Cradle Of Filth beim dritten Besuch der slowenischen Hauptstadt (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
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Cradle Of Filth (Supportbands: Butcher Babies, Mental Cruelty, Black Satellite)
Dienstag, 19.11.2024, von 18:45 bis 23:45 Uhr
Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien


Cradle of Filth, eine der weltweit bekanntesten Bands, wenn es um Extreme Metal geht (in all seinen Erscheinungsformen), sind nach langen, langen Jahren seit ihrem letzten Auftritt in der slowenischen Hauptstadt endlich dorthin zurückgekehrt. Seit jenem fernen Tag am 26. 4. 2009, als sie in der Ljubljaner Cvetličarna spielten, sind also gute fünfzehn Jahre vergangen.

Ursprünglich Black-Metal-Musiker, die mit der Zeit immer stärker in die Sphären der Sinfonik und des Gothic Metals vorgedrungen sind – womit auch die Arrangements und die Länge der Kompositionen gewachsen sind –, haben eine Tournee namens „By Order Of The Dragon“ auf die Beine gestellt, auf der sie von drei stilistisch weit voneinander entfernten Bands begleitet wurden, was das Interesse am Konzertbesuch gehörig angeheizt hat.

Bereits fünfzehn Minuten vor sieben Uhr abends betraten die New Yorker Black Satellite die Bühne – eine Alternative-Metal-Band, die sich leidenschaftlich mit Industrial-Elementen beschäftigt, angeführt von der charismatischen Sängerin Larissa Vale und Gitarrist Kyle Hawken. Die Band sorgte mit ihrem Debütalbum „Endless“, das 2017 erschien, für ordentlich Wirbel und sicherte sich schnell das Etikett der neuen Hoffnung der Szene. Nach Ljubljana kamen Black Satellite mit einem neuen Album im Gepäck, das schon seit geraumer Zeit fertig ist, aber noch nicht das Licht der Welt erblickt hat. Die Band hat in den letzten Jahren eine Reihe eigenständiger Singles veröffentlicht, die darauf enthalten sein werden, und präsentierte sie in Ljubljana reichlich. In einer halben Stunde rissen sie mit ihrem ansteckenden Charakter – einer gelungenen Kombination aus Düsternis, hypnotisierendem Phrasing, kompakten Rhythmusstrukturen und natürlich dem Kommando der bestens aufgelegten Larissa – das Publikum angenehm aus dem Schlaf, das den Veranstaltungsort zu diesem Zeitpunkt zu etwa einem guten Drittel gefüllt hatte. Die Band schloss die Show auf hohem Niveau. Mit einem Song, den die ganze Galaxie kennt. Einer erstklassigen Adaption des Rammstein-Hits Sonne, die den atmosphärischen Höhepunkt ganz an den Abschluss des kurzen, aber kurzweiligen Auftritts setzte.

Mental Cruelty sind eine relativ junge Band aus dem deutschen Karlsruhe, haben sich mit ihrer Arbeit jedoch bereits den Status einer der sichtbarsten Bands im Genre-Feld des Deathcore erarbeitet. Die Band hat bei uns schon gespielt. Im Mai 2019, als sie zusammen mit Rings Of Saturn, Nekrogoblikon, Harbringrer und Left To The Wolves im Orto bar Halt machten, und ebenso beim ersten Tolminator Festival 2023. Die Band veröffentlichte letztes Jahr ihr aktuelles Album „Zwielicht“, auf dem sich der neue Sänger Lukas Nikolai vorstellte, was die Band wenn überhaupt nur gestärkt hat. Der Mann hat überzeugt. Als Frontmann, der das Publikum auf seine Seite zu ziehen weiß – und natürlich auch performancemäßig. Unter den Besuchern konnte man das eine oder andere Lorna Shore-Shirt erspähen, was eine sinnvolle Verbindung darstellt, nur besitzen Mental Cruelty ein deutlich höheres Maß an Kreativität, Abwechslungsreichtum und damit Interessantheit. Die beiden Gitarristen sind nämlich erstklassig, ihr Spiel haarspaltend präzise. Die Band ist außergewöhnlich eingespielt, was die Jungs in zahlreichen plötzlichen Wechseln zwischen Hauptrhythmen und Phrasierungen unter Beweis stellten. Mental Cruelty heizten die Halle ordentlich auf, und der versierte Teil des Publikums in den vorderen Reihen war mächtig entflammt, was sich auch darin zeigte, dass etliche die Texte einzelner Songs mitsingen konnten. Die Band spielte größtenteils Songs vom Album „Zwielicht“ und schloss den Auftritt mit dem Album-Highlight, dem Song Symphony of a Dying Star, ab.

