Auch Le Serpentine und Bad Notion beim Cmakajn ’18 gelandet

0 6

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Cerkno / C.M.A.K. / Slowenien
Konzertdatum: 15.09.2018
Besucherzahl: 70
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Das diesjährige »Cmakajne« (insgesamt bereits das zwanzigste in Folge) ist wieder farbenfroh und abwechslungsreich. Das zentrale Wochenende dieses Septembers lieferte dem Club C.M.A.K. und Cerkno das Konzert zweier äußerst interessanter Bands. Besonders deshalb, weil zwischen ihnen klare Genregrenzen stehen. Diesmal kein Hauch von Metal. Le Serpentine aus Kranj sowie die Laibacher Bad Notion. Beide Bands haben in diesem Jahr fünf Jahre ihres Bestehens vollendet. Le Serpentine haben ihr Debütstudioalbum (»Ujemi val«, 2015) bereits in der Tasche, Bad Notion kündigen ihres für diesen Herbst an.

Le Serpentine betraten als Erste die Bühne. Sie gelten als Band, die im Grunde dem Alternative Rock zuzuordnen ist, dabei aber ein ausgeprägtes Gespür für Musikalität trägt — die Riffs sind richtig fett und grollen mächtig, bassig geschärft und voluminös. Die Band baut auf einer kraftvollen und reizvollen rhythmischen Kinetik mit einem fett und klar herausgestellten »Groove«-Bassfundament, angeführt von einem charismatischen Frauenvokal, der in Momenten richtig aufbrausend sein kann, aber auch mild, zart und weich. Die drei Liebhaber amerikanischer Baseballkappen  und das Mädel haben in den vier Jahren, seit wir ihnen auf dem Pržan begegnet sind, einen deutlichen Sprung in ihrer künstlerischen und darstellerischen Reife gemacht. Neben dem Durchspielen des aktuellen Albums servierten sie auch schon einige Neuigkeiten (Skalca, Jrm, Veselja krik, Le naprej, Friends, Črnobel), was darauf hindeutet, dass ein neues Studioalbum vor der Tür steht. In der Musik spürt man die Einflüsse von Bands wie Nirvana, Soundgarden,… gleichzeitig ist es aber auch beeindruckend, dass es mehrmals nach New Wave gerochen hat, der auf den Britischen Inseln in den Achtzigern auf den Schwingen künstlerisch »fortschrittlicherer« Punkbands entstanden ist. Ein außerordentlich straffer und kompakter Auftritt, der in jeder Hinsicht begeistert hat und überzeugte, dass Le Serpentine die Anlaufschwierigkeiten beim Sammeln von Erfahrungen und Bühnenmeilen erfolgreich überwunden haben und sich so zu einem Quartett mit ausgefeiltem musikalischem Fokus und einer ihnen eigenen musikalischen Charisma entwickelt haben, das auch das richtige Maß an musikalischer Zugänglichkeit besitzt, wie es im gesunden Umfeld des musikalischen Mainstreams auch die Radiowellen mühelos aufnehmen können.

Bad Notion ist eine Band, die im Sinne der heutigen Reichweite des slowenischen Rocks als eine Art Sensation gilt. Weit davon entfernt, dass Blues bei uns nie gespielt worden wäre, handelt es sich bei diesem Trio um den Botschafter einer neuen Generation — das heißt einer Generation, die beim Komponieren alles andere greift als die Doktrin des Blues-Genres, das genaue Gegenteil. Eigentlich mit dem Feuer und der Leidenschaft des Blues-Purismus, der aber durchaus kraftvoll mit längeren instrumentalen Jams durchzogen sein kann, bei denen Spontaneität und das »Unerwartete« an die Oberfläche treten. Blues Rock, der auch richtig solide mit Funk-Kinetik unterfüttert sein kann. Nach den Prismojeni profesorji bluesa, die die Blues-Doktrin irgendwie in neueren Zeiten aufgefrischt und durch ihre Tätigkeit wieder in den Fokus der Massen gebracht haben, wirken Bad Notion besonders anziehend. Auch hier handelt es sich um eine Band, die mit kräftiger Blues-Rhetorik ausgestattet ist, nur dass sie an den Blues deutlich anders herangehen als die Prismojenci. Bad Notion wird vom Gitarristen Grega Smola Crnkovič angeführt, der in seinen zarten Mitte Zwanzig ein Mann von erstaunlichen technischen Fertigkeiten ist. Wenn Julijan Jimi punktgenau studiert hat, ist Grega anders gestrickt. Clapton hat er rasch verarbeitet »und hinter sich gelassen«, greift aber nach einer unglaublich souveränen Beherrschung der Werke von Stevie Ray Vaughan und überrascht damit besonders mit technischer Fertigkeit, außerordentlicher Kontrolle über das Instrument sowie mit einer farbenfrohen Landschaft sinnlich dosierter Töne, die einiges an manueller Feinmechanik verlangen, um die eigenen Gefühle auf die richtige Weise durch die Finger in den Körper des Blues zu bringen. Authentizität, Organik und Sinnlichkeit. Emotionen.   Auf der Setlist des gespielten Repertoires überwiegend eigener Natur ereigneten sich einige unterhaltsame (zusätzliche) Überraschungen. Von Stevie Ray Vaughan, über B.B. King, bis hin zu Michael Landau. Der Blues, den dieses schlagkräftige Blues-Rock-Trio pflegt, trägt die Ansätze und das Potenzial für ein ausgiebigeres Flirten ihres Blues Rocks mit Jazz — aber das lassen wir für die Zukunft. Bad Notion haben auch keine Probleme damit, Latino-Rhythmen (der unterhaltsame Bossanova-Rhythmus im Stück »Bossa Noga«) mit Blues zu kreuzen. Das Trio steckt voller Feuer und Dynamit in dem Wunsch, sich zu beweisen. Sie hätten die ganze Nacht im C.M.A.K. spielen können, wäre es erlaubt gewesen. Unglaubliche Energie, aber auch Spontaneität. Hervorragendes Zusammenspiel, echte Spielchemie zwischen Rok, Žiga und Grega, die ihr Konzertoptimum erreicht hat. Ein Auftritt, bei dem du (Ehr-)furcht verspürst, auch wenn dir die Band nach dem Konzert bescheiden sagen wird, dass es jede Menge Fehler gab und was weiß ich was noch alles, und dass man es mit dem Lob keinesfalls übertreiben solle. Also: Bad Notion ist eine Gruppe, die unglaubliches Potenzial trägt und mit ihrer Aufrichtigkeit, Herzlichkeit und Unverfälschtheit äußerst wichtig für die slowenische Mini-Welle des Blues-Revivals ist, die die Prismojeni profesorji bluesa vor einiger Zeit so offenherzig und authentisch entfacht haben.  

Bildergalerie

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki