Uriah Heep starten in den zweiten Teil der Europatournee (2019)

ALEŠ PODBREŽNIK
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Location: Roncade (Treviso) / New Age Club / Italien
Datum: Donnerstag, 31.01.2019


Uriah Heep sind langlebige Rock ’n‘ Roll-Legenden mit Pionier-Status, die nicht aufhören und nicht nachlassen. Sie treten seit Ende 1969 an und sind für so manchen musikalischen Standard verantwortlich, der sich mit ihrem Auftauchen auf der Szene, ihrer Visionskraft und Kreativität später unwiderruflich und dauerhaft im Ausdrucksrepertoire ihrer Nachahmer verankert hat, die Uriah Heep inspirierten – darunter solche wie Queen. Dieser Einstieg wäre gar nicht so „theatralisch pompös“, wenn Uriah Heep im Laufe ihres ehrwürdigen Alterns nicht ständig auch frisches Eigenmaterial veröffentlicht hätten, das in jeder Hinsicht glaubwürdig und ausgezeichnet ist und bleibt. Im September 2018 erschien so bereits das fünfundzwanzigste Studioalbum „Living the Dream„, das in seiner künstlerischen Stärke effektiv mindestens die Qualität des Albums „Wake the Sleeper“ erreicht. Mehr noch: Uriah Heep beziehen sich mit „Living The Dream“ nämlich hervorragend auf sämtliche Ären ihres Schaffens, was bedeutet, dass sie neben ihrem kräftigen Oldschool-Phrasierungsklang, den sie durch die Kombination von Hammond-Linien und den charakteristischen Box-Riffs begründeten, erneut mehr arrangementtechnische Vortrefflichkeit und Abwechslungsreichtum von hervorragenden Alben wie „Sea Of Light“, „Sonic Origami“ oder „Raging Silence“ hinzufügen. Das ist genau der Schachzug, den die erfahrene Band meisterhaft aus dem Ärmel gezogen hat – nach dem etwas ermatteten und ideenmäßig „ausgedünnten“ Vorgänger „Outsider“ (2014).

Die Band ist in den letzten Jahren aufgefrischt, was angesichts all der Epen, die sie auf ihrem langen Weg erlebt haben, selbstverständlich ist. Dem einzigen Originalmitglied der Band, Gitarrist Mick Box, der im Laufe der Jahre eher jünger zu werden scheint, stehen seit 1986 Keyboarder Phil Lanzon und Sänger Bernie Shaw zur Seite; seit 2007 sorgt der außergewöhnliche Russell Gilbrook für den Rhythmus, der damals den kränkelnden Lee Kerslake in der Band ersetzte, während der Mann mit dem kürzesten Dienstalter in der Band Bassist Dave Rimmer ist (Box könnte sein Vater sein). 2013 ersetzte er den verstorbenen, aber ikonischen Trevor Bolder, der einst bei David Bowie spielte. Diese Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Potenz hält Uriah Heep also auch in neuen Zeiten noch sehr fest am Leben und immergrün, und die Truppe zeigt keinerlei Anzeichen möglichen Rostens, kreativer Erschöpfung oder bühnenmäßiger „Demenz“. Uriah Heep bleiben also eine Konstante und der Inbegriff einer außergewöhnlichen Rock ’n‘ Roll-Band.

Das bestätigte auch unser neuerlicher Besuch der Band im italienischen Ort Roncade bei Treviso im dortigen New Age Club, der offensichtlich nach einer mehrjährigen Pause damit begonnen hat, wieder klangvolle Namen aus Rock und Metal ins Programm aufzunehmen. Die Band begann das Konzert gegen halb zehn abends ohne Vorband. Die Location war gerammelt voll. Der kleine Club, der vielleicht 500 Leute fasst und in dem wir vor allem zwischen 1999 und 2011 eine Menge hervorragender Konzerte gesehen haben, war wirklich ausgezeichnet besucht. Natürlich dominierten ältere Besucher, die sich mit Uriah Heep so nostalgisch in die Vergangenheit begaben, als sie als Teenager zu unvergesslichen Rock’n’Roll-Klassikern aufwuchsen – allen voran mit den Kultalben „Look At Yourself“, „Very ‚Eavy… Very ‚Umble“, „Salisbury“, „Demons And Wizards“ und „The Magician’s Birthday“.

