Dario Cortese (28. 7. 1964 – 23. 7. 2021)
Mit kaum 57 Jahren hat uns Dario Cortese verlassen.
Dario war tief in die Welt der Musik eingetaucht. Vor allem in alle möglichen Inkarnationen des Alternativrocks, besonders aber zog ihn die avantgardistische Sprache des musikalischen Ausdrucks an, die keinerlei Grenzen kennt. Ganz besonders dann, wenn sie die wilden Eskapaden des ‚Exzentrizismus‘ zuließ. Je schräger die musikalische Botschaft, desto näher war sie Dario. Und umgekehrt. Dario arbeitete eine Zeit lang beim Label Nika Records und war auch Redakteur der Musikredaktion von Radio Študent. Außerdem spielte er in slowenischen Bands mit alternativrockigem Anstrich: Crazed Farmers, Bretones und Industbag.
Seinen Neuanfang erlebte Dario, als er sich entschied, in Cerkno zu leben. Er zog in die Gefilde des Herrschers — des mächtigen Porezna und seiner bergigen Geschwister. Dort knüpfte er echte Bande mit einer ungezähmten Welt, in der durch den Hauch des Windes noch heute wild und ungezügelt die Energiekräfte uralter Zeiten zusammenfließen und sich verweben und die den heutigen Menschen (be)reichern können. Dario wurde zum Stammgast aller musikalischen Veranstaltungen in Cerkno. Ob beim Besuch der bar Gabrijel im Rahmen des Festivals Keltika oder beim „stari plac“ im Programm des Festivals Jazz Cerkno — den Inhalt dieser Veranstaltungen, nicht bloß ihr Angebot, konnte sich niemand ohne Dario vorstellen. Erst recht nicht ohne seine schelmischen, grenzenlos witzigen und charmanten Einleitungsworte. Doch das war nur ein kleiner Teil von allem, was Dario den Menschen in Cerkno mitbrachte.
Wenn jemand wirklich ein Sohn der Natur war und die Natur seine Mutter, dann war das Dario. Sein außerordentliches Arsenal an Wissen und Erkenntnis, dem kein Ende zu setzen war und in dem er auf faszinierende und einzigartige Weise mehrere interdisziplinäre Wissenschaften miteinander verwob — durch selbst angeeignetes Lernen, angetrieben vom forschenden Abenteurergeist persönlicher Erprobung und Erfahrung —, fand seinen Weg zur Verkörperung eines wunderbaren und zauberhaften Tranks der Wahrheit. Einer Wahrheit, die mit ihm auf seinem Weg reiste. Die auch zu den Menschen reiste. All das verkörpern heute auch seine zahlreichen Aufzeichnungen in den vielen Büchern, die er hinterlassen hat. Viele Vorträge, viele Exkursionen, Lagerfeuerabende — und wenn nichts anderes, die Erinnerung an viele gemeinsame Treffen, bei denen sich stets eine lebhafte Debatte über den Nutzwert von Pflanzen entfachte. Sowohl in der Ernährung als auch zu Heilzwecken. Eine einzigartige und unwiederholbare Figur. Weiser, Meister, Heiler, Mentor, Schamane. Bei seinem Verlag PureZen sorgte Dario nicht nur für die Herausgabe von Büchern, sondern auch für eine stattliche Sammlung von Alben verschiedener Künstler, vor allem slowenischer — womit er durchgehend auch die Pflege der lebendigen Kreativität der slowenischen Musik im Blick behielt.
Er war ein Mensch, der mit seiner gelebten Charisma, kühnem Mut, Fokus und Visionärtum furchtlos seinen Weg ging. Mit seinem ansteckenden Lächeln, seiner Heiterkeit, seiner positiven Schwingung brachte er selbst die ‚verkrampftesten‘ und ‚verstocktesten‘ Gesichter zum Auftauen, bis auch sie zurücklächelten. Mit seiner herzlichen Lebensfreude weckte er die Herzen der Menschen auf und entfachte in ihnen den Funken der Freude. Ein mächtiger Mann. Wie ein Berg, den Stürme schleifen und meißeln, der sich aber nicht beugt. Ein Riese. Gewachsen und verwurzelt in Mutter Erde.
Dario. Lieber Freund. Wahnsinnig und sündhaft ist jeder Gedanke, dass ich diese Zeilen irgendwann würde schreiben müssen. Doch so wollte es das Rad des Schicksals. Worte reichen nicht — bei Weitem nicht. Und dieser Abschied ist ein bitterer Schmerz. Aber deine Worte, die sich in jedem Moment mühelos aus dem Gedächtnis rufen lassen, würden sofort jede Schwäche aus meinem Herzen vertreiben und deinen Weg, den Weg von hier in die Ewigkeit, in ein großes Fest verwandeln. Ich weiß, was du sagen würdest. Ich weiß, was du mir zuflüsterst. Dass der Tod eine unglaublich faszinierende Lebenserfahrung ist. Ich glaube, dass wir uns eines Tages — und das schon bald — wieder bei dir versammeln werden. All jene, in denen du den Glauben ans Gute geweckt und das Licht guter Taten entfacht hast. Auf jenen Wiesen makelloser Heiligkeit.
Dario! Du bist eine der schönsten und hellsten Seelen, die je unter uns gewandelt ist und uns gelehrt hat. Nun hat diese Seele am Himmel zu leuchten begonnen. Damit sie weiterhin das Licht des Universums ausstrahlt. Ewigen Erschaffens. Möge dein Licht leuchten. Auf uns alle, die wir das Glück hatten, dich kennenzulernen und nicht zuletzt zu bewundern.