Butcher Babies sind ein klar etablierter Name in der Extreme-Metal-Szene. Vor allem dank der Kombination von zwei Sängerinnen in der Besetzung, was zusammen mit dem veröffentlichten Werk erheblich zu ihrer Popularität beigetragen hat. Doch gerade in diesem Jahr traf die Band ein Tornado an Veränderungen, denn Carla Harvey verließ die Gruppe, und die Band entschied sich, als Quartett weiterzumachen. Ebenfalls wechselten Butcher Babies in diesem Jahr den Schlagzeuger – Devin Nickles stieß zu ihnen. Butcher Babies hatten während des Konzerts nicht wenige Probleme aufgrund technischer Kapriolen, und die Band musste sich einige längere Pausen zwischen den Songs leisten, was die Atmosphäre etwas abtötete.

Butcher Babies gehen aggressiv vor. Wuchtig. Wutentbrannt. Auf der Bühne sind sie wie Hornissen, die aus ihrem Nest ausgeschwärmt sind und alles angreifen, was ihnen in den Weg kommt. Die Band hatte ich noch nie im Quintett-Format erlebt, aber es ist offensichtlich, dass Sängerin Heidi Shepherd auf der Bühne neuerdings für ‚zwei Sängerinnen‘ reicht. Ihr Growl diente ihr ausgezeichnet, und mit ihrem Haare-Wirbeln könnte sie sogar Corpsegrinder herausfordern. Genau diese unglaubliche Agilität und der Bühnen-Kinetismus der Band, die keine Sekunde stillhalten kann, überdeckte effektiv die Soundprobleme, mit denen sie zeitweise während des Konzerts zu kämpfen hatten. Die Band beeindruckt mit einigen Riffs, bei denen man die alte Slayer-Schule des Thrash Metal spürt (King Pin), aber auch mit Momenten, in denen Gitarrist Henry Flury mit Djent-Tricks hantiert, inspiriert von der Rhetorik von Messhuggah und Monuments (das einleitende Backstreets of Tennessee und später It’s Killin‘ Time, Baby!). Das finale Stampede mit Last December und Magnolia Blvd! Nach so einem wuchtigen Auftritt denkt man sich am Ende: Butcher Babies muss man beim nächsten Mal unbedingt als Headliner sehen. Ein Auftritt von unglaublicher Überzeugungskraft einer Band, die sich genremäßig schwer in Schubladen stecken lässt. Einmal Groove Metal, dann traditioneller Thrash Metal, dann wieder Metalcore, …

Butcher Babies beendeten ihren Auftritt kurz nach halb neun Uhr abends. Cradle Of Filth waren knapp eine Stunde später angekündigt. Aber sie ließen uns noch etwas warten. Gut eine halbe Stunde. Die Leute drängten sich – zusammengepfercht vorne. Die Halle schön gefüllt, aber nicht ausverkauft. Das Warten zog aber ganz schön runter. Als die Uhr auf zehn Uhr abends zuging, zischten hier und da schon Pfiffe durch die Luft. Es flogen auch ein paar Bierbecher. Auf die Bühne. Zum Glück fast leere, die die Techniker blitzschnell von der Bühne räumten.

Aber es bestand keine Gefahr, dass Dani vor dem Konzert ‚irgendwelche Wespen‘ seiner berühmten Ego-Obsessionen befallen hätten. Cradle Of Filth erledigten alles mit Bravour. Die eine Stunde und 40 Minuten lange Show lieferte ein Konzert, das schlicht makellos wirkte. Das unheilvolle Sextett ist außergewöhnlich erfahren und routiniert. Die Horde, oder meinetwegen das ‚Rudel der Schmutzfinken‘, hat ihrem Ruf also alle Ehre gemacht. Hervorragendes Zusammenspiel, Souveränität, Erfahrenheit. Eine aufwendige Bühnenkulisse, gehüllt in dichten Nebel, durchschossen von Stroboskopen mit (überwiegend) einfarbigen (höchstens zweifarbigen) Scheinwerferkegeln. Das dämonische Outfit, mit dem Cradle of Filth wie geächtete, zombifizierte Krieger wirken, die die Friedhöfe verlassen haben und zurückgekehrt sind, um sich mit frischem Blut zu laben. Beide Gitarristen, der Bassist und natürlich Dani Filth, ohne den das alles nichts wäre, beherrschen die Bühne und den Ablauf der Show bis ins kleinste Detail. Schlagzeuger Marthus hinter dem Gitter, aber hervorragend in seinem Handwerk. Das doppelte Bass-Drum-Pedal gehorcht ihm wie geölt. Der Ansturm der Blastbeats makellos. Keyboarderin Zoe harmonisierte und ergänzte Danis Leadgesang perfekt, der zwar etwas Unterstützung vom Mischpult bekam, vor allem bei den für ihn typischen, in extreme Höhen geschossenen Schreien. Podeste vorne. Die nutzen alle – nicht nur Dani. Die Natur hat Dani nicht mit besonderer Körpergröße gesegnet, aber der Mann im ‚aufgepeppten und scharf bestachelten Leder-Outfit‘ besitzt ein hohes Maß an Agilität und Magnetismus, das er routiniert einsetzte, um das Publikum durch die gesamte Show bei sich zu halten.

