Massimo Savić, einer der angesehensten und unverwechselbarsten Vokalisten der kroatischen Rock- und Popszene – und eine jener Stimmen, die das Bild der breiteren regionalen Musikszene für immer geprägt haben – ist nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren gestorben. Seine Karriere begann er in der Band Dorian Gray, die 1983 ihr Studiodebüt „Sjaj u tami“ veröffentlichte; 1985 folgte das zweite Album „Za tvoje oči“. In den Folgejahren wurde er mit seiner Solokarriere zu einer echten Größe. Die Krönung seines Weges war der Konzertauftritt in der Zagreber Arena am 5. 11. 2022!
Savić starb am 23. 12. 2022 in Zagreb, genauer gesagt im dortigen Vinogradska-Krankenhaus, an den Folgen eines Lungenkarzinoms.
Die traurige Nachricht verkündeten als Erste seine Frau und seine Tochter auf Facebook:
„Vater, Ehemann, unser Stolz und unsere Liebe – Massimo Savić – hat uns nach einem kurzen, aber heldenhaften Kampf verlassen. Auch wenn er diese Welt verlassen hat, wird er in unseren Seelen ewig lächelnd, warm, stark, voller Liebe und künstlerischer Bildung weiterleben. Für immer bleiben wir deine Mädchen.“
Massimo wurde in Pula geboren. Schon als junger Mann galt er als außerordentlich talentierter Gitarrist, doch später entschied er sich, seiner Stimme den Vorrang zu geben, die ihn von jeher mit einer ganz eigenen Einzigartigkeit auszeichnete. Diese vokalen Besonderheiten entwickelte und verfeinerte Savić im Laufe seiner Karriere kontinuierlich und mit zunehmender Reife – womit er sich für immer den Ruf einer der markantesten und eigenwilligsten Stimmen sicherte, nicht nur auf dem Boden des ehemaligen Jugoslawiens, sondern in der gesamten Region. Mit einer kaum zu fassenden vokalen Ausstrahlung.
Massimo startete seine Karriere noch zu Studentenzeiten, als er 1982 die New-Wave-Art-Rock-Band Dorian Grey mitgründete. Die Gruppe, die unter dem Einfluss der damals aktuellen Klanginnovationen von Künstlern wie Brian Ferry und Roxy Music, David Bowie (‚Berliner Trilogie‘) sowie David Sylvain und Japan komponierte, veröffentlichte 1983 ihr Studiodebüt „Sijaj u tami“. Das Album verschaffte der Band mit dem gleichnamigen Titeltrack sofortige Bekanntheit – einem Cover des Walker Brothers-Hits The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore. Diesen Song hatte sein Urheber Frankie Valli bereits 1965 aufgenommen, doch brachte er The Walker Brothers mit ihrer Version ein Jahr später den größeren Durchbruch. Das Stück wurde später auch von Keane, Bruce Springsteen und Cher gecovert.
1985 veröffentlichten Dorian Gray ihr zweites Studioalbum „Za tvoje oči“. Aufgenommen wurde es in Schweden. Die Produktion übernahm Sjunne Ferger.
Die Gruppe löste sich ein Jahr später auf – bedingt durch wachsende interne Spannungen und finanzielle Schwierigkeiten. Auch Drogen forderten ihren Tribut. Bei den Aufnahmen zum zweiten Album verbrachten sie in Schweden doppelt so viel Zeit, wie Jugoton bereit war zu bezahlen, weshalb das Label von der Band verlangte, den verbleibenden Schuldenrest aus eigener Tasche zu begleichen. Der damalige Manager der Gruppe, Marijan Crnarić, schaffte es, eine Tournee mit 42 Terminen auf dem Gebiet Jugoslawiens auszuhandeln. Mit den Einnahmen deckten die Bandmitglieder lediglich Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten, während der gesamte Rest an das Label Jugoton ging.
Massimo Savić führte seine Karriere fort und wurde zu einem erfolgreichen Pop-Rock-Sänger. Zwischen 2004 und 2007 sowie 2012 gewann er fünf kroatische Porin-Awards als bester Sänger.
Nach Dorian Gray folgten Soloalben: „Stranac u noći“ (1987), „Riječi čarobne“ (1988), „Muzika za tebe“ (1989), „Zemlja plesa“ (1990), „Elements“ (1992), „Benzina“ (1995), „Massimo“ (2003), „Vještina I“ (2004), „Vještina II“ (2006), „Sunce se ponovo rađa“ (2008), „Dodirni me slučajno“ (2011), „1 dan ljubavi (2015)“, „Sada“ (2018).
Dank seiner dynamischen und unverwechselbaren Stimme arbeitete Massimo u. a. auch mit Pepsi Cola und Coca Cola zusammen; die Kriegszeit in Kroatien setzte ihm jedoch erheblich zu. In dieser Phase wandte er sich vollständig vom Schreiben neuer Musik ab.
Sein letztes Konzert gab Massimo am 5. 11. 2022 in der Zagreber Arena. Kurz vor dem Auftritt erfuhr er, dass er an Lungenkrebs erkrankt war. Sein Arzt riet ihm vom Auftritt ab, doch Massimo sagte das Konzert nicht ab – stattdessen schockte er den Arzt mit dem Vorschlag, dieser solle mit seinem Ärzteteam zum Konzert kommen und ‚hinter der Bühne‘ bleiben, falls dem Sänger während des Auftritts irgendetwas zustoßen sollte.
Auch wenn er vielleicht schon damals ahnte, dass das Konzert in der Arena sein letzter Auftritt sein würde, verabschiedete er sich von seinem 13.000 Köpfe zählenden Publikum, das an diesem Abend gekommen war, um ihn anzufeuern, mit dem Stil und dem Auftreten, das nur die Allergrößten draufhaben!
Mit seinem Abgang hinterließ er in der Region eine riesige Leerstelle – denn Massimo war bekannt für sein schwer greifbares Charisma vokaler Einzigartigkeit. Dieses Charisma strahlte mit aller Intensität und Wucht; die Leidenschaften und Gefühle, mit denen er seine Poesie aufgeladen hatte, konnten das Herz des Zuhörers entweder im Nu entflammen – oder es vollständig zum Bersten bringen.