Eluveitie wieder einmal zu Besuch in Slowenien! (2025)
Eluveitie (Sondergäste: Ad Infinitum, Infected Rain)
Dienstag, 11. 2. 2025
Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Eluveitie sind mal wieder so eine von diesen – wie soll man’s nennen – Generationsbands, die sich im letzten Jahrzehnt hervorragend bei den Metal-Massen festgesetzt haben. Durch ständige Konzerttätigkeit, u.a. auch auf den renommiertesten europäischen Festivals, haben sie ihren Namen gefestigt und ausgebaut. Vor allem dank des farbenreichen Arsenals an allerlei Instrumenten, das sie auf die Bühne schleppen (neben den üblichen zwei E-Gitarren, Schlagzeug und Bass), sowie einem unverwechselbaren Bühnenlook, hat die Band ihren eigenen Stil und ihre Pose fleißig und beharrlich aufgebaut. Die donnernden Phrasen, kunstvoll ausbalanciert mit rauschenden keltischen Folk-Melodien, gelegentlich auch mit Sinfonik, kombiniert mit engelshaften Frauenvokalen und dem Growl des Anführers des Oktetts, Flötist und Lautenspieler Chrigel Glanzmann, erwies sich als Erfolgsformel. Angesichts des Märchenhaften und des Eintauchens in Geheimnisse, des Erweckens von Fabeln und Legenden, das mit all diesem zeremoniellen Pomp einhergeht, war der Erfolg eigentlich vorprogrammiert.
Unvergesslich ist die Erinnerung an Anfang Februar 2009, als wir die Band (damals völlig unvorbereitet) auf dem Weg aus Belgrad, wo wir am Tag zuvor Iron Maiden gesehen hatten, im Zagreber Boogaloo erwischten (einen Tag später machten sie auch im slowenischen Maribor halt). Damals traten Eluveitie noch als Vorgruppe der Legenden des teutonischen Thrash Metals Kreator auf. Niemand hätte sich auch nur im Traum gedacht, dass sie eines Tages auch das Ljubljanaer CUK Kino Šiška bis auf den letzten Winkel füllen würden – das Haus war quasi ausverkauft. Drin? Nur Jugendliche. Mitte zwanzig. Oder jünger. Wenn zwischendurch mal ein grauer Kopf auftauchte, war der an diesem Abend eher als Aufpasser für seine halbwüchsigen Sprösslinge – bedingt sogar Enkel – hier als wegen der Musik selbst.
Eluveitie hatten zwei sehr interessante, stilistisch aber völlig unterschiedliche Bands mitgebracht. Was alle drei dieses Tourpaketes gemeinsam haben: Alle drei Bands haben weibliche Lead-Vocals. Ad Infinitum hatte man zuletzt vor Kamelot gesehen. Im CUK Kino Šiška, das war Oktober 2024 (RockLine Konzertrezension).
Die Band hat in knapp sechs Jahren Bandgeschichte in rasantem Tempo vier Studioalben abgeliefert, davon zuletzt „Abyss“ im vergangenen Jahr. Das war auch am stärksten im Repertoire vertreten. Das Quartett lieferte wieder eine ähnliche Show wie im Oktober letzten Jahres – diesmal klang alles eine Spur souveräner. Über Melissa muss man keine großen Worte verlieren. Die würde jedes Team nehmen. Unglaublicher Chamäleonismus begleitet ihr stimmliches Spektrum: von einem druckvollen, autoritativen Clean-Vocal, den sie mit unglaublicher Feinfühligkeit an die Botschaft und Stimmung der einzelnen Songs anpasst, bis hin zu eruptivem Growl – und auch Momenten, in denen sie kurz mit Soul-Manövern kokettiert (ruhige, balladesker angelegte Passagen). Die drei Musiker, die sie begleiten, zeigten erstklassige Eingespieltheit; besonders hervorzuheben ist der außergewöhnliche Gitarrenvirtuose Adrian Theßenvitz, dem man bei seinen vielseitigen Gitarrenakrobatiken mit echtem Vergnügen zuschauen konnte. Der Besuch war schon ordentlich, und das Publikum reagierte entsprechend – dazu lieferte die Band nicht nur exzellente Eingespieltheit, sondern als Vorgruppe auch einen hervorragenden Sound, der ihrem Groove und Drive zusammen mit der ansteckenden Musikalität eine zusätzliche Portion Wucht und Sogwirkung verlieh. Das ist eine Band im Aufstieg, die ihre Fangemeinde rasant ausbaut. Es würde nicht wundern, wenn Ad Infinitum bald eigene Headliner-Touren bestreiten würden!