Was die Setlist betrifft, sorgte die Band für eine hervorragende Abrundung ihres bisherigen Schaffens und lieferte eine ordentliche Portion Klassiker mit Schwerpunkt auf den alten Tagen. Für nicht wenig Überraschung sorgte eine der beiden an diesem Abend gespielten Klassiken aus der „Bitter Suites To Succubi“-EP, nämlich der Song Scorched Earth Erotica, den die Band in der Zugabe spielte und den sie 2022 überhaupt zum ersten Mal in ihrer Karriere ins Konzertrepertoire aufnahm. Eine schöne Abwechslung lieferte auch Saffron’s Curse vom Album „Midian“ (2000), den die Band davor nur auf der Tournee 2019 gespielt hatte. In die Mitte der Show baute die Gruppe auch die neueste Single Malignant Perfection ein, die gut eine Woche vor der Ankunft der Band in Ljubljana erschienen war. Echten Fans der Band war es diesmal wirklich nicht langweilig. Die Energie war ausgezeichnet, was die lauten Reaktionen der glühenden Köpfe im Publikum bestätigten. Man sieht aber, dass Cradle Of Filth seit Anfang der Neunziger auf der Bühne sind. Unter einem Dach vereinten sie drei Generationen von Fans der brutalen Sphären des Metals – da gibt’s nichts zu diskutieren. Wenn die Band Klassiker wie The Forest Whispers My Name, Malice Through The Looking Glass oder in der Zugabe Cruelty Brought Thee Orchids und abschließend Her Ghost in the Fog angeht, ist das Fazit immer dasselbe. Live packen sie höllisch gut zu und lösen Gänsehaut aus. Kompakt und in Einklang mit schwarzer Hypnose – kompromisslos!

Obwohl wir vier Auftritte verfolgten, ging alles unglaublich schnell vorbei. Viel zu schnell. Cradle of Filth zeigten sich in hervorragender Form, führten die Show in Ljubljana routiniert und in großem Stil durch, und Dani vergaß am Ende u. a. nicht, dem Publikum für seine ‚Geduld und Unterstützung‘ zu danken. Jenes Konzert aus dem fernen Jahr 2009, als ihnen sowohl in Zagreb als auch in Ljubljana Moonspell (die Special Guests der damaligen Tournee) die Show ‚gestohlen‘ hatten, war blitzschnell vergessen.

Autoren: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Black Satellite – Setlist:
1. Dead Eye
2. Broken
3. Far Away
4. Here It Ends
5. Void
6. Don’t Remind Me
7. Decay
8. Sonne (orig. Rammstein)

Mental Cruelty – Setlist:
1. Midtvinter (taped intro)
2. Obsessis a Daemonio
3. King ov Fire
4. Forgotten Kings
5. Nordlys
6. Zwielicht (taped)
7. Symphony of a Dying Star

Butcher Babies – Setlist:
1. Backstreets of Tennessee
2. Red Thunder
3. Monsters Ball
4. King Pin
5. Sleeping With the Enemy
6. It’s Killin‘ Time, Baby!
7. Beaver Cage
8. Spittin‘ Teeth
9. Last December
10. Magnolia Blvd

Cradle Of Filth – Setlist:
1. The Fate of the World on Our Shoulders (taped intro)
2. Existential Terror
3. Saffron’s Curse
4. The Forest Whispers My Name
5. She Is a Fire
6. Summer Dying Fast
7. Malignant Perfection
8. Heartbreak and Seance
9. Nymphetamine (Fix)
10. Malice Through the Looking Glass
11. Born in a Burial Gown
12. Creatures That Kissed in Cold Mirrors (taped outro)
—Zugabe—
13. The Monstrous Sabbat (Summoning the Coven) (taped intro)
14. Cruelty Brought Thee Orchids
15. Scorched Earth Erotica
16. Her Ghost in the Fog


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