Armored Saint beim exklusiven Club-Konzert in der Zagreber Močvara

Srečanje  s to kultno zasedbo je bilo sladko in to odtehta prav vse!

ALEŠ PODBREŽNIK
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Auftretende: Armored Saint, Flesh
Datum
: Samstag, 10.11.2018
Ort: Zagreb, Močvara, Kroatien


Erinnert sich noch jemand an die kultigen Old-School-Metaller aus Los Angeles, Armored Saint? Unglaublich. Einen Katzensprung von Ljubljana entfernt, nämlich in der kroatischen Hauptstadt Zagreb, haben sie sich einen Tag vor dem Martinstag blicken lassen. Es war ein Samstag. Auf dem Programm standen insgesamt neun europäische Termine, und obendrein spielten sie bei allen das komplette Album »Symbol of Salvation«, das einst im Jahr 1991 erschienen ist. Zur Darbietung des kompletten »Symbol of Salvation«-Albums gesellten sich noch ein paar Leckerbissen von den ersten drei Alben sowie der ein oder andere Track aus dem aktuellen »Win Hands Down«, und ein echter Old-School-Metal-Fan war von all der Vorfreude und Begeisterung kaum noch zu halten.

Neben Zagreb also noch acht weitere Termine, und Armored Saint schickt für das sogenannte »Symbol of Salvation«-Programm ins Rennen: John Bush (Gesang), Joey Vera (Bass), Phil Sandoval (Gitarre), Gonzo Sandoval (Schlagzeug) und Jeff Duncan (Gitarre)! Ein Mini-Club-Spektakel natürlich. Nichts besonders Weltbewegendes, aber trotzdem ein totaler Exklusivauftritt.

Für das Aufwärmen zu Beginn sorgten die Zagreber Heavy-Metal-Matadoren Flesh. Das Trio, das seit 2004 aktiv ist und ein gleichnamiges Studio-Debüt aus dem Jahr 2014 im Gepäck hat, erwies sich als sehr glückliche Wahl. Ein sehr gut eingespieltes Combo – an Souveränität und Selbstbewusstsein mangelte es dem Trio keineswegs. Hervorragendes gegenseitiges Gespür, man spürt die Meilen und die Erfahrung. Die Band überzeugte mit Herzblut und außerordentlicher Konzentration. Die soliden Bedingungen trugen dazu bei, dass Flesh die verfügbare Zeit von gut einer halben Stunde für ihren Auftritt optimal nutzten und überzeugten, dass es sich um Heavy-Metal-Revitalisten handelt, die zwar keine musikalische Revolution bringen, deren Phrasen aber einen ausgearbeiteten, unverwechselbaren Charakter tragen, der sich mit zündenden Soli und wutentbranntem Gesang zu einem eingängigen Streifzug durch das Erbe des Heavy Rock, der N.W.O.B.H.M.-Bewegung und der alten Schule des klassischen Priest-Riffs vereint. Flesh sind auch äußerst erfolgreich darin, den verfügbaren Bühnenraum zu füllen, denn auf der Bühne stehen nur drei Mann. Bassist und Sänger, Schlagzeuger und Gitarrist. Eine Band, die weiß, was sie tut und was sie will.

Armored Saint lieferten ein hervorragendes Repertoire und einen längeren Auftritt, als zu erwarten war. Er dauerte fast zwei Stunden. Es hatten sich etwa 250 Köpfe eingefunden – heiß und aufgeheizt. Die Band legte mit dem Banger March Of The Saint (March of the Saint, 1985) ganz nach Old-School-Manier los und das Publikum drehte durch und begann, seine Ketten zu sprengen! Unglaubliche Begeisterung. Die Band verbarg ihre gute Laune nicht und steigerte die Stimmung allmählich mit der Darbietung des »Delirious Nomad«-Klassikers Long Before I Die, auf den schnell Chemichal Euphoria (»Rasing Hell«, 1987) folgte. Die Stimmung in der Močvara war auf die richtige Temperatur aufgeheizt, und John Bush machte sich gemeinsam mit seinen Armored Saint-Kumpanen also an die Darbietung des Albums Symbol of Salvation. Den Hauptteil des Konzertabends mit der Band begleitete durchgehend ein lautes und ausgelassenes Publikum, das in den vorderen Reihen wie festgenagelt bewies, dass ihm die Texte des Albums bestens vertraut sind. Die Chemie stimmte, und diese gewaltige Euphorie der Menge trug die Band buchstäblich auf Flügeln.

