Bruce Dickinson überzeugte Zagreb auch ohne Iron Maiden (2024)

foto: JERNEJ VENE 2024
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Auftretende: Bruce Dickinson (Vorband: Keops)
Datum: Samstag, 13. 7. 2024
Ort: Zagreb / Hala Zagreb / Kroatien


Eine englische Version findest du weiter unten (Leiste nach unten scrollen):

Slowenische Version:
Der 13. Juli war höllisch heiß, wie so manch anderer Tag in diesem Sommer. Der Samstag – und vor allem der Abend – lud zu einem Besuch in Zagreb ein, denn auf seiner The Mandrake Project-Tour machte der renommierte Autor und Sänger Bruce Dickinson Halt.

Den Abend eröffnete die Vorband Keops aus Rijeka. Sie spielen einen eigenständigen Thrash Metal und haben in ihrer über zehnjährigen Karriere drei Alben veröffentlicht. Ihr äußerst überzeugender vokal-instrumentaler Auftritt begeisterte vor allem die einheimischen Kenner, während der Rest von uns ihren Sound und ihren energiegeladenen Auftritt erst richtig kennenlernte.

Bruce Dickinson war ausdrucksstark überzeugend, stimmlich kraftvoll, klar im Kopf und gelegentlich humorvoll – eben so, wie wir ihn kennen. Man sah deutlich, dass er seinen Auftritt wirklich genoss. Er könnte sich längst auf seinen Lorbeeren ausruhen, auf einer Insel oder einer Jacht in der Sonne liegen, vielleicht ein neues Memoirenbuch schreiben. Stattdessen besuchte er Zagreb – zur Freude von tausenden Fans, die ihm aus der Hand fraßen. Man kann sagen, dass sich im Innenhof der Hala das ehemalige Jugoslawien im Kleinen versammelt hatte.

Ich glaube, keiner von uns hat einen Song der Mutterband erwartet. Warum auch, wenn es eine Solotournee ist? Tatooed Millionaire haben wir nicht gehört – aber eigentlich spielt das keine große Rolle: Bruce hat bewiesen, dass er eine Ikone und ein Markenzeichen einer großartigen Legendenband ist, die auch in einer anderen künstlerischen Welt viel zu sagen hat. Diese pflegt er, wann immer er kann – er setzt Ideen verdammt gut um, zieht sie mit seiner grenzenlosen Fantasie aus sich heraus und verpackt sie in wohlklingende Klangwellen.

Die Bühne war voll, die Beleuchtung vorbildlich, aber dem Raum angemessen. Kein Getue, keine Lichteffekte oder sonstiger Schnickschnack. Diesmal standen die Musik und ihr Hauptprotagonist im Mittelpunkt. Bruce verzauberte das Publikum mit theatralischen Gesten und seiner sprichwörtlich ausdrucksstarken Mimik. Nicht wenige kannten das gesamte Opus und sangen fröhlich mit – nicht nur in den Refrains, auch in den Strophen. Beim Auftritt bedankte er sich bei Chris Dale, dem ehemaligen Bassisten der Begleitband, und sagte, auch der Besuch in Zagreb sei Chris Dales Verdienst. Er fand kritische Worte für das Personal europäischer Flughäfen, das sie mit Grenzkontrollen in Schwierigkeiten gebracht hatte – weshalb sie mit dem Bus in Zagreb ankamen.

Dickinson servierte seine charakteristische Mischung aus direktem, gelegentlich kontemplativem Gesang, kombiniert mit einer treibenden Rhythmussektion. Was für eine Vitalität zeigt Herr Dickinson doch! Keinen einzigen Moment lang gab es einen Zweifel daran, wie sehr er das genoss. Unterstützt wurde er von einem ausgezeichneten Begleitensemble, das die Musik der Studioalben treu und gewissenhaft übertrug und ihr dabei so manche zusätzliche Qualität verlieh. Auch Bruce selbst gab alles – am Ende griff er sogar zum Theremin, und zwischendurch half er auch ein paarmal dem Schlagzeuger aus. Lob gebührt der eingespielten Band, bestehend aus den Gitarristen Chris Declercq und Philip Naslund, Bassistin Tanya O’Callaghan, Schlagzeuger Dave Moreno und Keyboarder Mistheria alias Giuseppe Iampieri. Langjähriger Gitarrist und Co-Autor Roy Z fehlte aus persönlichen Gründen.

Die grundlegenden Bausteine der Songs ruhten auf einem soliden Gerüst aus Rhythmus und Bass, während die hypnotische Wirkung durch die beiden Gitarren und die Keyboards gesteigert wurde. Rhythmus und klangliche Weite verschmolzen an diesem Samstag zu einem ganz besonderen körperlichen und seelischen Erlebnis.

Eine Empfehlung für einen Besuch seines Konzerts ist immer angebracht – solange er atmet, wird er mit Sicherheit ein ähnliches Erlebnis bieten wie das in Zagreb.