Die Band auf der kleinen Bühne des kleinen Clubs zu beobachten war ein Genuss. Vor allem kamen jene kleinen Dinge zum Vorschein, die Feinheiten, die dem Publikum oft „verborgen“ bleiben. Besonders auffällig war die ständige Kommunikation zwischen den Bandmitgliedern, die Konzentration aufeinander. Mit kleinen Gesten, Andeutungen und Augenzwinkern. All diese Kleinigkeiten werden dem Zuhörer in einem kleinen Club wie auf einem Tablett serviert. Wir waren Zeugen der unglaublichen Kommunikation einer eingespielten Band. Einige Anpassungen waren notwendig: das Schlagzeug von Russell Gilbrook wurde angepasst, weil Bühne und Location eben etwas kleiner waren als sonst. Es wurde in einer Linie mit den restlichen vier aufgestellt, wahrscheinlich genau deshalb, damit der Sound nicht durchbrach und die anderen auf der Bühne sich gegenseitig hören konnten. Russell hatte auch nicht sein vollständiges Setup dabei, das er sonst bei Konzerten verwendet. Die Bandmitglieder haben jedoch, wie immer, die Vorstellung außerordentlich genossen. In der Setlist dominierten die Nummern vom neuesten Studioalbum, was zu erwarten war – vor allem angesichts der Tatsache, dass das Album wirklich hervorragend ist. Die Band ist sich dessen bewusst und spielt die neuen Songs daher mit großer Freude und Genuss. Darunter waren der eröffnende, aufgeladene Katalysator Grazed By Heaven, dann der mystische Titeltrack des Albums, sowie das unglaublich eindringlich und ansteckend leicht-AOR-angehauchte Take Away My Soul, das kräftige, oldschool klingende Knocking At My Door, weiterhin das halb-akustisch charmante Waters Flowing und der markanteste Track des neuen Albums, eine echte kleine Epos-Suite, Rocks On The Road, die einen der Höhepunkte des Konzerts darstellte. Es handelt sich also um Material, das sich hervorragend an die Klassiker anknüpft. Dazwischen schlichen sich zwei „Schmankerl“ ein, nämlich Return to Fantasy und Too Scared To Run, die die Band nach längerer Zeit wieder ins Repertoire aufgenommen hat, und etwas später gesellte sich dazu noch der fantastische „Demons And Wizards“-Klassiker Rainbow Demon. Im Übrigen kündigte die Band etwa bei zwei Dritteln des Konzerts mit dem aufgedrehten, ikonischen Gypsy, das das Publikum automatisch zusätzlich entfachte, an, dass das Konzert nun in eine Reihung von Klassiker nach Klassiker übergeht. So reihten sich bis zum Ende des Konzerts, das mit Zugabe eine Stunde und fünfundvierzig Minuten dauerte, erwartungsgemäß noch die „Best-of“-Klassiker aneinander, angeführt von Look At Yourself, das mit einem theatralischen Jam, in dem Lanzon und Mick Box regierten, auf über zehn Minuten ausgedehnt wurde – dann das sehnsuchtsvolle July Morning, das allgemeine Partystück Lady In Black, sowie als einziger „The Magician’s Birthday“-Track des Abends im obligatorischen Zugabenteil Sunrise und natürlich der absolut unvermeidliche Zünder aller nostalgischen Rock’n’Roll-Herzen, Easy Livin‘.

Mit Ausnahme von Bernie, der vor allem in der ersten Hälfte etwas mit seinen Kräften haushaltete – was logisch ist, da eine lange Tournee vor ihm liegt –, trat die Band mit voller Kraft auf und verzauberte das Publikum. Bernie steigerte die Vorstellung von Song zu Song und war stimmlich genau im letzten Drittel des Repertoires am stärksten.

In jeder Hinsicht eine ausgezeichnete Vorstellung. Sie hat alle – ohnehin hohen – Erwartungen erfüllt. Uriah Heep befinden sich auf dem zweiten Teil der neuen Europatournee zur Unterstützung des Albums „Living The Dream„. Im März 2019 folgt die Reise nach Japan, dann im Mai die nordamerikanische Tournee, auf der ihnen Judas Priest Gesellschaft leisten werden, und danach die sommerliche Rückkehr zu den Bühnen der größeren europäischen Festivals.

Die Band zeigt also keinerlei Anzeichen des Nachlassens oder irgendeines Aufhörens. In allem bleibt sie der Inbegriff von Exzellenz und darstellerischer Vortrefflichkeit. Box, Lanzon und Rimmer unterstützen Bernie mit Vokalharmonien ausgezeichnet, die Eingespieltheit der Truppe bleibt traumhaft. Mick Box ist wie immer ungemein heiß an der Gitarre, Unterstützung bietet ihm der unglaubliche Keyboarder Phil Lanzon, und die Rhythmussektion ist besonders „jugendlich“ verbissen, unersättlich und eindringlich. Vor allem das jüngste Mitglied Dave Rimmer wirkt nach fünf Jahren mit Uriah Heep wie aus einem Guss – wie nie zuvor. Bravo, Jungs, wir freuen uns auf weitere Begegnungen mit euch! Die erste davon steht zum Valentinstag auf dem Programm, wenn das legendäre „Orchester der Orchideen“ am 14.02.2019 in Wien Station macht!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. Grazed By Heaven
2. Return To Fantasy
3. Living The Dream
4. Too Scared To Run
5. Take Away My Soul
6. Knocking At My Door
7. Rainbow Demon
9. Waters Flowing
10. Rocks In The Road
11. Gypsy
12. Look At Yourself
13. July Morning
14. Lady In Black
—Zugabe—
15. Sunrise
16. Easy Livin‘


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