Green Day und die Revolution in Stožice (2017)

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Ort: Ljubljana / Arena Stožice / Slowenien
Datum: Dienstag, 06.06.2017


Die amerikanischen Giganten Green Day betraten slowenischen Boden zuletzt im fernen Februar 1998, zum ersten Mal jedoch zwei Jahre zuvor, als sie mit dem megaerfolgreichen Album Dookie (bis dahin) auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes standen. Mit späteren Alben erreichten sie zwar nicht mehr den Erfolg, den sie mit Dookie gesetzt hatten, blieben bei ihren Fans aber trotzdem relevant – bis der 2004 erschienene American Idiot sie in die Liga globaler Phänomene katapultierte. Mit der gesellschaftskritischen Platte, einer Allegorie auf Bushs Amerika, brachen sie Rekord um Rekord, eroberten damit Platz eins der Billboard-Charts, gewannen einen Grammy für das beste Rockalbum und spielten ihre bis dahin längste Tour. American Idiot lebte bald auch als Broadway-Musical weiter, und Green Day veröffentlichten vergangenes Jahr ihr aktuelles Studioalbum Revolution Radio, das sie auf der aktuellen Tour vorstellen. Der echte Geist des Punk (die Debatte darüber, ob Green Day das jemals wirklich waren, verschieben wir auf ein anderes Mal) verblasst angesichts all dieser Erfolge eigentlich völlig – trotzdem ist klar, dass Green Day im Amerika von Donald Trump wieder so aktuell und relevant sind wie zu Zeiten von American Idiot.  

Den rechtgläubigen Punkern waren die kalifornischen Rancid wegen ihres deutlich geringeren kommerziellen Kalibers ohnehin mehr auf den Leib geschrieben als Green Day – und sie liefen pünktlich zur angekündigten Zeit auf die Bühne. Die Kultband, die dem Mainstream Anfang der Neunziger wieder in Erinnerung rief, dass es so etwas wie Punk noch immer gibt, spielte in ihrer viertel Jahrhundert langen Karriere hier bei uns sogar zum ersten Mal und überzeugte mit ihrem recht ursprünglich klingendem Punk. Rancid trafen vor allem mit der Setlist ins nostalgische Herz, die größtenteils aus Songs des kultigen … And Out Come the Wolves bestand – mit lautem, fetzendem Sound und genau der richtigen Portion Schmutz, was vor dem Hochglanz der neueren Green Day echtes Manna für die Ohren war. Rancid färbten unter der Führung des energischen Tim Armstrong die erste Hälfte ihres Auftritts mit kompromisslosen Punk-Songs, unterbrochen von der Neuheit Ghost of Chance (vom neuen Album Trouble Maker, das morgen bei Epitaph erscheint), während die zweite Hälfte, als sich den Jungs auf der Bühne noch ein Keyboarder anschloss, deutlich mehr nach Ska klang. Rancid verabschiedeten sich nach guten vierzig Minuten mit ihrem größten Hit Ruby Soho und hatten das Publikum in Ljubljana gerade genug aufgewärmt für den Auftritt der Stars des Abends.

