Therion auf der letzten Runde der „Leviathan“-Tour in Venetien (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
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Mitwirkende: Sathra (Vorband), Therion
Datum: Samstag, 9. 3. 2024
Ort: San Dona Di Piave (Venedig) / Revolver Club / Italien


Touren kommen. Touren von Therion! Bis in beneidenswert nahe Reichweite des ewig im Transit befindlichen Landes, was die meisten Metal-Angelegenheiten betrifft, die irgendwie nach traditioneller Melodiosität riechen. Und wieder sind wir in Italien. Zweiten Tag in Folge. Mitten in Venetien. Ein günstiger Samstagstermin, und vom Wohnort aus eine mehr als ‚angenehme‘ Entfernung von gerade mal 160 km einfach. Durch den Regenorkan ins Hinterland von Venedig, wo sich das Regenwetter bereits am zweiten Tag in Folge – und zur großen Überraschung – ausgerechnet der Industriezone der Ortschaft San Dona Di Piave und dem dortigen Revolver Club erbarmte. Den Tag davor, also am 8. 3. 2024, als alle in die Cvetličarna in Ljubljana zu Benč stürmten, musste Rockline eben auch das ‚Konzertvergnügen‘ mit Atheist in Cryptopsy im Revolver Club einfangen.

Diesmal standen nur zwei Bands auf dem Programm. Die Veteranen des Symphonic und Opera Metal, die Schweden Therion mit dem unerschütterlichen Kapitän Christofer Johnsson am Steuer, die mit dem dritten aufeinanderfolgenden „Leviathan“-Album Mitte Dezember 2023 die konzeptuelle Trilogie abgeschlossen haben, und die Newcomer bzw. Supportband – die finnischen Symphonic-Metal-Musiker Satra, die wenige Tage vor der Tour ihr Studio-Debüt „Sands Of Time“ das Licht der Welt erblicken ließen. In ihrem gut halbstündigen Auftritt lieferte Satra – ein Quartett – eine Vorstellung, die das Interesse an der Band auch für die Zukunft weckt. Der außerordentlich schöne Gesang der Sängerin Pilvi Tahkola, ein würdiger und für Newcomer ausreichend souveräner Auftritt. Ohne Revolution in Sachen künstlerischer Expression, unter Bedingungen, die sowohl angenehme Klangverhältnisse als auch Bühnenbeleuchtung boten. Fair von Therion gegenüber der jungen und talentierten Band, die sich durchkämpft und mehr Unterstützung braucht.

Therion sind absolute Legenden. Ihre Auftritte sind für ihre Perfektion bekannt. Sowohl was die Ausführung und den detailliert ausgefeilten Sound angeht, als auch das ausgearbeitete Bühnentheater, das filigrane Eingespieltheit und Abstimmung erfordert. Wenn sieben Leute auf der Bühne stehen, ist die Kalibrierung unerlässlich, sonst bricht das System zusammen. Und Therion ist zweifellos eine Band, die für das erstklassige Abliefern eingespielter Vorstellungen bekannt ist. Angesichts der ganzen Zeremonie bei ihren Auftritten ganz sicher. Barock-gotische Gewänder sind natürlich das obligatorische Begleit-Outfit, das während der Aufführung die Eindringlichkeit der Vorstellung vertieft und intensiviert.

Die Band bestückte die Bühne in folgender Besetzung: Christofer Johnsson (Gitarre), Christian Videl (Gitarre, Gesang), Thomas Vikström (Gesang), Lori Lewis (Gesang), Rosalía Sairem (Gesang), Sami Karppinen (Schlagzeug) und Chris David (Bass). Zum Auftakt schlug die Band mit der „Sirius B“ (2004)-Klassiker-Single The Blood of Kingu an, die klassisches Metal-Riffing der alten Schule mit einem direkten Uppercut besitzt. Ruler of Tamag, die Single vom neuesten „Leviathan III“-Album, steckte die Piste ab, über die die Band routiniert den zweistündigen Auftritt führte und das Publikum verwöhnte. Dieses hatte den Revolver überraschenderweise in geringerer Zahl besucht als am Tag zuvor, als hier Atheist in Cryptopsy gespielt hatten. Es waren wohl an die 350 Leute. Aber von ganzem Herzen dabei! Kein übermäßiges Gedränge. Nicht einmal in den ersten Reihen. Nach vorne konntest du jederzeit, wann immer du wolltest. In jeder einzelnen Konzertminute. Doch Therion bauten im Nu eine faszinierende Klangkulisse auf. Bei der Ausführung hörte man jedes Detail. Was bei dieser Band besonders beneidenswert ist, sind natürlich die Vocals, ihre Harmonisierungen, das Geflecht der Duette. Neben allen drei Sängerinnen und Sängern wirken in diesen Chören sowie den solistischen Melodielinien aktiv auch Gitarrist Christian Vidal und Bassist Chris David mit. Beide Mezzosopranistinnen lieferten einen erstklassigen vokalen Kontrast, Vikström ergänzte sie mit seiner theatralischen Variabilität, mit der er sich jederzeit im Handumdrehen während des Auftritts in einen Tenor verwandeln konnte. Zum Auftakt (The Blood of Kingu) evozierte er etwas ‚Halford-eskes‘, wobei er und Johnsson sich absichtlich und theatralisch einander gegenüberstellten, wie es die biblischen Metal-Urväter Judas Priest bei Konzerten tun (genauer gesagt Faulkner und Halford).

