Steel Panther bei der zweiten Eruption von Katzenpheromonen in Zagreb (2024)
Steel Panther (Vorband: Damir Simic Shime)
Mittwoch, 10. 7. 2024
Zagreb / Tvornica kulture / Kroatien
Wenn Steel Panther auf Welttournee gehen und du sie ungeduldig erwartest, damit sie ihr neuestes Album „On The Prowl“ vorstellen — das vor gut einem Jahr erschienen ist —, dann ist die Sache völlig klar. Du weißt nämlich, dass du kaum einen Künstler (auf globalem Level) findest, der dir eine bessere Party liefern könnte als genau diese vier Clowns, die in erster Linie als grandiose Parodie auf das goldene Zeitalter der Achtziger funktionieren, als Glam Metal und Sunstrip sorglos auf riesigen Wellen der Popularität ritten und auf der Szene einen unauslöschlichen Stempel hinterließen.
Ob das nun Poison, Ratt, Motley Crue oder Pretty Boy Floyd sind — an treffenden Assoziationen beim Blick auf die freche Rotzigkeit von Outfit und Stimme der ’scharf aufgemachten‘ Steel Panther mangelt es nicht. Aber die Zeiten sind andere. Metal hat sich in letzter Zeit — was heißt letzter Zeit, wir reden von fast vier Jahrzehnten — ordentlich in Subgenres aufgefächert und spricht die Massen längst nicht mehr mit dem besonderen, überschäumenden Optimismus an, der in den Achtzigern an jeder Ecke zu spüren war! Musikalität wich tiefgestimmtem Halbton-Phrasieren, der klassische Vokaleinsatz dem Gegrowle. Kurzum: Aggression und Brutalität. Genauso brutal wie die Zeiten, in die wir gemeinsam mit dem Glanz und Elend dieser wunderschönen (krankhaft verrückten) neuen Welt versinken. Umso stechender deshalb das potenzielle Erlebnis mit einer Band, die dir auf höchst bildhafte und überzeugende Weise ein Stück jener guten alten Tage heraufbeschwört. Es geht hier nicht nur um eine grandiose Parodie, sondern auch um einen Moment großer Nostalgie.
Wenn die Band quasi vor deiner Haustür auftaucht — in unserem Fall war das auf jeden Fall auch die kroatische Hauptstadt Zagreb —, musst du einfach dabei sein. Aber der Weg nach Zagreb hatte diesmal einige unangenehme Tücken. Am selben Tag trat nämlich im nahen Pordenone der 76-jährige ‚Wahnsinnige‘ Alice Cooper auf, und in unserem Avditorij in Portorož spielte das berühmte 80-jährige Pink-Floyd-Urgestein Nick Mason mit einer erstklassigen Begleitband und einem Sack voller Pink Floyd-Songs aus der psychedelischen (also frühen) Ära der Gruppe. Auch für Rockline drehten sich die Dinge diesmal in Sachen aller möglichen Kalkulationen ‚ziemlich amüsant‘, und das Glücksrad wollte es, dass wir in Zagreb landeten!
Zurück zu Steel Panther. Nach zwei Jahren, die im Zeitraffer vergangen sind, seit dem ersten Besuch dieser Band (damals retteten sie das abgesagte Whitesnake-Konzert auf der Šalata mit einem eigenständigen Auftritt in der Tvornica kulture). Besser geht’s kaum und kann es kaum sein. Das bewies auch der Veranstaltungsort selbst, den Steel Panther erneut und bereits zum zweiten Mal in Folge komplett ausverkauft hatten.
Um acht Uhr abends, als unser Team noch eifrig auf der Suche nach einem legal geregelten Parkplatz war und dabei die ganze digitale Leichtigkeit der Bedienung der App für die Parkgebühren der Zagreber Straßen bewunderte (ich hoffe, ihr habt den Sarkasmus verstanden), spielte in der Tvornica bereits der großartige Damir Simic Shime mit seiner Begleitband. Seinen halbstündigen Auftritt mussten wir komplett verpassen. Er ist ein erstklassiger Gitarrenvirtuose, der in seiner Karriere mit prominenten Namen aus Rock und Metal zusammengearbeitet, einige Solo-Alben veröffentlicht und unter anderem auch die Band Shark’s Island unterstützt hat. Diesmal spielte er mit seiner Crew ausschließlich Material der verstorbenen Van Halen. Nicht eine Sekunde lang darf man daran zweifeln, dass sich der wackere Musiker mit seinen Jungs dabei als mehr als passendes Aufwärmprogramm für einen glühend heißen Abend erwies!
