. In den vorderen Reihen hat sich das Publikum gründlich durchgemischt, und Scharen von Besuchern aus Italien, die für ihre Band gekommen waren, übernahmen diese. War das Mitverfolgen zuvor ‚höflich‘, so trafen Hobos diesmal auf echten Fanatismus einzelner in den vorderen Reihen, bei denen es buchstäblich durchdrehte und die komplett ausrasteten. Der Schlüssel liegt nicht nur in der Mischung aus Hardcore mit Heavy-Metal-Elementen, die mit Death Metal flirtet, sondern in den italienischen Texten. Die Songs der Band sind beim italienischen Publikum buchstäblich zu Volksschlagern geworden, und die Energie während des Konzerts, einschließlich der Temperatur, erreichte mehrmals einen Punkt nahe dem Siedepunkt. Ohne Bremsen, routiniert und souverän. Fünf Landstreicher (Übersetzung von ‚hobo‘) haben ihr Ziel erreicht! Die Band beeindruckte mit Fokus und überzeugender Performance und befriedigte ihre Fans in jeder Hinsicht. Das ist eine Band, die keinen Spaß versteht und die einen göttlich umhaut, wenn’s drauf ankommt!
Aber natürlich sind wir alle für Benediction gekommen! Mostovna ist eine Venue, die sich an der idealen Schnittstelle zwischen slowenischer und italienischer Welt befindet, weshalb solche Events in dieser Sphäre der zwei Nachbarstaaten schon immer brüderlich wirken. Die Grenzen verschwinden. Und das ist irgendwie faszinierend, vor allem wenn du diesen Club aus dem Inneren Sloweniens besuchst, wo man so etwas nicht kennt. Hin und wieder ein kroatischer Besucher, ansonsten ungefähr halb-halb. Slowenen und Italiener. Die Location war brechend voll – man kann eigentlich sagen, dass sie ausverkauft war.
Noch während Razvalina das Publikum aufwärmten, verkauften die Chefs von Benediction höchstpersönlich das offizielle Merch im Foyer der Halle: die Gitarristen Darren Brookes und Peter Rewinsky. Dass die Tour am Ende war, bewies die Tatsache, dass am Stand nur noch Herren-T-Shirts in Größe S und M hingen. Genau das Richtige für jene – wie soll ich sagen – eher kompakteren Typen, sagen wir von ‚italienischem‘ Wuchs. Darren und Peter standen sehr bald mit absolut leeren Händen da. Auch die letzten Benediction-Shirts waren weg. Restlos. Bis zum allerletzten!
Und Benediction? Es ist 22:30 Uhr! Das Quintett lieferte genau das, was das ‚Old School‘-Mantra gebietet, das der legendäre Sänger Dave Ingram während des Konzerts unzählige Male wiederholte. Eine Salve giftiger Passagen, getragen von teuflischer Schlagzeugarbeit bzw. einer Rhythmuslinie, die einen keinen Atemzug gönnt. Ingram, obwohl beim vorletzten Gig der Tour, vokal souverän, durchdringend und vernichtend. Sein Growl peitschte gnadenlos, während er eine Reihe von Bandklassikern zum Leben erweckte – aber auch das neueste Material vom gerade erschienenen zehnten Album „Ravage of Empires“!
Der Sound insgesamt ordentlich und zufriedenstellend, vielleicht abgesehen von den Passagen, wo die Arbeit in den ohnehin schon minimierten Soli etwas im Gesamtklangbild versank. Aber an bösartigem Massakrieren, das mit flammenden Fackeln die Location verschlang, mangelte es nicht. Die Band eröffnete den Konzertauftakt mit neuerem Material vom aktuellen Album und dem Vorgänger „Scriptures“ (2020), schnitt dann aber bald die Atmosphäre durch und führte uns in die Tiefen älterer Klassiker, wie den Titelsong des Debüts „Subsconscious Terror“ (1990), dann Vision In The Shround („The Grand Leveller“, 1991) sowie Violation Remain vom Album „Transcend The Rubicon“ (1993). Roher, ‚bis auf die Knochen‘ und primitiver als das, was wir da erlebt haben, geht es im Axiom des Extreme Metal schlicht nicht! Kein Aufhübschen, keine Prothesen, kein zusätzlicher Ballast. Nur frontal und? In jeder Hinsicht vernichtend. Eine Stunde und zehn Minuten inklusive Zugabe! Die Minuten vergingen viel zu schnell!
Und dann kam jener Moment, den niemand mag, denn er macht klar, dass wir uns dem Ende nähern. Zeit für die obligatorische Zugabe. Die Band verließ nach dem regulären Set die Bühne nicht, und Ingram sagte routiniert: „Jetzt tun wir so, als würden wir die Bühne verlassen und zurückkehren. Ihr versteht das doch, oder? Wir spielen euch noch drei Songs!“ Da waren Progenitors Of New Paradigm vom Vorgänger „Scriptures“ sowie das neue Engines Of War, die ein weiteres Mal die Exzellenz der kreativen Form der Band auch in ihrer reifen Schaffensphase bestätigten, während der abschließende Titelsong des Klassikers „The Dreams You Dread“ von 1995 dem außergewöhnlichen Abend das Tüpfelchen auf dem i setzte und das fehlende Puzzlestück im Mosaik war. Die Band hat die Mostovna abgefackelt. Wie erwartet! Legenden bleiben Legenden! Ausgezeichneter Sound, vernichtende Performance, brillantes Zusammenspiel, Ingram autoritär und vernichtend mit dem Growl! Da sind souveränes. Routiniertes Bühnenspiel des Quintetts und die pure Ausnutzung der Bühne! Alles in einem. Eine Band, die man siezt! Eine unvergessliche Detonation aus den Eingeweiden des Death-Metal-Pioniergeistes der Vergangenheit – und wir zählen schon die Minuten bis zu ihrer baldmöglichsten Wiederholung in Slowenien!
Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik













































