Marco Mendoza – die Rückkehr eines Bassgitarren-Herzstücks und eine Rock-Detonation in Portorož! (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
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Marco Mendoza
Freitag, 14. 6. 2024
Portorož / Rock’N’Roll Circus / Slowenien


Marco Mendoza ist ein Musiker, der so einige Geschichten auf Lager hat. In seiner Karriere hat er so ziemlich alles gesehen. Die letzte größere Band, mit der wir ihn erlebt haben, waren The Dead Daisies – aber wenn man dazu seinen beeindruckenden und erfolgreichen Seiltanz durch die Lineups von Größen wie u. a. Whitesnake, Ted Nugent, Thin Lizzy und Journey rechnet, ist klar: mit diesem Mann ist nicht zu spaßen.

Marco ist trotz allem Glanz, der ihm in seiner Karriere zuteilgeworden ist, bekannt als Liebhaber der heiligen Einfachheit. Er spielt gern in Clubs. Im Alleingang, meist mit zwei Kumpels – einem Schlagzeuger und einem Gitarristen. Im Trio-Format, bei dem Mendoza neben dem Bass auch die Lead-Vocals übernimmt. Das Album »New Direction« (2022) ist erst sein viertes Soloalbum, erschien aber nach dem Vorgänger »Viva La Rock« (2018) in einem vergleichsweise kurzen Abstand.

Eine neue Solotournee und ein neuer Besuch in Slowenien – diesmal an der Küste. Nach jenem Mai vor sechs Jahren, als er im Hangar Bar in Izola Station machte, führte ihn der Weg diesmal nach Portorož und in den dortigen Rock’N’Roll Circus, den auch unser Medium bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal besuchte. Der Mann rollte zum Konzertgelände vor wie ein großer Herr – in einem weißen Oldtimer, der in dieser Gegend öfter zu sehen ist. Am Steuer saß sein Besitzer: der stattliche Küsten-Rocker und Inhaber des The Rolling Stones Museums, Slavko Franca, der mit seiner Hingabe in diesem Teil Sloweniens drei Ecken des Rock’n’Roll zusammenhält, damit dieser nicht vollends in der Flut von Narodnjaki und anderem musikalischen Plunder versinkt, der in seinem Ausdruck exakt null Dezibel verzerrter Gitarren verträgt. Nachdem Slavko im Stil eines professionellen Taxifahrers Marco die Tür geöffnet hatte, schoss dieser wie ein Pfeil aus dem Beifahrersitz. Es war irgendwo um zehn Uhr abends. Dabei winkte Marco kurz ein paar Zuschauern am Clubeingang zu und verschwand ins Innere. Keine fünf Minuten später knallte es auf der Snare. Expresser Soundcheck – und dann direkt der Sturm auf die Bühne mit dem Opener Take It To The Limit vom neuesten Soloalbum »New Direction« (2022).

Das gute Stunde lange, mit erstklassigem Hard Rock gewürzte Konzert, bei dem Mendoza auf der Bühne Gitarrist Drew Lowe – am bekanntesten durch seine Zusammenarbeit mit den hervorragenden britischen Hardrockern Inglorious – sowie Schlagzeuger Chris Allan (Dan Byrne) zur Seite hatte, lief wie geschmiert. Messerscharf. Phrasen, die die tragenden Pfeiler des Venues ordentlich zum Wackeln brachten. Der Besuch hätte etwas größer sein können – gerade angesichts des freien Eintritts als konkreter Werbung. Aber klar ist: Generationengräben sind unüberbrückbar. Vor dem Club wimmelte es von Menschen, von Jugendlichen – überall, nur nicht auf einem Rock-Konzert. So läuft das eben. Naja, die Generation, die diese Musik in ihrer Jugend gelebt hat, sieht das ganz anders – und altert und reift gemeinsam mit Mendoza, dankbar dafür.

Als echter Bassist lieferte er wieder einmal eine exzellente Show ab. Energiegeladen, entschlossen und konkret bissig – gerade wenn man bedenkt, dass Mendoza fleißig Jährchen auf die Schultern lädt. Lowe und Allan haben ihre Position im Trio mehr als gerechtfertigt und in der Rolle von Tourneelegionären ihre Souveränität und Klasse bewiesen. Im Gleichklang der Professionalität. Marco hielt sich an die Standards, die wir von ihm gewohnt sind. Gestört hat nur der zu leise Gesang, was im Lauf der Minuten immer deutlicher zum Tragen kam. Aber der Mann hat mit seiner Charisma, seinem Anfeuern und Kokettieren – dem klassischen Arsenal der erfahrenen Routine – das Publikum durchgehend im gewünschten Element gehalten. Hoch auf den Schwingen. Und das hat alles aufgewogen.

Den Großteil des Repertoires widmete Marco der Präsentation seines neuesten Albums New Direction (das erwähnte Take It To The Limit, Scream And Shout, Light It Up, New Direction) sowie dem Vorgänger »Viva La Rock« (Sue Is On The Run, Sweetest Emotions, Rocket Man) – interessant war natürlich auch, den Adaptionen zu folgen, die diesmal weniger zahlreich waren als sonst bei seinen Solokonzerten üblich. Bereits im ersten Konzertteil verbeugte sich Mendoza vor seinem ehemaligen Arbeitgeber Ted Nugent, als das Trio ein feuriges Hey Baby hinlegte. Irgendwo in der Mitte kauften sich die Jungs bildreich Zeit mit dem ausgedehnten bluesrockigen Trauermarsch Hole In My Pocket, zu finden auf dem Album „Piranha Blues“ von „Besitzer“ Neal Schon – in dessen Mitte sie geschickt »Give Peace a Chance« einflochten und so, während das Publikum den Gesang übernahm, klug ihre Energie schonten. Im finalen Konzertteil spielte die Band auch den Thin Lizzy-Klassiker Chinatown.

Marco hat also mit seinen Kumpels genau das geliefert, weswegen wir gekommen waren. Erstklassiger Hard Rock und Rock’n’Roll-Party. Kurz, knackig. Ohne viel Umschweife. Mit vollem Frontalangriff. Die Gesangsleistung bleibt diskutabel – denn ungeachtet der erhöhten Aktivitäten des Tontechnikers, der bei schlechterer Gesangshörbarkeit zwischen dem Mikrofon und dem Mixer am Laptop hin und her sprang, wirkte es, als ob dem Mann gegen Ende des Auftritts die Puste ausging.

Aber wie gesagt. Charisma und souveräner Schuss auf den Schwingen ausgezeichneter Gitarrenphrasen und knackig federnden Rhythmus! Die Zutaten aus dem vorigen Satz garantierten also einen wunderschönen und energetischen Rock-Abend. Hoffen wir, dass die „neue Richtung“ von Marco Mendoza in erster Linie auf seine Solokarriere ausgerichtet ist – und dass er uns bald mit einem neuen Studioalbum besuchen kommt!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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