Wir folgten den Metal-Göttern und dem Sign of the Hammer im Zenith (2025)

foto: Silvija & Igorac 2025
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ManOwaR
Freitag, 15. 2. 2025
München / Zenith / Deutschland


„Other bands play – ManOwaR kill!!!“

Manowar habe ich zuletzt 1999 beim Gods of Metal Festival in Mailand gesehen und gehört. Danach begannen sie mit einer Reihe fragwürdiger Alben, angefangen mit Warriors of the World 2002, fragwürdigen Personalentscheidungen in der Bandbesetzung – ein ehemaliger Gitarrist, den ich nicht beim Namen nennen möchte, machte sich mit seiner „Liebe“ zu Kindern einen zweifelhaften Namen –, und da will ich gar nicht erst anfangen aufzuzählen.
All das und noch weitere Kleinigkeiten, wobei Joeys (DeMaio, Bassist und Chef der Band) Schreibblockade, unter der er mindestens seit 2007 leidet, noch das Himmelschreiendste ist, hat dazu geführt, dass ich Besuche ihrer Konzerte gezielt boykottiert habe.
Die Planänderung löste der Schock aus, als mir bewusst wurde, dass mein Lieblingssänger Eric Adams in sein achtes Lebensjahrzehnt eingetreten ist. Ich habe die Ketten meiner Überzeugungen etwas gelockert und beschlossen, die Jungs in München zu besuchen, wo sie im Rahmen der The Blood of Our Enemies-Tour gastierten. Dabei spielen sie abwechselnd – jeden zweiten Abend – die Alben Hail to England und Sign of the Hammer in voller Länge. Wir erwischten Sign of the Hammer, das Kultalbum von 1984, und dazu spielten sie noch eine Auswahl an „Hits“. Die vollständige Setlist könnt ihr hier einsehen.
Gleichzeitig beschloss ich, dass dies auch das letzte Konzert sein wird, zu dem ich mit einem organisierten Busausflug fahre, denn die nächtlichen Eskapaden auf der Rückfahrt sind nichts mehr für meine alten Knochen. Die Crew im hinteren Teil des Busses war entsprechend me(n)tal drauf, Witze und Sprüche flogen links und rechts, sodass die Fahrt schnell verging. Die Feierei setzte sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe der Halle fort – selbst der Kellner fühlte sich verpflichtet, uns zu erklären, dass es Zeit wäre aufzubrechen.
Mein Plan, etwas früher in die Halle zu kommen, um mir eine gute Position für Fotos zu sichern, scheiterte aus zwei Gründen. Erstens erlaubt Mr. DeMaio kein Fotografieren und Filmen. Zweitens kam ich ohnehin nicht früher rein, und die Halle war bereits ziemlich voll. Da kam ein Kumpel aus dem Bus ins Spiel, den ich bei der Abfahrt freundschaftlich beschimpft hatte, weil er mir den gewünschten Sitzplatz beim anderen Ausgang weggeschnappt hatte. Naja, die zufällige Bekanntschaft hat sich ausgezahlt, denn der Veranstalter verteilte aus unbekanntem Grund „Fanpit“-Pässe an jeden, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und der Kumpel aus dem Bus hatte das erschnüffelt und uns beiden – mir und meiner Kollegin – Bescheid gegeben. Ausgezeichnet! Wir hatten uns also einen Platz ziemlich weit vorne erkämpft.
Joey folgte bei der Rekrutierung von Gitarrist und Schlagzeuger für die neueste Inkarnation von Manowar seinem Plan der letzten Jahre und setzte den (zumindest mir) völlig unbekannten Dave Chedrick ans Schlagzeug, der mit seinen 55 Jahren den Altersdurchschnitt der Band kräftig senkt, und holte den legendären (allerdings nicht aus den richtigen Gründen) Gitarristen Michael Angelo Batio aus der Mottenkiste. Letzterer weckte nicht gerade mein Vertrauen, denn in Videoschnipseln der letzten Tour war zu hören, dass er seine Arbeit eher auf die leichte Schulter genommen hatte – die Soli (vor allem die von Ross) spielte er nämlich ziemlich nach seinem eigenen Gusto.
Das Konzert? Hervorragender Sound, Eric in fantastischer Stimmform und gut gelaunt, Joey in seiner klassischen Macho-Manier, Dave präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, und Michael Angelo hat die Soli tatsächlich einstudiert – obwohl ihm der Stil des oben (nicht) erwähnten Gitarristen weitaus besser liegt als der von Ross. Ross the Boss ist eben der Eine und Einzige. Das Publikum ausgeflippt und laut. Die Ordner ständig auf der Lauer nach Kameras und Handys, aber Silvija und ich haben trotzdem ein paar Fotos geschossen (siehe Galerie).
Ich muss zugeben, dass es mir sehr leid tut, die letzten 25 Jahre Manowar-Konzerte geschwänzt zu haben – das war eine religiöse Erfahrung! Manowar sind Eric und Joey, in die Schuhe von Gitarrist und Schlagzeuger kannst du fast jeden stecken, zumindest hat es sich so gezeigt. Manowar ist eine Band, die noch sehr viel auf Theatralik setzt – das Bühnenbild und der Hintergrund sowie die mittlerweile schon klassischen Kampfuniformen der Mitglieder haben das auch diesmal bestätigt. Ich muss noch einmal den unglaublich lauten und kristallklaren Sound betonen – und, OMG, Eric! Irre, was er mit seinen Stimmbändern mit 72 Jahren noch rausholt. Natürlich optimiert er seinen Gesang stark, aber er weiß genau, welche tierischen Schreie die Manowar-Fans hören wollen. Und er hat alles geliefert. Vom Intro-Schrei in Animals bis zur Strophe nach dem Solo in Black Wind, Fire and Steel. Ganz zu schweigen vom abschließenden „Mother! Mother! Mother!“ aus dem Song Guyana
Die Songauswahl war nach meinem Geschmack makellos – nur Klassiker, nichts aus der Zeit nach 2007, von den anderen Alben nur das Beste vom Besten. Hymne um Hymne, Metal auf Metal, Blut auf Blut! Waaaaahnsinn!
Ein witziger Moment ereignete sich, als ein Typ in den vorderen Reihen beim wilden Headbangen seine Brille verlor und Joey die Performance von Sign of the Hammer kurzerhand unterbrach, bis die Brille wieder gefunden war – dann fingen sie von vorne an.
Joeys Rede war natürlich das bekannte Gefasel darüber, wie man sich von niemandem unterdrücken lassen darf und an seinen Erfolg glauben muss. Zeit für ein Bier.
Wenn ich dieses Konzert mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, wäre dieses Wort METAL! Vermutlich würde so mancher widersprechen, aber es gibt keine Band auf der Welt, die mehr Metal ist als Manowar. Ich sag’s euch.
Joey weiß es noch nicht, aber von hier aus gibt es nur noch einen Schritt. Er muss seinen Stolz runterschlucken und sein riesiges Ego etwas zügeln und seinen alten Freund/Feind Ross the Boss anrufen und ihn zurück in die Band einladen. Wenn das erledigt ist, muss er auch noch David Shankle und den verrückten Schlagzeuger Rhino aus der The Triumph of Steel-Besetzung anrufen. Und dann muss er das in der Zwei-Gitarren-Version auf eine Abschiedstour schicken. Just do it, Joey!!!

Ehrenvolle Erwähnung: das Eichhörnchen auf dem Kopf des Gitarristen.

Text: Igorac
Fotos: Silvija & Igorac


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