Die Moldauer Infected Rain sind auf jeden Fall alte Bekannte. Der aktuelle Auftritt im CUK Kino Šiška war bereits ihr insgesamt siebter auf slowenischem Boden. Zuletzt spielten sie 2022 im Kranjaner SubArt, im Kino Šiška zuletzt im Dezember 2019 (RockLine Konzertrezension), als sie ebenfalls das Publikum vor dem Headliner Eluveitie aufgewärmt hatten. Diese Band ist unglaublich. Im energetischen Sinne. Musikalisch nichts Besonderes. Aber was die aus sich rausholen bei ihren Shows, ist schlicht beneidenswert. Alles liegt in den Händen der aufgedrehten Sängerin Elena Cataraga, besser bekannt als Lena Scissorhands (der Spitzname leitet sich u.a. davon ab, dass Lena auch als Friseurin arbeitet). Gift kommt in kleinen Fläschchen! Ein kompaktes Mädel, klein von Wuchs, das aber ein ohrenbetäubendes Dezibel-Niveau aus sich rausholt. Und ist dabei in jedem Moment mit ihrer Gesangsdarbietung genau am richtigen Platz. Ob in den ruhigen Passagen, wo sie ihre außergewöhnliche technische Ausbildung und Geschliffenheit unter Beweis stellt, oder in den wildesten Momenten, wo sie kreischt wie eine rasende Wespe. Die Kombination aus groovigem Metalcore mit Nu-Metal-Elementen hat live mächtig Eindruck gemacht. Die charismatische, extravagante Sängerin ist schlicht der Hauptmagnet und der Schwerpunkt der gesamten Quartett-Formation. Die Grundachse. Alles dreht sich um sie. Etwas verdächtig war allerdings Gitarrist Vadim. Sein Gitarrenspiel wirkte im Vergleich zu dem, was aus den Boxen kam, leicht zweifelhaft – sagen wir: löchrig. Als ob der gesamte Auftritt der Band von zusätzlichen Gitarren unterlegt wäre. Zusätzlichen, eingespielten Gitarrenlinien. Bei all den körperlichen Akrobatiken, die der Mann auf der Bühne zeigte und damit mehrfach die Grenze des Normalen überschritt, wunderte man sich stellenweise wirklich, woher er gleichzeitig die Geschicklichkeit nimmt, ein so großes Klanggebirge an Riffs und Übergängen samt „Verzierungen“ abzudecken. Das Donnern aus den Boxen war deutlich robuster, wofür man mindestens zwei Gitarren gebraucht hätte. Das Publikum scherte sich aber nicht darum. Es genoss die Energie, und die Band erledigte ihre Aufgabe mehr als souverän – dabei widmete sie den Hauptteil der Aufmerksamkeit der Promotion des neuesten Albums „Time“, das im vergangenen Jahr erschienen ist.
Eluveitie haben in Slowenien ihren festen Wohnsitz. Man könnte sogar sagen: die Staatsbürgerschaft. Sie treten hier regelmäßig auf. Und es ist schlicht unglaublich, wie groß diese Band im Laufe der Zeit geworden ist. Selbst nachdem sie vor nicht allzu langer Zeit ein Tornado an Besetzungswechseln erfasste. Doch da war der Name bereits so groß geworden, dass dieser Umbruch die Zukunft der Band kaum wesentlich beeinflusst hat. Das Album Anv ist das neueste, und die Band kam nach Ljubljana, um es ausgiebig vorzustellen. Das Bühnenbild stand im Zeichen des Covers des neuen Albums.