Während des Wartens auf beide Bands war das genremäßig passende musikalische Warm-up schön zu hören (Bad Religion, NOFX), und die gut gefüllte Halle explodierte vor Begeisterung, als aus den Lautsprechern das ewige Bohemian Rhapsody dröhnte – das den Beginn des Green Day-Auftritts ankündigt. Noch bevor Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tre Cool die Bühne betraten, unterhielt und begeisterte zur Ramones-Hymne Blitzkrieg Bop ein tanzender rosa Hase das Publikum, und das lang ersehnte Trio lief dann zu den Klängen von Morricones Ecstasy of Gold auf die Bühne. Die Halle hätte vor frenetischer Begeisterung fast das Dach verloren, Green Day begrüßten Ljubljana mit dem hymnischen Know Your Enemy vom aktuellen Album. Billie Joe hatte die Halle in den ersten Sekunden des Konzerts in seinen Klauen und ließ sie bis zum absoluten Ende nicht mehr los – auch mit Aufrufen gegen Homophobie, Rassismus und, klar, The Donald. Der charismatische und bestens aufgelegte Frontmann zog schon in den ersten Minuten des Konzerts einen Fan auf die Bühne, der ein paar Verse mit ihm sang und danach einen Stage-Dive vom Bühnenrand hinlegte. Die Energie in der Halle war durchgehend auf hohem Niveau, und die Hitze wurde noch weiter angeheizt durch Pyrotechnik und Feuerelemente, die die Show und die Explosivität des Geschehens auf (und unter) der Bühne noch weiter steigerten. Der Blick auf die grandiose Stimmung in der Halle von der roten Tribüne aus war in manchen Momenten wirklich gänsehauterzeugend! Die jugendlich aufgelegten Vierzigjährigen überzeugten vor allem dank des wilden Armstrong auch jene, die das Konzert nur aus nostalgischen Gründen besuchten. Der Herr des Bühnengeschehens gewann die Stožice auf seine Seite – mit zahlreichen Dankesfloskeln auf Slowenisch, dem Einhüllen in die slowenische Flagge und dem Abschießen von Gratis-Shirts aus der »T-Shirt-Gun« – vor allem aber mit einem herzerwärmenden Moment, als er ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne einlud und ihr für ein paar Akkorde die Gitarre umhängte, die sie dann mit nach Hause nehmen durfte. Green Day unterbrachen die anfängliche Reihe neuerer Songs mit dem uralten 2000 Light Years Away vom Album Kerplunk und trieben danach die Temperatur mühelos mit Hits wie When I Come Around, Minority, Basket Case, She und King For a Day nach oben – sowie einem Medley der Klassiker Shout/Satisfaction/Always Look on the Bright Side of Life/Hey Jude, während dem sich die halbe Band auf der Bühne herumrollte. Den ersten Teil des Konzerts beschlossen Green Day mit Forever Now, im Encore explodierten sie dann fast buchstäblich mit American Idiot, das das Publikum Armstrong mit ganz besonderem Eifer mitsang. Eine Überraschung war noch die balladige Jesus of Suburbia, und im letzten Encore verabschiedete sich nur Armstrong mit einer akustischen Gitarre vom Publikum. Zunächst servierte er der Halle Ordinary World vom aktuellen Album, und zum absoluten Schluss noch die erwartete, aber wunderschöne Interpretation des immergrünen Klassikers von Nimrod, Good Riddance (Time of Your Life).

Die große Mehrheit der Anwesenden in der Halle erlebte diese zwei Stunden wirklich als »time of their lives«, und Green Day überzeugten mit dem Gebotenen wohl auch die Skeptiker. Punk oder nicht Punk – egal: Green Day haben mit ihrer Energie und ihrer Positivität bewiesen, dass sie derzeit eine der besten Live-Bands sind.

Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

RANCID:
1. Radio
2. Roots Radical
3. Maxwell Murder
4. Ghost of a Chance
5. Telegraph Avenue
6. East Bay Night
7. Olympia WA.
8. Nihilism
9. Time Bomb
10. Ruby Soho

GREEN DAY:
1. Know Your Enemy
2. Bang Bang
3. Revolution Radio
4. Holiday
5. Letterbomb
6. Boulevard of Broken Dreams
7. Longview
8. Youngblood
9. 2000 Light Years Away
10. Hitchin‘ a Ride
11. When I Come Around
12. Minority
13. Are We the Waiting
14. St. Jimmy
15. Knowledge
16. Basket Case
17. She
18. King For a Day
19. Shout Medley
20. Still Breathing
21. Forever Now
— Zugabe 1 —
22. American Idiot
23. Jesus of Suburbia
— Zugabe 2 —
24. Ordinary World
25. Good Riddance (Time of Your Life)


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