Armored Saint sind Club-Auftritte gewohnt und fühlen sich an Spielorten wie der Močvara pudelwohl. Dass sie hervorragend spielen, muss man nicht extra betonen. Alles stimmte. Im spielerischen Sinne alles. John Bush hält sich auf beachtlichem Niveau und meisterte die gesangliche Darbietung überzeugend. Die hohen und höchsten Lagen dienten ihm gut. Da ist der legendäre Bassist Joey Vera, der im Januar dieses Jahres mit Fates Warning im Ljubljaner Orto Bar aufgetreten ist. Neben Bush, der für sein Singen bei Anthrax bekannt ist, ist Vera sicher der klangvollste Name der Truppe. Wieder hämmerte und grub er intensiv in seinen Bass, beide Gitarristen glänzten in der Feinmechanik des Solierens, und Gonzo hielt die Stücke mit Kanonenschlägen zusammen.

Nur eines stimmte nicht. Der Sound. Der war katastrophal – ich erinnere mich eigentlich nicht, wann mir nach einem Konzert noch den ganzen nächsten Tag der Kopf gebrummt hätte. Ein echter Klangjunkie, dem das Armored Saint-Fandom nichts bedeutet, wäre bei einer solchen Beschallung augenblicklich vom Konzert nach Hause gegangen. Das war auch der Hauptgrund, warum das Konzerterlebnis einen schwarzen Punkt erhielt. Schlechtes Soundsystem also. Bei ansonsten hervorragender Clubatmosphäre waren die Klangbedingungen also verheerend. Die Riffs dröhnten, die Soli waren kaum zu unterscheiden, und Bush war in dem Durcheinander zeitweise überhaupt nicht klar zu hören.

Wie auch immer. Das Zusammentreffen mit dieser Kultband war süß, und das macht einfach alles wett! »Symbol Of Salvation« ist ein außerordentlich starkes Album, und das Publikum, das es offensichtlich gründlich studiert und sich zu eigen gemacht hatte, rettete mit seiner Intensität tatsächlich einzelne Songs – denn die Mitarbeit des hingerissenen Publikums übernahm den Vorrang vor der Tatsache des schlechten Sounds und schob ihn dankbar in eine »inferiore« Position. Die Band webte in die erste Zugabe zunächst den Titeltrack des aktuellen Albums »Win Hands Down« ein, auf den noch zwei March of the Saint-Klassiker folgten, nämlich Can U Deliver und das erwartete Mad House. Als es bereits so aussah, als ob das Konzert vorbei wäre, rief das lautstarke und unersättliche Publikum Armored Saint noch einmal auf die Bühne, und die Jungs widmeten sich noch einem »Delirious Nomad«-Track namens Nervous Man und schlossen damit ihren Zagreber Auftritt ab. Man kann sagen, dass sie ihr Optimum abgeliefert haben. Alles im Rahmen der Erwartungen. Tatsächlich ein Auftritt für die Fans der Band. Hervorragendes Repertoire. Echte Fans der Band kamen voll auf ihre Kosten. Nur der Sound trübte den Gesamteindruck, ansonsten aber keinerlei Beanstandungen.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


Setliste:
1. March of the Saint
2. Long Before I Die
3. Chemical Euphoria
4. Reign of Fire
5. Dropping Like Flies
6. Last Train Home
7. Tribal Dance
8. The Truth Always Hurts
9. Half Drawn Bridge
10. Another Day
11. Symbol of Salvation
12. Hanging Judge
13. Warzone
14. Burning Question
15. Tainted Past
16. Spineless
—Zugabe 1.—
17. Win Hands Down
18. Can U Deliver
19. Mad House
—Zugabe 2.—
20. Nervous Man

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