Panzerdivision mit Primal Fear und Riot V verwüstete auch Graz (2018)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Graz / Explosiv / Österreich
Konzertdatum: 23.10.2018
Besucherzahl: 200
Kartenpreis: 30,10€

Primal Fear und Riot V auf gemeinsamer Tour! Salzburg, Ljubljana, Graz! Für slowenische Fans der Bands eine äußerst günstige Situation, die es sich lohnt auszunutzen. Nach dem Auftritt in Ljubljana am 21.10.2018 folgte ein Pausentag, danach der Aufbruch in die österreichische Steiermark und unser aller geliebtes Graz, wo wir schon unzählige großartige Konzerte erlebt haben. In Graz haben sowohl Primal Fear als auch Riot V überhaupt zum ersten Mal in ihrer Karriere gespielt. Klub Explosiv. Fasst vielleicht 500 Leute, wenn er brechend voll ist. Die Bands bekamen dieses Mal einen geringeren, ich würde sagen unbefriedigenden Zuspruch vom Publikum – gerade mal eine knappe Handvoll von 200 Leuten, eher weniger als mehr, begleitete die Auftritte.

Wobei sich Existance, die französischen Heavy-Metal-Revivalisten, den mageren Empfang nicht allzu sehr zu Herzen genommen haben. Als sie auf der Bühne standen, waren vielleicht 40 Leute in der Halle. Existance befinden sich noch in der Phase, in der sie sich erst ihren Platz auf der Metal-Landkarte erarbeiten müssen. Und unfassbar: Sogar Existance strichen dieses Mal zwei Songs aus der Setlist – nämlich die Eigenkomposition Steel Alive sowie das abschließende Gwendoline, eine Coverversion. Das Original stammt nämlich von der alten französischen Heavy-Metal-Band H-Bomb – in Ljubljana konnten wir es noch hören. Wie immer waren Existance auch diesmal solide und schwungvoll. Die Band nutzte zudem den Podest, auf dem bereits das Schlagzeug von Riot V und Primal Fear aufgebaut war, und sorgte damit für noch mehr Dynamik im Konzertablauf. Der Sound durchgehend solide. Wie schon in Salzburg und Ljubljana überzeugten Existance auch in Graz und machten klar, dass man diese Band in Zukunft unbedingt im Auge behalten sollte.

Riot V kamen mit so etwas wie einem Pflichtminimum auf die Bühne. Genauer gesagt mit der regulären Setlist (minus Swords And Tequila). Das bedeutet, dass auch sie ihr Set kürzten und die Favoriten aus dem eisernen Repertoire sowie einige der neuesten Songs vom aktuellen Album »Armor Of Light« spielten.  Unter den Klassikern führte erwartungsgemäß das Album »Thundersteel« mit den Songs Flight of the Warrior, Johnny’s Back, Bloodstreets und dem abschließenden Thundersteel. Insgesamt neun Songs – das bedeutet, Riot V strichen drei aus dem Programm bzw. dem Konzertrepertoire der aktuellen Tour. Die Tour neigt sich dem Ende zu, eine leichte Müdigkeit macht sich bemerkbar, auch die Gesundheit der Bandmitglieder ist angeschlagen und strapaziert. Alle haben die Heimkehr im Kopf. Das bedeutet aber nicht, dass Riot V zufällig auch die Klasse aus dem Programm gestrichen haben. Daran mangelt es ihnen nicht. Erneut verblüfften sie mit außerordentlichem Zusammenspiel, unglaublicher Agilität, Routine und Erfahrung – Elemente, die man nur durch jahrelanges Schuften und Verzichten erwirbt.  Großartige Einzelpersönlichkeiten und eine phänomenale Chemie im Team. Man kann nur hoffen, dass sich irgendwann die Gelegenheit ergibt, dass die Band als Headliner auftritt und so ein zweistündiges Set spielt. Das Gesamtwerk von Riot ist nämlich grandios und verdient es, wann immer sich die Konzertgelegenheit dazu bietet, konkret zum Leben erweckt zu werden.  