Englische Version:
Der 13. Juli war höllisch heiß, wie so viele andere Tage in diesem Sommer. Der Samstag – und besonders der Abend – lud zu einem Besuch in Zagreb ein, denn auf seiner The Mandrake Project-Tour machte der renommierte Autor und Sänger Bruce Dickinson Halt.

Den Abend eröffnete Keops aus Rijeka. Sie spielen eine einzigartige Art von Thrash Metal und haben in einer Karriere von mehr als zehn Jahren drei Alben veröffentlicht. Ihr äußerst überzeugender Vokal- und Instrumentalauftritt beeindruckte vor allem die einheimischen Kenner, während der Rest von uns ihren Sound und ihren energiegeladenen Auftritt gründlich kennenlernte.

Bruce Dickinson war ausdrucksstark überzeugend, stimmlich stark, klar und gelegentlich humorvoll – genauso, wie wir ihn kennen. Man sah deutlich, dass er seinen Auftritt wirklich genoss. Er könnte sich leicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, auf einer Insel oder einer Jacht in der Sonne liegen, vielleicht ein neues Memoirenbuch schreiben. Stattdessen besuchte er Zagreb – zur Freude von Tausenden von Fans, die ihm aus der Hand fraßen. Viele kamen aus den entlegenen Winkeln des ehemaligen Jugoslawien.

Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns einen Song von Iron Maiden erwartet hat. Warum auch, wenn es eine Solotournee ist? Tatooed Millionaire haben wir nicht gehört, aber eigentlich ist das auch nicht so wichtig: Bruce hat bewiesen, dass er eine Ikone und ein Markenzeichen einer großartigen Legendenband ist, die auch in einer anderen gedanklichen Welt viel zu sagen hat. Diese pflegt er, wann immer er kann – er setzt Ideen außerordentlich gut um, zieht sie mit seiner grenzenlosen Vorstellungskraft aus sich heraus und verpackt sie in wohlklingende Wellen.

Die Bühne war voll, die Beleuchtung vorbildlich, aber dem Raum angemessen. Kein Gehabe, keine Lichteffekte oder sonstiger Kram. Diesmal waren die Musik und ihr Hauptprotagonist der eigentliche Mittelpunkt. Bruce hielt das Publikum mit seinen theatralischen Gesten und seiner sprichwörtlichen Mimik in seinem Bann. Nicht wenige kannten das gesamte Opus und sangen fröhlich mit – nicht nur in den Refrains, sondern auch in den Strophen. Beim Auftritt bedankte er sich bei Chris Dale, dem ehemaligen Bassisten der Begleitband, der laut ihm auch dafür verantwortlich war, dass Zagreb auf dem Tourplan stand. Er übte Kritik am Personal europäischer Flughäfen, das sie mit Grenzkontrollen in Verlegenheit gebracht hatte – weshalb sie mit dem Bus in Zagreb ankamen.

Dickinson servierte seine charakteristische Mischung aus direktem, gelegentlich kontemplativem Gesang, kombiniert mit einer treibenden Rhythmussektion. Wirklich – welche Vitalität zeigt Herr Dickinson doch! Keinen Moment lang war es möglich, nicht zu sehen, wie sehr er sich amüsierte. Unterstützt wurde er von einem ausgezeichneten Begleitensemble, das die Musik der Studioalben treu und gewissenhaft übertrug und ihr noch einige zusätzliche Qualitäten hinzufügte. Auch Bruce gab sein Bestes und griff am Ende sogar zum Theremin – zwischendurch wurde er dabei auch ein paarmal vom Schlagzeuger unterstützt. Kudos an die eingespielte Band aus den Gitarristen Chris Declercq und Philip Naslund, Bassistin Tanya O’Callaghan, Schlagzeuger Dave Moreno und den Keyboardern Mistheria und Giuseppe Iampieri. Langjähriger Gitarrist und Co-Autor Roy Z fehlte aufgrund persönlicher Probleme.

Die grundlegenden Bausteine der Songs ruhten auf einem soliden Gerüst aus Rhythmus und Bass, während die hypnotische Wirkung durch die beiden Gitarren und die Keyboards verstärkt wurde. Rhythmus und klangliche Weite verschmolzen an jenem Samstag zu einem ganz besonderen körperlichen und seelischen Erlebnis.

Eine Empfehlung für einen Besuch seines Konzerts ist immer angebracht – solange er atmet, wird er mit Sicherheit ein ähnliches Erlebnis bieten wie das in Zagreb.

Autor: Jernej Vene
Fotos: Jernej Vene

Setliste:
1. Accident of Birth
2. Abduction
3. Laughing in the Hiding Bush
4. Faith
5. Afterglow of Ragnarok
6. Chemical Wedding
7. Tears of the Dragon
8. Resurrection Men
9. Rain on the Graves
10. Frankenstein (The Edgar Winter Group cover)
11. The Alchemist
12. Road to Hell
Zugabe:
13. Navigate the Seas of the Sun
14. Book of Thel
15. The Tower


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