Obwohl die Band mit älterem Material für die zweite Konzerthälfte sparsam umging, ließ der erste richtige Klassiker aus der Neunzigerjahre-Ära der Band nicht lange auf sich warten! Birth of Venus Illegitima vom 26 Jahre alten Album „Vovin“. Einen ganz eigenen sinnlichen Genuss lieferte in der zweiten Konzerthälfte The Siren of the Woods aus dem Klassiker „Theli“ (1996), das die Band schon seit Langem nicht mehr ins Repertoire aufgenommen hatte.

Die Ausführung also makellos. Johnsson kann sich hier wirklich gelassen allem hingeben, was seine langjährigen Weggefährten auf der Bühne tun: der erfahrene Gitarrist Vidal, Schlagzeuger Karppinen, Vokalist Vikström, zusammen mit dem überzeugenden ‚Motorcycle Man‘ und Bassist Chris David, der Rückkehrerin und amerikanischen Sängerin Lori Lewis sowie der Newcomerin (wenn auch tourerprobten Legionärin) und äußerst überzeugenden Rosalía Sairem. Keyboards, Orchesterparts und zusätzliche Effekte waren hingegen eingespielte Aufnahmen. Die Tourkosten sind damit deutlich geringer, und die logistischen Dinge werden angenehm vereinfacht.

Zwei sicherlich mit Emotionen aufgeladene Stunden faszinierenden Herrschens von Therion – live in allen Facetten – vergingen rasend schnell. Es ist immer etwas Düsteres an dieser Band. Ein düsterer Magnetismus, den Johnsson während der gesamten Karriere stets um sich getragen hat. Mitgenommen aus der frühen Ära, als Therion sich noch wandelten (die ersten drei Alben). Therion funktionieren tatsächlich auf eine ganz eigene, einzigartige und unvergleichliche Weise. Ein anziehender Magnetismus, getragen von okkulter Thematik! Genau deshalb lassen sie sich in keiner Weise mit dem vergleichen, was aus der Genresphäre des Symphonic Power Metal kommt. Sie bleiben die theatralisch düstere Figur des exzellenten Seiltanzes auf den Grundelementen des klassischen Metals und der Oper.

The Rise of Sodom and Gomorrah vom Album „Vovin“ (1998) kündigte an, dass der Abschied nahte! Danach rief die Band die Anwesenden noch einmal dazu auf, ihre Reihen zu schließen und die Kehlen zu strecken, und Therion schlossen den exzellenten, klanglich brillanten und bis ins letzte Detail eingespielten Auftritt mit dem erwarteten „Theli“-Standard To Mega Therion ab! Die Legenden bleiben also die großen Meister ihres Handwerks! Eine Konzertvorstellung, mit der Therion das Publikum nicht nur begeistert, sondern es auch verzaubert und in Staunen versetzt hat!

Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Satra (Setlist):
1. From the Night
2. Sand of Time
3. Travellers
4. Stars
5. Secret Place
6. Shadow Engine
7. Scarecrow
8. Golden City

Therion (Setlist):
1. The Blood of Kingu
2. Ruler of Tamag
3. Birth of Venus Illegitima
4. Tuonela
5. Twilight of the Gods
6. Mon amour, mon ami (orig. Marie Laforêt)
7. La Maritza (orig. Sylvie Vartan)
8. Leviathan
9. Asgård
10. Morning Star/Black Diamonds
11. Ginnungagap
12. Litany of the Fallen
13. The Siren of the Woods
14. Aeon of Maat
15. Lemuria
16. Sitra Ahra
17. Quetzalcoatl
18. Eye of Algol
19. Son of the Staves of Time
20. The Rise of Sodom and Gomorrah
21. To Mega Therion


1 Comment
  1. hrabroslaw says

    Therion sem prvič videl leta 2004 v Cvetličarni v Ljubljani. In res, ta energija, ki jo dobiš z odra je neponovljiva! Še zmeraj po 20-ih letih!
    Naslednji koncert je bil leta 2007 , ko so bili na turneji skupaj s Sabaton in Grave Digger in nato še istega leta, ko so bili na turneji Adulruna Rediviva – 20 Year Celebration Tour. Za moj okus najbolša postava skupaj z Matsom Leven in Snowy Shaw-om na vokalih!
    In vsakič. ko vidim, da so Therion na turneji začnem iskat kje se jih da videt. Letos sem bil na koncertu v Belgiji in dve uri koncerta gresta mimo v trenutku! Koncerta se sploh ne da opisat! Četudi ne poznaš vseh besedil si lahko prepevaš melodije celoten koncert! Še zmeraj pa se po enem mesecu vsak dan vrti setlista s tega koncerta!
    Upam, da gredo na naslednjo turjeno prej kot v petih letih!

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