Primal Fear spielten als Hauptakteure der Tour und Stars des Abends exakt dieselbe Setlist wie zwei Tage zuvor in Ljubljana. Die Bühne war, verglichen mit der in Šiška, diesmal wirklich deutlich kleiner, dazu auch deutlich schlechterer Besuch – obwohl das nicht der erste Grund für die gewisse Zurückhaltung der Band sein sollte. Wahrscheinlich haben die Jungs begonnen, ihre Kräfte zu schonen, angesichts der Tatsache, dass die Tour zu Ende geht und vor allem Ralf Scheppers eine gewisse Müdigkeit anzumerken ist. Diesmal sprach Ralf wieder mit dem Publikum – logischerweise – auf Deutsch. Dennoch gelang es ihm nicht, aus dem Publikum Reaktionen von delirantem Ausmaß herauszuholen, wie das zwei Tage zuvor in Ljubljana der Fall war. Ganz einfach: Es waren zu wenig Leute vor Ort. Dazu muss man kaum extra erwähnen, dass unsere nördlichen Nachbarn als eher zurückhaltendes Publikum gelten – und zudem deutlich verwöhnter sind. Die Band trat in bewährter Manier auf. Getragen von einer Musik voller außergewöhnlicher Gitarrenphrasen, die einem die Haut vom Leib reißen, sowie den hochfliegenden Refrainmelodien des einzigartigen Ralf Scheppers. Vor allem wenn du ein Fan des klassischen Ansatzes im deutschen Heavy Metal und der Musik von Judas Priest bist, wirst du bei der Musik von Primal Fear garantiert auf deine Kosten kommen. Zwar fehlten in der Setlist schmerzlich die Klassiker aus der früheren Schaffensphase der Band, doch haben Primal Fear mit einer Reihe hervorragender Werke der späteren Ära bewiesen, dass es kein Drama ist, wenn man die Klassiker der eisernen Zeiten gelegentlich auslässt. Auch mit Produktionen unter dem Dach von Frontiers Records, wie dem neuesten „Apocalypse“, haben Primal Fear die volle Qualität beibehalten, und ein künstlerischer Aufschwung ist ebenfalls spürbar – was für verbissene und strenge Fans der alten Ära der Band fast schon blasphemisch ist. Ohne zu viel zu philosophieren: Primal Fear sind ein äußerst erfahrenes Team aus fünf außergewöhnlichen Musikern, die Heavy Metal seit Jahren gemeinsam leben und atmen. Nicht nur bei Primal Fear, sondern auch in anderen Projekten und Bands (Voodoo Circle, Sinner, Rock Meets Classics, Jorn,…). Die Bindungen zwischen ihnen sind außergewöhnlich, und am stärksten spürt man das bei den geschliffenen Gitarrenpassagen und den geteilten Soli der herausragenden Gitarristen Alex Beyrodt und Tom Naumann. Fighting the Darkness hat wieder gekillt! Beim Konzert kam es dazu, dass jemand aus der Menge, ganz aus dem hinteren Teil des Clubs, ein Bierglas auf die Bühne warf, was besonders den Veteran Mat Sinner aufbrachte, der dabei seine Verärgerung nicht verbarg. Er trat an den Bühnenrand, starrte finster nach vorne, knurrte dabei etwas – wobei man auch das Wort »scheisse« heraushören konnte –, und trat dann zu dem neugierigen Naumann, um ihm zu erklären, was passiert war. Es gibt Bands, die bei solchen Vorfällen seelenruhig das Konzert beenden und die Bühne verlassen würden.

Endlich eine Tour von Primal Fear, die auch nach Slowenien und zu ein paar Konzerten einen Steinwurf von unserer Grenze entfernt führte. Das haben wir weidlich genutzt und wurden dafür auch konkret belohnt. Wenn du ein Fan der alten Schule des Heavy Metal bist, geht es einfach nicht anders. Die Eindrücke sind intensiv und haben sich noch nicht gelegt, und wir richten unsere Blicke bereits in die Zukunft und auf neue Konzertdaten von Primal Fear und Riot V.  

Setlist

PRIMAL FEAR:
1. Apocalypse (aufgenommenes Intro)
2. Final Embrace
3. Blood, Sweat & Fear
4. Face The Emptiness
5. Hounds of Justice
6. The Ritual
7. Schlagzeugsolo
8. Nuclear Fire
9. Eye of the Storm
10. King of Madness
11. The End Is Near
12. When Death Comes Knocking
13. Metal Is Forever
—Zugabe—
14. Fighting The Darkness
15. In Metal We Trust

RIOT V:
1. Victory
2. Flight of the Warrior
3. Johnny’s Back
4. Heart of the Lion
5. Bloodstreets
6. Take Me Back
7. Angel’s Thunder Devil’s Reign
8. Warrior
9. Thundersteel

EXISTANCE:
1. Heavy Metal Fury
2. Legends Never Die
3. Dead Or Alive
4. We Are Restless
5. Breaking the Rock
6. From Hell

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