Das Oktett demonstrierte anderthalb Stunden exzellenter Eingespieltheit, wobei dabei alles sehr, sehr routiniert ablief. Denn alles ist bis ins letzte Detail einstudiert. Die gesamten Bühnenpositionierungen, auch das Theater mit den Ansprachen ans Publikum zwischen den Songs. Absolut professionell. Aber auf höchstem Niveau durchgezogen. Patzer waren in dieser Hinsicht wirklich keine auszumachen. „Kapuzenmann“ Glanzmann bleibt der große Anführer – umgeben von einer Fülle an auffälligen Instrumenten, die der Band ihr vollendetes Folk-Metal-Pedigree verleihen – und lieferte einige herzliche Ansprachen ans Publikum. Das hatte sich in der Šiška aus allen Himmelsrichtungen eingefunden. Viel österreichisches Publikum war da, auch italienisches. Kurzum: der Besuch war ausgezeichnet. Das Venue quasi ausverkauft. Auch die beiden Musikerinnen – die neue Geigerin Lea-Sophie Fischer sowie Sängerin und Harfistin Fabienne Erni – hinterließen ihre Magie, letztere vor allem dank ihres außergewöhnlichen engelshaften Stimmumfangs, mit dem sie das Publikum bei den keltischen Melodien verzauberte. Schade nur, dass das Klangbild gelegentlich nicht klar genug war, um auch das Spiel der Harfe oder des Hurdy-Gurdy von Fischer deutlicher herauszuhören – denn die Gitarrenphrasen beider Gitarristen übernahmen im Verlauf des Konzerts klanglich die Führung.
Eluveitie schossen das Publikum schon mit dem Opener Helvetios, den die Fans natürlich längst in- und auswendig kennen, schnell in den Delirium – und zum ersten Mosh Pit. Davon sollten im weiteren Verlauf noch einige folgen. Der Eröffnungsteil war besonders heiß, als die Band mit dem älteren Klassiker Tarvos noch Öl ins Feuer goss. Das Repertoire balancierten Eluveitie sehr gelungen und spielten einen stimmigen Querschnitt durch die bisher zurückgelegte musikalische Karriere. Auch im Finalteil, als es darum ging, den treuen Fans bis zum letzten Atom an Energie alles abzuverlangen, zogen Eluveitie das mit großer Klasse durch – mit Bühnenpräsenz, Souveränität und jeder Menge Selbstbewusstsein. Havoc und das darauffolgende King erledigten ihren Job: Das Publikum klammerte sich mit vollem Enthusiasmus ans Mitsingen der Texte und ließ sich bedingungslos drauf ein, was in einer unglaublich elektrisierten, emotional aufgeladenen Atmosphäre resultierte. Das entging auch Eluveitie nicht, die sichtlich Spaß hatten und die Glücks- und Freudenimpulse der aufgeheizten Menge in vollen Zügen genossen.
Die obligatorische Zugabe brachte den neuen Song Premonition, der jedoch angesichts von Renommee und Reputation sofort vom langersehnten Inis Mona in den Schatten gestellt wurde – womit das Konzert seinen definitiven Höhepunkt des Abends lieferte! Großartige Energie! Genau das, wofür man auf Konzerte geht. An diesem Abend stimmte einfach alles. Echte Fans und damit eine phänomenale Stimmung. Dieses Konzertereignis darf man deshalb bereits zu Beginn des Jahres 2025 als einen der Höhepunkte des slowenischen Konzertjahres ausrufen, dem wir in diesem Jahr beiwohnen durften.
Text: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ad Infinitum – Setlist:
1. Follow Me Down
2. Aftermath
3. Upside Down
4. Anthem for the Broken
5. Outer Space
6. Surrender
7. Animals
8. The One You’ll Hold On To
9. Into the Night
10. Unstoppable
Infected Rain – Setlist:
1. The Realm of Chaos
2. Pandemonium
3. Vivarium
4. Fighter
5. The Answer is You
6. Dying Light
7. Never To Return
8. Because I Let You
9. Sweet, Sweet Lies
Eluveitie – Setlist:
1. Helvetios
2. Ategnatos
3. Tarvos
4. The Prodigal Ones
5. Exile of the Gods
6. Slanias Song
7. A Rose for Epona
8. Epona
9. Ànv
10. Aidus
11. Deathwalker
12. The Call of the Mountains
13. Ambiramus
14. Havoc
15. King
—Zugabe—
16. Premonition
17. Inis Mona


























