Um neun Uhr dann der Beginn! Die Tvornica ist gerammelt voll. Man kriegt kaum Luft. Die Band knallt los. Action. Vier Typen — grandioseste Parodie auf komische Glam-Metal-Ballettänzer — nehmen Anlauf. Man konnte erwarten, dass der Großteil des Sets aus Songs der ersten beiden Alben „Balls Out“ und „Feel the Steel“ bestehen würde, die Steel Panther auf die Weltkarte der besten Attraktionen im Bereich parodistischer Clownerie gesetzt haben. Aber wie immer gilt, und wenn du nicht nur Fan dieser Band, sondern einer guten Party bist: Steel Panther liefern, mit der Besonderheit, dass das Ganze tatsächlich wie Stand-up-Comedy wirkt! Wie streckt man 13 Nummern auf anderthalb Stunden Auftritt? Natürlich mit jeder Menge Gequatsche, das bei Steel Panther auf der Bühne einfach sein muss. Satchel ist der oberste Sprach-Doktor. Und wenn ihm jemand widerspricht, dass er darin nicht gut genug sei, serviert er schnell ein paar schwindelerregende Gitarren-Akrobatiken, bei denen selbst der verstorbene Eddie die Augen aufgesperrt hätte. Weil es Zagreb war — und obendrein schon zum zweiten Mal Zagreb —, war diesmal auch wieder Dino (Dino Jelusić) dabei. Von der Lobrede, dass Zagreb die Stadt mit dem besten Kokain sei, bis hin zur natürlich vollständigen Sexologie, die die Jungs abgearbeitet haben, wobei sie sich beim Aufziehen des weiblichen Teils des Publikums vor allem von Dino und seinen mannigfaltigen Fähigkeiten inspirieren ließen. Das heizte natürlich das Publikum ein, das ihn die ganze Zeit über erwartet hatte. Er war bereits vor dem Konzert im Publikum gesichtet worden, und jetzt wäre es an der Zeit, langsam auch die Bühne in Besitz zu nehmen. Wo steckt er bloß? Aber sachte, sachte.
Als die Techniker die Nord-Keyboards in der vorderen Bühnenreihe aufstellten, wusste das Publikum bereits, dass Schlagzeuger Stix Zadinia wieder an ihnen ‚üben‘ würde. Auch Dino erscheint auf der Bühne. Und? Der Kern der ganzen Pointe. Das erste Mädchen. Die balladenhafte Weenie Ride bringt eine neue Art brillanten Gag. Der Song selbst weniger. Aber die Streiche und ‚Blödeleien‘, die vor allem Satchel und Michael Starr veranstalten, als sie mit aller Kraft das Mädchen herausfordern, das sich aber perfekt auf die Situation eingelassen hat. Den Höhepunkt brachte es dann, als die Band noch mehr Mädchen auf die Bühne einlud. Natürlich. Bei 17 Girls In A Row. Der Platz wurde knapp. Es waren nicht nur 17 Mädels. Aber im Laufe der Jahre haben sich die Dinge doch etwas beruhigt, und die Oberteile blieben die ganze Zeit über bedeckt. 2014 beim Erlebnis in Graz gab es diese Zensur noch nicht, als österreichische und slowenische Steirerinnen an diesem Punkt schamlos die Bühne füllten.
Die Party verging viel zu schnell. Dino ist aber doch auch noch da. Die Band hat ihn nicht vergessen. Gemeinsam spielten sie Slide It In (orig. Whitesnake), und Dino, der seine stimmliche Mächtigkeit unter Beweis stellte, gab dabei auch noch ein paar nützliche Ratschläge an Stix beim Erlernen des Keyboardspiels weiter. Und zum zweiten Mal in Folge haben Steel Panther die Tvornica kulture verwüstet. Man kann kaum sagen, welches Konzert besser war. Das vor zwei Jahren oder das diesmalige. Vielleicht sogar das diesmalige — aber die Ausrede „weil ich noch unter frischen Eindrücken stehe“ hält irgendwie nicht stand.
Wenn du noch nicht erlebt hast, wie es sich anfühlt, wenn einem die Gesichtsmuskeln vom Lachen wehtun, dann musst du unbedingt zu einem Konzert von Steel Panther. Dabei brauchst du auf den Musikstil keine Rücksicht zu nehmen — du gehst einfach zu ihrem Konzert aus einem einzigen Grund. Weil sie die bestmögliche Party liefern. Lassen wir mal außen vor, dass sie spieltechnisch brillant sind; aber bei aller performativen Perfektion liefern sie in diesem ganzen bunten Vergnügungstheater so viel beißende Spötterei, wie es nur sie schaffen, dass man der Heiterkeit, die sie aus dir herauslocken, einfach nicht entkommen kann. Alle Sorgen fallen ab. Zumindest für anderthalb Stunden, wenn du in die bildhafte Welt einer der besten Parodiebands der Welt eintauchst. Die Tvornica kulture hat also eines der besten Club-Konzerte des laufenden Jahres erlebt. Der Countdown bis zu dem Tag, an dem Steel Panther nach Zagreb zurückkehren — denn nach Slowenien werden sie nie kommen —, hat also begonnen. Vielleicht veranstalten sie beim nächsten Mal zwei aufeinanderfolgende Konzertabende. Glaubt mir, beide wären garantiert ausverkauft.
Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Steel Panther – Setlist:
1. Eyes of a Panther
2. Tomorrow Night
3. Asian Hooker
4. Just Like Tiger Woods
5. Friends With Benefits
6. Guitar Solo
7. Death to All But Metal
8. 1987
9. Ain’t Dead Yet
10. Weenie Ride
11. 17 Girls in a Row
12. Party Like Tomorrow Is the End of the World
13. Gloryhole





















